Nachgedacht: Du sollst nicht lesen!

Kaum eine Anmerkung höre ich öfter als diese. Meist lautet es eher so: “Ich würde dir empfehlen mich weniger damit auseinanderzusetzen”. Zu lange habe ich die Falle dahinter übersehen: Ratet mir einer auf andere weniger zu hören, will er sich ja selber zu einem Ratgeber machen! Wie aber kann ich einen Rat annehmen, wenn ich prinzipiell Ratgeber ablehnen soll? Nur von Jesus akzeptiere ich: “Hör nicht auf andere, höre auf mich!”
Anderes ist noch stupider:

  • Für was lesen, wenn man alles in Wikipedia nachschlagen kann
  • Es ist besser alles selbst zu entdecken (was ist aber wenn meine Meinungsbrille so dick ist, dass ich kaum was erkenne?)
  • Man wird nur verwirrt (Was ist aber wenn ich schon vor dem ersten Buch völlig verwirrt bin?)

Besser gefällt mir, was Spurgeon feststellte:

“It  seems odd that certain men who talk so much of what the Holy Spirit reveals to themselves should think so little of what he has revealed to others”

Kritik von Propheten

Man stelle sich eigentlich die Ungeheurlichkeiten vor, die die Propheten um sich warfen. Amos sprach davon, dass Gott Juda und Israel nicht schonen wird (Amos 2.4,6). Damit sagte er kurzerhand, dass all Unglück in Israel, sei es die Ausbeutung durch die Feinde, seien es Missernten ein Eingreifen Gottes ist. (Amos 3,6). Jeremija beklagte überall den Bundesbruch des Volkes (z.b. Jeremija 11) und selbst als man ihn ins Gefängnis steckte schrieb er seine Reden einfach auf. Nach dem Verbrennen derselben wurde die Kritik sogar noch länger. Aber ich glaube niemand trieb es toller als Hesekiel und Hosea. Hesekiel bezeichnete das Volk Gottes als Hure.  (Man stelle sich das einmal vor: das erwählte und erkaufte Volk Gottes wird mit einer Prostituierten verglichen, was für ein Sakrileg…) Dabei bedient er sich geradezu pornographischer Sprache (Hesekiel 16 ist ja wohl das Kapitel dass jeder Teenie verschmitzt in der Kirche liest…immerhin dieses Kapitel). Hosea treibt dieses Bild auf die Spitze (Achtung: Anachronismus), so dass er sich sogar selbst mit einer Hure vermählte, um die Situation des Volkes Gottes darstellen zu können.

Mögliche Reaktionen des Volkes:

  • Amos was fällt dir ein, wenn Israel so schlimm ist, dann bleib doch in Juda! Geh doch zurück in deine Heimat. Und überhaupt schau dir doch an was in Moab und Edom abgeht, da ist Israel das reine Paradies…
  • Jeremija du sagst, dass wir Gott untreu sind, dabei sind deine ständigen Depressionen und Jammerlieder auch nur ein Zeichen dessen, dass du an Gott irre wirst, offensichtlich bist du also kein Deut besser als wir… Das Gericht falle also auch über dich!
  • Hesekiel, so schlecht wie du es sagst, kann es gar nicht sein. Bestimmt hat Gott nur gute Absichten mit uns in Babel…Überhaupt ein Unding ein erwähltes Volk mit derart derben Begriffen zu belegen. Hesekiel, du bist bestimmt nicht orthodox

 
 

Der Untergang der Pharisäer

Hochmütig, Stolz und voll Selbstvertrauen
Schritten die stolzen Pharisäer daher
Die Menge wich allein vom Schauen
man respektierte und ehrte sie sehr
Fürs ständige Fasten sollt’ man sie ehren
sie verzehnteten Minze, Kümmel und Dill
man sah sie überall beten und andächtig lehren
sie spendeten, wenn andere es sahen, besonders viel
Aus Nazareth kam nun ein Rabbi daher
er lehrte anders, er sprach mit den Sündern
die Vollmacht der Worte beeindruckte sehr,
seine Lehre wurde bestätigt mit Wundern
Das irritierte die Schriftgelehrten und Pharisäer
Ein Rabbi, der anders lehrte als sie?
Man einigte sich sogar mit den Sadduzäern
Diesen gilt’s zu verwerfen, doch wie?
Man suchte nach einer Klage zum Tode!
– beklagte der Jünger mangelnde Pietät-
sie fasteten nicht, aßen unreine Brote
doch war es fürs Volk wohl zu spät
Bezaubert zu sein schien der Pöbel, die Menge
dem Jesus aus Nazareth hörte man zu
die alten Rabbiner jedoch brachte das in die Enge
nach Rache sinnend verlor man die Ruh
Man versuchte entlarvende Streitgespräche
Ja Meister, wem gehört nun der Zoll?
und wer ist mein Nächster, wer? – spreche!
Diesen zu lieben, wär das glaubensvoll?
Und kann ein von Gott gesandter Prophet
So demütig sein mit den gottlosen Zöllnern
Mit ihnen speisen und reden von früh bis spät
das Urteil: Dieser ist ein Genosse von Sündern
Zu all dieser schrecklichen Provokation
klagte der Messias sie nun auch noch an
an Kritik gab es eine ordentliche Portion
sie seien Heuchler und Sünder jedermann!
Sie, an deren Kleidung keine Quaste fehlte
sollten nicht leben nach Moses Gebot?
Jesus sagte, dass Gott sie nicht zählte
zu seinem Volk, denn sie wären tot!
Selbsgerechtigkeit sprach nun: es reicht
man sprach nun offen von Mord
man verbündete sich gar mit dem römischen Reich
mit bösen Verrat bekämpfte man das Wort!
Triumphierend am Kreuz rief man bald:
“Bist du der Messias, so steig doch herab”
Sie freuten sich außer Rand und Halt
so brachte man Jesus ins Grab
In all dieser Zeit erkannten sie nicht,
die Rettende Liebe, die Worte der Wahrheit
Verwirft man die Gnade, bleibt nur noch Gericht
Verwirft man Jesus, bleibt ewiges Leid!

Counterpoints (1): Taufe

Eine große Gefahr, die ich im Bloggen sehe, ist es Unfrieden zu stiften. Vor allem kritische Artikel haben die Gefahr Fragen aufzuwerfen, die so nicht geplant waren. So stehen meine Leser und ich selbst in der Gefahr z.B. meine Kritik an den Russlanddeutschen nur bei den anderen zu sehen. Nach dem Motto: Was bin ich froh, nicht so zu sein, wie die anderen. Das große Problem ist doch, dass wir (wir einzeln und höchstpersönlich) gesündigt haben und der Vergebung benötigen. Auch bei Positionierung bei kontroversen Themen gibt es diese Option: Man verurteilt entweder den Autor (als ob dieser seine Meinung einfach so biegen und ändern könnte) oder man nimmt Gedanken auf, um mit einem unnötigen Stolz herunterzuschießen. Mit dem folgenden will ich weder jemand belehren, noch konvertieren noch zur Streitsucht aufbringen, aber ich beanspruche die Freiheit meine Position darstellen zu dürfen!

Persönliche Geschichte

Ich wurde als Kind in Kasachstan in einer halbillegalen-halbkommunstischüberwachten lutherischen Kirche getauft. Ich weiß vom dortigen Pastor nichts. Meine Eltern waren (und sind es immer noch) überzeugte Atheisten, sie tauften mich, weil es jeder der Deutschen es so im Dorf praktizierten. Sie gingen nach der Taufe nie wieder dort zur Kirche. Meine Taufpaten waren, da legte meine Mutter wert drauf, sehr anständige Leute, aber ebenfalls praktizierende Atheisten. So blieb meine Familie evangelisch, und wurde 1997 (da war ich 8) als luth.-evangelisch in den Papieren eingetragen. Bis heute zahlt meine Mutter und mein Bruder Kirchensteuer obwohl sie wirklich alles an Religion und Glaube verachten. Durch eine sehr ungewöhnliche Vorsehung kam ich zum Glauben an Christus. Es ist eine besondere Geschichte, die an anderen Stellen erzählt wurde. Nun war dies in einer Baptistengemeinde. Da ich noch meine Familie noch irgendwas auch nur in den entferntesten Verwandten etwas an christlicher Tradition hatte, war für mich klar, dass ich mich taufen lassen werde. So bin ich also tatsächlich ein klassischer Wiedertäufer geworden. Ich wurde zweimal getauft.

Die Wiedertäufer

Jahre später als ich die Geschichte oben in einem Kreis liberaler Theologen erzählte, ging ein Raunen in die Ecke. Erst damals bemerkte ich, dass in meiner persönlichen Geschichte durchaus etwas anstößiges liegt. Ich hätte immerhin die “eine Taufe”(Eph.4,5) in Frage gestellt. Wobei hier ja von der einen (im sinne von einzig wahren) christlichen Taufe die Rede ist, und nicht von einem Ereignis, dass sich auf gar keinen Fall wiederholen darf (im Sinne von einmalig). Witzig und völlig irritierend war, dass die selben Theologen die Irrtumslosigkeit der Schrift, die Jungfrauengeburt und ähnliches verwarfen. Man hatte also offensichtlich für die modernsten Züge Verständnis, aber bei der Taufe hörte das Verständnis seltsamerweise auf. Man beachte wie hart z.b. die Augustana von den Wiedertäufern redet.

Wildern bei der Bundestaufe

Auf jeden Fall und man darf mich korrigieren, wird von Vertretern der Bundestaufe gerne von einem Bundeszeichen gesprochen, vergleichbar der Beschneidung. So wird  eine ganze Familie (wie bei Noah, Abraham) etc unter einen Bund genommen, so dass eine Bundestaufe immer zeigt, Gott liebt dich und will einen Bund mit dir,noch bevor du dich für ihn entscheiden konntest. Und so wie ein Jude aufgrund der Beschneidung ständig daran erinnert wurde, hey du bist besonders, du bist erwählt, Gott hat ein Bund mit deinem Volk und dass ihn antrieb zur Heiligkeit, zur Absonderung, zur Treue an Gottes, so ist das mit der Taufe. Einem getauften Kind sagt diese ständig: Du hast das Bundeszeichen Gottes, und dass willst du jetzt durch Unglauben von dir Stoßen? (Dann bleibt logischerweise auch nur der Bundesfluch). Eine super Darstellung dieser Gedanken findet sich bei Ligon Duncan “Covenant Theology“.
Beim Lesen seiner umfangreichen Ausführungen zur Bundestaufe kam ich zum Ergebnis, dass meine Glaubenstaufe auch eine Bundestaufe war. Keines der von ihm angesprochenen Elemente dieses Bundeszeichens (z.B. dass es nicht retten kann) würde mir in meiner Glaubenstaufe fehlen. Was ich sagen möchte: Ich habe durch das Lesen eines Presbyterianers über die Kindertaufe sehr viel Trost über meine Taufe erfahren. Bisher war die Taufe für mich ausschließlich ein öffentliches Bekenntnis des persönlichen Glaubens (Vor allem 1. Tim.6,12 war hier für mich ausschlaggebend), der Bundesgedanke war mir fremd. Obwohl eigentlich gerade unsere Gemeinde ständig betonte, die Taufe ist “der Bund eines guten Gewissens”. was es genau bedeutete blieb mir verborgen, und ich erkenne welch unglaublicher Trost dahinter liegt zu wissen, Gott tritt in einem Bund, es ist dahinter ja eine sehr große Heilszusage verborgen, die in viel Not viel Kraft schenken kann. All dies beziehe ich übrigens auf meine Taufe als Erwachsener, ich habe aufgrund oben beschriebener Situationen wirklich Mühe dahinter irgendeine Art von Gottesfurcht zu entdecken (Man beachte, dass selbst zur Urzeit nicht nur das Volk Israel eine Beschneidung praktizierte, und nicht immer war die Beschneidung ein Bundeszeichen)

Wiedertaufe?

Je mehr ich über die Taufe nachdenke, desto mehr ärgert mich eine Tradition bei vielen Baptisten, nämlich die der Wiedertaufe. Dies nimmt manchmal seltsame Züge an. Hat man keine “Glaubensbegrabungstaufe” hinter sich, dürfte man selbst als einer, der als Erwachsener getauft wurde (z.B. ein sogenannter “Begiessungs- oder Beträufelungsmennonit”) nicht in einer baptistischen Gemeinde am Abendmahl teilnehmen. Die Aussage dahinter, jemanden das Brot zu verwehren ist aber mehr als eindeutig. Damit sagt man, dass man diesen Menschen nicht als ein Glied der Kirche ansieht. Gerade weil der Baptismus sich dadurch auszeichnet, die unsichtbare Gemeinde Gottes zu betonen, erscheint dieser Punkt besonders bizarr. Ich würde so argumentieren: Selbst wenn man im AT eine Beschneidung falsch durchgeführt hätte (z.B. nicht gemäß den vorgeschriebenen Zeremonien oder z.B. an einem falschen Tag), könnte man sie nicht einfach erneut wiederholen. In vielen Heiligungsperfektionistischen Gemeinden nimmt das weitere seltsame Formen an: Man betont, dass auch unter den Gemeindemitgliedern möglicherweise noch Menschen sind, die nicht wiedergeboren sind. “Bekehren sich diese”, wird diesen dennoch nicht erneut die Taufe angeboten. Ich würde mir in baptistischen Kreisen, zu denen ich ja auch selber gehöre, mehr Demut in diesen Fragen wünschen.

Fragen und Einwände

Zunächst einmal respektiere ich unterschiediche Taufverständnisse im Rahmen der Rechtgläubigkeit. Wie ich schon oben schrieb, will ich niemanden verprellen. Bei der Bundestaufe verstehe ich aber noch diese Dinge nicht:
a) Warum gibt es Paten? Ich meine Beschneidungspaten gab es ja nicht
b) Die Beschneidung galt nur den Männern, hier zieht die Parallele nicht. Zum Neuen Volk Gottes wird man nun nicht durch Beschneidung des Fleisches, sondern durch die Beschneidung des Herzens hinzugefügt, dieses Zeichen ist Männern und Frauen offen.
c) aus b folgt auch: Wenn ein Amoriter, Moabiter oder ein anderer Ausländer sich dem Volke Gottes anschloss (Vgl. im Buch Ester und an anderen Stellen Konvertiten), so nahm er das Bundeszeichen auch als Erwachsener an. Wenn man das Bild übernimmt, so gibt es ja den Bund Gottes nur mit solchen “Ausländern”, die das nicht von Natur oder ähnlichem haben. Ich meine, ich kann für meine Kinder nicht den Bund Abrahams beanspruchen, nur der Gläubige darf es.

Welche Fragen habt ihr an die Glaubenstaufe?

Die Pharisäer sehen sich bestätigt

Die Pharisäer suchten verzweifelt nach einer Möglichkeit Jesus und seine Nachfolger zu diskreditieren. Jesus war einfach zu demütig um das zu sein, wass er zu sein beanspruchte: Nämlich die Erfüllung aller Verheißungen an Israel. Was dieser Freund der Zöllner, dieser arme ungebildete Zimmermann soll die Erfüllung der dicken Prophetien sein? Zähneknirschend musste man sich eingestehen, dass er die Schrift bis ins Detail kannte und auch noch besser dem Volk erklärte. Auch konnte man keine Anklage vorbringen. Aber halt, doch da waren Dinge: War diese Dienstbereitschaft selbst am Sabbat nicht zu viel des Guten? Es ist doch immerhin das heilige Gebot Mose, dass Jesus hier brach, so leichtferitg brach, so regelmäßig, ständig unterwegs und voll Gnade, voll Hilfsbreitschaft machte er die Mengen gesund und spottete so jahrhundertealten Traditionen
Als man genauer sah, erkannte man noch viele weitere Fehler, vor allem unter seinen Nachfolgern. Ein echter Messias hätte sich niemals einen solchen Haufen ausgesucht. Man stelle sich vor, sie fasteten nicht. Als wäre Israel nicht bedrückt durch die Römer, als wäre der Messias schon da. Man stelle sich auch vor, welch Graus und Schrecken, sie nahmen Mittags die Speise (und man wahr schon dankbar, dass sie nicht am Sabbat die Ähren pflückten…ach halt, das auch noch) mit ungewaschenen Händen zu sich. Voll Selbstzufriedenheit rieben sich die Pharisäer die Hände: Sie wussten sich bestätigt! Solche Menschen können nicht die Jünger des echten Messiases sein. Jeder gute Mensch wusste doch, dass man sich mit ungewaschenen Händen verunreinigt, und zwar klingt das immer so simpel, rein, unrein, aber schließlich ist der Leib eine Schöpfung Gottes (hätten sie das NT gekannt, würden sie sogar hinzufügen: der große und heilige Tempel Gottes) nach seinem Ebenbild. Und ist mann ungewaschen Brot, so steht man in Gefähr unreine Hände zu seinem Mund zu führen…Und die Möglichkeit unrein zu werden ist so vielfach, ein Kadaver hier, ein Heide dort…Und ist man erstmal unrein, ist keine Gemeinschaft mit Gott möglich. Man stelle sich vor, solche unreinen und gleichgültigen Menschen wollen dann noch in den Tempel die Gemeinschaft mit Gott suchen…Und dieser Mensch behauptet er wäre mehr als der Tempel, dann würde er diese Unreinen niemals in seiner Nähe dulden.
So standen die Pharisäer und wuchsen in ihrem Stolz. Jesu erscheinen bestätigte sie weiterhin in ihrem Weg. Und voller Selbstherrlichkeit und Selbstverliebheit gingen sie an der Gnade vorbei. „Die Pharisäer sehen sich bestätigt“ weiterlesen

Christliche Härte

Eine der Lektionen, die mich Gott in seiner Vorsehung lehrte, war etwas, was ich Christliche Härte nenne, womöglich wäre “Männlichkeit” oder “Stärke” der biblischere Begriff um das zu beschreiben, was ich meine:
Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark! ( 1 Kor.  16,13)
Einige Lehren:

  • Ein Christ ist hilfsbereit ohne ein Bimbo zu werden. Er sucht nach stabilen (Lösungen, langanhaltenden Hilfen statt schnellen Abmilderungen, die (sind diese erst wieder weg) das Problem nur größer werden lassen. Dafür darf er dann häufig genug Spott hören, dass er ein Heuchler ist, dass er immer behauptet, Christen lieben die Nächsten, aber in der Tat komme er nicht nach (Man rede nur mal mit einem Drogensüchtigen über seine Geldsorgen um genau diese Vorwürfe zu hören zu bekommen)
  • Ein Christ ist nicht  ein Waschlappen à la Flanders (der Didelidu-Christ aus der Serie Simpsons). Er fährt eine klare Linie. Selbst in der Frage ob er der eigenen Familie gefallen soll, entscheidet er sich für die Nachfolge Christi.
  • Ein Christ hat eine klare Kante. Bei allem Verständnis ist er ein kompromissloser Nachfolger Christi. So sucht er weder bei sich noch bei einem Ratsuchenden eine Entschuldigung für Sünde (in den Vorfahren, in der Erziehung, im Staat etc…), denn er weiß: “Alle haben gesündigt”
  • Sein Bekenntnis zu Christus führt dazu, dass er herausfordert, anstößt, provoziert. Selbst beim nachsichtigsten Verhalten muss er sich einfach immer wieder für Christus entscheiden, zur allgemeinen Empörung!
  • Ein Christ weiß (und ich glaube das vergessen wir beim Dienst an unseren Nächsten am Häufigsten) dass er seinen Nächsten nicht erlösen kann, er kann nur ein Wegweiser (mit all seinen Macken, Kratzern und Ecken) auf Jesus Christus sein.
  • Ein Christ wird nur Gott anbeten und nicht seinen Nächsten, auch wenn es seine eigene Mutter, Ehefrau, Ehemann oder Kinder sein sollen.

Was denkt ihr?

Von der Bewahrung der Heiligen (Teil 2)

Nachdem ich meinen ersten Artikel schrieb ist mir klar geworden, dass ich nur an der Oberfläche gekratzt habe, vielleicht wird das ja hier eine ganze Serie zum Thema.
Ich erinnere mich an einen Bruder, der (obwohl er auch an den Abfall von echten Gläubigen zu glauben schien) mir , als ich ihn über meine Zweifel und Abfallängste berichtete,  zusprach: Gott hat dich nicht dafür gerettet, damit du wieder verloren gehst. Wohl gesprochen, dachte ich als damals 16-jähriger, aber wie willst du das aus der Schrift beweisen? Nun, fangen wir an:

  • Gott erwählt sich ein Volk zur Heiligung (natürlich Eph 1,4 wie er uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe) aber auch z.B. 5 Mo 7,7f… Anders ausgedrückt: Wenn Gott einen Plan mit meinem Leben hat, ist er auch gewillt, diesen durchzuführen.
  • Oder denk an diese Begebenheit: Lazarus (ein offensichtlich Gerechter) stirbt und erreicht also endlich sein Ziel, warum lässt Jesus zu, dass Lazarus wiedererweckt wird, wenn er damit wieder in der Gefahr stünde das Ziel zu verpassen.  Ich meinte, er müsste sonst Maria vor allem damit trösten, das Lazarus am Ziel ist. Was ein Elend, Lazarus wieder in solch hohe Gefahr zu stellen, sein Heil zu verlieren, so wäre er wenigstens sicher vor dem ewigen Tod. Warum gibt die Bibel überhaupt dem irdischen Leben eines Gläubigen so hohen Stellenwert? Oder denken wir an die Erweckung von Tabea (Apg 9, ab V.36). Warum tröstet Petrus die Gläubigen nicht damit, dass Tabea nun doch das Ziel erreicht hat und gibt Tabea (übrigens in einer Zeit von Verfolgung) der Gefahr preis, dann doch abzufallen. Man stelle sich hier den Horror vor, Tabea wird erweckt und wendet sich dann vom Glauben ab, dabei war sie ja schon einmal am Ziel. Wird Petrus für ihren Abfall dann schuldig sein? (Ich argumentiere etwas närrisch)
  • Tatsächlich ist der Begriff Errettung einer, der intrinsisch schon eine ewige Errettung meint, wie Spurgeon feststellt: Hätte ich geglaubt, was manche predigen, dass es nur eine zeitweilige, eigentlich belanglose Errettung gäbe, wäre ich dafür kaum dankbar gewesen. Aber als ich wusste, dass Gott seine Erlösten mit einer ewigen Erlösung rettet, als ich wusste, dass er ihnen eine ewige Gerechtigkeit gibt, als ich wusste, dass er sie auf ein ewiges Fundament der ewigen Liebe stellt und sie in sein ewiges Königreich bringen wird, ja, da habe ich gestaunt, dass eine solche Segnung gerade mir zuteil geworden war!  Was soll eine Errettung wert sein, die jederzeit davon abhängt, ob ich in Treue sterbe (obwohl jeder echte Gläubige in Treue sterben wird, was hier aber nicht die Frage sein soll). Ich denke, der Lieblingssatz eines Arminianers ist “das Ende krönt”, aber damit bin ich erst ganz ganz kurz vor dem Tod wirklich errettet, die Zeit dazwischen muss ja schauen wie ich das Rettungsseil festhalte und auf keinen Fall loslasse, was noch keine Errettung ist, denn ich stecke ja noch in der Not fest.
  • Die Bibel lehrt nur eine einmalige Wiedergeburt. Ich habe noch nie jemanden, selbst bei den wildesten “Zurufen zum Altar” lehren gehört, dass ein Mensch mehrfach wiedergeboren werden kann. Es gibt eine Alte Kreatur und eine Neue. Hier lehrt die Bibel etwas sehr Endgültiges (Man beachte dass man auch nur einmal sterben kann um für Christus zu leben, was jeder Christ durch die Taufe vor der Welt bezeugt, also selbst die Taufe erinnert uns an das endgültige einer Errettung)

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Trichotomie und Dichotomie

Ist der Mensch zweigeteilt (dichotom) oder dreigeteilt (trichotom)? In meiner Jugendzeit war ich sehr geprägt durch die Schriften von Watchman Nee, der viel Wert auf eine Dreiteilung des Menschen legte. Es ging ihm hierbei darum zwsichen Seele und Geist zu unterscheiden. Im Grunde genommen (so verstand ich zumindest seine Schrift “der geistliche Christ”) kann der seelische Christ Gott nicht gefallen, nur der geistliche. Dieses dreifache Model (da auch säkular stark verbreitet) übernahm ich seitdem, ohne ausführliche Prüfung, außer dass  offensichtlich 1 Thess. 5,23 und Heb 4,12 die Trichomie zu bestätigen schienen.  Ich glaube Watchman Nee verwendete dafür das Bild der Stiftshütte, die einen Vorbereich ( = Leib), das Heilige ( = Seele) und das Heiligste (= Geist) enthielt.
Nun kann das als eine Detailfrage abgetan werden, aber dadurch dass man Seele und Geist nicht als Synonyme oder als zumindest unterschiedliche Aspekte des inneren Menschen wahrnahm, hatte ich große Probleme viele Bibelstellen zu verstehen, z.B. benutzt Paulus im Römerbrief gerne den Begriff “Geist”, so hier:
(Röm 8:4) auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist.
Geist war fürmichhieretwasfremdes, ich konnte mich an dieserVerheißung in Röm. 8,4 nicht freuen, denn “geistlich” war ich ja nicht. Der Ausdruck Geist bleibtdannüberhaupt etwas mystisches, unerreichbares.
oder z.b. hier:
(1.Kor 5:5) ihn zu übergeben dem Satan zum Verderben des Fleisches, auf dass der Geist selig werde am Tage des Herrn Jesu.
In der hier beschriebenen Situation, so dachte ich, geht der Geist (Odem Gottes) natürlich zu Gott, die Seele geht aber verloren, zu diesem Ergebnis kommt ein arminianischer Trichtomist.
Nun fiel es mir  heute wie Schuppen von den Augen, dass die von mir übernommene Vorstellung falsch war. War dieser Punkt geklärt, waren eine vielzahl an biblischen Texten mir nun deutlich klarer geworden. Ich meine, jetzt ist mir klar geworden, was mit dem Begriff Geist in der Bibel gemeint ist (wenn er vom Geist des Menschen spricht), bisher war das etwas mystisches und unerreichbares, wenig definiertes für mich nicht greifbares, aber da hiermit ich selbst (oder mein Inneres) gemeint ist, wird vieles klar. Ich führe diese Zeilen nur auf um zu zeigen, wie man säkulare Denkmodelle über Jahre mit sich mitschleppt und dadurch die Schrift deutlich missverstehen kann.
Wie bin ich aber überhaupt auf diese Überlegung gestoßen. Dankbar bin ich dem Buch “Systematic Theology” von Louis Berkhof.
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Naeman – Unverdiente Gnade für einen großen Sünder

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Ich habe den Kindern die Geschichte von Naeman erzählt und mir fiel auf, wie viel von der Botschaft des Evangeliums in dieser Geschichte verborgen ist, einige Punkte:

  1. Die Heilung war unverdient, Naeman hatte keinen Anspruch darauf, er war nicht nur Gottlos, sondern auch ein Götzendiener und einer der schlimmsten Feinde Israels.
    1. Gott gebraucht gerade eines seiner Verbrechen, um ihn zu retten
    2. War Naeman der einzige Aussätzige? (Lk 4:27) Und viele Aussätzige waren in Israel zu des Propheten Elisa Zeiten; und deren keiner wurde gereinigt denn allein Naeman aus Syrien.
  2. Die Heilung war völlig umsonst
    1. Kostete ihn aber fast alles, er musste:
      1. Seinen Stolz ablegen (V.11-12)
      2. Seine Herkunft vergessen
      3. das Heil bei den Juden suchen (Wir dürfen das Heil bei DEM Juden suchen)
      4. Nicht auf seinen Reichtum / Wohlstand bauen (hätten wir Naeman hier gefragt, die Äälfte abzugeben, wäre er damit nicht einverstanden gewesen?)
  3. Die Heilung war alleine durch den Glauben an das Wort des Propheten Alleine durch den Glauben (war es das 7-fache Taufen, das ihn heilte? Könnte jeder das nachmachen? – Nein, nur der Gläubige)
    1. Jesus ist unser Prophet, der spricht und durch den Glauben an sein Wort werden wir geheilt

Beachtet auch die Bedeutung des Jordans als Sinnbild des Todes: Ich darf leben, weil Jesus den Tod auf sich nahm.

 

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Der Glanz und das Elend eines reformierten Christen

FivePillars
(Off 10:9)
Und ich ging hin zu dem Engel und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein! Und er sprach zu mir: Nimm hin und verschling es! und es wird dich im Bauch grimmen; aber in deinem Munde wird’s süß sein wie Honig.

Abgrenzung

Zunächst einmal verstehe ich unter reformierter Theologe vor allem das, was der Westminster Katechismus so einfach ausdrückt:

Das höchste Ziel des Menschen ist Gott zu verherrlichen und sich für immer an ihm zu erfreuen

So einfach kann man es also zusammenfassen. Willst du glücklich sein, dann suche Gott! Willst du Antwort auf die Frage “wie lebe ich richtig” haben? dann suche Gott! Ein erfülltes Leben kann nur zur Ehre Gottes geführt werden, ein edleres, weiteres Ziel zu haben ist nicht möglich. Reformierte Theologie fängt also bei Gott an, und wenn Gott der Retter ist, ist man schnell bei dem, was die fünf Säulen der Reformation bezeichnet werden: Die Rettung ist nur aus Gottes Gnaden durch das Sühneopfer Jesu Christi möglich, welches alleine durch Glauben uns angerechnet wird. Kenntnis über diesen Weg des Heils und über diese Offenbarung der Gnade Gottes in Jesus Christus können wir nur durch die Heilige Schrift bekommen.

Folgen…

Hört sich zunächst einfach an, fängt aber irgendwann an, das ganze Leben des Menschen zu ergreifen. Wer vor Gott tritt oder ihm nahe kommt, kann nicht unverändert bleiben. Es fängt mit einer intensiven Sündenerkenntnis an, mündet in Reue und Buße und trägt Frucht in der Heiligung. Doch geheiligt werden kann nicht nur ein Glied, sondern nur der ganze Mensch. So muss sich Denken, Fühlen, Handeln dem Willen Gottes bücken.

…auch negative (?)

Der Preis für die Entdeckung der Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist durchaus oft zu spüren. So…

  • gilt man gerne als einer, der die Praxis weniger wert achtet als die Theorie
  • langweilt man andere Menschen mit theologischen Fragen, die einen beschäftigen
  • löst man auch unter Christen nur ein Schmunzeln aus, wenn man von der Fürsorge, Führung und Vorsehung Gottes redet, die man geradezu sekündlich in seinem eigenen Leben erlebt.
  • findet man nur wenige andere Christen, die wirklich lebendiges Interesse daran haben, Gott zu entdecken, die meisten sind zufrieden damit, nicht in die Hölle zu kommen, oder in größere Sünden
  • wird man von der liberalen Theologie geradezu verdammt dafür, dass man der Schrift einen so hohen Stellenwert zumisst
  • bleibt man oft einsam
  • wird man verpönt für Ansichten, die die Kirche Christi fast 2000 Jahre fast einstimmig vertrag, aber heute so gut wie verloren sind

… vor allem positive (!!!)

aber mal im ernst, wie Paulus schrieb (Röm 8:37): Aber in dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat, was ist schon der Preis im Vergleich zum Lohn, der da ist (unter vielen Punkten einige ausgewählt).
Du hast als Reformierter nämlich

  • Zugang zu einem allumfassenden Weltbild. Hier eine tolle Zusammenfassung (Ausschnitt) “Reformierte Theologie ist auch eine allumfassende Theologie. Sie verändert nicht nur, was wir wissen, sondern auch, wie wir wissen, was wir wissen. Sie verändert nicht nur unser Verständnis von Gott, sondern auch unser Verständnis von uns selbst. Ja, sie verändert nicht nur unsere Sicht auf die Errettung, sondern auch wie wir anbeten, wie wir evangelisieren, wie wir unsere Kinder aufziehen, wie wir die Gemeinde behandeln, wie wir beten, wie wir die Bibel studieren – sie verändert, wie wir leben, weben und sind. Reformierte Theologie ist keine Theologie, die wir verstecken können, und sie ist keine Theologie, der wir nur ein Lippenbekenntnis zollen könne”
  • Kein Lebensbereich der nicht mit Sinn erfüllt wird. Ob Leid oder Freude, hohe oder tiefe Tage, bäm, in allem ist ein Werk Gottes zu führen
  • freie Lust und Liebe und Freude, Gott zu dienen, wir rufen “Abba, lieber Vater!”
  • Einklang mit der Lehre der Kirche, vor allem kirchengeschichtlich gesehen, ob Augustin, Luther, die Puritaner oder auch manch einer der mittelalterlichen Autoren, alle waren unglaublich bemüht, Gott und Christus ins Zentrum ihres Denkens zu bringen. Viele moderne Spielarten des Evangelikalismus kennen diese Nähe zur geschichtlichen Gemeinde kaum.
  • Heilsgewissheit