Treffen sich Knox, Foxe und Cox in Frankfurt…

Beim Hören der wunderbaren und insgesamt 33 h. dauernden Vorlesung von Carl R. Trueman zur Reformationsgeschichte (in iTunes oder youtube) bin ich auf diese spannende Anekdote englischer oder eher schottischer Kirchgeschichte gestoßen, die sich tatsächlich in Frankfurt abgespielt hat und die sogar in einem eigenen Wikipedia-Artikel besprochen wird. Doch zunächst ein paar Infos zum Hintergrund und den Hauptfiguren:

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Gedenkt an die Reformation, doch warum eigentlich?

Ein Artikel von Carl R. Trueman: Der Oktober ist immer der Monat im Jahr, in dem ich als Spezialist für die Reformation am wenigsten Freiräume finde. Und während wir auf 2017 zuströmen, dem 500. Geburtstag des Protestes Luthers gegen den Ablasshandel, füllt sich mein Kalender. Doch eine Frage kommt auf: Die Evangelikalen können 2017 gerne der Reformation gedenken, doch was genau werden sie feiern?
Wenn du z.B. ein Baptist bist, ist es merkwürdig, dass du Luther überhaupt feiern möchtest. Seine Ansichten zu deiner Haltung gegenüber den Sakramenten dürfen in einer anständigen Gesellschaft kaum wiederholt werden.  Ähnlich über dich dachten auch Zwingli und Calvin, von denen der Erstere einige von euch hinrichten ließ. Wenn du ein Pfingstler oder ein Charismatiker bist, fürchte ich, würde Luther dich als einen Fanatiker bezeichnen, einen Schwärmer, und auch Calvin hätte dich als einen Verrückten abgestempelt. Wenn du am Abendmahl als “Gedenkmahl” festhältst, hätte Calvin dich tolerieren können, doch Luther – nun, wieder erinnern wir uns an dieses hässliche Wort: Schwärmer.
Und glaube bloß nicht, dass Gleichgültigkeit in diesen Fragen dir einen Ausweg geboten hätte. Wenn du daran zweifelst, ob die Kindertaufe oder die Realpräsenz Themen sind, über die es sich lohnt zu streiten, dann wirst du erst recht keinen Platz am Tisch der Reformation finden. Wie Lyndal Roper’s exzellente neue Biographie über Luther zeigt, war die Realpräsenz zentral im Denken Luthers, und dies nicht anzuerkennen, zähmt ihn bis zur Unkenntlichkeit. Ginge es nach Luther, wären selbst Calvin und Zwingli unter dem “Sch”-Wort kategorisiert worden. Zuletzt ist es vielleicht besser nicht zu erwähnen, welches Los dir eine ernsthafte Abweichung vom Nizänischen Bekenntnis der Dreieinigkeit eingebracht hätte. Michael Servetus kann dies nur zutiefst bezeugen.
Das Problem ist, dass die Reformation dem modernen amerikanischen Evangelikalismus nur dann sympatisch ist, wenn sie auf etwas mehr als die Lehre von der “Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben” reduziert wird. Doch die Reformation im sechzehnten Jahrhundert war ein ganzes Stück mehr – und so viel mehr was dem modernen evangelikalen Glauben nicht passen will. Ebenso wie Bonhoeffer und C.S.Lewis,  müssen die Reformatoren und die Reformation bereinigt werden und durch eine seltsame zähmende Metamorphose werden sie zu modernen amerikanischen Evangelikalen. Die Wahrheit ist: Die Prioritäten und Anliegen des amerikanischen Evangelikalismus haben nur eine sehr vage und schwache Beziehung zu den Anliegen der Bekenntnisse und Katechismen der Reformationszeit, oder zu den Einstellungen und Handlungen der Reformatoren.
LutherRose.jpgIm Gegensatz dazu verbrachte ich Anfang dieses Jahres, als das seltsamste aller protestantischen Wesen – die reformierte Person, die Luther mehr liebt als Calvin – einige Tage als einziger reformierter presbyterianischer Sprecher auf einer Konferenz der Lutheraner in Missouri. Vierhundert amerikanische Lutheraner zu einem Beinahe-Schwärmer. Ich mochte diese Quote und ich kam zum Kämpfen. Doch ich war von etwas beeindruckt, das mir noch nie zuvor begegnet war: Es war so erfrischend unter bekennenden Protestanten zu sein, die mir in den Grundlinien der Reformation vehement widersprachen – und sich doch soviel aus mir und der Form des christlichen Glaubens machten, dass sie versuchten, meine Ansichten über das Abendmahl zu ändern. Die Unterschiede wurden nicht einfach relativiert oder sachlich festgehalten. Sie taten dies, weil sie den Protestantismus in Bezug auf seine historische konfessionelle Dimension und Dynamik verstanden.
In einer ähnlichen Weise beende ich gerade ein theologisches Buch mit meinem Freund, dem lutherischen Historiker und Theologen Bob Kolb. Die Bürde des Buches besteht darin, den reformierten und den lutherischen Glauben nebeneinander darzustellen, zu zeigen, wo sie übereinstimmen und wo sie sich unterscheiden, und dies doch in einem Geist christlichen Respekts zu tun. Wahre Ökumene muss hier beginnen – mit einer ehrlichen Aussage über die Differenzen und die Dinge, die wichtig sind. Nächstes Jahr werde ich wieder auf der Synode in Missouri sprechen. Wieder ist es etwas, wo wahre Ökumene beginnen kann – nicht in einer Reduktion des Glaubens an ein blankes Minimum, um unsere gewählten außerkirchlichen Organisationen aufrechtzuerhalten, sondern in einer ehrlichen Konfrontation über Unterschiede in Bezug auf Dinge, die wirklich wichtig sind. Du weißt schon was ich meine – Dinge wie die Taufe und das Abendmahl.
Während die evangelikalen Marschrouten zur Feier der Reformation nächstes Jahr beginnen(und im Vertrauen, ich werde auch auf einigen reden), muss diese Frage gestellt werden (ich wiederhole): Während die Evangelikalen der Reformation gedenken, um was geht es ihnen dabei überhaupt? Ich befürchte diese Antwort: Sie werden die Fähigkeit des amerikanischen Evangelikalismus feiern, die Vergangenheit derart umzuformen, dass sie in unser Bild passt: jede Figur nach eigenem Wunsch wunderbar domestiziert in das eigene Pantheon der Helden. Sicherlich, wird das viel Spaß machen. Und ich glaube auch, dass alles was Christen dazu bewegt, ihre Geschichte zu lieben, eine willkommene Sache ist. Doch wenn alles, was du in der Geschichte siehst, nur die Reflektion deiner selbst ist, kannst du nichts mehr aus ihr lernen. Die 500-Jahr-Feier wird dann zu einer verpassten Gelegenheit für echte theologische und kirchliche Selbstreflexion und verkommt zu einer semi-fiktiven Hagiographie im Dienste der Selbstbestätigung. Hoffen wir, dass die Dinge anders enden, als befürchtet.


Bildergebnis für carl r truemanCarl R. Trueman unterrichtete lange Zeit Kirchengeschichte am Westminster Theological Seminary und unterrichtet seit 2018 am Grove City College. Der hier veröffentlichte Artikel erschien zuerst am 29.09.2016 auf firstthings unter dem Titel: “Remembering the Reformation – But celebrating what?”. Die Hervorhebungen wurden aber von mir vorgenommen.
Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und firstthings.

Ein Held unserer Zeit!

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(c) Faithlife Logos

Viele Pastoren sind Helden! Gestern durfte ich eine kleine Gemeinde in Böblingen (Kopernikusstraße 10) besuchen und ich durfte einem solchen Helden bei seinem Kampf zu schauen. Die Gemeinde ist eher klein, aber umso bunter. Viele unterschiedliche Verständnisse treffen aufeinander, manche durchaus auch problematisch Doch der Pastor hält die Gemeinde zusammen. Ein sowjetisches Mechatronik-Studium wurde natürlich nicht anerkannt, so arbeitet er als “ungelernter” Arbeiter in einer Fabrik um sein täglich Brot zu verdienen. Hinzu kommt ein immer noch vorhandener “Akzent”. So lernt man schnell den Preis der Demut und die Lieder tief unten in diesem Tale.
Neben einer großen Familie schafft er es, sich um Jung und Alt zu kümmern. Um Menschen, die den Anschluss verloren haben, als sie nach Deutschland kamen. Um Menschen, die als Hiesige auch den Anschluss verloren haben, oder sich im Glaubensleben verirrt haben. Seine Frau unterstützt die vielen Mütter in der Gemeinde. Selbst an einem runden Geburtstag, als das Haus voll war mit Gästen, stieg er in sein Auto und fuhr mehrere Kilometer zu einer jungen Schwester der Gemeinde um diese und ihr Kind zum Kinderarzt zu bringen. Auf die Frage: “Na alles klar”, ruft er seinen Kollegen zu: “Mit Christus ist alles klar, aber ohne Ihn ist alles trüb”. Einmal war ich mit dieser Gemeinde einige Tage auf einer Freizeit dabei. Niemand war mehr und länger in der Küche und am Aufräumen beteiligt, als er. Fußwaschdienst vom allerfeinsten. Man gewöhnt sich allzu schnell daran und vergisst die Dankbarkeit. Immer ist die Gefahr dabei ausgebeutet und ausgenutzt zu werden. Als ich diesen Sonntag ins Gemeindehaus laufe, ist der erste den ich treffe ein Slowake, der sehr gebrechlich etwas davon murmelt, dass er nach Hause will, dass er krank sei, dass er auch Christ ist, dass er kein Geld hat. Später erfahre ich vom Pastor, dass man ihn nicht zum ersten Mal im Versammlungsraum hat. Mitleid und Weisheit kämpfen im Herzen. Viele Geschwister sind schon älter, so werden für alle Liederbücher in Großschrift besorgt. Ich kenne so viele Gemeinden, die überaltet sind, aber diese Rücksicht auf Ältere habe ich noch nie getroffen! Das hat mich bewegt.
Kurz bevor der Gottesdienst beginnt, und er eigentlich zum Gebet aufrufen möchte, sieht er hinten, dass ein Rollstuhlfahrer ankommt. Wer hilft ihm vom Treppenlift in den Stuhl? Natürlich er. Nach dem Gottesdienst wird keiner übergangen, stets bestrebt, jeden wenigstens zu grüßen. Und auch den Kindern wird ein ungewohnt hoher Respekt entgegengebracht. Nur gute Werke, aber keine Schriftkenntnis? Weit gefehlt, der Bruder lebt im Wort Gottes und hat immer einen wichtigen Hinweis aus der Schrift auf den Lippen.
Die Gemeinde ist im Verband klein und kaum beachtet, so wird vielleicht echte Anerkennung für immer ausbleiben. Wirklich für immer? Spätestens im Neuen Jerusalem wird es heißen: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! (Matth. 25,23)
Macht euch selbst ein Bild: Gottesdienst ist um 10.00 und um 17.00 Uhr jeden Sonntag. Bibelstunde  jeden Mittwoch um 19.00 Uhr.
 
 

Zitat: Das Göttliche "Wenn"

C.H. Spurgeon sagt zur Funktion des “Wenn” in Heb. 6,4-6:
“Wenn Gott dort ein “Wenn” einfügt, dann tut er das aus gutem Grund und zu einem guten Zweck. Erstens … um dich vom Abfall abzuhalten. Gott bewahrt seine Kinder vor dem Abfall, aber dazu benutzt er bestimmte Mittel… Dort klafft ein tiefer Abgrund. Wie kann man jemanden am besten davor bewahren hinabzufallen? Warum nicht, indem man ihm sagt, wenn er hinabfiele, würde er unweigerlich in Stücke zerschmettert? In manchen alten Burgen gibt es einen tiefen Keller voller Grubengas. Jeder, der dort hinabgehen würde, würde ersticken. Was sagt uns der Fremdenführer? “Wenn Sie dort hinabgehen, werden Sie nie wieder lebendig herauskommen.” Wem käme in den Sinn hinabzugehen? Allein dass uns der Fremdenführer die Folgen nennt, hält uns davon ab. Ein Freund nimmt uns einen Becher Arsen aus der Hand; er will verhindern, dass wir ihn trinken, und sagt: “Wenn du das trinkst, wird es dich umbringen.” Nimmt er er auch nur einen Moment an, dass wir es trinken würden? Nein! Er sagt, welche Folgen es hätte, und er ist sicher, dass wir es nicht tun werden. So sagt auch Gott: “Mein Kind, wenn du von dieser Klippe stürzt, wirst du zerschmettert.” Was tut das Kind? Es sagt: “Vater, halt mich fest! Halte du mich, dann bin ich sicher.” Der Gläubige wird dadurch zu größerer Abhängigkeit von Gott geführt, zu einer heiligen Furcht und Vorsicht, weil er weiß: Würde er abfallen, könnte er nicht erneuert werden. So hält er sich von diesem gähnenden Abgrund fern, weil er weiß: Fiele er dort hinein, dann gäbe es für ihn keine Rettung.”


Gefunden bei T. R. Schreiner: Mit Ausharren laufen, S. 210, ursprünglich zitiert aus C.H. Spurgeon, “Final Perseverance” 
 

Hero of Faith (2): Jakob Wanke

Jakob Wanke, oder wie ich ihn damals nannte “Onkel Jakob” ist der Mensch, der mich zu Christus führte, aber nicht nur mich, sein Zeugnis hat mindestens einem Dutzend Menschen die Augen aufgemacht! Heute möchte ich von ihm erzählen:

Ursprünge

Diesen Teil kenne ich nur von seinen persönlichen Erzählungen, die er aber selten machte, deswegen kann ich nicht für die Zuverlässigkeit aller Aussagen gerade stehen:
Jakob Wanke wurde in Kasachstan geboren und wuchst unter säkularen und armen Verhältnissen auf dem Land auf. Er lernte gut, durfte studieren (was er, so erzählte er einmal mir, nur deswegen machte, um dem Militärdienst zu entkommen) und arbeitete später als Lehrer. Als Sportlehrer war er so erfolgreich, dass er später auch eine Fußballmannschaft der ersten sowjetischen Fussballiga trainierte. Relativ spät heiratete er und hatte mit seiner Frau eine Tochter. Zu diesem Zeitpunkt trank er schon regelmäßig Alkohol und wurde irgendwann auch Alkoholabhängig. Alkohol bestimmte nun sein Leben und setzte seine Ehe permanent unter Druck und Gefahr. Mehrmals wollte seine Frau sich von ihm trennen. Knapp unter Fünfzig zog er Anfang der Neunziger mit seiner Familie nach Deutschland, in der Hoffnung einen Neuanfang machen zu können. Aber Satan erwies sich auch in Deutschland als der Selbe, und die Auswahl an Alkohol war hier nur größer. er versuchte intensiver davon freizukommen und goß regelmäßig die Flasche in die Toilette, aber am nächsten Tag griff er zu einer Neuen. Irgendwann wurde er sogar in eine Heilanstalt eingewiesen, die aber wenig Hoffnung auf Genesung gaben (Anmerkung: Davon zeigte er mir einmal einige offizielle Dokumente): Auch die inneren Organe waren nun stark betroffen auch von Leberzirrhose.

Gott greift ein:

Doch hier griff Gott ein. In einem Deutsch-Sprachkurs begegnete er einem Christen, der ihn in den Gottesdienst mitnahm. Er ging hin, sah und glaubte! Ja bereits nach einigen Wochen erkannte er, dass Rettung nur in Christus liegt, konnte Buße tun und Glauben. Auch seine Familie schloss sich seiner Entscheidung an. Die Gemeinde lag 30 km von seinem Wohnort entfernt, doch weil es seine Geistliche Heimat war, besuchte er diese von da zu allen Gottesdiensten

Gott befreit:

Jakob Wanke wurde von seiner Alkoholsucht sofort befreit, was ihm sehr viel Kraft gab von Christus zu zeugen. Er wusste, dass in Christus Heil und Heilung liegt!

Gott verändert:

Nun fängt die Zeit an,in der auch ich ihn persönlich kennengelernt habe: Onkel Jakob wurde nun ein eifriger Zeuge für Christus. Egal wenn er traf, er erzählte diesem, dass Heil in Christus liegt. Da er zunächst noch nicht so gut Deutsch konnte, ging er vor allem auf die Russlanddeutschen zu. So war er eigentlich ständig im Übergangswohnheim für Aussiedler und suchte mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. “Du brauchst Jesus!” “Du musst dich bekehren!”, “Wie willst du frei werden?”, relativ direkt ging er auf die Leute zu. Damals als zehnjähriger konnte ich ihm gelegentlich zuhören, wie er mit den Leuten sprach. Da ich durch den Umzug nach Deutschland meinen Vater verloren habe, fühlte ich mich zu ihm angezogen und so frage ich ihn einmal: “Dürfen Kinder eigentlich auch in die Kirche gehen?”.

Gott gebraucht

Ab diesem Zeitpunkt nahm er mich regelmäßig zum Gottesdienst mit. Aber nicht nur mich, denn seine Arbeit zeigte langsam Frucht. Ständig fuhren auch andere Leute mit, die aber bald das Übergangswohnheim verließen und in private Wohnungen zogen. So sammelte er Sonntags zweimal (zweimal Gottesdienst) und jeweils Freitags die Leute in ihren Wohnungen ein und fuhr dann mit einem voll gefüllten Neunsitzer-Bulli (ich will gar nicht erzählen, wie oft ich im Kofferraum saß, weil alle Plätze belegt waren) ins 30 km entfernte Öhringen. Es gab damals auch einen kleineren Hauskreis in Schwäbisch Hall, den er selbst organsierte, er mietete dafür einen Raum. Sowohl für die Kosten wie auch für die Fahrten kam er immer aus eigenem bzw. dem Einkommen seiner Frau auf. Nicht ein einziges Mal habe ich ihn um finanzielle Unterstützung biten gehört. Jeder wusste um seine Selbstlosigkeit. Man konnte (damals war er bereits 60 und in Rente) ihn jederzeit besuchen und er nahm sofort ein Gespräch auf. Immer wieder lebte Hilfsbedürftige für Wochen, in einigen Fällen sogar für Jahre in seiner Wohnung. Diese Selbstlosigkeit erforderte ein großes Opfer. Das was anderen gegeben wurde, sparte die Familie an allen Ecken und Enden und lebte selbst auf Sparflamme. Die Familie lebte wirklich für Jahrzehnte in Armut, um andere reich machen zu können (2. Kor 6,10). Er ist es, der mir jahrelang die Grundlagen im Glauben beibrach. Eigentlich war das Bild, wenn man in seine Wohnung kam, immer das selbe: Er saß am Küchentisch mit der Bibel. Mit über 60 versuchte  er sich im altgriechisch und lerne eine große Menge Psalmen auswendig. Er wusste, dass das Heil im Worte Gottes ist und trichterte es eigentlich ständig seinen Mitmenschen ein. Einmal fuhr er in den Urlaub nach Griechenland, mit der Folge, dass dort mehrere Menschen zum Glauben kamen, die von nun an von seiner Ortsgemeinde betreut wurden.
Ihr möchtet ihn kennen lernen? Besucht die ECB-GEmeinde in Öhringen  und dort werdet ihr einen bereits dementen alten Opa im Rollstuhl sehen, das ist “Onkel Jakob”, aber gebt eure Suche dort nicht auf, fragt den Pastor und den Diakon der Gemeinde, dass sie euch von Onkel Jakob erzählen. Fragt seine Frau und seine Tochter, ihr werdet einen ganz ungewöhnlich gewöhnlichen Glaubenshelden kennen lernen können.
 

Hero of Faith (1): Wolfgang Dyck

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Ich habe in 2018 etwas zurückgeschaut auf meine Quellen, die mich in bald 20 Jahren Nachfolge Christi genährt haben. Ein Name ist hier mit besonders vielen Emotionen verbunden: Wolfgang Dyck. Einige Basisinformationen:
Ich weiß gar nicht mehr wie ich auf die berühmte Predigt von Wolfgang Dyck “Vom Knast zur Kanzel” gestoßen bin. Sie hat mich als Teen total gefesselt, so dass ich sie in kürzester Zeit mehr als einige dutzende Mal angehört habe. Später habe ich festgestellt, dass noch  Später habe ich noch weitere Predigten von ihm entdeckt.
Als uneheliches Kind geboren und in Heimen und Erziehungshäusern aufgewachsen, wurde Wolfgang Dyck schon als Jugendlicher wiederholt straffällig und verbrachte elf Jahre seines Lebens hinter Gefängnis- und Zuchthausmauern. Durch den Kontakt zur Heilsarmee erlebte Dyck 1960 in Stuttgart seine Umkehr zu Jesus Christus, die sein Leben total veränderte. Aus dem ehemaligen Schwerverbrecher wurde nun ein leidenschaftlicher Rufer zu Jesus Christus. In Kneipen, Nachtlokalen, Gefängnissen und auf der Straße verkündigte er die Frohe Botschaft vom Kreuz. 1970 verstarb er bei einem tragischen Autounfall mit gerade erst 39 Jahren. Trotzdem sind seine Predigten auch heute noch äußerst aktuell. Sein Stil ist einfach, lebendig und erfrischend. Seine Lebensgeschichte gibt es auch in Buchform. Insgesamt sind etwa drei kurze Schriften vorhanden, die von seinem Denken berichten.  Ein Erlebnis hier! Wolfgang Dyck verstarb viel zu früh durch einen Autounfall!
Aufgenommen in die Liste der Lehrer!

Louis Berkhof über die Bestrafung der Sünde

Louis Berkhof führt in seiner “Systematic Theology” 4 Punkte der tatsächlichen Bestrafung der Sünde auf (S. 284 ff.): Geistlicher Tod, Leiden des Lebens, Physischer Tod, Ewiger Tod.
Das Thema Tod dominiert also, besonders hervorragend fand ich aber seine Ausführungen zu Leiden des Lebens, die ich im folgenden übersetzt habe:
“Die Leiden des Lebens, die eine Folge des Eintritts von Sünde in die Welt sind, sind auch Teil der Bestrafung der Sünde. Sünde bedeutet Störung des ganzen Lebens des Menschen. Sein physisches Leben fiel Schwächen und Krankheiten zum Opfer, die zu Beschwerlichkeiten führen und oft in quälenden Schmerzen enden; Und sein mentales Leben wurde Ziel von beunruhigenden Störungen, die ihm oft die Freude des Lebens rauben, für die täglichen Aufgaben disqualifizieren und manchmal sein ganzes geistiges Gleichgewicht zerstören. Seine ganze Seele wurde zum Schlachtfeld widersprüchlicher Gedanken, Lüste und Wünsche. Der Wille verweigert es den Urteilen des Intellekts zu folgen, und die Leidenschaften rebellieren ohne die Kontrolle durch einen intelligenten Willen. Die wahre Harmonie des Lebens ist zerstört und macht Raum für den Fluch eines geteilten Lebens. Der Mensch ist in einem Zustand der Auflösung, der sehr oft mit ergreifenden Leiden einhergeht. Über dies hinaus wurde auch die ganze Schöpfung Opfer der Eitelkeit/Sinnlosigkeit und an den Verfall gebunden. Insbesondere die Evolutionisten haben uns gelehrt auf die Natur zu sehen als “rot in Zähnen und Klauen”. Zerstörende Kräfte werden oft durch Erdbeben, Zyklone, Tornados, Vulkanausbrüche und Überflutungen freigesetzt, die unermesslich viel Elend über die Menschheit bringen. Nun gibt es viele, insbesondere in unseren Tagen, die in all diesem nicht die Hand Gottes sehen, und all diese Unglücke nicht als Teil der Bestrafung von Sünde bewerten. Und doch ist es genau das, was sie im allgemeinen Sinn sind. Dennoch wird es nicht angebracht sein, zu spezifizieren und und sie als besondere Bestrafung für einige schwere Sünden zu werten, begangen von denen die in den betroffenen Gebieten leben. Es wird auch nicht weise sein die Idee voranzutreiben, es existieren kausale Zusammenhänge wie im Fall der Städte in der Ebene (Sodom und Gomorrah), die durch ein Feuer vom Himmel zerstört wurden*. Wir sollten stets bedenken, dass eine gemeinschaftliche Verantwortung besteht, und dass es immer genug ausreichende Gründe gibt, weshalb Gott Städte, Bezirke oder Nationen mit schrecklichen Katastrophen besuchen sollte. Es ist eher ein Wunder dass Er diese nicht öfter mit Seinem Zorn und heftigem Unmut besucht. Es ist immer hilfreich zu bedenken, was Jesus eins zu den Juden sagte, die ihm von einem Unglück berichteten, welches bestimmten Galiliäern widerfuhr, und offensichtlich annahmen, dass diese Galiläer besonders sündig sein müssten. “Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.  Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm von Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen seien als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen” (Lukas 13,2-5).
Berkhof gelingt es uns daran zu erinnern, dass jedes Unglück dieser Weltzeit ihren Ursprung in der Sünde hat, ohne aber für jedes Unglück die bestimmte Sünde des oder der Betroffenen suchen zu müssen.


*Ich bin mir nicht sicher ob ich diesen Satz hier korrekt übersetzt habe, der im Original so lautet: “Neither will it be wise to ridicule the idea of such a causal connection as existed in the case of the Cities of the Plain (Sodom and Gomorrah), which were destroyed by fire from heaven.” Ich bedanke mich bereits jetzt für einen besseren Vorschlag.

Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther

Ok, ich gestehe ein, ich habe die Überschrift nur als Lesemagnet gewählt, ändert aber wenig an meinem Anliegen:
Von Luther ist in der Welt wenig bekannt: Im besten Fall erkennt man ihn als einen, der für freies Denken und mehr Gerechtigkeit kämpfte, aber im großen und ganzen ein Kind seiner Zeit blieb. Mit “seiner Zeit” meint man übrigens sowieso alle Zeiten, vor unserer Generationen, und diese Zeiten sind prinzipiell immer als dunkel, trüb, unfair zu werten. Aus irgendeinem mystischen Grund haben wir uns weiterentwickelt. Nur wohin wir uns entwickeln, das vermag keiner zu sagen.
Aber einen glaubenden Luther kennt man wenig. Auch der Christ hat von Luther ein Bild, eines unzufriedenen Mönches, dem mal das Papsttum so sehr auf den Keks ging, dass er 95 Sätze an eine Kirchentür drannagelte, später den Ausschluss aus der katholischen Kirche ignorierte, und selbst vor dem Kaiser nicht einknickte. Ein sturer, übermütiger Deutscher, der sich vor keinem beugen ließ, weil er es gehörig satt hatte. Den Rest seines Lebens verbrachte er damit zu saufen, gegen Juden und Katholiken zu pöbeln und selbst mit Leuten aus seinem Lager wegen Nichtigkeiten im Clinch zu liegen. „Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther“ weiterlesen

Trichotomie und Dichotomie

Ist der Mensch zweigeteilt (dichotom) oder dreigeteilt (trichotom)? In meiner Jugendzeit war ich sehr geprägt durch die Schriften von Watchman Nee, der viel Wert auf eine Dreiteilung des Menschen legte. Es ging ihm hierbei darum zwsichen Seele und Geist zu unterscheiden. Im Grunde genommen (so verstand ich zumindest seine Schrift “der geistliche Christ”) kann der seelische Christ Gott nicht gefallen, nur der geistliche. Dieses dreifache Model (da auch säkular stark verbreitet) übernahm ich seitdem, ohne ausführliche Prüfung, außer dass  offensichtlich 1 Thess. 5,23 und Heb 4,12 die Trichomie zu bestätigen schienen.  Ich glaube Watchman Nee verwendete dafür das Bild der Stiftshütte, die einen Vorbereich ( = Leib), das Heilige ( = Seele) und das Heiligste (= Geist) enthielt.
Nun kann das als eine Detailfrage abgetan werden, aber dadurch dass man Seele und Geist nicht als Synonyme oder als zumindest unterschiedliche Aspekte des inneren Menschen wahrnahm, hatte ich große Probleme viele Bibelstellen zu verstehen, z.B. benutzt Paulus im Römerbrief gerne den Begriff “Geist”, so hier:
(Röm 8:4) auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist.
Geist war fürmichhieretwasfremdes, ich konnte mich an dieserVerheißung in Röm. 8,4 nicht freuen, denn “geistlich” war ich ja nicht. Der Ausdruck Geist bleibtdannüberhaupt etwas mystisches, unerreichbares.
oder z.b. hier:
(1.Kor 5:5) ihn zu übergeben dem Satan zum Verderben des Fleisches, auf dass der Geist selig werde am Tage des Herrn Jesu.
In der hier beschriebenen Situation, so dachte ich, geht der Geist (Odem Gottes) natürlich zu Gott, die Seele geht aber verloren, zu diesem Ergebnis kommt ein arminianischer Trichtomist.
Nun fiel es mir  heute wie Schuppen von den Augen, dass die von mir übernommene Vorstellung falsch war. War dieser Punkt geklärt, waren eine vielzahl an biblischen Texten mir nun deutlich klarer geworden. Ich meine, jetzt ist mir klar geworden, was mit dem Begriff Geist in der Bibel gemeint ist (wenn er vom Geist des Menschen spricht), bisher war das etwas mystisches und unerreichbares, wenig definiertes für mich nicht greifbares, aber da hiermit ich selbst (oder mein Inneres) gemeint ist, wird vieles klar. Ich führe diese Zeilen nur auf um zu zeigen, wie man säkulare Denkmodelle über Jahre mit sich mitschleppt und dadurch die Schrift deutlich missverstehen kann.
Wie bin ich aber überhaupt auf diese Überlegung gestoßen. Dankbar bin ich dem Buch “Systematic Theology” von Louis Berkhof.
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Spurgeon über Exzentrizität von Predigern

spurgeon
“Das folgende Ererignis, welches ich persönlich erlebte, wird die Kraft der Rasse und des Klimas aufzeigen um den Vorwurf der Exzentrizität zu produzieren. Ein Holländer, der, – nach seinem sehr ordentlichen Schreibstil, und der Ausdrucksweise seiner Sätze zu urteilen, ein sehr beispielhaftes Individuum sen sollte, schreib mir einmal einen streng ermahnenden Brief. Nachdem er meine gedruckten Schriften mit viel Freude gelesen habe, kam er zum Ergebnis dass ich ein gottesfürchtiger Diener bin, und verweilte, als er einmal in London war im Gottesdienst um mich zu hören. Dies musste er jedoch sehr bereuen, denn von nun an verlor er die Kraft meine Predigten mit Freude zu lesen. „Spurgeon über Exzentrizität von Predigern“ weiterlesen