“Mit Christus zu Christus gehen…” – CSA – Seelsorgeausbildung, jetzt auch online möglich

Als ich letztes Jahr mit der Seelsorgeausbildung bei der CSA Aarau  angefangen habe, war ich mehr als skeptisch, ob es das richtige für mich ist.

Es schienen zahlreiche Gründe dagegen zu sprechen. Zunächst bin ich persönlich eher an Themen wie Geschichte oder Bibelkunde interessiert. Gleichzeitig halte ich mich auch nicht für den begehrtesten Genossen mit dem man in den Kampf gegen die Sünde treten würde wollen.

Nun, ich wurde Besseres gelehrt. Zunächst einmal verweist Beat Tanner, der verantwortliche Ausbilder regelmäßig darauf hin, dass Seelsorge Herzensangelegenheit ist. Ob ich es will oder nicht: ich bin immer Seelsorger! Was vermittele ich dann meinen Mitmenschen in Not, in Problemen, in Sorgen, in Verzweiflung, in Ängsten oder im Versagen gegen die Sünde? Ich habe mich rückblickend zu oft dabei erwischt, dass mein Rat in solchen Situationen völlig weltkonform war. Jeder würde so raten: “Stell dich nicht so an!”, “Streng dich doch ein bisschen mehr an!”, “Ändere dich doch endlich mal!”, “So schlimm ist das nicht” usw. usf. bis in alle Ewigkeit. Immer und immer wieder die spulen wir die alte Leier ab, die mehr mit Selbstgerechtigkeit zu tun hat, als mit der Botschaft vom Kreuz. Konfrontiert mit der Liebe Gottes, die ihren Höhepunkt darin findet, dass Gott seines eigenen Sohnes nicht schont, um uns zu erlösen, finden wir bessere Antworten. Hier ist für einen Geängstigten Trost, für einen Verzweifelten Hoffnung und für einen verstockten Sünder Befreiung zu finden.

Die Ausbildung hilft mir, diese recht einfache Antwort auf unterschiedliche Lebensbereiche und Situationen anzuwenden. An dieser Stelle ist womöglich ein Hinweis nötig. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich unter “Seelsorge” etwas anderes verstehe, als es die CSA Aarau tut. Ein Grund dürfte in meiner theologischen Herkunft aus dem evangelikalen Fundamentalismus liegen. Hier versteht man unter Seelsorge vor allem das Gespräch, dass nach einem Zuruf zwischen einem Bruder und einem reuigen Sünder stattfindet (Wahrscheinlich sind hier mehr Parallelen zur katholischen Beichte vorhanden, als man sich eingestehen möchte). Entsprechend ist Seelsorge dann auch besonderen heiligen Momenten vorbehalten.  Obwohl das Zusprechen des Heils und der Rechtfertigung für mich ein zentrales Element ist (und immer zentraler wird), wenn ich mit meinen Mitmenschen im Gespräch bin, dürfte es dennoch besser sein unter Seelsorge das zu verstehen, was Beat Tanner als “mit Christus zu Christus gehen” beschreibt. Es geht nicht um das Erteilen der Absolution sondern um das Zusprechen der Gnade in dem man auf das Kreuz weißt.  Es ist möglich unseren Mitchristen einen Rat zu geben, der zu Christus zeigt. Echten Trost- der hält, Echte Hoffnung, die besteht. Das das die Pflicht eines jeden Christen ist, macht Beat in seinem Essay: “Qualifikation für einen Seelsorger” deutlich.

Licht in die ganzen Begriffe brachte mir, als ich über den englischen Begriff “Counseling” nachdachte, der im deutschen häufig mit Seelsorge wiedergegeben wird, aber auch mit (Lebens-)Beratung übersetzt werden könnte. Genau deswegen profitiere ich ungemein von der CSA Seelsorgeausbildung. Welchen Rat kann ich meinem Bruder, meiner Schwester in ihrer Not, ihrer Angst und ihrer Sorge geben. Wie kann dieser Rat wirklich weise sein und Liebe und Wahrheit vermitteln? Was muss ich an mir ändern, damit ich besser auf Christus hinweisen kann? Wie kann ich meinen Bruder besser verstehen? Wie kann ich zwischen Sünde und Scham unterschieden? Wie kann ich Strategien entwickeln, um auch mit einem sehr beunruhigten Menschen ins Gespräch über das Wort Gottes zu kommen? Das sind nur einige der Themen, die ausführlich einschließlich persönlichem Mentoring und zusätzlicher Vorbereitungslektüre im Laufe von zwei Jahren besprochen werden.

Ich kann diesen Kurs somit nur jedem empfehlen, der überhaupt in eine Gespräch mit seinen Geschwistern tritt. Doch Achtung! Der Kurs ist gefährlich! Er wird dich verändern. Eine derartige Konfrontation mit dem Wort Gottes wird nicht ohne tiefgreifende Änderungen bleiben.

Bei der Ausbildung wird sich seit diesem Jahr etwas ändern: Ab 2020 wird es möglich sein, diese Ausbildung auch online zu absolvieren.

Mehr erfährst du hier und in diesem Video:

Martin Luther über Ehe, Sexualität und Scheidung

Lyndal Roper stellt in ihrer Biographie über Martin Luther schlüssig dar, mit welcher Leichtigkeit Luther ein tausend Jahre altes Verständnis über Ehe und vor allem über Sexualität zur Seite wischte. Liest man seine zahlreichen Aussagen über die Ehe, wird schnell deutlich, dass Luther deswegen derart revolutionär, faszinierend fortschrittlich und mutig anti-kulturell ist, dabei aber praktisch und in sich schlüssig bleibt, weil er beharrlich und immer wieder zum Wort Gottes zurückkehrt.  Im Folgenden eine kleine Auswahl; die Quellennachweise habe ich dabei gesondert gesammelt(download).

Zum Aufwärmen einige Aussagen aus den Tischreden:

„Es ist sehr gut, daß Gott nicht will, daß die Ehe zerrissen werde, denn sonst würde sie zugrunde gehen und aufhören, die Sorge für die Kinder würde in Gefahr geraten und der Hausstand würde fallen, und danach würde auch das Weltregiment und die Religion vernachlässigt werden. Es ist aber die Ehe die Grundlage des Hauswesens, der öffentlichen Ordnung, der Religion.“ [1]… (weiterlesen auf NIMM-LIES)

Audio: Gideon und die Rettung des Herrn

Etwas verspätet der neueste Beitrag zu meinem Podcast über das Buch der Richter. In Kapitel 7 erfahren wir, wie ungewöhnlich Gottes Perspektive des Heils und der Rettung ist:

  1. Sie ist überraschend anders.
  2. Sie berücksichtigt Schwächen und Versagen.
  3. Sie ist spürbar.
  4. Sie ist berechtigt.
  5. Sie macht weder träge noch dumm.

File:Gideon and His Three Hundred (Bible Card).jpg

Ein neuer Podcast: “Martin Luther über…”

Manuel ist so freundlich gewesen, meine unterschiedlichen Texte mit Zitatsammlungen von Martin Luther aufzunehmen. Mittlerweile sind bereits fünf Folgen entstanden.  Langfristiges Ziel ist die Entwicklung eines Podcasts. So wie ich das verstehe, muss zumindest eine Folge dafür veröffentlicht werden, was hiermit geschieht.

Dieser Artikel erschien zuerst am 17.03.2020 auf NIMM-LIES und betrachtet Martin Luthers Aussagen über die Pest.

Martin Luthers Predigt von der Buße

Im Andachtsbuch “Aus der Tiefe rufe ich her zu dir” (Andacht vom 15. Mai) habe ich den Hinweis zu dieser Predigt Luthers gefunden, die, so weit ich ermitteln konnte, in den populär und frei zugänglichen Sammlungen von Luthers Werken nicht verfügbar ist. Ich habe den Text aus der Frakturschrift kopiert und etwas mehr ins Hochdeutsche gebracht (pdf, docx, epub, mobi).

Luther ist hier at his best. Noch ganz katholisch setzt er sich fest für die Absolution ein, arbeitet aber schon ganz klar am “Sola Fide”. So schreibt er:

“Es fällt also dahin der Irrtum derer, die da sagen, dass die Sakramente des neuen Gesetzes in der Weise wirksame Gnadenzeichen seien, dass, wenn auch einer schon keine rechte Reue, sondern nur einen Reueanflug hätte, wo er nur nicht ein Hindernis durch eine wirkliche Sünde oder den Vorsatz zum Bösen entgegen stellte, so könne er Gnade erlangen. Ich aber sage dir, wenn du auch mit einer rechten Reue hinzugingest, aber nicht glaubtest an die Absolution, so gereichen dir die Sakramente zum Tod und zur Verdammnis. Denn der Glaube ist notwendig; um wie viel weniger genügt also ein Reueanflug oder die Nichtsetzung eines Hindernisses; endlich aber gibt es keinen solchen in der ganzen Welt, der nicht ein Hindernis entgegensetzte, ohne allein, der da glaubt, da allein der Glaube rechtfertigt, und „wer zu Gott kommen will, der muss glauben” (Hebr. 11, 6.). Denn jener gemeine Spruch ist ganz wahr und richtig: „Nicht das Sakrament, sondern der Glaube an das Sakrament rechtfertigt”; oder wie St. Augustinus sagt: „Das Sakrament wirkt nicht, weil es geschieht, sondern weil es geglaubt wird.” Wenn aber das Sakrament nicht rechtfertigt, sondern der Glaube an das Sakrament, um wieviel weniger rechtfertigt die Reue oder die Nichtsetzung eines Hindernisses; sondern allein der Glaube!”

Sehr treffend durchschaut er auch unsere Versuche unsere Reue als gutes Werk statt als demütigen Glauben zu verkaufen: „Martin Luthers Predigt von der Buße“ weiterlesen

Worte des Heils(9): Gideon zwischen Gott und Götzen

Heute wollen wir den zweiten Teil von Kapitel 6 im Buch Richter betrachten (V.25-40). Dabei gehen wir diesen beiden Fragen nach:

a) Welche Rolle spielt Götzendienst in unserem und in Gideons Leben?

b) Sollen wir um Zeichen bitten?