Predigt: Eine halbe Stunde über die Einladung des Vaters!

“Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.” – Luk 15,24

rembrandt

Die Überlegungen zum verlorenen Sohn habe ich zu einer Predigt verarbeitet, die sich hier unten findet. Ich freue mich auf eure Rückmeldung

 

Gedicht: Die Einladung des Vaters

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn beschäftigt mich weiterhin, so ist auch dieses Gedicht entstanden:


Einst hatte ein Mann der Söhne zwei
Der jüngere davon den Vater fragte
“Gib mir mein Anteil, teil das Erbe entzwei”
der Vater des Sohnes Wunsch nicht versagte.

Und nicht lange danach, sammelt er alles zusammen,
der jüngere Sohn bricht in die Ödnis auf
dort hielt sein Reichtum nicht lange beisammen
er verprasste sein Erbteil in schnellem Lauf`

Zur Armut gesellte sich Hunger hinzu
der Sohn geriet in größte Not
Er suchte sich eine Arbeit dazu
Und weidete Schweine in ihrem Kot

Auf Schweinefraß, da wird er neidisch
die Säue würgen ihn eilig herab
er findet die Schoten appetitlich und praktisch
– keinen einzigen Bissen man davon ihm gab.

Da ging er in sich und sprach es aus:
“So viele Arbeiter essen sich satt
Sie arbeiten für meines Vaters Haus
ich derbe aber, bin hungrig und matt”

Zu ihm will ich gehen, ich will aufmachen mich
und sagen: Vater, mein Vater, vergib!
Ich hab gesündigt gegen den Himmel und dich!
Wenn du es nur willst, dann Arbeit mir gib!

“Sohn zu heißen bin ich nicht mehr wert
Als Knecht lass mich dienen den Tageslauf
Ich handelte töricht und verkehrt”
So sprach der Sohn und machte sich auf

Der Vater sah ihn bereits von fern
er rannte, und lief und umarmte ihn
Er hielt ihn an seinem Herzen gern
der Sohn ließ sich zum Vater zieh’n

“Sohn zu heißen bin ich nicht mehr wert”-
So fing der Sohn seine Rede an,
doch der Vater machte hier schnell kehrt
und zog dem Sohn neue Kleider an…

…und Ring an den Finger und Schuhe dazu –
Ein gemäßtetes Kalb wurde geschlachet
eine Feier beginnt – mit Jauchz und juchhu-
so hoch wurde der Sünder geachtet

“Dieser mein Sohn – er war tot
und ist jetzt wieder lebendig.
Verloren war er in großer Not
gefunden ist er nun endlich”

Es tanzten und feierten alle im Haus,
– da kam der ältere Sohn von der Arbeit.
Er blieb draußen und rief einen Knecht hinaus:
“Sag mir über den Lärm die Wahrheit?”

“Dein Vater feiert, denn dein Bruder ist da!”
hört der Ältere, der wird voller Zorn.
“Das konnte nicht sein, das istnicht wahr!”
Er blieb draußen, einsam, verlor’n

Der Vater jedoch in seiner Geduld
geht zu ihm hin und hört dem Klagen zu
Er verweist auf seine große Huld
und spricht dem Sohne seine Liebe zu

“Mein Sohn, du bist doch allzeit  bei mir
und alles was mein ist, ist dein
Dein Bruder, – er ist wieder hier!
du solltest fröhlich und guten Mutes sein”

“Dieser mein Sohn – er war tot
und ist jetzt wieder lebendig.
Verloren war er in großer Not
gefunden ist er nun endlich”


So hört das Gleichnis von Christus auf.
Blieb der Sohn stehen oder ging er ins Haus?
Wir erfahren nicht mehr den weit’ren Verlauf
Christus lädt Sünder ein – Was machst du daraus?

Das Gleichnis vom leichtsinnigen Vater und den verlorenen Söhnen

Ich glaube unter den Aussprüchen Jesu zählen die Gleichnisse zu den Texten, an die wir uns so sehr gewöhnt haben dass wir  die schockierende Botschaft überlesen.  Ich erinnere mich an eine der wenigen Religionsstunden der Mittelstufe, in der wirklich ein Bibeltext gelesen wurde und es wurde mal das Gleichnis vom verlorenen Sohn gewählt. Nach der Lesung folgte von den Schülern ein beinahe einstimmiges Urteil: Wie ungerecht und hart der Vater gegenüber dem älteren Sohn handelt und wie leichtsinnig er mit dem jüngeren umgeht.

Das veranlasst mich zu einigen skizzenhaften Überlegungen:

  1. Warum lässt der Vater den Sohn ziehen?

Es war ein Skandal erster Güte, was sich der jüngere Sohn erlaubt: Noch zu Lebzeiten verlangt er sein Erbteil. Anders gesagt, ruft er seinem Vater zu: Ich wünschte, du wärst endlich tot! Der Vater wäre also natürlich im Recht gewesen, wenn ihr im die Güter versagt hätte! Er wusste ja , was mit dem Erbe geschehen wird, es wird verschleudert! Hätte er nicht ein bisschen vernünftiger, ein Stück weit strenger handeln müssen? Aber was würde dann aus der Gnade! Einiges wäre erreicht worden, durch ein gerechtes, frommes, einem dem israelischen Gesetz würdigen Verhalten des Vaters: Das Geld bliebe erhalten, die Zucht gewahrt, die Rebellion hätte gar nie öffentlich werden müssen. Mit entsprechenden Drohungen ließe sich der Sohn an der Leine halten, schließich musste er in diesen Fragen den Kürzeren ziehen. Der Vater schließlich, müsste sich nicht die beschämenden Blicke seiner Nachbarn gefallen lassen, die alle eines in aller Deutlichkeit sagen: “Du hast versagt!” „Das Gleichnis vom leichtsinnigen Vater und den verlorenen Söhnen“ weiterlesen