Teenager, die Gemüse essen

„Versuch’s doch mit deinen Knechten zehn Tage und lass uns Gemüse zu essen und Wasser zu trinken geben“ (Dan 1,12) Daniels und seiner drei Freunde Entscheidung auf feinste royale Speisen zu verzichten, gehört in meinen Augen zu den Episoden der Bibel, deren Dramatik entschieden heruntergespielt wird. Zu Hause haben wir eine Kinderbibel, die ein Bild der angerichteten Speisen enthält. Die Mitte der Tafel ziert ein prächtiger Schweinskopf. Irgendwo sieht man noch Langusten und weitere für Israeliten äußerst problematische Speisen. Aber nicht nur für Israeliten, ich zumindest kenne keine Kinder, die Schweineohren für eine begehrenswerte Delikatesse halten. Auch mit Hummer kommt man bei Kindern nicht sonderlich weit. Und genau da denke ich, dass diese Kinderbibel die Versuchung eines köstlichen Essens runterspielt. Gerade Kinder mögen doch leckere Speisen! Wer mit Kindern im Auto unterwegs ist, weiß aus welcher Entfernung sie das erhöhte „M“ eines bekannten Schnellrestaurants entdecken. Unsere Kinder auf jeden Fall mögen Burger, Döner, Pizza… (zu den üblichen Süßigkeiten). Und genau damit war die Tafel angerichtet. Und hier der Schock: Daniel und seine Freunde sagen nein zu dem, was in ihrer Peergroup jeder mit Hochgenuss verspeiste. Und stattdessen entscheiden sie sich für Gemüse! Auch hier könnten wir geneigt sein, an kross gebackene Pommes zu denken, aber die Kartoffel kam bekanntlich erst 2 Jahrtausende später nach Eurasien, und so hatten die vier Jungs die Wahl zwischen Sellerie, Karotten, Rettich oder der im Orient besonders beliebten Gemüseart namens Fenchel! Lass einem Kind die Wahl zwischen einem Döner und Knollensellerie (ich weiß schon, dass sich nun der eine Witzbold melden wird, um zu behaupten, seine Kinder essen lieber Sellerie)! Und da entscheiden sich die vier doch wirklich gegen den Royale with Cheese und für Fenchel! Ich mag nun entgegen meiner Kinderbibel den Kontrast in die andere Richtung überzeichnen, möchte ich auch darauf hinweisen, dass eine große Menge an Süßspeisen gerade in der Geschichte aus tierischen Produkten, wie Fett oder gar Blut (check this) hergestellt wurden. Zurück zu etwas mehr Ernsthaftigkeit. Ich ziehe drei Überlegungen:
  • Die Treue Daniels wird häufig sogar besungen. Doch ich musste zu dieser ersten Begebenheit Daniels mit den verschmähten Schweinesteaks zurückkehren, weil gerade in der Erziehung von Kindern viele Konflikte mit Essen zusammenhängen. Intuitiv würd eman das nicht für Bedeutung für ein geistliches Leben halten. Aber ein gottesfürchtiger Umgang mit den Begierden („Ich hab Hunger“, „Das Schmeckt mir nicht“) kann offensichtlich schon sehr früh trainiert werden und ist eine typischer Anfechtungsbereich für junge Christen.
  • Die Bibel kennt die Macht der Versuchung für besondere Gruppen: Der jugendliche und höchst potente Joseph wird vor die Wahl gestellt: Hemmungsloser Sex mit einer wohlhabenden Schönheit oder alternativ (zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall) ewige Jungfräulichkeit eines Sklaven. David steht immer wieder vor der Frage zwischen Macht (wie männlich!) und Bedeutungslosigkeit (wie unmännlich!) und unsere vier Jugendlichen haben die Wahl zwischen einem Schmaus-Buffet und einer Gemüse-Diät.
  • Jedes Mal fällt die Entscheidung entschieden schockierend aus, und eben nicht deswegen, weil die Frau Potiphars unattraktiv oder das babylonische Buffet nicht schmecken würde. Der einzige Beweggrund für das seltsam unerwartete Verhalten ist die Ehrfurcht vor Gottes Gebot. Mit den Worten Josephs: „Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen? ( 1. Mo. 39,9). Die „andere Seite“ der Waage, die mit dem Sellerie und dem Fenchel, war die bessere, weil sie das Gewicht Gottes enthielt. Die Entscheidung für die andere Seite bedeute den Verlust von Gott. Gottesfurcht macht aus Teenagern sogar Gemüse-Esser. Nur mit dieser Perspektive ist das ungewöhnliche Verhalten unserer jungen Freunde zu verstehen.
Mich stellt das alles vor die Frage, wann ich auf diese Weise gegen die Versuchungen gekämpft habe, dass ein Sterben des Fleisches und der Begierden nötig war. Abschließend ein Hör-Tipp: Den hier entwickelten Gedanken verdanke ich zum Teil Arthur-Ernest Wilder-Smith, der in seinen Predigtreihen über biblische Personen (auf sermon-online.de zu finden) diese und viele andere wertvolle Überlegungen zieht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert