Was ist eigentlich Soteriologie?

Bildrechte: lizenzfrei

Ohne dass ich sonderlich viel Wert auf Fremdworte lege, war ich bisher gewohnt die Soteriologie eher als die Lehre von der Aneignung des Heils zu betrachten. Ungefähr so: Ich bekehre mich, werde dadurch wiedergeboren und lebe nun in der Heiligung. Eine Perspektive also, die vor allem auf das Verhalten des Menschen schaut. Völlig neu war für mich der Ansatz reformierter Theologie, vom Werk Christi her zu denken. Eduard Böhl sieht in der Soteriologie gar die Lehre vom Erlöser (soter = Erlöser). In seinem Buch “Christologie des Alten Testaments”, welches eine meiner Quellen für meine Reihe Christus im Alten Testament ist, schreibt Böhl: „Was ist eigentlich Soteriologie?“ weiterlesen

Die unwahrscheinlichste, verrückteste und faszinierendste Geschichte aller Zeiten

Eigentlich sollten wir diese Kunstfertigkeit feiern, doch alle schweigen verschämt und blicken zu Boden. Eine unfassbar fantastische Geschichte wurde entdeckt, doch keiner möchte darüber Reden.  Die Entdeckung dieser unfassbar unglaublichen Geschichte haben wir übrigens vor allem der liberalen Theologie und in besonderer Weise der liberalen Theologie Deutschlands zu verdanken. Fangen wir einfach mal an:

So berichteten es mir meine evangelischen Religionslehrer immer und immer wieder: Das Alte Testament, und in besonderer Weise der Pentateuch sind Fiktion. Auch wenn diese scharfe Rationalität nicht mehr den neuesten Stand der Forschung darstellen, sammeln wir gerade die Früchte vergangener Saat-Arbeit. Ist doch genau diese Bewertung des AT als Fiktion der “state of the art” des Menschen auf der Straße. Man hat dabei in etwa diese Erzählung im Blick, doch weil man immer nur kleine Schnipsel erzählt, verhindert man die Enttarnung der völligen Unglaubwürdigkeit:

Ca. 550 v.Chr. landet ein eher schlecht gebildetes Volk, ein Nomadenvolk, das meist von Streitigkeiten zerrissen und gespalten war, in babylonischer Gefangenschaft. Obwohl die meisten dieser Volksgruppe, auch Israeliten bzw. Judäer genannt, kaum oder gar nicht lesen können, entwickeln sie plötzlich ungeahnte und unerwartete Integrations-Schwierigkeiten. Während sich die meisten anderen Völker (die übrigens irgendwie auf seltsame Weise, weil es die Forschung des 19.Jahrhunderts so bestimmte, deutlich fortgeschrittener waren) ohne Probleme assimilieren, entwickeln die Juden eine Gegenkultur. „Die unwahrscheinlichste, verrückteste und faszinierendste Geschichte aller Zeiten“ weiterlesen

Über Menschenfurcht, Vergangenheitsbewältigung und mehr…

Mit einigen Freunden aus der Gemeinde besuchen wir derzeit die CSA Seelsorgeausbildung in Aarau. Ehrlich gesagt, habe ich zunächst gefürchtet, dass mich das furchtbar langweilen wird. Seelsorge ist nicht unbedingt etwas, womit ich viel anfangen kann. Doch Kurs für Kurs ändert sich meine Haltung. Beat hat auf seiner Homepage auch einige Texte veröffentlicht, die ich oftmals als sehr hilfreich empfinde. Auszüge aus zweien davon:

Menschenfurcht

“Menschenfurcht ist ein falscher Gott, der in seinem Wesen halbherzig ist. Menschenfurcht geht Kompromisse ein. Dafür gibt es ausreichend Gründe zur Selbstrechtfertigung:

  • Man kann doch nicht so sein!
  • Was denken die Anderen von mir?
  • Ich könnte mich blamieren…
  • Kann man so herzlos sein?
  • Warum jetzt wieder einen Konflikt beginnen?
  • Mein Handeln könnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen (vielleicht eine Haftstrafe durch ein Regime, Prügel oder gar der Tod…)
  • Das hat doch keinen Zweck – ist bloß vergeudete Zeit …”

gefunden in: “Menschenfurcht – Kein Kavaliersdelikt”

Vergangenheitsbewältigung im Leben Josefs

Wertvoll fand ich den Gedanken, dass Versöhnung nicht zu schnell herbeigeführt werden sollte:

“So lernen wir aus der Geschichte Josefs, dass eine Versöhnung manchmal eine lange Zeit braucht – jedenfalls aus der eigenen Perspektive gesehen –; einen langen Weg der Heiligung, der auf der einen oder auf beiden Seiten zur Einsicht Schuld vor Gott und den Menschen führt, bis es endlich zu einer Versöhnung kommen darf. Der Umgang mit der Vergangenheit kann unseren Weg der Heiligung ein ganzes Leben lang prägen. (…) In der Begegnung mit seinen Brüdern hielt er die große Spannung aus und führte keine zu schnelle Versöhnung herbei. Stattdessen prüfte er das Herz seiner Brüder: Würden sie wieder so handeln, wie sie mit ihm gehandelt hatten?”

gefunden in: Vergangenheitsbewältigung

Mehr…

„Über Menschenfurcht, Vergangenheitsbewältigung und mehr…“ weiterlesen

Gibt es eigentlich unwahre Erzählungen?

Manchmal geschehen Schlüsselereignisse. Eines davon war für mich die Begegnung zwischen Dr. Siegfried Zimmer und Dr. Lothar Gassmann zum Thema Bibeltreue, Bibelforschung und Bibelkritik im Jahre 2012.

Nun, um es kurz zu machen: Dr. Zimmer hat den Vortrag von Dr. Gassmann in kurzer Zeit zerstört. Natürlich konnte er sich dabei voll auf seine rhetorischen Fähigkeiten verlassen. Ich muss zugeben, ich war damals ebenfalls ziemlich schockiert, dass liberale Theologie derart leichtes Spiel hat. Nachträglich betrachtet, bin ich für diese extrem harte Erfahrung auch gleichermaßen dankbar. Eine damals von Dr. Zimmer formulierte These, möchte ich heute aufgreifen – weil Sie mir unabhängig von Dr. Zimmer regelmäßig den Weg kreuzte.

Damals argumentierte Zimmer (unter anderem) so, um zu erklären, warum die Bibel Wahrheit bleibt, ohne an Ihrer Unfehlbarkeit (oder göttlichen Inspiration) festhalten zu müssen: Der Wahrheitgehalt einer Aussage oder einer Erzählung hängt nicht davon ab, ob das berichtete wirklich stattfand. Er erzählte sehr bildlich von Victor Hugo, der das Leben der Ärmsten von Frankreich an eigenem Leib erlebte, weil er sich freiwillig entschied, über einen längeren Zeitraum in einem Armenviertel zu leben. Zurück im Bürgertum veröffentlichte er sein Meisterwerk “Die Elenden“, was in der französischen Welt zu einem Umdenken in sozialen Fragen führte. “Die Elenden” ist dabei vollständig fiktiv und beschreibt doch die Unterschicht genau und präzise. Sie wäre also eine wahre Geschichte. Ähnlich berichtet auch die Bibel über Schöpfung, Inkarnation, Auferstehung und Pfingsten wahr, ohne dass diese Ereignisse unbedingt stattgefunden haben müssen. „Gibt es eigentlich unwahre Erzählungen?“ weiterlesen

Der Monergismus des Apostolikums

Es wird häufig gemeint, dass Monergismus kein Konzept ist, das vor Augustin vertreten wurde. Das Argument geht in etwa so: “Reformierte Theologie kann gar nicht stimmen, denn die Kirchenväter haben diese schließlich nicht vertreten.” Nun könnte man gegen diesen Einwand vieles einbringen. Zunächst einmal, ist die Schrift und nicht die Urkirche unsere Leitinstanz. Zudem hätten auch baptistische Christen (also gerade die, die obiges Argument gerne verwenden) Schwierigkeiten, auf diese Weise auch bezüglich der Taufe zu argumentieren. Man könnte auch, was in der Tat gravierender ist, einwenden dass dem Evangelikalen des 21ten Jahrhunderts die Kirchenväter völlig schnuppe sind. Zumindest kenne ich persönlich keinen einzigen Menschen, der jemals ernsthaft Ambrosius oder Athanasius oder Cyprian gelesen hat. Kommt man zur Frage der Erwählung, findet man aber plötzlich überall Experten der frühen Kirchengeschichte. „Der Monergismus des Apostolikums“ weiterlesen

Darf man beten: "Rette und Bewahre"?

Von den zwei Aufenthalten die ich im Osten Eurasiens (Kasachstan und Ukraine) verbrachte, ist mir ein Satz sitzen geblieben, der an jeder Ecke von orthodoxen Omas gemurmelt wurde: “Спаси и сохрани”. Bettler schrieben das auf ihre Schilder und dieser Spruch klebte oft auf Autos und anderen Objekten. Meist versehen mit einer typisch russisch-orthodoxen Ikone bedeuten diese drei Wörter: “Rette und Bewahre” (Die Google-Suche liefert mehr als 2 Mio. Ergebnisse für diesen Satz). Nun bin ich gegenüber dem russisch-orthodoxen Glauben eher skeptisch. Also fragte ich mich, ob diese Aussage überhaupt die biblische Botschaft wiedergibt. Das man nach Rettung ruft, klingt plausibel. Aber darf man auch um Bewahrung bitten? Ist die Bewahrung nicht unser eigenes verdienstvolles (meritorious) Werk, was wir nun mal gefälligst selbst zu bewirken haben?

„Darf man beten: "Rette und Bewahre"?“ weiterlesen

Ist "Sola Fide" dasselbe wie "Sola Gratia"?

2017 wurde in jeder freien Kirche Deutschland ein Thema zumindest angeschnitten! Die 500-Jahr Feier der lutherischen Reformation un die 4 Solis wurden zumindest in unserer Gemeinde in dieser Zeit regelmäßig angesprochen. Was mir bereits damals aufgefallen ist, dass sowohl Sola Gratia, wie Sola Fide irgendwie als identisch miteinander betrachtet wurden. Deutlich wird dies vor allem dann, wenn man versucht, auf die theologische Abgrenzung hinter diesen 4 Sätzen (Sola Gratia, Sola Fide, Solus Christus, Sola Scriptura) hinzuweisen, die die Reformatoren gegenüber der katholischen Kirche schufen. Allein die Schrift und nicht Schrift und Tradition; Allein Christus und nicht Christus und die Kirche/die Heiligen; Allein der Glaube und nicht Glaube und Werke! So weit, so gut! Doch was ist dann die Abgrenzung von Gnade? Auch Gnade und Werke? Dann wäre ja eine Wiederholung nicht nötig. Luther und Konsorten hätten es kaum nötig, den selben Punkt doppelt zu widerlegen. Warum dann beide Punkte? Was ist der Unterschied zwischen Sola Fide und Sola Gratia? Noch wichtiger ist jedoch die Frage: Glauben wir wirklich an Sola Gratia?

„Ist "Sola Fide" dasselbe wie "Sola Gratia"?“ weiterlesen

Oh Lord, please don't let me be misunderstood ?

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung zum Artikel: Für Wen ist das Evangelium? Diesmal möchte ich betrachten ob unsere Buße (oder was wir als solche verkaufen) wirklich eine geeignete Reaktion auf die Botschaft des Evangeliums ist.

1964 wurde der Song “Don’t Let Me Be Misunderstood” geschrieben und stürmte wiederholt die Charts, so 1965 in der Variante der Animals und 1977 mit Santa Esmeralda. Die Szenerie ist schnell erzählt: Ein Freund/ Ehemann entschuldigt sich für irgend ein nicht wirklich definiertes Vergehen bei seiner Partnerin. Man kann in etwa denken, was vorgefallen ist. Betrachten wir die erste Strophe:

1. Baby, do you understand me now
Sometimes I feel a little mad
Well don’t you know that
no-one alive
Can always be an angel
When things go wrong I seem to be bad
Refrain:
I’m just a soul who’s intentions are good
Oh Lord, please don’t let me be misunderstood
Baby, verstehst du mich jetzt?
Manchmal fühle ich mich ein bisschen verrückt.
Du weißt doch,
dass man nicht immer ein Engel sein kann.
Und wenn es schief geht, scheine ich so schlecht zu sein
Refrain:
Ich jedoch bin eine Seele mit guten Absichten!
Oh Herr, lass mich bitte nicht missverstanden sein  

Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich ertappt, als ich mit diesem Text konfrontiert wurde. Nicht wenige Male blieben und bleiben Buße, Reue und Tränen nur Teile einer aufwendigen Selbstrechtfertigung. Doch im Detail:

„Oh Lord, please don't let me be misunderstood ?“ weiterlesen

Der Personenkult

Der Blog “Christen finden Ruhe“, hat vor einigen Tagen zu einer “Blogger-Parade” aufgerufen. Gerne liefere ich meinen Beitrag dazu! Der Artikel versucht mein Ringen, den Christlichen Glauben zu verstehen, darzustellen. Kurz, ich glaube ich bin ein Fan von Jesus Christus, ich huldige einem Personenkult! Doch, immer der Reihe nach:

„Der Personenkult“ weiterlesen

Input zum Heidelberger Katechismus

Überlegungen

In 129 Fragen und Antworten bietet der Heidelberger Katechismus (im Folgenden HK) eine sehr kompakte, gleichzeitig umfassende Darstellung des Christlichen Glaubens. Dabei folgt er der Dreiteilung: Elend (8 Fragen) – Erlösung(74 Fragen) – Dankbarkeit (42 Fragen)

Dabei wird die Gotteslehre,die Christologie un die Lehre der Sakramente im Teil der Erlösung behandelt. Der Schwerpunkt auf die Christologie ist ein besonders beeindruckendes Beispiel für reformierte Theologie. Der Abschnitt zur Dankbarkeit macht deutlich, dass zwischen Dogmatik und Ethik nicht getrennt wird, behandelt hier der Autor die zehn Gebote und das Gebet. Insgesamt reiht sich der HK durch diesen Aufbau in die Tradition der Reformation aber auch des Mittelalters ein, Theologische Fragen systematisch zu ordnen.

Dennoch machen einige Umstände den HK zu einem besonders wertvollen Katechismus:

„Input zum Heidelberger Katechismus“ weiterlesen