Auslegung oder Auflegung

Eine Predigt von John Piper, gehalten am 18.06.2020 unter dem Titel: Exposition or Imposition – How Gospel-Centered Preaching Can Go Wrong (18.06.2020). Übersetzt von Abijah Hesse. (Download als .pdf)

Den Titel, den ich für diese Predigt erhielt, lautet „Die Evangeliumspredigt als Erläuterung der ganzen Bibel“. Und so interpretiere ich diesen Titel: Es wird davon ausgegangen, dass wir in unserer Predigt als Pastoren „die ganze Bibel darlegen“ sollten. Das ist eine gute Annahme. „Die ganze Schrift ist. . . ertragreich“, sagte Paulus (2. Timotheus 3, 16). Und dann, drei Verse später, sagte er im natürlichen Fluss seines Denkens: „Predige das Wort!“ (2. Timotheus 4, 2). Ich verstehe in diesem Zusammenhang „das Wort“ als nichts weniger als das inspirierte Wort: „die ganze Schrift“. Alle Schrift ist von Gott eingehaucht und ertragreich (2. Timotheus 3, 16). Predige sie. Verkünde sie. Mach sie bekannt. Erkläre sie. Erkläre die ganze Bibel.

Aber wenn mein Titel „die Erklärung der ganzen Bibel“ im Blick hat, bedeutet das nicht: „Erkläre jeden einzelnen Vers der Bibel.“ Niemand kann das in einem Leben tun. Nicht, wenn du das Wort erklären /erläutern ernst nimmst. Stattdessen bedeutet es: Durchquere in deinen vierzig oder fünfzig Jahren der Darlegung die gesamte Bibel und nimm Texte von irgendwo und allerorts auf, so wie der Geist führt, die Zeiten es erfordern und deine Gemeinde es braucht. Weil alles inspiriert und profitabel ist. Die Erklärung der gesamten Bibel wird uns Christen hundertmal mehr nützen als unsere klugen oder kreativen Überlegungen zum Stand der Religion, Kultur oder Politik.

„Denn alles Fleisch ist wie das Gras,
und all seine Pracht wie die Blume des Feldes.
Das Gras verdorrt und die Blüte fällt ab, 
das Wort des Herrn aber bleibt in Ewigkeit.“ (1. Petrus 1, 24-25)

Eure Gemeinde braucht euch, um durch anbetungsvolle Erklärungen zu verstehen, was Bibelpassagen bedeuten. Erklärung und Jauchzen ist das, was sie von euch brauchen. Wahrheit und Leidenschaft. Weisheit und Anbetung. Lehre und Freude. Aus jedem nur denkbaren Text der Bibel. Das ist es, was ich in der zweiten Hälfte meines Titels: „Die Erläuterung der ganzen Bibel“ verstehe. „Auslegung oder Auflegung“ weiterlesen

Sherlock Holmes und der seltsame Fall mit der verschwindend kleinen Differenz

“Die Kälte kam diesen Herbst unerwartet früh und ungewöhnlich frisch über London. Tagsüber lichteten sich die Nebel nur selten und wenn, dann nur um Platz für Schauer zu schaffen. Eben solcher Trübsinn fiel auch auf meinen guten alten Freund Sherlock Holmes, der erst im August einen bekannten Adligen Genuas gewohnt effizient wie diskret vor einem wirren Komplott von Lügen und Verschwörungen erlöst hat. Der Fall hat sehr an seinen Kräften gezerrt; so konnte ich es nur schwer glauben, dass ihn ein Problem theologischer Art wirklich derart beschäftigen sollte. Man muss wissen, dass sich der berühmte Ermittler, seit er am 07.07.1891 die letzte Predigt von C.H. Spurgeon gehört hatte, sich mit der gleichen Hingabe an wendete, wie er es zuvor an seine detektivische Arbeit tat. Das ich in meinen Berichten diese ungewöhnliche Entwicklung seiner Persönlichkeit bisher verschwiegen habe, muss meiner übertriebenen Furcht davor zugeschrieben werden, dass sich die Leser nur wenig für das geistliche Leben von Holmes’ interessieren könnten.

“Aber Holmes, es geht doch nur um 0,1%. Wie kann Sie das bloß derart beschäftigen? ” – unterbrach ich sein trübes stundenlanges Schweigen.

“Watson, verstehen Sie denn nicht, dass diese 0,1% elementar sind. Elementar! Verlieren wir diese, verlieren wir das ganze Evangelium.”

“Das Sie selbst in ihrem Glauben ein Perfektionist bleiben wollen, konnte ich noch nie verstehen” – gab ich lauthals meinem Ärger preis! „Sherlock Holmes und der seltsame Fall mit der verschwindend kleinen Differenz“ weiterlesen

Warum ich Baptist bin

Ein Artikel von R. Albert Mohler Jr.,: „Why I am a Baptist.“ Erschienen in der Printausgabe von First Things, August 2020.  Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung  von First Things (download als .pdf).

Übersetzt von Viktor Zander. (Infos darüber, wie ihr Viktors Übersetzungsarbeit unterstützen könnt, findet ihr ganz unten)

Desiderius Erasmus hat einmal bei seinen Debatten mit Martin Luther, zunächst ungläubig und schließlich außer sich, den großen Reformer als Doctor Hyperbolicus bezeichnet. Laut Erasmus konnte Luther nicht anders, als jede Streitfrage auf die Spitze zu treiben. Wir können darüber nur phantasieren, was Erasmus über Baptisten gesagt hätte, die glauben, Luther habe seine Streitfrage nicht weit genug gedacht. Selbst der eloquente Erasmus wäre dann wohl sprachlos geworden.

Sicher, weder Erasmus noch Luther sind je einem Baptisten begegnet. Die Bewegung, die wir heute unter dem Namen Baptisten kennen, entstand auf dem Kontinent erst im sechzehnten und in England erst im siebzehnten Jahrhundert. Seitdem ist die Welt weniger still.

Jede große Bewegung beginnt wahrscheinlich mit irgendeiner Art von Streitfrage, so entstanden die Baptisten im Zusammenhang mit einer Streitfrage, die intensiv, bedeutend und manchmal tödlich war. Luther fing damit an. Die Calvinisten glaubten, er habe sie nicht weit genug gedacht. Die englischen Puritaner kamen ebenso zu der Überzeugung, dass die moderat reformierte Kirche Englands die Streitfrage nicht weit genug gedacht habe. Die Separatisten (aus Kongregationalisten und Presbyterianern bestehend) glaubten, dass die Puritaner, die in der Kirche Englands verblieben, sie nicht weit genug gedacht hätten. Die Baptisten separierten sich dann von den Separatisten, weil sie sie nicht weit genug dachten. Seitdem haben Baptisten nicht aufgehört zu streiten. Sie streiten oft unter-einander, aber viel dringlicher streiten sie für die Notwendigkeit der Bekehrung, für die aus Gläubigen bestehende Gemeinde, für die alleinige Taufe Gläubiger, und für die Gewissensfreiheit. „Warum ich Baptist bin“ weiterlesen

Theophanie

Ein Artikel von Vern Poythress: Theophany. Übersetzung unter Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US)

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Definition

Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes, eine intensive Manifestation der Gegenwart Gottes, die durch außergewöhnliche visuelle Erscheinungen begleitet wird.

Zusammenfassung

Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes, spezieller Teil des Themas: „Gegenwart Gottes.“ Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes, eine intensive Manifestation der Gegenwart Gottes, die durch außergewöhnliche visuelle Erscheinungen begleitet wird. Im Alten Testament hat Gott seinem Volk seine Gegenwart auf verschiedene Weise visualisiert (im Sturm, auf dem Thron, als Krieger, als Mensch), doch Jesus Christus dient als zentraler Höhepunkt der Theophanien der Geschichte: Gott-wird-Mensch. Wir können verstehen, wie sich Gott seinem Volk selbst als ein Bote oder als Engel darstellen kann, wenn wir sehen, dass Christus als Bote Gottes kommt, obwohl er völlig Gott ist. In diesem trinitarischem Mysterium, fangen wir an die Wege zu erkenne, die Gott ausgesucht hat, um sich selbst seinem Volk in der Geschichte zu zeigen.

Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes. Wir können sie auch als intensive Mani-festation der Gegenwart Gottes, die durch außergewöhnliche visuelle Erscheinungen begleitet wird, verstehen. „Theophanie“ weiterlesen

Vorsehung

Ein Artikel von Paul Helm: Providence. Übersetzung unter Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US)

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Definition

Die Vorsehung Gottes ist das Wirken der Souveränität Gottes um seine Schöpfung fortwährend aufrechtzuerhalten, zu lenken und für sie zu sorgen.

Zusammenfassung

Gottes Vorsehung ist das Wirken seiner Macht, um seine Schöpfung aufrechtzuerhalten, zu lenken und für sie zu sorgen. Manche Theologen haben das als fortschreitende Schöpfung bezeichnet, entgegen den Darstellungen, dass Gott die Welt erschaffen hat und dieses Werk beendet hat. Die Vorsehung Gottes lässt keinen Raum für Zufall oder für den Kampf zwischen Gott und einer anderen Macht. Gott als die Erstursache bewirkt alles, doch das beseitigt nicht die Fähigkeit der Schöpfung zu handeln oder zu wirken. Vielmehrt gewährt Gott allen Kreaturen ihre Macht ursächlich in der Welt zu handeln. Die Vorsehung Gottes unterscheidet sich von der Vorherbestimmung (Prädestination) darin, dass die letztere sich insbesondere auf die Errettung der Erwählten fokussiert, während Vorsehung allgemein ist. Wir können nicht alle Details von Gottes vorsehenden Plan wissen. Nur Gott weiß, wie alle Dinge zusammenwirken werden. Schließlich muss auch das christliche Gebet vor allem ein Ausdruck der Bestrebungen von Christi Nachfolgern in der Gegenwart Gottes sein, statt eine Liste von Forderungen. „Vorsehung“ weiterlesen

Stellvertretende Sühne

Ein Artikel von Thomas Schreiner: Substitutionary Atonement. Übersetzung unter Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US) Download als .pdf

Definition

Die Perspektive der Sühne als Straf-Stellvertretung (engl.: penal substitutionary atonement) hält fest, dass das zentrale Ereignis in der Sühne die Annahme der vollen Strafe, die wir für unsere Sünde verdienen, durch Jesus Christus an unserer Stelle ist und das alle anderen Vorzüge der Sühne ihren Anhaltspunkt in dieser Wahrheit finden.

Zusammenfassung

Alle Menschen benötigen einen Stellvertreter, weil alle als Sünder gegen einen heiligen Gott schuldig geworden sind. Jegliche Sünde verdient Bestrafung, weil jegliche Sünde eine persönliche Rebellion gegen Gott höchstpersönlich ist. Während die Tieropfer im Alten Testamentes die Schuld des Gottes Volkes übernommen haben, konnten die Opfer niemals vollständig für die Sünden der Menschen sühnen. Deswegen kam Jesus Christus und starb an Stelle seines Volkes (Stellvertretung) und nahm auf sich die volle Strafe, die sie verdient haben (Strafe). Auch wenn es andere Theorien über die Sühne gibt, die auf andere gültige Aspekte dessen hinweisen, was im Tode Christi geschah, bewahrt die Straf-Stellvertretung in der Kreuzigung dem Volk Gottes all die anderen Vorzüge, die dieses durch den Tod ihres Repräsentanten erfährt. „Stellvertretende Sühne“ weiterlesen

Heilsgewissheit

Ein Artikel von Ray Galea: Assurance. Übersetzt von Alexander Schneider unter der Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US)

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Definition

Heilsgewissheit meint die gottgegebene Zuversicht der gegenwärtigen Anerkennung und der zukünftigen Annahme eines jeden wahren Christus-Gläubigen durch den himmlischen Vater.

Zusammenfassung

Die Bibel bezeugt durchgängig die Heilsgewissheit für alle, die in Christus sind. Diese Gewissheit gründet sich erstens in den objektiven Verheißungen Gottes und zweitens im persönlichen Werk des Heiligen Geistes, einmal im direkten Zeugnis als auch im indirekten Zeugnis der Frucht der Bekehrung. Eine solche Gewissheit verneint die Bedeutung von Warnungen und die Existenz von Zweifeln nicht. „Heilsgewissheit“ weiterlesen

Warum will Christus, dass manche NICHT glauben?

Ein Artikel von John Piper, Why Does Christ Want Some Not to Believe, erschienen am 15.06.2020 auf Desiring God. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (download .pdf

 – Das ist für viele Bibelleser eine verwirrende Frage, die sich am Kopf kratzen, wenn sie auf Texte wie Mt 13,13 und Lk 8,10 stoßen. Heute kommt die Frage von einem Zuhörer namens Max – eine Frage an Pastor John, der uns wieder einmal via Skype zugeschaltet ist.

„Hallo Pastor John! Können Sie mir bitte Jesu Gleichnis in Lk. 8,9-15 erklären, in welchem er Jes. 6,9 zitiert? In Jes. 6,10 sagt Gott: ‚Mache das Herz dieses Volkes fett, … damit es mit seinen Augen nicht sieht … und sein Herz nicht einsichtig wird und es nicht umkehrt und Heilung für sich findet!‘ Was mich irritiert ist, dass Gott mit voller Absicht Menschen von der Errettung fernhält, obwohl 1Tim. 2,4 feststellt, dass Gott will, dass alle Menschen Buße tun und die Errettung empfangen. Helfen Sie mir bitte, dieses scheinbare Paradox und wenn möglich Gottes Gedanken dahinter zu verstehen, wenn er bestimmte Herzen verhärtet, um sie von der Buße fernzuhalten.“ – 


In Wirklichkeit handelt es sich hier um zwei Fragen. Beide Fragen sind gut. Die erste Frage lautet: Impliziert 1Tim 2,4, dass Gottes Wunsch, dass alle gerettet werden, seine entscheidende Souveränität darüber ausschließt, wer tatsächlich gerettet wird? Wenn er also wünscht, dass alle gerettet werden, ziehen Sie dann die Schlussfolgerung, dass er keinen Anteil daran hat, auszuwählen, dass manche gerettet und manche übergangen und nicht gerettet werden? Das ist eine Frage.

Die andere Frage lautet: Was sind Gottes Gedanken darüber, oder der Zweck dahinter, wenn er in Lukas 8 verhindert, dass manche Menschen die Wahrheit sehen und gerettet werden? Lassen Sie uns also eine Frage nach der anderen angehen und sie dann miteinander verbinden. „Warum will Christus, dass manche NICHT glauben?“ weiterlesen

Die Biblischen Bünde

Ein Artikel von Paul R. Williamson (Download als .pdf).

Übersetzt von Abijah Hesse unter der Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US).

Durch die zahlreiche Unterstützung, die ich auf meinen Aufruf hin erfahren habe, ist es mir nun möglich auch die TGC-Essays als Podcast anzubieten. 

Manuel nimmt diese Essays auf und veröffentlicht sie auf auf seinem Kanal euangelion.  Die letztliche Freischaltung auf spotify und itunes wird zwar noch ein paar Tage dauern, aber hier schon einmal dieser Beitrag zum Anhören:


Definition

Die biblischen Bünde bilden den verbindenden Faden des rettenden Handelns Gottes durch die Schrift, explizit beginnend mit Noah bis zur Erfüllung des neuen Bundes, in Kraft gesetzt durch das Blut Jesu Christi.

Zusammenfassung

Die biblischen Bünde bilden den verbindenden Faden von Gottes Heilshandlung durch die Schrift. Während einige Theologen argumentieren, dass es vor dem ersten Bund drei Bünde gibt (den Erlösungsbund, den Werkebund und den Gnadenbund), besteht der erste ausdrückliche Bund in der Schrift nach der Flut zwischen Gott und Noah. Der abrahamitische Bund folgt bald darauf in Genesis und legt den Grundstein für die Nation Israel und den kommenden Messias, durch den Gott alle Nationen der Welt begnaden würde. Der mosaische Bund setzt Gottes Umgang mit der Nation Israel, den Nachkommen Abrahams, fort und ruft sie dazu auf, gegenüber den Nationen um sie herum die Herrlichkeit ihres Herrn widerzuspiegeln. Der mit König David geschlossene Bund wies vor Israel auf den kommenden Messias hin, der für immer vollkommen auf dem Thron Davids regieren würde. Erst als Jesus als Israels Messias kam, wurden die Bünde mit dem Menschen gänzlich gehalten und erfüllt. Jesus kam, um den neuen Bund in Kraft zu setzen, der im Gesetz und in den Propheten versprochen wurde, mit diesem bringend die eschatologischen Segnungen, die dem Volk Gottes versprochen wurden.

Die Bünde zwischen Gott und den Menschen bilden einen einheitlichen Faden in der Schrift, von ihrer konzeptuellen Einführung in Genesis bis zu ihrer eschatologischen Erfüllung in der Offenbarung. Obwohl Theologen hinsichtlich der genauen Anzahl und Art solcher göttlichen Bünde uneins sind, stellen nur wenige ihre theologische Bedeutung in Bezug auf die Erlösungsgeschichte infrage.

Während der Begriff „Bund“ nicht vor Genesis 6,18 erscheint, vertritt die Reformierte/ Bundestheologie, dass drei weitere Bünde dem Bund Gottes mit Noah vorausgehen: ein ewiger „Erlösungsbund“, der innerhalb der Dreifaltigkeit vor der Erschaffung der Welt geschlossen wurde, ein vor dem Fall zwischen Gott und Adam geschlossener Bewährungs- „Bund der Werke/ Schöpfung“ und ein Gnadenbund nach dem Fall, durch den Gott versprach, die Menschheit vor den Folgen der Sünde zu retten und seine durch die Schöpfung erhaltene Bestimmung zu erfüllen. Während sich nicht alle reformierten Theologen auf die genaue Beziehung zwischen dem Gnadenbund und dem Erlösungsbund einigen können, wird angenommen, dass einer oder beide die nachfolgenden göttlich-menschlichen Bünde in der Schrift untermauern, die alle demselben übergeordneten Zweck und Endziel dienen.

Andere Gelehrte sind jedoch nicht überzeugt und identifizieren nur diejenigen, die in der Schrift ausdrücklich als solche beschrieben werden, als göttliche Bünde. Obwohl sie nicht leugnen, dass der dreieinige Gott die Errettung des Menschen vor der Erschaffung der Welt geplant hat oder dass Gott eine Beziehung zu Adam aufgebaut hat, die gegenseitige Verpflichtungen beinhaltete, oder dass Gottes Beziehungen zur Menschheit ein einziges kreatives und erlösendes Ziel ausdrücken, unterscheiden sie solche Ideen sorgfältig von den Konzept eines Bundes – eines, das zusätzliche Elemente wie einen vereidigten und / oder erlassenen Eid beinhaltet. Im letzteren Sinne verstanden, ist der erste göttlich-menschliche Bund somit der in den Tagen Noahs geschlossene (vgl. Jes. 54, 9), der Gottes Eintreten für die Schöpfung nach der Flut bekräftigt. „Die Biblischen Bünde“ weiterlesen

Glaube und Werke!

Ein Artikel von Thomas Schreiner (Download als .pdf):

(https://www.thegospelcoalition.org/essay/faith-and-works/). Übersetzt von Daniel Thielmann unter der Creative Commons License wit Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US).

Definition

Das Verständnis der reformierten Protestanten über das Verhältnis zwischen Glaube und Werke ist, dass die Errettung durch den Glauben an Christus allein kommt, und dass die guten Werke, die von Gläubigen vollbracht werden, nicht die Grundlage der Rettung sind, sondern als der nötige Beweis der Errettung gesehen werden sollten.

Überblick

Die Diskussion über das Verhältnis zwischen Glaube und Werke steht in der Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken im Mittelpunkt. In der Bibel sehen wir durchgehend, dass die Errettung nicht auf der Grundlage von Werken erlangt wird, sondern ausschließlich auf der Grundlage des Glaubens an Gott. Jesus selbst betont dies durch viele Gleichnisse und Sprichwörter, und Paulus argumentiert ausdrücklich gegen die Einbindung der Werke als Grundlage der Erlösung. Und obwohl Jakobus argumentiert, dass Rechtfertigung durch Werke geschieht “statt durch Glauben allein,” stimmt es mit dem Rest des Neuen Testaments überein, wenn man versteht, dass Jakobus immer noch zugibt, dass wir sündigen; er widerspricht dem “Glauben ohne Werke” – aber nicht: dem Glauben allein als die Grundlage der Erlösung. Also lehrt das gesamte Neue Testament, dass wir durch den Glauben allein gerechtfertigt sind. Aber der Glaube der rettet, entfaltet sich zwangsläufig in guten Werken.

Eine der wichtigsten Fragen biblischer Theologie ist dieses Verhältnis zwischen Glaube und Werke. Das unterschiedliche Verständnis der Funktion von Glaube und Werke hat ohne Zweifel dazu geführt, dass treue Protestanten sich von der römisch-katholischen Kirche seit der Zeit der Reformation trennten. Ich werde hier ein “traditionell-reformiertes” Verständnis über Glaube und Werke vorstellen. „Glaube und Werke!“ weiterlesen