Kirchengeschichte

Der Predigtdienst von George Whitefield

George Whitefield (1714-1770) ist vor allem bekannt als Evangelist in England, Schottland und Amerika, für seine kraftvollen Predigten auf freiem Feld mit Tausenden von Zuhörern und für seinen mitreißendem Predigtstil. Er schrieb seine Predigten auch selbst auf und verkaufte sie als Einzelausgaben oder als Sammelband.

Weniger bekannt ist eine weitere Reihe von Predigten, die George Whitefield in seinen zwei Gemeinden in London gehalten hat. Sie sind zusammengefasst in einem Sammelband, den ich in digitalen Archiven gefunden habe. Whitefield hat diesen nicht selbst veröffentlicht, sondern seine Predigten wurden von jemand anderem in Stenographie mitgeschrieben, dann übertragen und als Buch herausgegeben. Unter den Texten befinden sich mehrere Trauerreden anlässlich von Begräbnissen von Gemeindemitgliedern und auch zwei sehr persönliche Abschiedspredigten, mit denen sich Whitefield verabschiedete, bevor er zu seiner vorletzten bzw. zu seiner letzten Schiffsreise nach Amerika aufbrach. Besonders die letzte «Der gute Hirte» ist sehr bewegend und hat mich zu Tränen gerührt, wenn man bedenkt, dass er tatsächlich ein gutes Jahr danach in Amerika verstorben ist und nie wieder nach London zurückgekehrt ist.

Begräbnisse und Abschiede – das sind ja nur äußerst traurige Anlässe und das klingt eigentlich nach deprimierender Lektüre. Aber die Bibelstellen, die er zu diesen Anlässen ausgewählt hat und seine Predigten dazu sind voller Trost:

«Wenn ihr zu Jesus Christus gehört, dann spricht er von euch; denn er sagt, „Ich kenne meine Schafe.“ „Ich kenne sie.“ Was bedeutet das? Nun, er kennt ihre Anzahl, er kennt ihre Namen, er kennt jedes einzelne, für das er gestorben ist; und wenn auch nur eines fehlen würde, für das Christus gestorben ist, dann würde Gott der Vater ihn wieder von Himmel herab senden, um es zu holen. „Von denen“, sagt er, „die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.“ (…) Aber er kennt seine Heiligen, all ihre Sorgen, ihre Prüfungen und Versuchungen sind ihm bekannt. Er sammelt all ihre Tränen in seinen Krug, er kennt ihre häuslichen Prüfungen, er kennt ihre innere Verdorbenheit, er kennt all ihr Umherirren, und er kümmert sich darum, sie wieder zurückzuholen. Ich erinnere mich, dass ich einmal den guten Dr. Marryat, der ein Prediger mit guten Redewendungen war, sagen hörte: „Gott hat einen großen Hund, um seine Schafe zurückzuholen.“ Wisst ihr nicht, dass, wenn die Schafe umherirren, der Schäfer ihnen seinen Hund hinterherschickt, um sie wieder zurückzuholen? Also wenn Christi Schafe umherirren, dann lässt er den Teufel sie verfolgen und lässt es zu, dass dieser sie anbellt, der so, anstatt sie noch weiter wegzutreiben, zu einem Werkzeug dazu gemacht wird, um sie wieder in den Stall Christi zurückzubringen.» (Aus «Der gute Hirte»)

Für mich persönlich war das letzte Jahr schwer, mit vielen Prüfungen, bei denen ich dazu außerdem noch das Gefühl habe, regelmässig darin zu versagen. Es hat mich deshalb sehr getröstet, diese Worte zu lesen:

«Jeder Gläubige kann zu allen Zeiten mit den Worten des Textes zu sich selbst sagen: „Gott hat mich im Schmelzofen des Elends erwählt.“ Vielleicht gibt es keine tröstlichere Textstelle im gesamten Buch Gottes. Ich weiß von keiner, die eine größere Wirkung hat, ein klagendes Kind Gottes zu beruhigen, oder einen armen leidenden Gläubigen glücklich zu machen und ihn dazu zu bringen, unter der Verheißung auszuruhen und die Rute Gottes zu küssen, die den Schlag ausführt.» (Aus «Der Schmelzofen des Elends»)

Wenn du dich auch im Schmelzofen des Elends befindest, dann bin ich mir sicher, dass dir die Predigten «Der Schmelzofen des Elends», «Gott im Feuer rühmen», «Der Liebling des Herrn», «Der Herr unser Licht» und «Christus, die Zuflucht des Gläubigen» Trost spenden werden und dich neu erfrischen werden, durchzuhalten!

«Meine Brüder, wir brauchen Reinigung. Wie leicht neigen wir dazu, auf einem Federbett in den Himmel kommen zu wollen; viele kommen dorthin auf Betten von Schmerz und Leiden, was die Straße des Königs dorthin ist. Ihr wisst, dass es einige Straßen in London gibt, die King’s Road, Königstraße, heißen, und sie sind fein geschottert, aber die Königstraße zum Himmel ist gepflastert mit Kreuzen und Leiden. Wir neigen alle dazu, es für etwas Gutes zu halten, Christen zu sein; es ist sehr hübsch, davon zu sprechen, Christen zu sein, bis wir von einem Feuerofen in den nächsten gesteckt werden. „Denkt es nicht seltsam“, sagt der Apostel, „lasst euch durch das Feuer nicht befremden, das euch widerfährt zu eurer Versuchung,“» (Aus «Gott im Feuer rühmen»)

«Wenn ihr euch in Gott bergen könnt, dann lasst die Welt euch hassen. Gottes Kinder sind füreinander die größten Plagen und Prüfungen, aber Gott liebt sie, Gott lächelt sie an, und deshalb werden sie sicher wohnen. Der Teufel hat mir gesagt, dass ich nicht sicher wohnen soll, aber ich habe ihm getrotzt, ihn auf 5. Mose 33 verwiesen und ihm gesagt, das Benjamins Los meines ist: „Der Liebling des Herrn wird sicher wohnen bei ihm.“» (Aus «Der Liebling des Herrn»)

«Dann werden wir Gott danken für all unsere Verluste, Kreuze und Enttäuschungen; und ich glaube, dass gerade jene Dinge, über die wir am meisten getrauert haben und die uns am stärksten geprüft haben, uns den größten Trost geben werden, wenn unsere Zeit zu sterben kommt: Gott wird uns zum ewigen Licht werden, genauso wie die Tage unserer Trauer ein Ende haben werden.» (Aus «Der Herr unser Licht»)

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