Warum will Christus, dass manche NICHT glauben?

Ein Artikel von John Piper, Why Does Christ Want Some Not to Believe, erschienen am 15.06.2020 auf Desiring God. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (download .pdf

 – Das ist für viele Bibelleser eine verwirrende Frage, die sich am Kopf kratzen, wenn sie auf Texte wie Mt 13,13 und Lk 8,10 stoßen. Heute kommt die Frage von einem Zuhörer namens Max – eine Frage an Pastor John, der uns wieder einmal via Skype zugeschaltet ist.

„Hallo Pastor John! Können Sie mir bitte Jesu Gleichnis in Lk. 8,9-15 erklären, in welchem er Jes. 6,9 zitiert? In Jes. 6,10 sagt Gott: ‚Mache das Herz dieses Volkes fett, … damit es mit seinen Augen nicht sieht … und sein Herz nicht einsichtig wird und es nicht umkehrt und Heilung für sich findet!‘ Was mich irritiert ist, dass Gott mit voller Absicht Menschen von der Errettung fernhält, obwohl 1Tim. 2,4 feststellt, dass Gott will, dass alle Menschen Buße tun und die Errettung empfangen. Helfen Sie mir bitte, dieses scheinbare Paradox und wenn möglich Gottes Gedanken dahinter zu verstehen, wenn er bestimmte Herzen verhärtet, um sie von der Buße fernzuhalten.“ – 


In Wirklichkeit handelt es sich hier um zwei Fragen. Beide Fragen sind gut. Die erste Frage lautet: Impliziert 1Tim 2,4, dass Gottes Wunsch, dass alle gerettet werden, seine entscheidende Souveränität darüber ausschließt, wer tatsächlich gerettet wird? Wenn er also wünscht, dass alle gerettet werden, ziehen Sie dann die Schlussfolgerung, dass er keinen Anteil daran hat, auszuwählen, dass manche gerettet und manche übergangen und nicht gerettet werden? Das ist eine Frage.

Die andere Frage lautet: Was sind Gottes Gedanken darüber, oder der Zweck dahinter, wenn er in Lukas 8 verhindert, dass manche Menschen die Wahrheit sehen und gerettet werden? Lassen Sie uns also eine Frage nach der anderen angehen und sie dann miteinander verbinden. „Warum will Christus, dass manche NICHT glauben?“ weiterlesen

Die Biblischen Bünde

Ein Artikel von Paul R. Williamson (Download als .pdf).

Übersetzt von Abijah Hesse unter der Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US).

Durch die zahlreiche Unterstützung, die ich auf meinen Aufruf hin erfahren habe, ist es mir nun möglich auch die TGC-Essays als Podcast anzubieten. 

Manuel nimmt diese Essays auf und veröffentlicht sie auf auf seinem Kanal euangelion.  Die letztliche Freischaltung auf spotify und itunes wird zwar noch ein paar Tage dauern, aber hier schon einmal dieser Beitrag zum Anhören:


Definition

Die biblischen Bünde bilden den verbindenden Faden des rettenden Handelns Gottes durch die Schrift, explizit beginnend mit Noah bis zur Erfüllung des neuen Bundes, in Kraft gesetzt durch das Blut Jesu Christi.

Zusammenfassung

Die biblischen Bünde bilden den verbindenden Faden von Gottes Heilshandlung durch die Schrift. Während einige Theologen argumentieren, dass es vor dem ersten Bund drei Bünde gibt (den Erlösungsbund, den Werkebund und den Gnadenbund), besteht der erste ausdrückliche Bund in der Schrift nach der Flut zwischen Gott und Noah. Der abrahamitische Bund folgt bald darauf in Genesis und legt den Grundstein für die Nation Israel und den kommenden Messias, durch den Gott alle Nationen der Welt begnaden würde. Der mosaische Bund setzt Gottes Umgang mit der Nation Israel, den Nachkommen Abrahams, fort und ruft sie dazu auf, gegenüber den Nationen um sie herum die Herrlichkeit ihres Herrn widerzuspiegeln. Der mit König David geschlossene Bund wies vor Israel auf den kommenden Messias hin, der für immer vollkommen auf dem Thron Davids regieren würde. Erst als Jesus als Israels Messias kam, wurden die Bünde mit dem Menschen gänzlich gehalten und erfüllt. Jesus kam, um den neuen Bund in Kraft zu setzen, der im Gesetz und in den Propheten versprochen wurde, mit diesem bringend die eschatologischen Segnungen, die dem Volk Gottes versprochen wurden.

Die Bünde zwischen Gott und den Menschen bilden einen einheitlichen Faden in der Schrift, von ihrer konzeptuellen Einführung in Genesis bis zu ihrer eschatologischen Erfüllung in der Offenbarung. Obwohl Theologen hinsichtlich der genauen Anzahl und Art solcher göttlichen Bünde uneins sind, stellen nur wenige ihre theologische Bedeutung in Bezug auf die Erlösungsgeschichte infrage.

Während der Begriff „Bund“ nicht vor Genesis 6,18 erscheint, vertritt die Reformierte/ Bundestheologie, dass drei weitere Bünde dem Bund Gottes mit Noah vorausgehen: ein ewiger „Erlösungsbund“, der innerhalb der Dreifaltigkeit vor der Erschaffung der Welt geschlossen wurde, ein vor dem Fall zwischen Gott und Adam geschlossener Bewährungs- „Bund der Werke/ Schöpfung“ und ein Gnadenbund nach dem Fall, durch den Gott versprach, die Menschheit vor den Folgen der Sünde zu retten und seine durch die Schöpfung erhaltene Bestimmung zu erfüllen. Während sich nicht alle reformierten Theologen auf die genaue Beziehung zwischen dem Gnadenbund und dem Erlösungsbund einigen können, wird angenommen, dass einer oder beide die nachfolgenden göttlich-menschlichen Bünde in der Schrift untermauern, die alle demselben übergeordneten Zweck und Endziel dienen.

Andere Gelehrte sind jedoch nicht überzeugt und identifizieren nur diejenigen, die in der Schrift ausdrücklich als solche beschrieben werden, als göttliche Bünde. Obwohl sie nicht leugnen, dass der dreieinige Gott die Errettung des Menschen vor der Erschaffung der Welt geplant hat oder dass Gott eine Beziehung zu Adam aufgebaut hat, die gegenseitige Verpflichtungen beinhaltete, oder dass Gottes Beziehungen zur Menschheit ein einziges kreatives und erlösendes Ziel ausdrücken, unterscheiden sie solche Ideen sorgfältig von den Konzept eines Bundes – eines, das zusätzliche Elemente wie einen vereidigten und / oder erlassenen Eid beinhaltet. Im letzteren Sinne verstanden, ist der erste göttlich-menschliche Bund somit der in den Tagen Noahs geschlossene (vgl. Jes. 54, 9), der Gottes Eintreten für die Schöpfung nach der Flut bekräftigt. „Die Biblischen Bünde“ weiterlesen

Glaube und Werke!

Ein Artikel von Thomas Schreiner (Download als .pdf):

(https://www.thegospelcoalition.org/essay/faith-and-works/). Übersetzt von Daniel Thielmann unter der Creative Commons License wit Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US).

Definition

Das Verständnis der reformierten Protestanten über das Verhältnis zwischen Glaube und Werke ist, dass die Errettung durch den Glauben an Christus allein kommt, und dass die guten Werke, die von Gläubigen vollbracht werden, nicht die Grundlage der Rettung sind, sondern als der nötige Beweis der Errettung gesehen werden sollten.

Überblick

Die Diskussion über das Verhältnis zwischen Glaube und Werke steht in der Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken im Mittelpunkt. In der Bibel sehen wir durchgehend, dass die Errettung nicht auf der Grundlage von Werken erlangt wird, sondern ausschließlich auf der Grundlage des Glaubens an Gott. Jesus selbst betont dies durch viele Gleichnisse und Sprichwörter, und Paulus argumentiert ausdrücklich gegen die Einbindung der Werke als Grundlage der Erlösung. Und obwohl Jakobus argumentiert, dass Rechtfertigung durch Werke geschieht “statt durch Glauben allein,” stimmt es mit dem Rest des Neuen Testaments überein, wenn man versteht, dass Jakobus immer noch zugibt, dass wir sündigen; er widerspricht dem “Glauben ohne Werke” – aber nicht: dem Glauben allein als die Grundlage der Erlösung. Also lehrt das gesamte Neue Testament, dass wir durch den Glauben allein gerechtfertigt sind. Aber der Glaube der rettet, entfaltet sich zwangsläufig in guten Werken.

Eine der wichtigsten Fragen biblischer Theologie ist dieses Verhältnis zwischen Glaube und Werke. Das unterschiedliche Verständnis der Funktion von Glaube und Werke hat ohne Zweifel dazu geführt, dass treue Protestanten sich von der römisch-katholischen Kirche seit der Zeit der Reformation trennten. Ich werde hier ein “traditionell-reformiertes” Verständnis über Glaube und Werke vorstellen. „Glaube und Werke!“ weiterlesen

Regiert Christus über jeden Sturm?

Dieser Artikel von John Piper erschien am 18.05.2020 unter dem Titel: “Does Christ Govern Every Storm?“ im Rahmen von der Serie: Ask Pastor John. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Desiring God. (Download als .pdf-Dokument)


Christus hat einen Sturm gestillt, aber beruhigt er jeden weiteren auch? Ist diese Schlussfolgerung ein Gedankensprung? Oder ist sie logisch? So lautet die Frage von Sofia, einer Zuhörerin: “Pastor John, hallo! Ich habe eine Frage über Gottes Souveränität in Bezug auf Naturkatastrophen, wie Tsunamis, Tornados und Überschwemmungen. In den Evangelien lesen wir, dass Jesus einmal den Wind und die Wellen beruhigte, was die Jünger dazu brachte sich gegenseitig die glorreiche Frage zu stellen:

„Wer ist denn dieser, dass auch der Wind und das Meer ihm gehorchen?“ (Mk. 4,41) Jesus kann eingreifen und jeden Sturm stillen – Ja und Amen – eine herrliche und ermutigende Realität.”

“Als ich über Jahre hinweg aber ihre Interpretation zu Naturkatastrophen las, schien es mir, dass sie eine zusätzliche Schlussfolgerung machen, indem sie sagen, dass Jesus – weil er einst einen Sturm beruhigte – deshalb auch immer jede andere Naturgewalt kontrolliert. Seitdem gehorcht jeder Wind und jede Welle beständig Christus. Können Sie diese logischen Zusammenhänge bitte erklären? Woher kann man wissen, dass Jesus wegen dem Stillen des einen Sturmes auch die Stärke jedes weiteren Sturmes kontrolliert?” 

Nun, ich danke Sofia für ihre berechtigte Frage. Ich denke, es ist weise, eine unlogische Schlussfolgerung zu hinterfragen. Sie fragt sich, wie man von einem Einzelfall auf eine Regel schließen kann.

Und mit einer unlogischen Schlussfolgerung meine ich so eine, die nicht auf einem gültigen Verlauf von Annahmen basiert.

Zum Beispiel wäre folgendes unlogisch:

Annahme 1: Jesus stillt während seines Lebens auf der Erde einen Sturm.

Annahme 2: Heute, im Jahr 2020, gibt es auf dem atlantischen Ozean einen Sturm.

Schlussfolgerung: Jesus kann diesen Sturm auch stillen.

Das ist kein gültiges Argument. Stimmt! Ich glaube, dass das Fazit stimmt, aber es ist keine logische Folge, da die Annahmen nicht ausreichend Informationen enthalten um diese Schlussfolgerung zu ziehen. Wenn Sofia denkt, dass das der Gedankengang ist, auf dem meine Überzeugung basiert, dass Jesus heute über jeden Sturm regiert – dann sollte sie über Pipers Ansichten besorgt sein. Aber das ist nicht die Art wie ich denke. Ich gehe nicht von einer für sich allein stehenden Annahme aus (“Jesus stillte einen Sturm”). „Regiert Christus über jeden Sturm?“ weiterlesen

Worte des Heils (5): Gott steht zu seinem Bund – Richter Kapitel 2

Heute habe ich über das zweite Kapitel nachgedacht:

Der Engel des Herrn erscheint und weist das Volk Israel auf den Bundesbruch hin. Hier ist ein Ausgangspunkt für das Verständnis des ganzen Buches der Richter. Entsprechend wird auch der Musterzyklus: Abfall-Bestrafung-Hilfeschrei-Befreiung erklärt, der die darauf folgenden Richter-Erzählungen durchzieht. Doch warum ist eigentlich das Volk derart verzogen? Überall entdecken die Israeliten Götzen, die sie nur allzu gerne anbeten möchten. „Worte des Heils (5): Gott steht zu seinem Bund – Richter Kapitel 2“ weiterlesen

Heidelberger Intermezzo

In unseren Katechismus-Treffen (ca. alle zwei Wochen, ich berichtete) haben wir uns bereits bis Frage 74 durchgearbeitet: “Soll man auch die kleinen Kinder taufen?” Um die Spannung etwas zu erhöhen, habe ich versucht die Position der Bundestheologie zu vertreten, während meine zwei Kumpanen die Glaubenstaufe untersucht haben. Letztlich hat sich die Diskussion etwas im Sand verlaufen, da offensichtlich für beide Positionen einige Argumente sprechen. Ich halte aber immer noch daran fest, dass der Zeiger ein ganz klein wenig Richtung Glaubenstaufe zeigt.

Was lässt sich nach einem Jahr Katechismus ernten? „Heidelberger Intermezzo“ weiterlesen

Vorstellung: “Das Herman Bavinck Projekt”

Wie alles begann…

Ich stieß über eine Notiz aus dem Jahr 2014(!!!), in der die Rede davon war, dass eine deutsche Übersetzung von Bavincks Dogmatik kurz vor der Fertigstellung steht. Meine Recherche ergab: Das Problem ist ein Flaschenhals. Germanisten und Theologen werden für ein sattelfestes Lektorat gesucht. Dabei wurde der Text von Dr. Jürgen-Burkhard Klautke bereits übersetzt. Ein kurzes Gespräch in unserer Katechismus-Runde machte klar: Das Ding muss durchkommen. Für den deutschen Markt wäre Bavincks Dogmatik jetzt wie Honig für das Maul eines hungrigen Bären!

Übrigens, eine kurze Recherche beim Bavinck-Institut ergab, dass es selbst auf Chinesisch oder Russisch mehr Werke von Bavinck gibt als auf deutsch. Die reformierte Dogmatik gibt es bereits auf Koreanisch und Indonesisch.

Was können wir tun?

Ich kann die Leser dieser Zeilen somit nur zur Unterstützung dieses Projektes aufrufen. Ich denke die Möglichkeiten sind hierfür vielfältig. Vielleicht kennen Sie einen geeigneten Lektor oder sind es sogar selbst? Dann kontaktieren Sie mich einfach und ich teile Ihnen die Kontaktdaten von Br. Klautke mit. Vielleicht legt Ihnen Gott aufs Herz zu spenden, denn finanzielle Mittel fehlen hier auch noch. Dafür habe ich einen Paypal Moneypool erstellt.

Zudem habe ich ein Banner erstellt, dass direkt zum Moneypool führt. Wenn Sie also das selbe Anliegen “bewerben” möchten, dann kopieren Sie diesen Code auf Ihren Blog/ Ihre Seite:

<a href=”https://www.paypal.com/pools/c/8kuO7Di2va” target=”_blank”>
<img src=”https://www.glaubend.de/wp-content/uploads/2019/12/bavinck_banner.png” alt=”Das Herman Bavinck Projekt” title=”Das Herman Bavinck Projekt”>
</a>

Dadurch fügen Sie das oben gezeigte Bild samt einen Link auf den Paypal-Moneypool ein. Wenn Interesse an der Informationsweitergabe durch Flyer oder Ähnliches besteht, freue ich mich über Ihre Anfrage an mich.

Schließlich bleibt aber das Wichtigste unsere Abhängigkeit vom himmlischen guten Hirten. Ohne Ihn können wir nichts tun und deswegen dürfen wir alle unsere Anliegen, Wünsche und Sorgen zu Ihm im Gebet bringen. Auch für die Veröffentlichung dürfen wir als Privatmenschen, als Hauskreise oder auch als Gemeinden beten.

Input

Wer mehr über Bavinck und sein Werk erfahren möchte, findet viel Content bei hanniel.ch.

Ich durfte zudem mit Jürgen-Burkhard Klautke, den Übersetzer des Werkes, sprechen:

1)Warum gerade H. Bavinck?

Während in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die schriftkritische und liberale Theologie um sich griff, schenkte Gott in seiner Gnade in den Niederlanden eine Reformation: Hunderttausende reformierter Christen verließen die Staatskirche und konstituierten eigene konfessionelle Kirchen, die sich zu einem Kirchenverband zusammenschlossen. Dies erfolgte unter der Führung von Abraham Kuyper. Der Dogmatiker, der diese Entwicklung maßgeblich geistig begleitete und prägte, indem er als Dogmatiker für die Theologenausbildung zuständig wurde, war Herman Bavinck.

2) Hat Dogmatik heute generell noch eine Chance und einen Markt?

Das weiß ich nicht. Aber ich weiß: Als ich die Dogmatik von Hermann Bavinck in den Niederlanden las, gingen mir ganz neue Welten auf. So etwas und zwar in systematischer Form hatte ich bis dahin noch nicht gelesen.

3) Wie weit ist die Übersetzung? Welche Arbeit muss noch getan werden?

Die Übersetzung ist fertig. Aber sie muss noch etliche Male lektoriert werden. Dies erfolgt sozusagen in meiner freien Zeit. Vielleicht kann man sich vorstellen, was das heißt für ein Werk, das vom Umfang her 2500 Seiten umfasst.

4) Welche Wirkung versprechen Sie sich von dem Buch?

Bavinck war Niederländer. Aber sein Vater, ein Pastor, zog aus Deutschland in die Niederlande. Somit war Herman Bavinck nicht nur die deutsche Sprache von Kindheit an sehr vertraut, sondern auch die deutsche Philosophie und natürlich auch die liberale, also die konfessionslose Theologie, wie sie sich damals nicht zuletzt in der Theologie A. Ritschls widerspiegelte. Indem er sich nicht nur aber auch mit ihr konfrontierte, ist seine Dogmatik nicht veraltet, sondern stellt einen großen Gewinn dar.

Die Herausforderungen eines Pfarrers im 21ten Jahrhundert – Mit Michael Freiburghaus im Gespräch

Auf Michael Freiburghaus und sein evangeliumszentriertes Denken bin ich zum ersten Mal durch einen Artikel von Hanniel Strebel gestoßen. Als ich ihn einige Zeit später noch persönlich kennen lernte, wusste ich sofort, dass ein Interview her muss. Viele werden meine 10+1 Fragen bei Nimm-Lies kennen, doch diesmal haben wir uns an ein anderes Format gewagt: Eine Audioaufnahme. Doch damit nicht genug: Zusätzlich haben wir das Interview hier auch in schriftlicher Form angefügt. Für mich, der kaum Berührungspunkte mit der Landeskirche hat, war dieses Treffen in vielerlei Hinsicht hilfreich, die Herausforderungen eines bibeltreuen Pfarrers zu verstehen.

Michael Freiburghaus, Jahrgang 1986, seit 2015 verheiratet mit Christina und Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch (Schweiz). Präsident der Schweizerischen Traktatmission und der Stiftung Zukunft CH. Außerdem ist er Armeeseelsorger im Schweizer Militär.

PERSÖNLICHES:

F.: Was bewegte dich in die Berufung des Pfarramtes?

A.:Mit 15 Jahren hatte ich ein Bekehrungserlebnis, dass Jesus in mein Leben kam. Zwei Wochen darauf war für mich klar, dass ich Pfarrer werden wollte, um möglichst vielen Menschen von der Liebe Gottes, die er uns in seinem Sohn Jesus Christus zeigt, zu erzählen. Danach habe ich das Gymnasium besucht und an vier Universitäten im In- und Ausland Theologie studiert.

F.: Wovon hast du im Studium am meisten profitiert und welche Lehrinhalte hast du vermisst?

Am meisten konnte ich von den Professoren lernen, die selber an Jesus als persönlichen Herrn und Heiland glauben. Das vertiefte Verstehen des Alten und Neuen Testaments fördert den Glauben. Ebenso ist es hilfreich, wenn man die Kirchengeschichte kennt und nicht alle Fehler selber wiederholt 😊

Die Philosophiegeschichte und Sektenkunde geben einen Überblick über aktuelle Herausforderungen.

Die Gemeindeentwicklung und Evangelisation ist ein Thema, das man gar nicht genug behandeln kann.

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Meine protestantischen Vorhersagen zur Oscarverleihung

Ein Artikel von Carl R. Trueman: Die “Oscarverleihung” (Academy Award) schaue ich nie an. Wenn ich vier Stunden meines Lebens damit verschwenden möchte, abwechselnd bevormundet oder daran erinnert zu werden, was für ein erbärmlicher Misserfolg Ich gemäß der Kriterien bin, an denen die heutige Gesellschaft festhält, kann ich jederzeit “The New Yorker” lesen. Dennoch bin ich ausreichend über die Vorgänge bei den Oscars vertraut, so wage ich ein paar Vorhersagen:

Als Erstes sage ich voraus, dass die üblichen Verdächtigen dort sein werden, um ihre Tugenden zu verkündigen und heldenhafte Positionen gegen die Bosheit einzunehmen, obwohl #MeToo das eher traditionellere #JusticeForRoman ersetzt haben wird.

Als Zweites sage ich voraus, dass die Dankesreden voll von der Art tiefer politischer und philosophischer Analyse sein werden, die zu einer Selbstverständlichkeit für all jene geworden sind, die mit der besonderen Fähigkeit ausgestattet sind, sich einige Zeilen zu merken und vor einer Kamera vorzugeben, jemand anderes zu sein. Nur habe ich den schleichenden Verdacht dass ich völlig zufällig an irgendeine Tür in meiner Nachbarschaft klopfen könnte und einen tiefgründigeren Kommentar zu aktuellen Ereignissen hören würde, als je von einem Bewohner von Tinseltown. Doch nur wenige meiner Nachbarn sind fotogen, somit haben sie auch nichts von echtem Wert für unsere politischen Kultur beizutragen.

Das bringt mich zu meiner dritten Vorhersage: Wir werden erneut erleben, wie Ästhetik über Ethik triumphieren wird, oder vielmehr wie Ästhetik mit Ethik identifiziert wird, als die Vorgabe der Westlichen Gesellschaft für heute.

Denk dir nur: Der rote Teppich wird uns mit einer Parade wunderschöner Menschen versorgen. Das ist eine der Perspektiven. Hier ist die Andere: Es wird uns mit einem endlosen Strom an Menschen überfluten, die ihre Partner betrogen, Freunde verraten, Eheversprechen gebrochen, Familien zerstört und Abtreibungen durchgeführt haben. Die entlarvten Sexualstraftäter dürften dieses Jahr weniger auffällig sein. Aber ansonsten wird der übliche Karneval der Korruption in voller Länge gezeigt. Und er wird aufgrund seiner körperlichen Schönheit attraktiv sein.

Für bereits viele Generationen Amerikas darf Schönheit eine Vielzahl an Sünden zudecken. Oder vielleicht ist es präziser zu sagen, dass Schönheit eine Menge von Sünden in einen erstrebenswerten Lebensstil verwandelt hat. Natürlich haben die meisten Zuschauer der “Oscars” eine genauso hohe Chance diesen Lebensstil zu erreichen wie die New Jersey Lotterie zu gewinnen. Freizügigkeit kann von den Reichen und Berühmten mit relativer Straffreiheit begangen werden, aber für den Armen ist sie äußerst destruktiv. Wenn, wie Dr. Johnson sagt, Lotterien die Steuern der Leichtgläubigen sind, dann verkauft Hollywood einen Lebensstil, dessen Hypothek von den Schwächsten bezahlt wird.

Hier gehe ich davon aus, dass wir in einem Bereich sind, in dem die “Oscars” den Christen tatsächlich helfen können: Das Thema der Schönheit. In unserer äußerst sexualisierten Welt, wird Schönheit mit körperlicher Attraktivität identifiziert. Bedenkt man die Rolle, die Sex in einer Welt spielt, in der die sofortige Befriedigung zunehmend als Ziel menschlicher Existenz bewertet wird, wird die Verbindung, ja sogar Identifikation von Ästhetik und Ethik stärker zunehmen.

Doch Christen sollen dieses Spiel nicht mitspielen. Ein alternativer Ansatz wäre die Betonung von Ethik als unterschiedlich von Ästhetik. Ein Anderer Ansatz,  der anerkennt, dass die Menschen “poetische Tiere” sind (nach William Hazlitt),  und dass wir zutiefst von Schönheit und Form angezogen werden,  besteht darin, in Christlichen Kreisen ein Verständnis wahrer Schönheit  zu fördern.

Es wird oft gesagt, dass der Katholizismus hier dem Protestantismus überlegen sei. Aber der Protestantismus verfügt über Schönheitsideale, die den Kern der Hollywood-Ethik treffen und in den Treiben des gewöhnlichen Lebens zu finden sind.

In Luthers Ablehnung der Grenzen zwischen den “Heiligen” und den “Weltlichen” haben wir den konzeptionellen Rahmen, um das Schöne im Alltäglichen zu sehen. Dieses Konzept wird von einigen katholischen Philosophen als Ursache der Säkularisierung verschrien, doch ich widerspreche.  Es sagt aus, dass eine einfache Freundschaft schön sein kann, eine alltägliche Hausarbeit schön sein kann, ein angenehmes Essen mit Freunden schön sein kann. Und in Luthers Betonung eines paulinischen Verständnisses des Kreuzes im 1. Korintherbrief als Widerspruch zur weltlichen Ästhetik haben wir die theologische Grundlage, Schönheit in und durch das zu sehen, was die Welt als schwach und widerwärtig bezeichnet.

Vergleiche zum Beispiel den Anblick einiger Hollywood Pärchen auf dem roten Teppich mit dem Anblick eines alten Ehemannes, der sich nach fünfzig Jahren Ehe um seine Frau kümmert, die von Alzheimer tödlich befallen ist. Natürlich ist das zweite Bild schöner; und doch muss dieser Standpunkt in einer Welt, die durch das Ziel persönlicher Befriedigung dominiert wird, rigoros verteidigt werden.

Wir sollten es nicht zulassen, dass das, was moralisch abscheulich ist, die Sprache der Schönheit beherrscht. In einer Welt, in der Geschmack die Wahrheit ist, ist es die Aufgabe der Kirche, Geschmack zu pflegen.

Christen müssen die Schönheit des Lebens in der Übereinstimmung mit dem Evangelium sehen und wir müssen wieder die Sprache der Schönheit verwenden und immer wieder betonen. Wir sollten es nicht zulassen, dass das, was moralisch abscheulich ist, die Sprache der Schönheit beherrscht. In einer Welt, in der Geschmack die Wahrheit ist, ist es die Aufgabe der Kirche, Geschmack zu pflegen. Und das beginnt mit dem Verständnis, dass das Kreuz, so dumm und beleidigend wie es für die Bewohner dieser Welt ist, für uns die Grundlage der Schönheit darstellt.

Es ist eine Botschaft, die bei den Teilnehmern der “Oscars”  leicht abprallen wird, so viel ist sicher. Und für viele im Publikum ist es Torheit. Eine Welt blanker Immanenz wird sich immer auf eine immanente Vorstellung von Schönheit konzentrieren. doch #MeToo macht deutlich, dass die Welt der sexuellen Schönheit seine eigene innere Hässlichkeit hat. Und wir sollten daran danken, dass Schwachheit, Leiden und Tot das Los aller Menschen sind. Für die Welt, sind solche Dinge nichts weiteres als Hässlichkeit und Niederlage. Für den Christen, liegt unter der äußeren Hässlichkeit die Schönheit des Evangeliums, denn das Kreuz bringt Leben und der Tod führt zur Auferstehung.


Bildergebnis für carl r trueman

Carl R. Trueman unterrichtete lange Zeit Kirchengeschichte am Westminster Theological Seminary und unterrichtet seit 2018 am Grove City College. Der hier veröffentlichte Artikel erschien zuerst am 27. 02. 2018 auf firstthings unter dem Titel: „My Protestant Oscar Predictions“Die Hervorhebungen wurden aber von mir vorgenommen.

Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und firstthings.

Goldene Honigtöpfe

Normalerweise hätte zu diesem Artikel die Abbildung eines wohlgenährten gelben dicken Bären mit einem überquellenden Honigtopf gepasst. Aber wir wissen ja alle, welch riesigen kommerziellen Schaden ein Animationsstudio mit solcherlei Bildverletzungen nehmen würde (übrigens gefällt mir der sowjetische Winni Puch sowieso besser).

Auf jeden Fall fühle ich mich auch wie ein glücklicher Bär, der über eine riesige Kammer prall gefüllter Honigtöpfe stößt, wenn ich an die zahlreichen Möglichkeiten denke, vollständig kostenfrei an gute christliche Lehre zu stoßen.

(Eine wirklich kleine Kostprobe):

Monergism

Man muss dem Monergismus als theologisches Konzept nicht recht geben (was ich tue), um begeistert von dieser Webseite zu sein:

Ich finde das unfassbar heftig! jeder kann für genau Null Euro und Null Cent über eine Bibliothek verfügen, über die uns noch vor 50 Jahren ein jeder beneidet hätte.  (Wer noch mehr Bücher sucht, schaue auf CCEL) Wer sich da keinen e-Reader besorgt und anfängt zu lesen hat die Kontrolle über sein Leben verloren (frei nach K. Lagerfeld).

Monergism bietet Material an, das kaum zu überschauen ist, entsprechend gibt es im Grunde genommen sowas wie eine Anleitung, die wirklich hilfreich ist (Wie selten gibt es solche). Zudem greife ich gerne auf die Suchfunktion zurück: Das Stichwort “Calvin” z.B. liefert 392 Ergebnisse. Die vollständige Übersicht über Autoren, von denen sich Material finden lässt gibt es hier.

Wem das freie Literaturmaterial zu alt ist, darf dennoch vor allem vom Audio-Material begeistert sein. Die Liste der 75 besten Predigten ist ein Super Startpunkt(unbedingt Tim Keller, John Piper und Don Carson anhören). Natürlich darf sermon-audio als eine riesige Predigt-Datenbank nicht vergessen werden.

Material amerikanischer Hochschulen.

Eine Sache ist wirklich zu bewundern. Ein Studium in Amerika kostet so viel Geld, dennoch bieten viele theologischen Seminare eine Unmenge an Material an. Monergism hat die Besten gesammelt. Ich könnte mich wirklich selbst treten dafür, dass ich so spät auf die Idee gekommen bin, nach freien Inhalten von Seminaren zu suchen. Ich ärgere mich ungemein, dass ich auf diese Idee nicht einige Jahre früher gekommen bin.

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