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11. Dezember: Gedanken über Glücksritter

Eine Denkweise macht sich überall breit: Das Christentum wäre genau das Gegenteil von Glück. Es verspricht einem einen „Pie in the sky“, aber nichts Gutes für das irdische Leben. Auch die Christen selbst haben diese Denkweise unterstützt, indem sie rationale Ideen übernahmen, nach denen es höhere Ideale als die Liebe gibt. Besseres Glück als die Freude.

Dabei ist das ein gutes und ehrenwertes Ziel, dem Glück mit aller Kraft nachzujagen! Das wünsche ich mir für dich und mich, dass wir glücklich werden. Christus wünscht uns jedoch nicht einfach ein bisschen Glück. Er ist der Weg zum Glück und erinnert uns daran: Wir geben uns viel zu schnell mit viel zu wenig zufrieden.

Doch ab hier kommt Lewis zur Sprache, der das noch viel besser ausdrücken kann.

Ich zitiere ausführlich aus dem Essay von C.S. Lewis „the Weight of Glory“.

„Wenn man heute zwanzig anständige Leute fragen würde, welche Tugend sie für die höchste halten, würden neunzehn vermutlich sagen: „Selbstlosigkeit“.
Die großen Christen früherer Zeiten hätten dagegen auf die Frage wohl geantwortet: „Liebe“.

Daran sieht man, was passiert ist: An die Stelle eines positiven Begriffs („Liebe“) ist ein negativer („Selbstlosigkeit“) getreten – und das ist mehr als nur ein sprachlicher Unterschied.

Das Ideal der Selbstlosigkeit weckt nämlich eher den Eindruck, es gehe in erster Linie darum, dass wir selbst auf gute Dinge verzichten, statt darum, dass andere Gutes empfangen. Es klingt so, als sei unser Verzicht das Entscheidende – und nicht das Glück der anderen.

Das entspricht nicht der christlichen Tugend der Liebe.

Das Neue Testament spricht zwar viel von Selbstverleugnung, aber nicht so, als wäre sie ein Selbstzweck. Wir sollen uns selbst verleugnen und unser Kreuz auf uns nehmen, damit wir Christus nachfolgen. Und fast jede Beschreibung dessen, was wir dabei schließlich finden sollen, knüpft gerade an unsere Sehnsucht und unser Begehren an.

Wenn sich in vielen modernen Köpfen die Vorstellung festgesetzt hat, es sei grundsätzlich verwerflich, das eigene Heil zu wünschen und sich ernsthaft nach dessen Freude auszustrecken, dann – so Lewis – stammt diese Idee eher von Kant und den Stoikern und gehört nicht zum Kern des christlichen Glaubens.

Schaut man auf die unverschämten (ungehemmten) Verheißungen von Lohn und die überwältigende Größe der im Evangelium versprochenen Belohnung, dann scheint es vielmehr so, als fände unser Herr unsere Wünsche nicht zu stark, sondern zu schwach.

Wir sind halbherzige Wesen, die mit Alkohol, Sexualität und Karriere herumspielen, während uns unendliche Freude angeboten wird – so wie ein Kind aus dem Elendsviertel, das weiter mit Matschkuchen in einer schmutzigen Gasse spielen will, weil es sich nichts darunter vorstellen kann, was mit „Urlaub am Meer“ gemeint ist.

Wir geben uns viel zu schnell mit viel zu wenig zufrieden.

Frage

Worin liegt dein Glück?

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1 Kommentar

  1. Als ich, als Jugendlicher, schwerst depressiv war und nur noch wusste, was ich nicht wollte, fragte ich mich, aber was willst du eigentlich? Da fiel mir ein; ich will glücklich sein! Und allmählich ging mir auf, dass ausschließlich jedes Bestreben eines Menschen nichts anderes zum Ziel hat. Das Fatale ist nur, sie suchen das Glück im Äusseren, wo das natürlich ein windiger Genosse ist. Das wirkliche Glück kann man nur im Ewigen finden, da das allein beständig ist. https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/03/24/511/ , https://manfredreichelt.wordpress.com/2019/05/14/das-himmelreich-ist-in-dir/ , https://manfredreichelt.wordpress.com/2018/09/18/von-der-freude-sich-heiligen-zu-koennen/

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