Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?

Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?

Ein Artikel von Ed Welch. Erschienen am 23.10.2019 unter dem Titel: „Is Scripture Sufficient for Counseling?” bei CCEF. Übersetzt von Ruth Metzger.

“Sie verwenden einfach nur die Bibel.” So habe ich Leute über biblische Seelsorge reden hören. Eigentlich würde ich über diesen Kommentar gar nicht weiter nachdenken, gäbe es da nicht zwei Dinge. Erstens wollen sie uns damit nicht anerkennend auf die Schulter klopfen; das verrät das Wort „einfach“. Würden sie sagen: „Sie verwenden die Bibel”, würde ich mich ermutigt fühlen und es dabei belassen, aber das will man damit nicht aussagen. Und zweitens führt uns diese Frage zu der größeren Frage nach der Reichweite der Schrift. Genügt die Heilige Schrift? Und wenn ja, was bedeutet das? „Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?“ weiterlesen

Lass deine Traum-Gemeinde sterben!

Wie Unzufriedenheit Gemeinschaft zerstört

Ein Artikel von Scott Hubbard: Let Your Dream Church Die. Erschienen am 02.08.2020. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von desiring God (Download als .pdf).

„Herr, ich möchte dich jetzt für Kevin bitten …“

Wer ist Kevin? Das war mein erster Gedanke. Ich hatte die Augen geschlossen, den Kopf gesenkt und ging im Kopf die Namen der neuen Hauskreismitglieder durch und fragte mich, wie ich Kevin übersehen konnte. Nach einigen Augenblicken merkte ich, dass Kevins Gebetsanliegen ziemlich stark meinen eigenen ähnelten.

Dann blickte ich es: Er betete für mich. Ich war Kevin.

Jeder, der schon lange Teil einer christlichen Gemeinschaft ist, kann von solchen peinlichen Momenten erzählen. Ab dem Moment, in dem man beginnt, sich in eine Gemeinde zu investieren, umgibt man sich mit Menschen, die einem manchmal auf die Nerven gehen können. Menschen, die immer ganz genau gegen den Takt klatschen. Menschen, die sagen: „Wir sollten uns unbedingt treffen“, und dann offensichtlich alles vergessen. Menschen, die einen Kevin nennen.

Sicher, die meisten von uns können solch banale Enttäuschungen leicht wegstecken. Die wirklichen Schwierigkeiten kommen erst, wenn solche Banalitäten richtig ermüdend werden. Wenn du lange genug in einer christlichen Gemeinschaft bleibst, dann wirst du dich selbst nicht genug wertgeschätzt und übersehen fühlen. Vielleicht wirst du alle möglichen ungebetenen „Ratschläge“ bekommen. Vielleicht verhedderst du dich in allerkleinlichsten Konflikten. Das alles kann sich verschlimmern.

Wenn uns ausreichend solcher Provokationen begegnen, dann kommen die Nebel der Ernüchterung auf. Wir beginnen uns dann womöglich zu fragen, ob wir in der falschen Gemeinde sind. „Lass deine Traum-Gemeinde sterben!“ weiterlesen

Multi Kulti ist tot

Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber es ist noch nicht so lange her, da hat nicht nur der damalige CSU-Chef Stoiber, nein, sogar unsere Bundeskanzlerin “Multi-Kulti” für tot erklärt. Nun, damals gab es große Vorbehalte gegen eine multikulturelle Gesellschaft, sehr beklagenswert wie ich finde, denn unser Hauptelend scheint unsere Monokultur zu sein.

Ja, richtig gehört, ich finde es kaum zu ertragen, wie monokulturell unsere Gesellschaft ist. Ein Kommentator antwortet auf die Frage: “Was ist das Gegenteil einer multikulturellen Gesellschaft?” auf dem Web-Forum Quora.de sehr treffend: “Eine monokulturelle Gesellschaft. Langweilig, trist, grau, alles wiederholt sich ständig. Öde!” Welch treffende Qualifizierung des Westens im nun nicht mehr so jungen 21ten Jahrhundert.

Nun sehe ich natürlich, dass sich überall heftiger Widerstand gegen diese Bewertung regt. Man könne schließlich überall auf Migranten treffen, Menschen des unterschiedlichsten Sexualverständnisses in (und seltsamerweise vor allem) hochqualifizierten und gutstehenden Positionen. Man ist im Westen stolz darauf, offener zu sein, als alle Generationen zuvor. Ja, sogar als die meisten anderen Regionen der Welt. Gelassen nutzt man den Verweis auf die globalisierte Welt um seine eigene spießbürgerliche Seele zu streicheln. Es stellt sich natürlich die berechtigte Frage, was denn genau in den letzten 1,5 Generationen geschehen ist, dass aus der internationalen anerkannten Hochburg für Spießertum ein Musterland  multikulturelle Identität werden ließ? Eine befreiende Eingebung in der fein abgezäunten und säuberlich geschützten Gartenanlage?

Zumindest die Indizien sprechen also dafür, dass ein Großteil der Gewissheit, einer besonders multikulturellen Gesellschaft anzugehören, eher als fromme Fassade zu bewerten ist. Nun ja, für mich Motivation genug, um hier etwas auf Spurensuche zu gehen. Meines Erachtens bestätigt die Faktenlage den  Tatverdacht der Heuchelei. Doch im Folgenden mehr:

„Multi Kulti ist tot“ weiterlesen

Axolotls Kiemen

Als Aquariumbesitzer habe ich mich auch nach potentiell exotischeren Bewohnern umgeschaut und da macht ein Axolotl natürlich mächtig Eindruck.Somit informierte ich mich etwas über die Haltung dieses ungewöhnlichen Amphibiums. Das Tier imponiert bekanntlich vor allem deshalb, weil es als Amphibium die Geschlechtsreife erreicht, ohne die äußere Larvengestalt zu verändern und somit nicht das durchläuft, was bei Amphibien üblich ist: die Metamorphose.

Wenn man sich etwas weiter informiert, erfährt man, dass sich die Metamorphose künstlich durch Gabe von Thyroxin (einem Schilddrüsenhormon) provozieren lässt. Das ließ mich aufhorchen, ob das wohl schon mal durchgeführt wurde. Im Folgenden ein paar Links, die mit äußerst erhobenem Zeigefinger davor warnen, auf so eine Idee zukommen. Es ist ein fürchterlicher und unmoralischer Tierversuch, der zurecht Strafbar ist, schreiben alle Webseiten, die auch nur irgendwie mit Axolotls zu tun haben, z.B. hier, oder hier.: Ich zitiere: “ Ethisch würde ich das irgendwo zwischen dem Kupieren von Hundeschwänzen und dem Einfärben von Albinoratten einsortieren. Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Tierversuch nach TierSchG §§ 7, 8, dessen Durchführung ohne Sondergenehmigung strafbar ist.”

Offensichtlich ist die künstliche Metamorphose eines Axolotls also ein größeres moralisches Problem als das, – in der westlichen Gesellschaft durchaus übliche-, Töten noch nicht zu Ende entwickelter “Larven”, nämlich von Abtreibungen. „Axolotls Kiemen“ weiterlesen

Warum ich Baptist bin

Ein Artikel von R. Albert Mohler Jr.,: „Why I am a Baptist.“ Erschienen in der Printausgabe von First Things, August 2020.  Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung  von First Things (download als .pdf).

Übersetzt von Viktor Zander. (Infos darüber, wie ihr Viktors Übersetzungsarbeit unterstützen könnt, findet ihr ganz unten)

Desiderius Erasmus hat einmal bei seinen Debatten mit Martin Luther, zunächst ungläubig und schließlich außer sich, den großen Reformer als Doctor Hyperbolicus bezeichnet. Laut Erasmus konnte Luther nicht anders, als jede Streitfrage auf die Spitze zu treiben. Wir können darüber nur phantasieren, was Erasmus über Baptisten gesagt hätte, die glauben, Luther habe seine Streitfrage nicht weit genug gedacht. Selbst der eloquente Erasmus wäre dann wohl sprachlos geworden.

Sicher, weder Erasmus noch Luther sind je einem Baptisten begegnet. Die Bewegung, die wir heute unter dem Namen Baptisten kennen, entstand auf dem Kontinent erst im sechzehnten und in England erst im siebzehnten Jahrhundert. Seitdem ist die Welt weniger still.

Jede große Bewegung beginnt wahrscheinlich mit irgendeiner Art von Streitfrage, so entstanden die Baptisten im Zusammenhang mit einer Streitfrage, die intensiv, bedeutend und manchmal tödlich war. Luther fing damit an. Die Calvinisten glaubten, er habe sie nicht weit genug gedacht. Die englischen Puritaner kamen ebenso zu der Überzeugung, dass die moderat reformierte Kirche Englands die Streitfrage nicht weit genug gedacht habe. Die Separatisten (aus Kongregationalisten und Presbyterianern bestehend) glaubten, dass die Puritaner, die in der Kirche Englands verblieben, sie nicht weit genug gedacht hätten. Die Baptisten separierten sich dann von den Separatisten, weil sie sie nicht weit genug dachten. Seitdem haben Baptisten nicht aufgehört zu streiten. Sie streiten oft unter-einander, aber viel dringlicher streiten sie für die Notwendigkeit der Bekehrung, für die aus Gläubigen bestehende Gemeinde, für die alleinige Taufe Gläubiger, und für die Gewissensfreiheit. „Warum ich Baptist bin“ weiterlesen

Geistlicher Missbrauch in der Ehe

Ein Artikel von Darby Strickland. Erschienen am 18.09.2019 unter dem Titel: „Spiritual Abuse in Marriage (ursprünglich in zwei Teilen)” bei CCEF. Übersetzt von Ruth Metzger. (download als .pdf)

Ich habe oft mit Frauen zu tun, deren Ehemänner die Heilige Schrift als Waffe benutzen, um sie zu kontrollieren. Beth war eine dieser Frauen. Als ich sie fragte, wie ihr Mann Joe für sie betet, erzählte sie mir das jüngste Beispiel. “Letzte Woche betete er Matthäus 6,24 über mir: ‚Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!‘  Er bat Gott dann, mir zu helfen, nicht so egoistisch und gierig zu sein und mich davor zu bewahren, dem falschen Herrn zu dienen. Er flehte Gott an, über mir zu wachen, weil man mir nicht trauen kann.“ Unter Tränen fuhr sie fort: “Im Gebet sagte er, dass ich keine Selbstkontrolle habe, und dass das bedeutet, dass ich Gott nicht diene, und dass Gott jedes Recht hätte, mich aus seinem Reich zu verstoßen.  Er flehte Gott an, ihm zu helfen, das zu ertragen, was Gott selbst kaum ertragen kann.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfuhr ich, dass Beths Mann, ein Ältester ihrer Gemeinde, so darauf reagiert hatte, dass sie das Lebensmittel-Budget für ihre neunköpfige Familie um 6$ überzogen hatte.

Nachdem er jahrelang auf diese Weise mit ihr gebetet hatte, war es Beth fast unmöglich, die Bibel aufschlagen, ohne davon auszugehen, dass sie von Gott verdammt war, wie es ihr Mann ihr unterstellte. Sie war dadurch innerlich zerstört. Beten war fast unmöglich geworden. Schlimmer noch, sie konnte die missbrauchenden Worte ihres Mannes nicht mehr unterscheiden von dem, was Gott über sie sagte. Sie war überzeugt, dass sie des Herrn unwürdig und seiner Fürsorge nicht wert war. „Geistlicher Missbrauch in der Ehe“ weiterlesen

Eine Viertelstunde über einen unfassbar frommen Heiden (Apg. 10,3-6)

Auf der Bibelstunde habe ich darüber nachgedacht, warum

  • gerade diese Begebenheit Lukas so wichtig ist, dass er sie mehrfach wiederholt
  • Lukas so viel Energie darauf verschwendet, die Frömmigkeit des Kornelius zu unterstreichen
  • und warum Gott sein Evangelium nicht durch Engel verkündigt

Theophanie

Ein Artikel von Vern Poythress: Theophany. Übersetzung unter Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US)

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Definition

Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes, eine intensive Manifestation der Gegenwart Gottes, die durch außergewöhnliche visuelle Erscheinungen begleitet wird.

Zusammenfassung

Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes, spezieller Teil des Themas: „Gegenwart Gottes.“ Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes, eine intensive Manifestation der Gegenwart Gottes, die durch außergewöhnliche visuelle Erscheinungen begleitet wird. Im Alten Testament hat Gott seinem Volk seine Gegenwart auf verschiedene Weise visualisiert (im Sturm, auf dem Thron, als Krieger, als Mensch), doch Jesus Christus dient als zentraler Höhepunkt der Theophanien der Geschichte: Gott-wird-Mensch. Wir können verstehen, wie sich Gott seinem Volk selbst als ein Bote oder als Engel darstellen kann, wenn wir sehen, dass Christus als Bote Gottes kommt, obwohl er völlig Gott ist. In diesem trinitarischem Mysterium, fangen wir an die Wege zu erkenne, die Gott ausgesucht hat, um sich selbst seinem Volk in der Geschichte zu zeigen.

Eine Theophanie ist eine Erscheinung Gottes. Wir können sie auch als intensive Mani-festation der Gegenwart Gottes, die durch außergewöhnliche visuelle Erscheinungen begleitet wird, verstehen. „Theophanie“ weiterlesen

4 Grundsätze für das Gespräch mit deinen Kindern über Sex

Ein Artikel von Julie Lowe. Erschienen am 08.07.2020 unter dem Titel: „4 Principles for Talking to your Kids about Sex” bei CCEF. 

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Wie wohl fühlt ihr euch als Eltern, wenn ihr mit euren Kindern über Sex sprecht? Nicht so gut? Warum nicht? Gott hat Sex geschaffen, um uns zu segnen – Warum ist es so schwer, darüber zu sprechen?

Für viele ist es ihr eigenes Unbehagen mit diesem Thema. Vielleicht bist du in einer Umgebung aufgewachsen, in der darüber nicht gesprochen wurde, oder selbst wenn, dann war das Thema eindeutig beschämend und unangenehm. Vielleicht fühlst du dich auch unwohl, weil du nicht sicher bist, was man wie sagen soll. Was auch immer der Grund sein mag, das Vermeiden des Themas kommuniziert, dass du nicht in der Lage oder nicht bereit bist (oder beides) dieses Thema zu besprechen und deine Kinder werden sich anderswo nach Antworten umsehen. Das hinterlässt sie empfänglich für die Ansichten ihrer Freunde und das Borgen von Konzepten, Haltungen und Bewertungen der Sexualmoral aus der umgebenden Kultur. Dies kann sogar die Gefahr erhöhen, dass sie Opfer von Sexualverbrechen werden, weil sie keinen Filter haben, um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. „4 Grundsätze für das Gespräch mit deinen Kindern über Sex“ weiterlesen

Orthodoxie mit offenen Armen – Eine Erinnerung an J. I. Packer (1926-2020)

40 Quotes from J. I. Packer (1926–2020)

Ein Artikel von: Mark Noll, Orthodoxy with Open Arms – Tribute to J.I. Packer (1926–2020) vom 21.07.2020

Übersetzt von Viktor Zander, erklärende Fußnoten von Sergej Pauli.

der vollständige Artikel kann hier als .pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Der erste Eindruck kann täuschen. Aber die Eigenschaften, die ich in Jim Packer sah, als ich ihn im November 1979 zum ersten Mal traf, erwiesen sich als die gleichen, die viele andere (so meine Meinung) in vielen anderen Zusammenhängen im Laufe seines langen und fruchtvollen Lebens sahen.

Bereits 1979 sorgte sein Buch „Knowing God“[1] für einen hohen Bekanntheitsgrad unter Evangelikalen auf beiden Seiten der Atlantik. Der Anfang meiner Verbindung hatte jedoch mehr damit zu tun, was er über die Bibel geschrieben hatte, insbesondere sein Werk „Fundamentalism and the Word of God“[2]. Kritische englische Kommentare über Billy Grahams Evangelisations-Kampagne in London im Jahr 1954 waren der Anlass zu diesem Buch. Darin verteidigte Packer eine sehr hohe Sichtweise der Schrift, differenzierte zwischen traditionellem, konservativem Protestantismus und fundamentalistischem Anti-Intellektualismus und lobte Evangelisten wie Graham, die das predigten, „was die Bibel sagt“. „Orthodoxie mit offenen Armen – Eine Erinnerung an J. I. Packer (1926-2020)“ weiterlesen