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Was ist Gemeinde? – Eine Antwort vom Niederländischen Bekenntnis

1560 waren die Niederlande wohl so etwas wie eine spanische Kolonie. Philipp der II. war ein eifriger Katholik und duldete die wenigen Reformierten in seinem Land unter keinen Umständen. Noch weniger Verständnis hatte er natürlich gegenüber den Widertäufern. Die Reformierte Kirche wagte unter der Führung von Guido de Bres. eine Bittschrift in Form einer Glaubenserklärung: Das Niederländische Bekenntnis erschien. Man versuchte zu erklären, dass man „mitten im Christentum“ stehe, das Christentum schlecht hin vertrete und nicht irgendeine sektiererische Sonderlehre. 15 Jahre vor Bres versuchte bereits Calvin mit seiner Institutio das Geiche. Eine Apologetik, die sich an den König Franz I von Frankreich richtete und ihn davon überzeugen sollte, dass er von den Reformierten nichts zu befürchten habe.

In beiden Fällen haben die Schriften Ihr angestrebtes Ziel nicht erreicht. Die Wut der Tyrannen wurde durch die Schriften nur weiter genährt!

In beiden Fällen haben Sie aber unter der Christenheit viel Frucht gewirkt. Heute ist die Insitutio von Calvin bekannter als Franz I. Und das Holländische Bekenntnis hat mehr Wirkung als die Katholizismen Philipps des Zweiten.

Es gibt bei Schriften, die unter Schweiß und Blut (Guido de Bres musste sein Bekenntnis letztlich mit seiner Hinrichtung bezahlten) entstehen den Aspekt, dass die Abschnitte die wertvollsten sind, über die am meisten gerungen wurde, die am meisten gekostet haben. Für die holländischen Reformierten war das in diesem Zusammenhang die Frage nach der Gemeinde. Entsprechend sind Kap. 27-32 dieses Bekenntnisses wahre Perlen (aber nicht die einzigen). Hier wird das Fundament der Kirche im Wort Gottes fest gemacht: t. Deshalb verwerfen wir alle menschlichen Erfindungen und alle Gesetze, welche zur Verehrung Gottes eingeführt sind, dass durch sie die Gewissen auf irgendeine Weise gefesselt oder gebunden werden. Wir nehmen daher diejenigen allein an, welche geeignet sind, die Eintracht zu pflegen und zu nähren oder uns im Gehorsam gegen Gott zu erhalten.  (Kap. 32)

Ich mag in besonderer Weise die Formulierung aus Kap. 27: „Diese heilige Kirche wird von Gott gegen alle Wut der Welt geschützt, wenn sie auch für einige Zeit in den Augen der Welt nur sehr klein und fast ausgelöscht erscheinen mag (lat. „vel velut ad nihilum redacta“ = „gleichsam auf nichts reduziert“; offensichtlich Ansp. auf 2 Kor. 4,9 ), wie Gott in jener sehr gefährlichen Zeit des Ahab sich siebentausend Männer bewahrt hat, die ihre Knie nicht vor dem Baal beugten.“

Wir können selbst mehr als 500 Jahre nach der Reformation die furchtbare Macht der katholischen Kirche in vielen Gebieten spüren, die damals aber unbegrenzt, unbändig, unzählbar erscheinen musste. Die Kirche, und ich meine die katholische Kirche hatte absolut überall ihre mächtigen Finger drin: Schule, Finanzen, Gesetzgebung, Kolonialisierung. Man kann nur erahnen als welch mächtiges riesiges gigantisches Monstrum diese Gestalt den wenigen erbärmlichen, verfolgten Evangelischen vorkommen musste. Und ihr armen Würmer wollt die Gemeinde Christi sein? Diese Anklage war letztlich durchgehend präsent. Und hier kommt Guido de Bres und beruft sich darauf, dass nicht die Größe Kirche ausmacht, sondern die Frage wo Gott ist. Dieser dann kann sich das Bekenntnis in der Kap. 29 widmen. Was die Kennzeichen einer Gemeinde sind, wollen wir aber in einem anderen Artikel besprechen.

Auch wenn die Nachfolger Christi eine kleine verletzliche Herde werden, spricht sich das Bekenntnis eindeutig und komprommislos von der Pflicht aller Gläubigen sich verbindlich einer Gemeinde anzuschließen (Kap. 28). Somit bleibt das Bekenntnis auch in einem ganz anderen sozialen Rahmen ein wichtiges Dokument für jeden, der das Thema Gemeinde verstehen möchte.

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