Adventskalender

1. Dezember: Der Aussätzige: „Wenn du willst…“

Die Begegnung des Aussätzigen mit Jesus schildert uns die Bibel in Markus 1,40-45.

Einsamkeit. Vermutlich gab es keine Minute, in der dieser Mann sie nicht spürte. Seine Krankheit verurteilte ihn zu einem schleichenden, beschämenden Tod. Das Gesetz verlangte: „Unrein! Unrein!“ – zu rufen, sobald sich ihm jemand näherte. Er musste sein Gesicht verhüllen und Abstand halten. Kein Kontakt, keine Gemeinschaft, kein Zuhause.

Seinen Namen erfahren wir nicht. Die Krankheit hatte ihn nicht nur körperlich gezeichnet, sondern vollständig isoliert. Selbst der Versuch, sich irgendwie unter Menschen zu mischen, war in seinem Zustand unmöglich – das berichtet auch Lukas (5,12).

Doch irgendetwas hatte er von Jesus gehört. Während er selbst aus Sicht seiner Zeit ganz unten stand, befand sich Jesus am entgegengesetzten Ende der Reinheit: Reiner konnte man nicht sein. Und das wurde nicht infrage gestellt.

Was trieb diesen Mann an, trotz aller Verbote auf Jesus zuzugehen?
War es Verzweiflung? Einsamkeit? Hoffnung auf Heilung?
Oder die Erkenntnis, dass er nichts mehr zu verlieren hatte?

Er wagt das Verbotene. Er tritt zu Jesus und bittet nicht um Heilung, sondern um Reinigung (Markus 1,40). Die Unsicherheit bleibt: „Wird er wollen?“ Die Macht Jesu ist für ihn selbstverständlich – doch ob er es auch will, weiß er nicht.

Jesus reagiert auf drei Ebenen. Er bekräftigt sein Verhalten emotional (erbarmt sich), spricht von Reinheit und unternimmt die reinigende Berührung:

„Da erbarmte sich Jesus, streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will! Sei rein! (Markus 1,41)

Nicht die Unreinheit des Mannes springt auf Jesus über, sondern die Reinheit Jesu auf ihn. Die Berührung erfolgt vor dem Wort. Jesus setzt ein Zeichen: Deine Isolation ist vorbei. Du gehörst wieder dazu.


Was bedeutet das für uns heute?

Die antiken Reinheitsvorstellungen verstehen wir kaum noch. Isolation jedoch sehr wohl. Einsamkeit gehört zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Gründe gibt es viele: anonyme Bürokratien, Digitalisierung, zerbrechende Familienstrukturen, Verlust von Heimat und Identität.

Doch die Lösung bleibt dieselbe wie damals:

Die Begegnung mit Jesus.

Nicht nur im Sinn von Gebet und Bibellesen, sondern so, dass wir neu fähig werden, anderen zu begegnen. Nachdem der Aussätzige Jesus begegnet war, konnte er wieder Menschen begegnen.

Wenn Jesus uns sein „Ich will“ zuspricht – „Ich will mit dir Gemeinschaft haben“ – wird Einsamkeit nicht nur unterbrochen, sondern verwandelt.

Dann können auch wir andere, isolierte Herzen sehen und durch unsere Begegnungen Isolation durchbrechen.


Advents-Impuls

Jesus beginnt seinen öffentlichen Dienst nicht bei den Starken, sondern bei den Ausgeschlossenen. Advent bedeutet: Der, den keiner berühren darf, wird vom Sohn Gottes berührt.

Vielleicht trägst du nicht Aussatz, aber Schuld, Scham, Überforderung, Zweifel – Dinge, die du lieber leise hältst. Der Aussätzige zeigt: Du darfst trotzdem zu Jesus kommen. Er ist nicht nur mächtig, sondern auch willig.

Advent heißt: Die Berührung Jesu ist stärker als das, was dich abgrenzt.


Frage für heute

Welchen Bereich deines Lebens würdest du nie freiwillig jemandem zeigen – und darf Jesus ihn heute berühren?


Zur Vertiefung:

Ansteckende Reinheit – Ein Gedicht!

Eine halbe Stunde über ansteckende Reinheit

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