Diese Begebenheit berichtet uns die Bibel in Lukas 19,1-10.
„Ist der Ruf erst ruiniert – lebt sich’s gänzlich ungeniert?“ War Zachäus jetzt zielstrebig oder ist er in seine Karriere reingerutscht? Erfolgreich war er allemal geworden als wichtiger Beamter des römischen Finanzamts. Beliebt ist er durch seine Tätigkeit aber kaum geworden – schließlich musste man für diese Tätigkeit mit den Römern zusammenarbeiten.
Außerdem ergaben sich viele weniger legale Möglichkeiten des Zubrots. Wahrscheinlich hat diese Rechtsunsicherheit den römischen Machthabern im Land auch ganz gut zugesagt. Nach heutigen Maßstäben würden wir Zachäus als zielstrebigen, aber eben kaltblütigen Manager abstempeln. Diesen begegnet man heute mit dem gleichen Mix aus Neid, Bewunderung und Abscheu, wie man 30 a.D. einem Zöllner in der römischen Provinz Judäa begegnet ist.
Ein Mensch, der sich auf jeden Fall einen Namen gemacht hat! Tatsächlich, erfahren wir zwar nicht die Namen des Aussätzigen noch der Hirten, aber hier ist uns der Name Zachäus bekannt. Vielen seiner Mitmenschen war Zachäus auch sehr gut bekannt, vor allem als ein erbarmungsloser Ausbeuter und knallharter Geschäftsmann.
Doch noch jemand anderes kannte diesen Namen und nicht aufgrund von Geschäftsbedingungen. Es ist Jesus. Er ruft aus:
„Zachäus – steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“
Dafür muss Jesus zu diesem Mann von kleinem Wuchs hochschauen! Aber warum? So skrupellos Zachäus in seinen Geschäften war, so kompromisslos war er auch im Umgang mit seiner Neugier. Er wollte einfach Jesus sehen. Dafür war er bereit, auf einen Baum zu klettern! Männer klettern doch nicht auf Bäume, vor lauter Neugier! Das galt damals noch viel mehr als heute. Immer wollen wir ein Stückchen Anständigkeit bei all unserer Anstandslosigkeit aufrechterhalten.
Zachäus gibt nun auch den letzten Rest Anstand auf, um doch endlich mal einen Blick von Jesus zu erhaschen.
Doch es bleibt nicht nur beim Blicken von Zachäus auf Jesus, es kommt zum Hinaufblicken Jesu zu Zachäus. Und auch hier bleibt es nicht stehen. Aus dem Blick wird ein Rufen, ein Nahen. Ein Herunterrufen! Und schließlich auch ein Besuch. Es scheint, dass selbst Jesus nun allen Anstand verliert! Wie kann ein Guter Mensch guten Gewissens in dieses Haus eingehen!
Bevor Zachäus Jesus sah, hat Jesus ihn schon längst gesehen. Keine Begegnung mit Jesus bleibt folgenlos. Auch in diesem Fall nicht. Zachäus wird klar, er mag ein Zöllner sein, aber vielmehr ist er auch „ein Nachkomme Abrahams“ – Teilhaftig aller guten Verheißungen Gottes.
Von seiner Gier kann Zachäus nun lassen und sucht nun die Wiederherstellung der Beziehungen zu seinen Mitmenschen. Anstand gesucht, Jesus gefunden!
Adventsimpuls
„Advent heißt: Jesus bleibt nicht vor der Tür stehen. Er ruft beim Namen – auch wenn man sich seit Jahren versteckt.“
Frage für den Tag
„Was würde sich ändern, wenn Jesus in dein Haus kommen würde?“

