Natürlich solltest du der Bibel ein Theologisches System „Überstülpen“…

…du musst nur sicher sein, dass es biblisch ist

Ein Artikel von Justin Dillehay, der am 28.10.2020 unter dem  Titel Yes, You Should ‘Impose’ a Theological System on the Bible (Just Be Sure It’s a Biblical One)” auf thegospelcoalition.org erschienen ist. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von The Gospel Coalition. (Download als .pdf)

„Wie kannst du nur an Heilsgewissheit glauben? Hast du Hebräer 6 nicht gelesen?! Es ist doch ziemlich klar, dass es möglich ist, die himmlische Gabe zu schmecken und Anteil am Heiligen Geist zu haben, und dann ohne Hoffnung auf Erneuerung abzufallen. Es wäre so viel leichter, wenn du einfach nur der Bibel glauben würdest, anstatt sie in ein theologisches System hineinzupressen.“

Solche Gespräche habe ich schon einige Male geführt. Tatsächlich habe ich gerade bei diesem Thema beide Seiten vertreten. Früher habe ich diesen Einwand gemacht, später wurde er mir entgegengebracht. Es ist nicht unüblich, Christen folgendes sagen zu hören: „Ich habe keine Theologie. Ich glaube einfach nur der Bibel.“

Aber diese Aussage zeigt ein Missverständnis hinsichtlich Theologie – zumindest guter Theologie. Sie setzt voraus, dass Menschen, die nicht mit deiner Auslegung übereinstimmen, ihre Bibel nicht sorgfältig genug gelesen haben müssen. Sie setzt auch voraus, dass man theologisches System-Denken zugunsten eines reinen Biblizismus vermeiden kann, obwohl das tatsächlich gar nicht geht. Lass uns also einen Moment darüber nachdenken, wie Theologie funktioniert und wie man sie auf ehrliche Weise ausüben kann. Wir verwenden dafür das Thema Heilsgewissheit als Testfall. „Natürlich solltest du der Bibel ein Theologisches System „Überstülpen“…“ weiterlesen

Was der meistzitierte Psalm im Neuen Testament über Jesus sagt

Ein Artikel von Justin Dillehay, der am 20.10.2020 unter dem  Titel „Jesus According to the New Testament’s Most Quoted Psalm“ auf thegospelcoalition.org erschienen ist. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von The Gospel Coalition. (Download als .pdf)

Kein anderer Vers der hebräischen Bibel wird im Neuen Testament häufiger zitiert, als Ps. 110,1.  Doch damit nicht genug.  Fast ein ganzes Kapitel (Hebräer 7,11-28) widmet sich Vers 4 dieses Psalms als Kommentar. Bei ihrem Verständnis Jesu maßen die Apostel und Propheten maßen diesem messianischen Psalm eine sehr hohe Bedeutung bei.

Es wird sich für uns also lohnen, darüber nachzudenken, wie uns dieser Psalm den Messias vor Augen führt, den wir anbeten.

Der Messias als Davids Herr und König (Ps 110,1-3)

Wie viele andere Psalmen trägt auch Psalm 110 die Überschrift „Ein Psalm Davids“. Doch wahrscheinlich ist bei keinem anderen Psalm die Urheberschaft so bedeutend wie bei diesem. Sie ist deswegen bedeutend, weil David Israels menschlicher König und „Herr“ war – natürlich Jahwe untergeordnet. Und doch nennt David hier in Vers 1 jemand anderen seinen „Herrn“ – und zwar jemand anderen als Jahwe:

„Spruch des HERRN [Hebräisch = Jahwe] für meinen Herrn [Hebräisch = Adonai]: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße!“

David, der im Heiligen Geist spricht (Mt 22,43),[1] hört einem Gespräch zu. Es ist ein Gespräch zwischen zwei Personen. Den HERRN kennen wir. Aber wer ist dieser andere Herr, den Jahwe einlädt, zu seiner Rechten zu sitzen? Einer, den sogar David „meinen Herrn (Adonai)“ nennt? „Was der meistzitierte Psalm im Neuen Testament über Jesus sagt“ weiterlesen