Biblische Texte, Gesellschaftskritik

Tote Traditionen bedrohen dein geistliches Leben!

“Irrt euch nicht: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.” (1. Korinther 15: 33)

Ohne Traditionen können wir nicht leben. Ich denke man kann Traditionen generell bejahen. Wir stehen kurz vor der Einschulung unserer Tochter, und diese wird einem traditionellen Ablauf folgen – genauso wurden auch bereits drei weitere Kinder von uns eingeschult. Ich sehe nichts Verwerfliches an Traditionen, so lange sie nicht der Bibel widersprechen. Häufig gehören Traditionen zu unserem Leben so dazu, wie der Morgenkaffee. Manche Traditionen wiederholen sich täglich, andere wöchentlich, andere jährlich. Manche bleiben eine einmalige Sachen – man erinnere sich nur an die eigene traditionsgeladene Hochzeitsfeier!

Sie sind wirklich in Ordnung, und obwohl ich nicht sagen könnte, dass ich notwendigerweise diese oder jene Tradition bräuchte, erkenne ich das Haltgebende in vielen überlieferten Traditionen.

Sind Traditionen aber immer bedenkenlos? Das sicher nicht, und manchmal werden uns Traditionen wichtiger und heiliger als die Bibel. Wie viele (ursprünglich oder eigentlich oder von der charakterlichen Eignung oder Schriftkenntnis her) wirklich tüchtige Prediger kenne ich, deren Augen vor Eifer „für den Herrn – wie sie meinen“ leuchten, wenn sie irgendeine noch so letzte Tradition verteidigen (Stichwort Rasiergebot), die aber so nicht mehr für Gottes Gebote leuchten können, hier durchaus Nachsicht, Verständnis, Toleranz zeigen, akzeptieren können, dass es unterschiedliche Meinungen gibt usw.

Heute ist es völlig in Ordnung auch in der strengsten evangelikalen Gemeinde unterschiedlicher Meinung über den „Zeitplan der Endzeit“, die Auferstehung des Leibes, die Bedeutung des alten Testaments, des Heilsplans, Israels, der Durchführung der Gottesdienste und sonstigem zu sein – so lange man bloß auch die allerletzte Tradition mit tödlichem Ernst befolgt!

Man verstoße gegen welche Tradition auch immer – so gilt erbarmungslos die Züchtigung oder der Ausschluss, man sei aber geizig, neidisch, gierig und häufe eine Todsünde auf die Nächste, und alles bleibt ohne Folgen, ja wird noch nicht mal getadelt.

Ich will nicht bei Allgemeinheiten bleiben. Schon mal probiert einen Christen, der „gemäß der traditionellen Überlieferung“ lebt für etwas zu ermahnen, dass in der Bibel steht? So häufig erlebe ich, dass die Lehre von Gottes Wort dabei völlig bedeutungslos bleibt, den Menschen nicht erreicht, er nicht einmal bereit ist in die Bibel zu blicken – denn er lebt ja schließlich völlig im Einklang mit den „traditionellen“ Forderungen. Diese Christen sehen die Notwendigkeit einer möglichen Kritik nicht einmal ein.

Noch konkreter: Neulich versuchte ich einem Bruder zu erklären, wie ich in meiner Kritik am Rasiergebot auch versuche im Einklang mit den Geboten aus Mt. 18,15-19 zu handeln. Zunächst persönlich ermahnen, dann ggf. in einer kleinen Gruppe, und erst dann öffentlich zu kritisieren. Doch meine Darstellung stieß auf eine Belustigung, ihm erschien meine Schilderung als völlig übertrieben, fanatisch, radikal – während er doch bloß wenige Sätze davor durchaus Verständnis für Rasiergebote und ähnliches zeigte. Wo bleibt nur das Verständnis für einen Christen, der gemäß Mt. 18,15-19 leben möchte?

Können wir ohne himmlische Nahrung überleben? Ich denke nicht, aber genau das sehe ich, sterbende und hungernde Christen, die nicht einmal wissen, dass das himmlische Brot ganz nah ist, einen Handgriff weg, zu dutzenden in den Bücherregale zu finden ist. Auf verschiedene Weise konsumierbar. Doch Gottes Wort wird ersetzt durch nicht sättigende tote Traditionen, eigene Vorstellungen, selbst erfundene Gedankenmodelle, übliche religiöse Floskeln und vieles mehr.

Traditionen, die dir wichtiger werden als Gottes Wort, werden dich letzlich geistlich umbringen! Du wirst schlichtweg geistlich verhungern.

Ich verwerfe somit jede Tradition, die ein Angriff auf das protestantische Prinzip „Sola Scriptura – Allein die Schrift“ ist. „Dein Wort sie sollen lassen stahn“ hat Martin Luther zu recht gesungen und Zinzendorf stimmte mit ein: „Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.“

Tatsächlich habe ich niemanden gefunden, der sagt „Traditionen“ welcher Art, oder menschliche Regeln stünden ÜBER dem Wort Gottes, nein man möchte sie einfach „daneben gestellt wissen“. Sie sind schließlich wohl überlegt, die Brüder, Väter, Sonstige, werden sich schließlich etwas gedacht haben. Sie hatten ja auch den Heiligen Geist und waren sicher von Gott geführt usw… Doch bereits dieses Daneben Stellen ist ein großes Problem!

In der Praxis führt es irgendwie immer dazu, dass diese Menschengebote einfach mit einer viel größeren Sorgfalt und Mühe befolgt werden als Gottes Wort. Wer kennt das nicht? Die Sorge unkeusch vor Gott zu sein beschäftigt uns viel weniger, als die Sorge aufgrund meiner Kleidung in welcher Gruppe auch immer nicht so gut anzukommen! Scriptura + Tradition “ Allein Die Schrift UND X“ wird niemals funktionieren können. Allein die Schrift meint genau das was es sagt: Allein die Schrift. Kein X, kein Und.

Natürlich bestünde für eine Gemeinde die Möglichkeit den Prinzip Sola Scriptura abzulehnen – dann aber müsste sie erklären, warum sie nicht katholisch wird . Schließlich haben sich die Päpste, Konzille und Bischöfe bei all ihren Sitten, Gebräuchen und Umgängen durchaus auch was gedacht….

Ich möchte folgendes fragen: Seit wann werden wir durch Traditionen rein gewaschen und nicht durch Gottes Wort? Was hat unser Herz berührt? Menschengebote oder Gottes Gebote? Was bleibt bestehen, wenn Himmel und Erde vergehen werden? Etwa unsere Hirngespinste?

Es gibt nur einen Ausweg aus todbringenden Umgängen: Die Rückkehr zur guten Sitte der Schriftzentriertheit. Einem Begehren und einem Durst nach Bibeltreue! Ich sehe durchaus, dass viele gerade Junge Menschen gegen tote und häufig heuchlerisch gelebte Traditionen aufbegehren, sie verpassen jedoch, so will mir scheinen die Rückkehr zu Gottes Wort.

Nein vielmehr fangen sie an, nicht nur die Traditionen zu verwerfen, sondern auch Gottes Wert. Sie finden einen Ausweg in der neuen Hermeneutik der Bibelkritik und verlieren sich so gänzlich. Doch konservative Traditionen mit liberalen auszutauschen ist im Grunde das Gleiche – Wieder würde Menschenwort ÜBER, nein natürlich formulieren wir das fromm: NEBEN Gotteswort stehen! Dabei gibt es für Menschen und Menschenwort doch nur einen rechten Platz: UNTER Gottes Wort

Ich wünsche dir und mir, dass wir uns aufs Neue auf Gottes Wort besinnen können, diese gute Sitte des Wortstudiums und der persönlichen Anwendung von Gottes Wort aufs Neue entdecken können und die Kraft des Heiligen Geistes empfangen können, sich ganz unter Gottes Wort zu stellen.

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2 Kommentare

  1. Interessante Gedanken. Habe vor kurzem ebenfalls dazu einen Artikel geschrieben: https://heiland-herr.de/?p=1081

    1. Hallo Konstantin danke für den Kommentar und schön mal wieder von dir zu hören!
      Danke für den Verweis auf euren blog, ich werde ihn mir näher anschauen, er war mir bisher unbekannt!

      Grüße

      Sergej

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