Christians Abenteuer (3): Als ein Wolf die Herde Gottes weidete

Aus Yann Jobuhn “some lost chapters of the pilgrim’s progress”  möchte ich heute nach den Kapiteln Christian kann nicht genießen und der Oberpharisäer eine Unterlagensammlung anfügen, die der Autor aus den Notizen des langjährigen machtgierigen Pastors der Gnadenkirche in Siegburg aufgezeichnet hat…

“Christians Gemeinde, die Gnadenkirche in Siegburg hatte eine jahrzehntelange Knebelherrschaft durch einen Wolf im Schafpelz durchgemacht, nämlich die Leitung durch ihren Pastor H. Kleinhans, der das auslebte, was Paulus den Ephesern als Warnung mitgab “Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden.” (Apg. 20,29)

Nur Gottes Führung war es zu verdanken, dass dieser Hirte irgendwann über seine eigenen Machenschaften stürzte. Auf diese Weise sind auch seine Tagebuchnotizen zu Tage getreten, in denen Kleinhans einen Einblick in seine Strategien, ja geradezu in seine Waffenkammer gibt. Beachtet, dass hier ein Wolf darüber schreibt, wie er Schafe reist. Dennoch denke ich, dass uns dieser Einblick helfen kann, als Schafe zu lernen, in herausfordernden Situationen klug zu werden wie die Schlangen und doch ohne Fehler zu bleiben, wie die Tauben. Ich füge hier eine Auswahl aus den Notizen von Kleinhans an:

“In den Jahren, seit dem mich Gott in der rechten Hand hält, damit ich die Schafe von den Böcken teilen soll, und von Gott berufen bin, die Wahrheit um jeden Preis zu verteidigen, habe ich einige Weide-Erfahrung gemacht:  Das Reich Gottes ist auf meinen Dienst angewiesen, denn wer soll sich sonst in den Riss stellen? Ja wie sollte ich mein hartes Gericht und meine Kontrolle vor mir selbst rechtfertigen können, wenn ich nicht gewisslich wüsste, dass mich Gott selbst in seiner rechten Hand hält, um jeden erbarmungslos mit seiner mächtigen Linken niederzuschlagen, der sich gegen mich, seinen treuen Diener, der seit seiner Jugend immer auf dem schmalen Wege geblieben bin, auflehnt! Ja, und was sollte mir mehr Gewissheit geben, einen gottgefälligen Dienst zu tun, wenn nicht das Wissen, dass einerseits alle, die sich aufgelehnt haben, von mir zermalmt wurden, und andererseits, die, die frustriert die Gemeinde verließen, wenn nicht auch alle “im Glauben Schiffbruch erlitten haben”, so doch “derart verweltlicht sind”, dass für jeden klar ist, welche Folgen es hat, sich gegen den Gesalbten des Herrn aufzulehnen. Oh wie oft habe ich es erlebt, dass Gottes Gaben und Berufung ihn nicht bereuen können. Deswegen ist es ja unmöglich seine Berufung als Hirte zu verlieren, selbst wenn man im Herzen ein Wolf bleibt (oder zum Wolf wird)!

Nun, nicht alle meine Kollegen verstehen diese Verantwortung, die wir vor Gott haben, deswegen halte ich es für nötig, auf einige nötige Maßnahmen hinzuweisen, die ich in den vielen Jahrzehnten meines Dienstes, meines heiligen Dienstes, – ja ich habe gedient – dem einen wahren heiligen Gott, der so zornig ist, wie das verzehrende Feuer und an seiner Gemeinde, die zu nichts weniger als zum Grundpfeiler der Wahrheit berufen ist, gemacht habe.

Wie wichtig ist es, in dieser letzten Zeit konsequent zu sein, und Abweichler in aller Deutlichkeit zurechtzuweisen! Wer braucht da zu wissen, dass es um Macht geht, wenn es viel besser mit “Treue” ersetzt werden kann. Doch genug der Vorrede, im Folgenden gewähre ich diesen für unsere böse individualistische Zeit so notwendigen Einblick in meine Strategien.

Die drei G: Gehorsam, Gehorsam, Gehorsam!

Manche meinen, Christen sind zu freien mündigen und verantwortungsvollen Menschen berufen, die in bewussten Entscheidungen selbstverantwortlich Christus nachfolgen! Wie sehr sie irren! Nichts ist in meinen Augen widerlicher und gefährlicher für meinen Dienst als Mündigkeit! Damit bleibt die Herde nicht abhängig genug von ihrem Hirten. Wie aber soll das gut für die Herde sein, die mich doch so sehr benötigt. Wie sehr benötigen blinde Schafe Leitung, ach! Doch in meiner mir gegebenen List…, ich meine natürlich Weisheit, kenne ich Wege, wie diese Keime ungesunder Freiheit unterbunden werden können: Mir ist sehr bald aufgegangen, dass man Unmündigkeit und Bindung sehr geschickt mit Gehorsam austauschen kann. Nur geduldige Bibelleser bemerken diese Finte, aber da droht kaum Gefahr! Wer setzt sich heute schon intensiv mit seiner Bibel auseinander?

Bezeichne Unmündigkeit als Gehorsam und du hast eine viel leichter kontrollierbare Herde. Wie man das genau macht? Natürlich mit einem Zaun um die Herde. Jeder, der die Grenzen des Zaunes verlässt, wird erbarmungslos gestraft! Ich meine natürlich nicht den Zaun, den die biblischen Gebote um Gottes Herde aufrichten. Als könnte Christus seine Herde ohne seine Mithirten, zu einem davon er mich berufen hat, weiden!? Weil genau das unmöglich ist, braucht es einen zweiten Zaun, an sich kann er sogar weiter sein als der biblischer Zaun, oder versetzter, oder, die Variante, die ich bevorzuge, enger sein. Lasst mich erklären, warum: Jemand, der das Gefühl hat, “Gottes Gebot überzuerfüllen”, weil er nicht mehr für seine Eltern sorgt, sondern für den Tempel spendet, merkt nicht mehr, dass sein Gehorsam sinnfrei ist (und sich nicht mehr um Gott und sein Wort dreht, aber das ist in dem Fall auch nicht wichtig).

Auch kann man einen solchen engen Zaun immer gut begründen mit den bekannten Klischees: “Man kann für Gott nicht zu streng sein”, “Lieber zu fromm als zu frei” oder auch “Auf Nummer sicher…”. Egal wie, ein regelmäßiges Wiederholen solcher Thesen führt zur Bindung der Herde an mich, ihren Hirten. Denn wer soll den dummen Schäfchen erklären, wie viel Strenge, streng genug ist, wenn nicht ich, ihr berufener Hirte.

Ist erst einmal Mündigkeit durch diese Art von Unmü.., ich meine natürlich Gehorsam ersetzt, ja dann verfügst du, als Hirte deiner Gemeinde über ein geeignetes Mittel “abtrünnige Schafe” schnell und deutlich zu brandmarken. Deswegen sind Regeln, die auf den ersten Blick sinnfrei klingen, sehr wohl sinnvoll. Ich denke da an das von mir so geschickt installierte Rasiergebot z.B. In meiner Gemeinde konnte ich den Schafen überzeugend klarmachen, dass jemand, der sich nicht regelmäßig rasiert, dass ausschließlich nur aufgrund seines Bösens Herzens, dass nach Eitelkeit und den modischen Trends folgt, tut. Jemand hat einen drei-Tage-Bart? Dann sind die Gründe dafür ganz klar seine Weltliebe, und nicht etwa einfach Vergesslichkeit, Geschäftigkeit, Trauer oder Depressionen.

Überhaupt ist das ein Punkt, den ich an Corona besonders geschätzt habe. Das war die Zeit, in der alle Medien täglich von den sinnlosesten Regeln überhaupt geflutet wurden, die sich dazu, geradezu im Stundentakt wandelten. Ich habe z.B. immer noch Ehrfucht vor dem Professor der Theologie  der noch zu Weihnachten 2021 ganz klar erklärte, dass alle verantwortungsvolle Christen mindestens nur unter 2G Bedingungen zum Gottesdienst gehen sollen. Dafür bedürfe es schon gar nicht staatlicher Auflagen, da die Christen hier nun mal Gehorsam um des Nächsten sind. Und auch wenn er nur vier Monate später seine eigenen Gebote vergessen hat, was soll man sagen? Die Schafe folgten blind! Und darum muss und soll es uns gehen. Schafe brauchen Weisung und Leitung und gehen ohne diese Zugrunde. Wer kann sie dabei geschickter zum Wolfsrudel leiten als ein Wolf?

Hat man erst einmal den Gehorsam um des Gehorsams willen installiert, ist schon ein großer Teil der Kontrolle über die Herde gewonnen. Denn sehr einfach kann man allen klar machen, wie gefährlich für Frieden und Einheit Schafe sind, die solchen Gehorsam verweigern. Und plötzlich redet keiner mehr über die Sinnhaftigkeit der Regeln, sondern nur noch darum, wie gefährlich Ungehorsam ist. Schließlich landen alle Ungehorsam ja auch irgendwann in der Hölle! (Denn es sind die Ungehorsamen, die sich weigern in die Arche zu gehen, den Bund mit Gott zu schließen oder das reine Hochzeitskleid anzuziehen! Ach wie viele Predigten man darüber schreiben könnte! Hier ist wahre Theologie zu finden und nicht in dem ganzen reformatorischen Quatsch, den die jungen Leute heute bücherweise konsumieren).

Gehorsam, Gehorsam, Gehorsam! Ist nicht Ungehorsam eine Zaubereisünde, die Saul das Heil kostete? Hier ist noch ein weiterer Vorteil zu finden, den “blinder Gehorsam” bringt.  Die Prüfung, die jeder besteht, der einem sinnlosen Gebot folgt, bleibt natürlich nicht ohne Belohnung. Ich habe es mir schon seit jeher zur Gewohnheit gemacht, gerade jene zu meinen Mitarbeitern zu küren, die blind folgen. Auf solche Arbeiter ist schlicht Verlass, denn ich kann sie in zweifacher Abhängigkeit halten: Sollte sich die Stimmung der Gemeinde z.B. plötzlich so stark wandeln, dass sie sinnlosen Regeln nicht mehr folgen will, kann ich darauf verweisen, dass alle Mitarbeiter der Gemeinde dahinter stehen und greift dieser Stimmungswandel selbst die Mitarbeiter an, hat man bereits so viel Abhängigkeit geschaffen, dass man mit dem Verweis auf vergangenen Gehorsam zahlreich schlechte Gewissen produzieren kann.

Übrigens wirst du dann, wenn du meine Anweisungen befolgst, auch Folgendes beobachten: Niemand wird jemals wieder über Menschenfurcht oder Kadavergehorsam predigen oder reden, den jeder wird sich eher darum reißen, sich im Gehorsam zu beweisen und kaum einer wird merken, dass die Motive dahinter häufig nur Menschenfurcht sind.

Aufruf Selbstprüfung statt Heilsgewissheit und Heilszuspruch

Apropos, schlechtes Gewissen. Von allen diesen neumodischen Theologien, die zur Zeit unsere Jugend fluten, war und ist mir keiner verhasster, als die Lehre von der Heilsgewissheit. Ein Stück weit beneide ich meine katholischen Kollegen, die die Heilsgewissheit per definitonem als protestantische Ketzerei verdammen, aber als Pastor von Evangleiums-Christen hatte ich natürlich ein Problem, da hier viele Heilsgewissheit geradezu als heilsnotwendig sehen.

Ich gestehe, dass kaum etwas mir mehr Mühe in meinem Dienst machte, als frohe und glückliche Christen, die sich ihrer herrlichen Freiheit und königlichen Berufung als Kinder Gottes bewusst sind. Wie ich ihre Arroganz verabscheue! Überhaupt waren diese Christen immer die größte Gefahr für meinen Dienst, denn jemand der sich an Gott um Gottes Willen freut, erweckt zu sehr den Eindruck, dass er ohne mich auskommen könnte. Wie sollte das aber gut sein, wo mich doch Gott dazu berief, meine Herde in Abhängigkeit zu halten.

Es hat gedauert, bis ich auch hier eine wunderbare Lösung hatte, aber ich habe sie nun:

Es ist gar nicht nötig, Heilsgewissheit als solche in Frage zu stellen, sondern man kann sie links  liegen lassen und konzentriert nun nahezu jede Predigt um das Thema der Selbstprüfung: “Christ, liebst du Gott, so wie er dich?”, “Bruder, liebst du deinen Nächsten wie dich selbst?”, “Schwester, bist du noch auf dem schmalen Weg oder möchtest du dich schminken wie die Welt?”, “Geschwister, wie sieht es mit unserem Eifer um das Haus Gottes aus, oder wollen wir manchmal nicht zur Bibelstunde kommen?”, “Ihr Christen, seid ihr nicht träge im Gebet, im Glauben, in der Heiligung geworden?” “Bruder, Schwester, Freund, Besucher und Kinder: Prüft euch, Prüft euch, Prüft euch!”

Nichts, und ich wiederhole nichts tötet diese ärgerliche Heilsgewissheit effizienter als der ständige Blick auf sich selbst! Dabei braucht man gar nicht viel “Textbiegerei”, schließlich gibt es ausreichend Aufforderungen zur Selbstprüfung nahezu überall in der Bibel! Ach, ich liebe diese Verse! Sie sind so ernst! Sie sind so wichtig” Sie machen deutlich, wie furchtbar Ungehorsam ist, so dass dieser Aufruf zur Selbstprüfung den Aufruf zum blinden Gehorsam stärkt und umgekehrt.

Aus diesem Grund ist neben “Lass die Herzen immer fröhlich”, gerade dieses Lied (Nr. 1107 im roten Liederbuch) von P.P. Bliss eines meiner Lieblingslieder, beachtet die Zeilen:

“1. Dem Heiligen Geiste, der gnädig dich straft
und sich am Gewissen bezeuget mit Kraft,
dem sollst du nicht länger, o Mensch, widerstehn!
Versäumst du die Gnade, ist’s um dich geschehen.

2. Und bist du bekehret von Sünde und Tod
zu Jesu, dem Heiland und Retter in Not,
so werde voll Geistes, betrübe Ihn nicht,
o folge Ihm stündlich und wandle im Licht!

3. Oft wird man im Laufe so müd’ und so matt,
dass manchmal die Seele kaum Leben mehr hat.
Da braucht’s neue Flammen von oben herab;
drum dämpfe den Geist nicht, dass neu Er dich lab’!”

Welch krasser Apell zur Selbstinspektion und Nabelschau! Glorreicher Weg der Kontrolle! Letztlich verzweifelt eigentlich jeder an diesem Aufruf permanenten Selbstprüfung. Denn jemand ohne Gewissheit benötigt viel mehr Weisung und Leitung! Und die will ich meinen armen und hilflosen Schafen gerne geben!

Dieser Unsicherheit in der ganz persönlichen Beziehung zu Gott geben wir das Label “Demut”. So stopfen wir allen Kritikern schon im Keim das Maul!

Drastisch deutliche Unklarheit

In meinen vielen Jahren als biblisch-notwendiger Hirte habe ich aber gemerkt, dass man für die Wahrheit auch ohne persönliche Heilsgewissheit oder gutes Selbstwertgefühl stehen kann, deswegen sind noch weitere Methoden nötig, um die Herde zu “zerweiden”.

Wie ich jede Form der Wahrheit hasse, die sich der Kontrolle entziehen möchte! So etwas kann nur Ketzerei sein. Es wundert mich nur, dass Jesus sich als Wahrheit selbst in Persona bezeichnete. Wer jedoch kann Christus ganz ergründen oder fassen? Das zeigt wie gefährlich jene sind, die von einer höheren Wahrheit überzeugt sind, und diese (was noch schlimmer ist) gar noch klar sehen oder (das Allerschlimmste) klar artikulieren können.

Gegen Wahrheitsüberzeugte gibt es dieses notwendige Heilkraut: Führe das härtest mögliche Vokabular. Jedes Thema, darüber ich predige ist immer “besonders relevant” oder “drastisch vernachlässigt”. Und überhaupt sind viele Andeutungen über die “Finsternis dieser Welt nötig”. Einst besuchte uns ein Evangelist, den ich hier für besonders tüchtig halte. Über eine Stunde lang hielt er pro Minute mehrfach den Verweis darüber was “Brüder so tun”, wenn sie “sich in ihre Zimmer einschließen”, ohne auch nur ein einziges Mal Wörter wie Unzucht, Untreue, Sexuelle Sünde, Unreinheit oder geschweige den Masturbation oder Pornographie zu gebrauchen. Und keiner der Schäfchen hat gemerkt, dass man in nur einer Minute ganz klar erklären könnte, dass Nachfolger Christi, wenn sie sich in Ihr Zimmer einschließen, dass nicht tun, um Pornos zu schauen, sondern um im Kämmerlein zu Ihrem Gott zu beten. Was aber wurde durch diese Undeutliche Ausführung erreicht? Ganz einfach: Natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung, dass nicht ein einziger Christ, in seinem Kämmerchen nicht auch schon etwas blödes getan hat. Bleibt man wage und unklar, hast du gleich alle an der Leine (natürlich um sie auszuweiden).

Mit dieser Art drastischer Undeutlichkeit kann man einerseits ganz klar das Image waren, dass man “noch zu den letzten gehört, die noch bibeltreu in dieser letzten Zeit sind”, ohne sich jemals in die Gefahr zu bringen, durch Klarheit “Unruhe zu stiften”. Oh wie ich jegliche Unruhe in der Gemeinde verabscheue! Als hieße es nicht ganz klar und deutlich, dass Gott nicht ein Gott der Unordnung, sondern der Ordnung sein. Die absolut Ekligsten sind ja jene, die meinen, Unruhe wäre gar ein Wirken Gottes und seines Geistes, der die Sünder auf den Weg der Umkehr stellt.

In gewisser Weise feiere ich immer noch den Dirigenten, der auf einem Vortrag über geistliche Musik über die Gefahr von “Sündkopen” sprach. Ach, Neologismen sind herzlich willkommen, wenn sie die Herde “auf dem rechten Weg” halten.

Mit dieser Unklarheit kann man z.B. auch dieses kleine Wunder bewerkstelligen: So wurde in der (oder für die) Gemeinde beschloßen, “das Luststrände” verboten sind. Was Luststrände nun genau sind, wurde never ever erklärt oder definiert. Die Konservativen mögen damit Strände jeder Art, samt Schwimmbädern verstehen, was geht es mich an, so lange ich jährlich meine zwei Wochen am Strand von Haifa verbringen kann? Und im Zweifel kann man ja erklären, dass mit Luststränden eigentlich “FKK-Strände” gemeint seien. Im Übrigen eignet sich eine solche Regel auch wunderbar zum “Gehorsamswettkampf” und zum Appel an das schlechte Gewissen. Wie auch immer, ihr seht, dass ich mich mühe meine Berufung zu erfüllen und reich mit Gottes Gaben zur Erfüllung derselben beschenkt bin.

Nichts lähmt konstruktive Wahrheiten besser, als eine Botschaft, die völlig unbestimmt bleibt aber mit den entschiedensten Vokabeln gefüllt ist!

Die Bösen da draußen

Nun mag jemand denken, dass ich von meiner Gemeinde schlecht denke. Keinesfalls! Ich glaube in meinem Dienst habe ich kaum einen Satz häufiger gebraucht als diesen: “Wir sind eine gute Gemeinde”. Diese Botschaft ist extrem wichtig, denn natürlich sind die Schäffchen (mit doppel-f) niemals Feinde ihres Wolfes, der sie ja zum Fressen gern hat. Nein, die Feinde sind die ganzen Hunde da draußen. Hier erweist sich die davor geschilderte Unklarheit als sehr befruchtend für die allgemeine Beobachtung, dass es häufiger viel leichter zu beschreiben ist, “wie etwas nicht sein soll”. Natürlich sammelt sich keine Herde lieber um einen Wolf, als die, die sich umgeben von Löwen, Bären und Leoparden weiß. In diesem Fall ist jeder Wolf, und mag er so reißerisch sein wie ich, immer noch ein begehrter Hirte. Ach, die ganzen Löwen um meine Herde! Ob es nun die Kommunisten, Feministen oder Ökumenisten (ein Neologismus again) oder Calvinisten sind. Was geht mich das an! In jeder Gruppe sieht man die Folgen des Sündenfalls so deutlich, dass gar keine Lupe nötig ist, um die Gefahren dieser Gruppen zu entdecken. Dabei ist es natürlich besser, möglichst viele Feindgruppen zu entwickeln, und ja auch vor Hybriden braucht man nicht zurückzuschrecken: Besonders gern habe z.B. ich die links-feministischen Calvinisten aus Amerika. Geradezu eine Ausgeburt der Hölle, der Drache der Offenbarung, der hier vor jedem zu sehen ist, der bloß youtube starten muss, um den Schrecken der Welt in ihrer ganzen Unart zu erleben. Bei der Bekämpfung dieses Bösen ist übrigens jedes Mittel recht.  Es ist ja schließlich egal, wer sich hier zerfleischt, und wie schlüssig die Argumente an sich und in sich selbst  sind, und ob ich die zu verwerfende These überhaupt kenne, so lange meine eigene Herde sich näher um mich scharrt! Teile und Herrsche, sage ich da bloß, Teile und Herrsche…

Solche Botschaften lassen sich auch geschickt mit einer heftigen Naherwartung der Wiederkunft Christi koppeln, nein eigentlich nicht der Wiederkunft Christi, dass ist zu sehr “Apostel-Zeit” (ist mir zu christozentrisch, und wir wissen bekanntlich, dass alle Gemeinden, die nur von “Christus reden” irgendwann verweltlichen) , mehr die Erwartung der “letzten Zeit”, der bösen, dunklen Zeit, der Zeit des Gräuels, der Unzucht, der Ungerechtigkeit, des Abfallens. Ach, wiederholt nur diese Botschaft häufig genug, und ihr werdet sehen, wie sich eure Herde immer mehr und mehr um euch sammelt. Was den auch sonst? Ist alles Andere um uns herum, so furchtbar böse, merken alle Schafe, wie furchtbar in die Irre ein jeder geht, der den Herrschaftsbereich Ihres von Gott eingesetzten Hirten, also von mir, verlässt. Deswegen kann niemand in Gnade oder Frieden oder Ruhe gelassen werden, der sich gegen meinen Herrschaftsbereich (den die Bibel als Ortsgemeinde bezeichnet) wendet.

Nun, wie gesagt, wer die Bösen wirklich sind, und was sie lehren, wie die Flecken des Panthers also geartet sind, was interessiert mich das? So lange sich die Herde bloß um mich sammelt. Den was benötigt eine Herde mehr als Ihren Hirten. Was ziert eine Herde mehr, als dass sie treu ihrem Hirten folgt. Und was brauche ich als Hirte mehr als eine gehorsame Herde? Und so erfüllt sich meine Berufung. Denn wie soll ich herrschen und regieren ohne Herde? Und was braucht die Herde mehr als Herrschaft und Regierung? Den wie soll ich sonst meine Erfüllung finden, um meiner Berufung zum Hirten nachzukommen. Ich brauche eine kontrollierbare Herde für meine eigene Identität! Ich brauche sie! Ich muss sie beherrschen, um Gottes Willen zu erfüllen und mit meinen Pfunden zu wuchern! Ich brauche sie und ich werde mit allen meinen Gaben über sie herrschen.

Würden doch bloß mehr meinen Ratschlägen folgen, und wir hätten viel ruhigere und einigere Herden. Denn natürlich folgt aus dieser Kontrolle etwas, dass Kritiker als Mutlosigkeit oder Freudlosigkeit bezeichnen, dem wir aber ganz klar das Etikett von “Demut” geben können.

Doch leider muss auch ich eingestehen, dass etwas, dass meine Widersacher als Gnade Gottes bezeichnen, immer wieder doch so stark wird, dass all meine Weisheit nicht ausreicht, um Mündigkeit, Heilsgewissheit, Hingabe an die Wahrheit und Offenheit zu den Mitmenschen endgültig zerstören, dass Menschen von dem berührt werden, was sie als Wahrheit bezeichnen und sich auf die Seite der Wahrheit stellen, da sie überzeugt sind, dass es dem Menschen nichts hülfe, wenn er die ganze Welt gewönne und doch Schaden an seiner Seele nehme. Gegen diese treuen Schafe der Herde Christi, vermag auch all meinen List nichts… Diese Schafe konnte ich bisher nicht fressen” 

Solche und viele weitere Ausführungen mit zahlreichen erschreckenden Details aus dem Herzen eines Wolfes (so berichtet Yann Jobuhn) fand ich in den Notizen dieses Wolfes. Mögen sie uns deutlich machen, wie wichtig es ist, zu wachen und zu beten, und wie viel Gnade ein echter von Gott berufener Hirte benötigt, um nicht über seine Gemeinde zu herrschen, sondern ihr zu dienen”

 

 

 

4 Kommentare

    1. Hallo!
      Entschuldige die Verspätete Antwort. Yann Jobuhn hat in seinem Werk auch ein kleines Kapitel mit dem Titel “Das Ende von Pastor Kleinhans”, das aber wohl zu viele für uns wenig interessante Details enthält. Ich versuche die Hauptsumme seiner Ausführungen zusammenzufassen: ” Pastor Kleinhans wirkte bis ins hohe Alter hienein mit seiner Tyrannei, und alle Zeichen deuteten schon daraufhin, dass in seinem Amt sterben, und somit mit hohen Würden, allen Ehren und samt großem Klageartikel in einer bekannten christlichen Zeitschrift, die öffentlich beklagen würde, “welch großer Hirte mit welch fruchtbarem Dienst nun heimgerufen wurde”, als sich für viele unerwartet ein Kurswechsel ergab.
      Dieser bestand im Wesentlichen darin, dass ein von ihm eingesetzter Mitarbeiter, den Kleinhans für besonders lenkbar hielt, plötzlich für die Wahrheit und Echtheit entschied. Dieser konnte Kleinhans aber nicht so ohne weiteres, auch aufgrund des hohen Alters immer weniger aktiv widersetzen. So kam recht schnell ein guter Wandel, und die Gemeinde konnte aufs Neue zum Leben wiederbelebt werden; Und hier wurde eine der zentralsten Botschaft zum Stolperstein für Pastor Kleinhans. Da er gegen diese Veränderungen in der Gemeinde war, predigte er plötzlich, dass “wir eine schlechte Gemeinde sind”. Doch das wollte ihm keiner mehr glauben, nachdem er 40 Jahre lang erzählt hat, “dass wir eine gute Gemeinde sind”. So verlor er sehr rapide an Glaubwürdigkeit, dadurch an Einfluss und somit auch an Macht und musste schließlich Amt und später auch die Gemeinde verlassen.” Jobuhn fügt noch an, dass er aus dieser Episode gelernt hat, dass es sich immer lohnt für das richtige und wahre zu kämpfen, selbst wenn dir alle anderen sagen, dass dieser Kampf unnötig, übertrieben, falsch oder sonst was sein sollte.

  1. Vielen Dank für die Antwort. Dann hat die Gemeinde aber lange unter Kleinhans gelitten. Ist Kleinhans denn noch zur Besinnung gekommen oder hält er an seinem Verständnis vom Evangelium fest?

    1. ja, in der Tat, lange, zu der anderen Frage kann ich das berichten: noch vor wenigen Wochen antwortete Kleinhans auf die Frage, “ob er nicht auch auf dem schmalen Weg gehen möchte”? mit “Diesen schmalen Weg gehe ich und bin ihn auch immer gegangen”. – Wir müssen beten, dass er Raum zur Buße findet.

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