Es ist interessant, wie geringfügig Moderne Evangelikale über Größen des Evangelikalismus denken – Ich denke da an diese Wertung des Worthaus Podcasts Wort und Fleisch über Packer und Henry: „Packer und Henry stehen repräsentativ für den Aufschwung neofundamentalistischen Denkens nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei beiden kann exemplarisch man (sic*) sehen, welches Niveau, Differenziertheit aber auch Limitiertheit die Versuche zeigen können, eine grundsätzliche Alternative zur modernen wissenschaftlichen Theologie zu entwickeln.“
You know – die beiden hätten sich viel Mühe gegeben, aber es blieb halt limitiert und unwissenschaftlich. Dabei haben sowohl Packer als auch Henry ein Erbe für die Christenheit hinterlassen, das für Worthaus immer unerreichbar bleiben wird.
Statt sich auf die ungenauen (und somit ebenfalls unwissenschaftlichen), ungründlichen und im Vornherein verurteilenden Darstellungen des Podcasts zu konzentrieren, wäre es besser, sich direkt mit der Person von Carl F.H. Henry auseinanderzusetzen. Heute will ich dafür einen ersten Schritt tun, in dem wir eine erste Biographie von ihm veröffentlichen. Leider ist in der Tat Henry im deutschsprachigen Bereich viel weniger bekannt als Packer, diese Unwissenheit dürfte ein Grund sein, warum Worthaus und Co. willkürlich argumentieren dürfen.
Lektionen aus dem Leben von Carl F.H.Henry (1913–2003)
Es ist oft schwierig zu wissen, wie man sich zwischen religiösen Lagern auf der rechten und linken Seite zurechtfindet. Auf der rechten Seite finden sich möglicherweise diejenigen, die Wert auf gute Lehre legen, aber den Anschein erwecken, von der Welt auf Distanz zu stehen. Auf der linken Seite könnten diejenigen sein, die sozialen Einsatz und Aktivismus betonen, aber den Eindruck erwecken, theologische Treue kompromittiert zu haben.
Doch wir sind nicht die erste Generation von Evangelikalen, die mit dieser Spannung zu kämpfen hat. Auch die Evangelikalen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts befanden sich unbehaglich zwischen zwei sich zuspitzenden Extremen. Aber durch Gottes Vorsehung begannen mehrere evangelikale Theologen in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, einen anderen Weg zu vertreten. Der einflussreichste von ihnen war Carl F. H. Henry.
Henry war ein brillanter Theologe, Journalist, Seminardozent und evangelikaler Leuchtturm, am besten bekannt als der intellektuelle Gigant, der als erster Chefredakteur von Christianity Today tätig war – dem Magazin, das von Billy Graham gegründet wurde. Einer der späteren Redakteure des Magazins – David Neff – sagte: „Wenn wir Billy Graham als das große öffentliche Gesicht und den großzügigen Geist der evangelikalen Bewegung sehen, dann war Carl Henry das Gehirn.“
Mehr als jeder andere legte Henry überzeugende intellektuelle Argumente für einen neuen Zweig des Evangelikalismus dar – einen Evangelikalismus, der Leidenschaft für richtige Lehre mit Leidenschaft für kulturelles Engagement verband. Henry betonte sowohl Evangelisation als auch sozialen Aktivismus. Er bestand darauf, dass Evangelikale sowohl theologische Gelehrsamkeit als auch praxisorientierte Ausbildung im Dienst priorisieren. Und er zeigte vor, wie man diejenigen, mit denen man nicht übereinstimmt, richtig herausfordert, indem er Evangelikale dazu aufrief, dies mit Freundlichkeit und Demut zu tun. Henry gibt uns einen Leitfaden dafür, wie wir uns sowohl zur Orthodoxie als auch zur Orthopraxie verpflichten können.
Feuriger Blitz
Carl Ferdinand Howard Henry wurde am 2. Januar 1913 als Sohn deutscher Einwanderer geboren und wuchs auf Long Island, New York, auf. Er wurde in der Episkopalkirche getauft und besuchte die Sonntagsschule, doch Religion spielte im Hause Henry keine wichtige Rolle.
Nach seinem Highschool-Abschluss im Jahr 1929 begann Henry als freier Reporter zu arbeiten. Innerhalb von drei Jahren war er Redakteur einer großen Zeitung auf Long Island. Er war, wie Timothy George in Essential Evangelicalism (S. 9) schreibt, zu einem „abgebrühten Journalisten geworden, der heidnischen Vergnügungen frönte“.
Eines Tages im Jahr 1933 jedoch, saß Henry während eines heftigen Sturms allein in seinem Auto, als ihn ein Blitzschlag erschreckte. Er beschrieb das Erlebnis so:
„Ein feuriger Blitz, wie ein riesiger flammender Pfeil, schien mich auf den Fahrersitz zu nageln, und ein mächtiges Donnergrollen machte mich nervös. Als das Feuer fiel, wusste ich instinktiv, dass der große Bogenschütze mich an meine eigenen Schritte geheftet hatte. Rückblickend war es, als ob der transzendente Tetragrammaton [theologischer Begriff für den Namen Gottes JHWH] mir deutlich machen wollte, dass ich mich nicht selbst retten konnte und dass das Eingreifen des Himmels meine einzige Hoffnung war.“ (Confessions of a Theologian, S. 45–46)
Kurz darauf führte Henry ein langes Gespräch mit einem jungen Evangelisten namens Gene Bedford. Nach diesem Gespräch nahm Henry Jesus als Retter an.
1935 schrieb sich Henry am Wheaton College ein, wo er Helga Bender, die Tochter baptistischer Missionare, kennenlernte. Carl und Helga heirateten 1940 und begannen damit eine 63-jährige Ehe. Während seiner Zeit am Wheaton College entwickelte er auch eine Freundschaft mit seinem Kommilitonen Billy Graham. Diese Freundschaft sollte ein Leben lang halten und viele Früchte tragen.
Nachdem Henry am Wheaton College einen Bachelor- und einen Master of Arts sowie am Northern Baptist Theological Seminary einen Bachelor of Divinity und einen Doctor of Theology erworben hatte, promovierte Henry zum Doctor of Philosophy an der Boston University. Während seiner Zeit in Boston vertiefte er seine Freundschaft mit Harold John Ockenga, dem Pastor der historischen Park Street Church. Gemeinsam wurden Henry, Ockenga und Graham die drei wichtigsten Leiter der Erneuerung des Evangelikalismus in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Eine neue Art Evangelikalismus
Henry und Ockenga wollten eine neue Ausprägung des Evangelikalismus verbreiten, die den sozialen Zug zu sowohl linken als auch rechten Extremen vermeidet. Die Vertreter dieses neuen Zweigs – oft Neo-Evangelikale genannt – wollten sozial bewusster sein als der Fundamentalismus der vorangegangenen Jahrzehnte, auch wenn sie dieselben grundlegenden Lehren vertraten. Sie waren auch bereit, über Konfessionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, in der Hoffnung auf eine breitere Koalition christlicher Leiter.
Henry und Ockenga waren der Ansicht, dass das Christentum kulturell ins Stocken geraten sei, weil es unter christlichen Führungspersönlichkeiten an intellektueller Strenge fehle. Die Neo-Evangelikalen waren überzeugt, dass sie, wenn sie die Gesellschaft beeinflussen wollten, Respekt in der akademischen Welt zurückgewinnen müssten. Der Evangelikalismus müsse weltklasse Wissenschaftler hervorbringen, die sich mit den intellektuellen Zentren der Elite auseinandersetzen könnten und so, wie Albert Mohler es ausdrückt, „theologische Liberale auf ihrem eigenen Terrain treffen und sie in ihrem eigenen Spiel schlagen“.
Mit diesen Zielen vor Augen half Henry, mehrere zentrale evangelikale Initiativen zu begründen, darunter die National Association of Evangelicals (1942) und die Evangelical Theological Society (1949). 1947 gründeten Ockenga und der Radio-Evangelist Charles Fuller das Fuller Theological Seminary als führende neo-evangelikale Institution und rekrutierten Henry sofort als ersten Dekan der Schule. Henry blieb in der Fakultät von Fuller bis zum Jahr 1956, als er zum ersten Chefredakteur des Magazins Christianity Today berufen wurde. Das Magazin erlangte schnell großen Einfluss, was maßgeblich Henrys Führung zu verdanken war.
Diese Initiativen führten zu einer regelrechten Explosion evangelikaler Gelehrsamkeit. Vor der neo-evangelikalen Bewegung waren Evangelikale stark auf die konservative Forschung des 19. Jahrhunderts angewiesen. Evangelikale wurden verspottet, weil sie „auf Buchnachdrucke zurückgriffen“, wie Roger Nicole sagt (zitiert in Awakening the Evangelical Mind, 168). In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts jedoch „produzierten evangelikale Wissenschaftler Arbeiten über Geschichte, Psychologie, Pastoraltheologie, Homiletik, Familienbeziehungen, das geistliche Leben, konfessionelle Besonderheiten und Dutzende anderer Themen“, so Nicole. „Das Problem im Jahr 1945 war, dass wir relativ wenige neue konservative Bücher hatten; das Problem heute ist, dass es so viele gibt, dass nur wenige Menschen sich leisten können, all jene zu erwerben, die sie gerne besitzen würden.“ Mit dem Aufschwung der evangelikalen Gelehrsamkeit führte Henry die Bewegung an und erwarb sich den Spitznamen „der Dekan der Evangelikalen“.
Henry schrieb während seiner Karriere mehr als vierzig Bücher sowie unzählige Artikel, Essays und Rezensionen. Sein Hauptwerk war das dreitausend Seiten umfassende, sechsbändige Werk God, Revelation, and Authority. Dieses bemerkenswerte Werk untersucht gründlich Erkenntnistheorie, göttliche Selbstoffenbarung, Hermeneutik, Autorität und die Natur der Wahrheit. Gregory Alan Thornbury fasst das Projekt zusammen, indem er sagt, dass Henry eine Theologie präsentieren wollte, die „erkenntnistheoretisch tragfähig, methodisch kohärent, biblisch akkurat, sozial verantwortlich, evangelistisch ausgerichtet und universell anwendbar“ ist.
Was können wir von Henry lernen?
Wenn Henry heute noch leben würde, was würde er wohl zu modernen Evangelikalen sagen? Ein Blick auf Henrys Leben und Schriften gibt uns Hinweise darauf, wie er uns ansprechen könnte.
Evangelisation
Henry würde uns vermutlich zuerst zur Evangelisation ermahnen. Er schreibt:
„Es wäre ein höchst liebloser Akt seitens der christlichen Gemeinschaft, der Menschheit, die in Sünde verloren ist, das Evangelium vorzuenthalten – dass Christus für Sünder gestorben ist und dass die Wiedergeburt unter der Bedingung persönlicher Umkehr und des Glaubens zugänglich ist.“ (Evangelicals at the Brink of Crisis, 36)
Henry stellte fest, dass viel zu viele Christen die Evangelisation den professionellen Evangelisten überlassen hatten – sich selbst von jeglicher Verantwortung im Rahmen des Großen Auftrags freisprechend, indem sie behaupteten, sie seien für diese Aufgabe nicht begabt.
Während der frühen Jahre des Fuller Seminary durchdrang Henrys Eifer für den Evangelismus die Kultur der Schule. Er förderte, wie John Woodbridge sagt, eine „evangelistisch lebendige, missionarisch orientierte und warmherzig kollegiale Seite des frühen Gemeinschaftslebens am Fuller Seminary“. Der Historiker George Marsden berichtet von der Erinnerung eines Studenten, dass Dr. Henry oft zu den frühen Samstagmorgen-Seminaren „zerzaust in einem alten, schlabbrigen Mantel“ erschien, „weil er gelegentlich die halbe Nacht in Los Angeles damit verbrachte, Obdachlosen Zeugnis zu geben und ihnen bei der Unterkunftssuche zu helfen“ (Reforming Fundamentalism, 91). Henry war ebenso sehr Evangelist wie Theologe oder Journalist.
Henry lehnte die Vorstellung ab, dass Evangelisation und theologische Studien im Widerspruch zueinander stünden. In seiner Eröffnungsrede 1966 beim World Congress on Evangelism in Berlin betonte er den dringenden Bedarf an bibeltreuen Theologe-Evangelisten. Er wusste, dass evangelistische Bemühungen ohne solide theologische Grundlage zu doktrineller Verwirrung und schwacher Jüngerschaft führen würden. Gleichzeitig war ihm klar, dass Theologen ohne evangelistischen Eifer zu sehr nach innen gekehrt und kleinlich werden. Henry forderte die Delegierten heraus, „Theologe-Evangelisten zu werden, statt sich damit zufrieden zu geben, nur Theologen oder nur Evangelisten zu sein“, schreibt John Woodbridge (Essential Evangelicalism, 82).
Gerechtigkeit
1947 veröffentlichte Henry sein bekanntestes Buch, The Uneasy Conscience of Modern Fundamentalism (Das unruhige Gewissen des modernen Fundamentalismus), als Antwort auf die Vorstellung, dass Protestanten nur zwei Optionen hätten: theologischen Liberalismus oder einen kulturell losgelösten Fundamentalismus. Dieses Buch war ein klarer Aufruf an Evangelikale, diese falsche Zweiteilung abzulehnen.
Henry wollte, dass Evangelikale sowohl in theologischer Integrität als auch in sozialem Engagement führend sind. Er sagte oft: „Gott ist sowohl der Gott der Gerechtigkeit als auch der Rechtfertigung.“ Henry war der Ansicht, dass die wichtigste Aufgabe „die Verkündigung des Evangeliums im Hinblick auf die persönliche Wiedergeburt“ sei, gleichzeitig glaubte er aber auch, dass Christen das Evangelium „als die beste Lösung unserer Probleme, sowohl individueller als auch gesellschaftlicher Art, präsentieren sollten“ (The Uneasy Conscience of Modern Fundamentalism, 89).
Gott gibt uns in seiner Selbstoffenbarung die beste Definition von Gerechtigkeit. Daher sollten Christen die größten Verfechter der Gerechtigkeit sein – nach Gottes Maßstäben, überall in der Gesellschaft – und Gottes Wege als das vollkommene Bild von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit präsentieren. Henry schreibt: „Evangelikale wissen, dass Ungerechtigkeit verwerflich ist, nicht einfach, weil sie gegen den Menschen gerichtet ist, sondern weil sie gegen Gott gerichtet ist.“ (A Plea for Evangelical Demonstration, 14)
Uneasy Conscience forderte evangelikale Leiter dazu auf, Gerechtigkeitsfragen anzugehen und gesellschaftliche Übel wie Rassismus, Ausbeutung von Arbeitern und aggressive Kriegsführung zu verurteilen. Nach Henry sollten wir nicht dazu fähig sein „mit Gleichgültigkeit auf Fehlurteile in den Gerichten, Wucher, Plünderung der Bedürftigen, das Versäumnis, die Armen zu speisen und zu bekleiden, und überhöhte Preise für Waren zu blicken“ (33). „Der Erfolg der evangelikalen Missionsbotschaft kann nicht allein anhand der Zahl der Bekehrten gemessen werden. Die christliche Botschaft wirkt wie Salz auf der Erde. Sie zielt auf eine neu geschaffene Gesellschaft“ (84).
Politik
Henry forderte mehr Evangelikale dazu auf, in ihren Schriften Ungerechtigkeit anzuprangern, da er glaubte, dies würde Herzen und Gedanken verändern. Er wusste jedoch auch, dass es nicht ausreichte, nur das Denken zu verändern. Er wusste, dass Christen dabei helfen mussten, Politik zu verändern, um gesellschaftlichen Wandel anzustoßen.
In seinen Leitartikeln brachte er oft Argumente für bestimmte Gesetzesvorhaben und politische Veränderungen vor. In Henrys Augen reichte es nicht aus, Menschen lediglich zum Zustimmen zu bewegen, wenn eine solche Zustimmung keine praktischen Folgen hatte. Daher war er bereit, als Herausgeber öffentlich bestimmte Ideen und Rahmenkonzepte zu befürworten, in denen sich die passenden Lösungen für gesellschaftliche Missstände finden ließen.
Das Entscheidende für Henry war jedoch, sich auf Ideen und Rahmenkonzepte zu konzentrieren, nicht auf politische Parteien. Henry würde uns herausfordern, uns gegen die schädlichen Ideologien sowohl der Linken als auch der Rechten zu stellen. Er würde uns auffordern, gute politische Maßnahmen zu unterstützen – unabhängig davon, von welcher Seite des politischen Spektrums sie stammen – und er würde Evangelikale davor warnen, zu loyal gegenüber einer politischen Partei zu werden. Zwar stimmte Henry größtenteils mit konservativer Politik überein, doch bestand er darauf, dass evangelikale Leiter vermeiden sollten, zu Sprachrohren der konservativen politischen Bewegung in Amerika zu werden. Das brachte ihn in Konflikt mit den konservativeren Vorstandsmitgliedern und Geldgebern von Christianity Today, die sich für die Leitartikel des Magazins eine klar konservativ-politische Stimme wünschten. Letztlich kostete Henry das seine Stelle als Chefredakteur.
Henry verstand die Macht der Politik, aber er erkannte auch ihre Grenzen. Er wusste, dass politische Veränderungen nur begrenzt dazu beitragen konnten, die Gesellschaft umzugestalten. Wenn Henry heute noch leben würde, würde er uns ermahnen, uns nicht zu sehr auf politische Bemühungen zu verlassen. Er wusste, dass Evangelikale ihre größte Kraft in die Verkündigung des Evangeliums und die Evangelisation investieren mussten.
Rhetorik
Zusammen mit stärkerem gesellschaftlichem Engagement wollten die Neo-Evangelikalen einen positiveren Ton anschlagen als die Fundamentalisten der vorherigen Generation. Henry scheute sich nicht, wann immer nötig, scharfe Warnungen auszusprechen, doch oft ließ er auch bemerkenswerte Töne von Optimismus und Hoffnung anklingen.
In Uneasy Conscience betont Henry, dass Evangelikale ihre Lehre und ihre Ideen mit einer „Dynamik“ präsentieren müssen, „die Hoffnung vermittelt“ (55). Er wollte mit der Gesellschaft ins Gespräch kommen, nicht bloß eine Argumentation gewinnen. Nachdem Menschen das Evangelium gehört hatten, wollte Henry, dass sie ein Gefühl der Hoffnung verspüren, dass es tatsächlich einen besseren Weg gibt.
Er verstand auch, dass unsere Rhetorik von Bedeutung ist. Er wusste, dass eine irenische und hoffnungsvolle Ausdrucksweise ihm ermöglichen würde, Beziehungen zu Menschen aufzubauen, die ihn sonst vielleicht diskreditieren oder ignorieren würden. Für Henry war irenisch und hoffnungsvoll zu sein jedoch nicht einfach eine Taktik, um mehr Menschen auf seine Seite zu ziehen. Vielmehr war eine solche Rhetorik theologisch fundiert.
Der Dienst Christi war persönlich und lebensnah; daher glaubte Henry, dass auch der Theologe persönlich und lebensnah sein müsse. Er wollte, dass die Menschen den Retter durch sein Leben erkennen, und versuchte deshalb mit anderen auf die gleiche Weise umzugehen wie Christus. Timothy George, der viel Zeit mit Carl Henry verbrachte, sagt: „Was besonders auffällt, war seine außergewöhnliche Demut und Freundlichkeit gegenüber anderen. […] Ich habe ihn nie bitter oder abfällig über irgendjemanden sprechen hören, nicht einmal über diejenigen, mit denen er nicht übereinstimmte“ (Essential Evangelicalism, 14). Moderne Evangelikale täten gut daran, Henrys Vorbild zu folgen.
Demütiger Riese
Marvin Olasky, ehemaliger Chefredakteur des World Magazine, erzählt eine Anekdote (wiedergegeben von Thornbury) aus Henrys Leben, die uns wertvolle Einblicke in seine Demut gibt.
In den letzten Jahren seines Lebens schrieb Henry Meinungsbeiträge für World. Olasky berichtete, dass er alle paar Wochen einen Brief von Henry erhielt – typischerweise einen drei Seiten langen Artikel. Und in jedem Brief legte Henry stets eine selbst-adressierte, frankierte Postkarte bei, auf der handschriftlich die Worte standen: „Veröffentlichen oder nicht?“. Er ging niemals davon aus, dass das, was er zu sagen hatte, es wert sei, veröffentlicht zu werden.
Henry war ein bemerkenswerter Leiter und Gelehrter. Er war ein beeindruckender Theologe. Sein evangelistischer Eifer war ansteckend. Seine Freundlichkeit war aufrichtig. Sein Werk ist unter seiner Generation unvergleichlich. Und seine Demut ging tief.
Kurz nach Henrys Tod am 7. Dezember 2003 schrieb David S. Dockery diese Würdigung: „Diejenigen, die ihm zum ersten Mal begegneten, standen oft ehrfürchtig vor seinem riesigen Intellekt. Doch bald, fast ausnahmslos, waren sie noch mehr von seiner Demut und seinem gütigen Wesen beeindruckt.“
Ein Artikel von Kenneth E. Ortiz. Ortiz ist leitender Pastor der Horizon City Church, Doktorand am Midwestern Baptist Theological Seminary und Moderator von Theology for the Rest of Us. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod realisiert von Esther Wiebe.


Interessant, ich hatte tatsächlich noch nie von ihm gehört. Soweit ich sehe, ist auch nichts von ihm ins Deutsche übersetzt worden?
Liebe Ruth, danke für deinen Kommentar, richtig, nichts im Deutschen, ich selbst habe einiges von ihm gelesen, ich nehme an, er ist (selber eher Dispensationalist) den Brüderlichen Verlagen zu Calvinisisch, und den Reformierten zu Dispensationalistisch, den Lockeren zu Fundamentalistisch und den strengen zu Locker 🙂
Im Übrigen zeigt mir das, dass das religiöse Leben Amerikas nicht so ohne weiteres übertragbar ist ins Deutsche.
Grüße
Stimmt, in Deutschland kaum bekannt, sein Buch „the uneasy conscience“ war mein erstes und die Ehrlichkeit überraschte mich total, gegenwärtig, da ein Monstrerwerk greife ich zu seiner Dogmatik, aber eigentlich war Henry vor allem Netzwerker, was sein „basics of the faith“ wo er über 40 total unterschiedliche Evangelikal zu theologischen Themen zusammenbrachte, beweist
[…] einiger Zeit stellten wir Carl Henry hier vor. Heute möchten wir seinen Mitstreiter Harold John Ockenga […]