Ich bin über diese Zeilen in einem alten Traktat von J.C. Ryle¹ gestoßen. Es sind weise Worte über Freude:
„Ein Atheist sprach einst unter freiem Himmel zu einer großen Menschenmenge. Er versuchte, sie davon zu überzeugen, dass es keinen Gott und keinen Teufel gebe, keinen Himmel und keine Hölle, keine Auferstehung, kein Gericht und kein zukünftiges Leben. Er riet ihnen, ihre Bibeln fortzuwerfen und sich nicht darum zu kümmern, was Pfarrer über Religion sagten. Er empfahl ihnen, so zu denken wie er und so zu sein wie er. Er redete kühn. Die Menge hörte gespannt zu. Es war der Blinde, der den Blinden führte. Beide fielen in die Grube.
Mitten in seiner Rede bahnte sich plötzlich eine arme alte Frau ihren Weg durch die Menge bis zu dem Platz, wo er stand. Sie stellte sich ihm gegenüber und sah ihm fest ins Gesicht.
„Mein Herr“, sagte sie mit lauter Stimme, „sind Sie glücklich?“
Der Atheist blickte sie verächtlich an und gab ihr keine Antwort.
„Mein Herr“, sagte sie wieder, „ich bitte Sie, meine Frage zu beantworten. Sind Sie glücklich? Sie wollen, dass wir unsere Bibeln wegwerfen. Sie sagen uns, wir sollen nicht glauben, was die Pfarrer über Religion sagen. Sie raten uns, so zu denken wie Sie und so zu sein wie Sie. Nun, bevor wir Ihrem Rat folgen, haben wir ein Recht zu wissen, welchen Nutzen wir davon haben. Geben Ihnen Ihre schönen neuen Vorstellungen viel Trost? Fühlen Sie sich selbst wirklich glücklich?“
Der Atheist hielt inne und versuchte, die Frage der alten Frau zu beantworten. Er stotterte, wich aus, wurde unruhig und versuchte, seine Worte zu erklären. Er gab sich große Mühe, das Thema zu wechseln. Er sagte, er sei nicht gekommen, um über Glück zu predigen. Aber es nützte nichts. Die alte Frau ließ nicht locker. Sie bestand auf einer Antwort, und die Menge stellte sich auf ihre Seite. Sie drängte ihn hart mit ihrer Frage und ließ keine Ausrede gelten. Und schließlich war der Ungläubige gezwungen, den Platz zu verlassen und sich beschämt davonzustehlen. Er konnte auf diese Frage nicht antworten. Sein Gewissen ließ es nicht zu. Er wagte nicht zu sagen, dass er glücklich sei.
Leser, die alte Frau zeigte große Weisheit mit der Frage, die sie stellte. Das Argument, das sie gebrauchte, mag sehr einfach erscheinen, aber in Wirklichkeit ist es eines der stärksten, das man anwenden kann. Es ist eine Waffe, die auf manche Gemüter stärker wirkt als die ausgefeiltesten Beweisführungen von Butler, Paley oder Chalmers. Wann immer ein Mensch beginnt, neue religiöse Ansichten anzunehmen und das alte bibeltreue Christentum zu verachten, stoße ihm die Frage der alten Frau ins Gewissen. Frage ihn, ob ihm seine neuen Auffassungen inneren Trost geben. Frage ihn, ob er ehrlich und aufrichtig sagen kann, dass er glücklich ist. Die große Probe des Glaubens und der Religion eines Menschen ist: „Macht sie ihn glücklich?“„
¹John Charles Ryle (1816–1900) war ein anglikanischer Bischof von Liverpool und einer der bedeutendsten evangelikalen Prediger des 19. Jahrhunderts. Seine Schriften verbinden klare Bibelauslegung mit seelsorgerlicher Tiefe. Bis heute werden seine Werke weltweit gelesen und geschätzt.

