Folge nicht deinem Herzen!

Jon Bloom:

„Folge deinem Herzen“ ist ein Glaubensgrundsatz, dem Milliarden von Menschen folgen. Es ist ein Glaubensbekenntnis an eines der großen popkulturellen Mythen der westlichen Welt. Es ist ein Evangelium, das in vielen unserer Geschichten, Filmen und Liedern verkündigt wird.

Im Wesentlichen besagt dieser Glaubensgrundsatz, dass dein Herz ein innerer Kompass ist, der dich zu deinem eigenen wahren Norden führt, wenn du nur den Mut aufbringst, ihm zu folgen. Er besagt, dass dein Herz ein wahrhaftiger Führer ist, der dich zu wahrem Glück führen wird, wenn du nur den Mut hast hinzuhören. Des Weiteren besagt er, dass du verloren bist und dein Herz dich retten wird.

Dieser Glaubensgrundsatz kann sich so einfach und befreiend anhören. Für verlorene Menschen ist es äußerst verlockend, an dieses Evangelium zu glauben. „Folge nicht deinem Herzen!“ weiterlesen

Ja, aber…

Neulich sprach ich mit einem Prediger darüber, wie ich versuche, einem in extremen Verschwörungstheorien gefangenen Christen, deutlich zu machen, das Gott alles unter Kontrolle hat und nichts außerhalb seiner Vorsehung geschehen kann.

Interessanterweise kam die Reaktion prompt, irgendwie auch vorhersehbar: “Ja aber, das heißt natürlich nicht, dass man sich einfach zurücklehnen kann oder die Vorsehung als Ausrede für sein Verhalten nutzen darf” – Übrigens handelte es sich um einen reformierten Pfarrer, falls diese Info helfen sollte.

Nun stelle ich mir vor, was passiert, wenn ich genau diese Antwort, einen panisch ängstlichen, von Verschwörungstheorien erdrückten Christen bringe: “Ja Bruder, du weißt ja das mit der Vorsehung. Gott kennt alle Sperlinge und zählt deine Haare, aber natürlich heißt das nicht, dass du dich jetzt einfach zurücklehnst” Folge: Besagter Bruder ist komplett in seiner Panik bestätigt! Er wird sich denken: Genau! Natürlich hat Gott alles unter Kontrolle! Aber was nützt es mir? Ich muss Pläne schmieden, Vorräte sammeln, Auswege planen usw…

Ich hege schon länger den Verdacht, dass dieses ausgeglichene, angeblich alle Perspektiven berücksichtigendes Sprechen eher etwas ist, dass den englischen Ausdruck “futile” verdient. Kurz: es ist vergeblich

Dabei kommt diese Darstellungsweise bekanntlich häufig genug vor: “Jesus ist der gute Hirte, liebe Geschwister! Er hält uns unwiderstehlich fest in seiner Hand, aber das heißt nicht, dass wir träge werden dürfen”. Oder: “Der Hebräerbrief warnt alle vor dem Abfall, aber das heißt natürlich nicht, dass Gott nicht gnädig ist”. Diese “Multiperspektivität” dürfte sich auch deswegen so erfolgreich tarnen, weil sie sich mit dem Heiligenschein der “Komplementarität” schmückt. Zwei Perspektiven, so unvereinbar sie zu sein scheinen, gilt es dabei immer gleicherweise im Blick zu halten. Doch leider ist das nicht die Art, wie Jesus argumentiert: Als er im Kontext der Bergpredigt (Mt. 6,28-34)  anfängt darüber zu sprechen, dass wir uns nicht sorgen sollen, weil “euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft”, hat er es nicht nötig ein korrigierendes “das heißt aber nicht, dass ihr faul sein dürft” nachzuwerfen. Wenn schon ein Appell folgt, dann doch die Enttarnung dessen, warum Sorgen kommen – nämlich weil nicht zuerst nach dem Reich Gottes getrachtet wird (6,32). „Ja, aber…“ weiterlesen

Die Merkmale eines geistlichen Leiters

Das folgende ist bisher der längste Artikel, der auf unserer Webseite bisher erschienen ist. Der Dank für die Übersetzungsarbeit geht an Viktor Zander, einen hervorragenden, wie ich finde, Übersetzer. Wer seine Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann dies über eine Spende an Evangelium21 e.V. mit dem Verwendungszweck: Projekt Übersetzungsarbeit tun. Viktor schreibt regelmäßig in seinem Newsletter über seine Übersetzungsarbeit (Abo hier)

Doch nun zum Text von John Piper, den es, wie üblich, auch hier zum Download gibt:

Ich definiere geistliche Leiterschaft wie folgt: Man weiß, wo Gott Menschen haben will, übernimmt im Vertrauen auf Gottes Macht die Initiative und wendet Gottes Methoden an, um sie an diesen Punkt zu bringen. Die Antwort darauf, wo Gott Menschen haben will, liegt in einem geistlichen Zustand und in einem Lebensstil, die seine Herrlichkeit zeigen und seinem Namen Ehre bringen.

Daher besteht das Ziel geistlicher Leiterschaft darin, dass Menschen Gott kennenlernen und ihm in allem was sie tun ehren. Geistliche Leiterschaft möchte Menschen verändern, statt sie einfach zu lenken. Wenn wir die Art Leiter wären, die wir sein sollten, dann müssten wir es zu unserem Ziel machen, Menschen zu entwickeln anstatt Pläne zu diktieren. Du kannst Menschen dazu bringen, das zu tun was du willst, aber wenn sich ihre Herzen nicht verändern, dann hast du sie geistlich nicht geführt. Du hast sie nicht dorthin gebracht, wo Gott sie haben will. „Die Merkmale eines geistlichen Leiters“ weiterlesen