Biblische Texte, Christliche Ethik

Wenn Lieblosigkeit und Verachtung sich vermählen

Heute war ich auf einer Hochzeit – da hat man dem Paar es so deutlich angesehen, dass sie bereits eine ganze Menge dessen mitbringen, was die sogenannte „Familientafel“ in Eph. 5, 21- 33 fordert. Der Mann zärtliche Liebe zu seiner Frau, die Frau liebevollen Respekt vor dem Mann.

Meine Gedanken mussten bei der Traupredigt wieder einmal schweifen, aber diesmal versuchte ich besser zu begreifen warum dieses Ungleichgewicht zwischen den Forderungen an Mann und Frau in dem Text vorhanden sind.

Müsste ich Anweisungen an Mann und Frau geben, klängen die eher so: Mann liebe die Frau, Frau liebe den Mann. Oder Mann respektiere die Frau. Frau respektiere den Mann. Sozusagen a & a. oder wenigstens b & b. Aber doch nicht a & b.

Natürlich hatte ich noch nicht die Möglichkeit den genannten Text tiefer zu analysieren, eine Traupredigt werde ich auch nie halten müssen. Ich griff also zu einem Trick, den ich häufig nutze, um mit einem Text zu arbeiten. Ich stelle mir das Gegenteil der Schlüsselworte vor. Was ist das Gegenteil von Liebe ? Es ist der Hass oder die Lieblosigkeit. Was ist das Gegenteil von Respekt oder Ehrfurcht (Ehrfurcht, siehe Elb. 2006, V. 33)? Es ist die Verachtung.

Das Ungleichgewicht fing an einen Sinn zu machen: Paulus spricht hier die zentralen Herausforderung von Mann und Frau in ihrer gemeinsamen Beziehung an. Seine Frau zu ehren fällt uns Männern häufig leicht. Wie eifersüchtig wir werden, wenn man unsere Frauen diskreditiert! So geht es zumindest mir. Aber Lieblosigkeit spüre ich durchaus, eher so allgemeiner Art, eigentlich allen Dingen gegenüber. Was ist Liebe überhaupt? Und da packt uns Paulus an unserer Würde und geht total auf die Basics: Ok, also dich selbst liebst du ja, sonst würdest du dich um deinen Körper, um deine Person nicht scheren. Und da das ja offensichtlich machst, dich um dich selbst kümmerst, dich nährst und pflegst. Genau das liefere doch auch deiner Frau!

Wenn ich vom Gegenteil her denke wird mir klarer, was meine Herausforderung in meiner Ehe ist. Es ist die Gefahr lieblos, kühl, sachlich zu werden.

Noch deutlicher wird das auf der femininen Seite. Den Frauen fällt es oft nicht so schwer Ihre Männer anzuhimmeln, aber die Versuchung ist eigentlich allgegenwärtig ihre Partner zu verachten. Das kann ganz unterschiedlich geschehen. Angefangen vom Vergleich des eigenen Mannes mit dem (reelen) oder imaginären Traumprinzen. Aber auch viel praktischer: Welche Frau empfand ihren Mann nicht schon mal als kindisch, unreif, etc… Nicht die Lieblosigkeit ist die Herausforderung einer Frau in ihrer Ehe sondern die immer drohende Verachtung.

Und nun erinnere ich mich an manch eine Ehe die genau ein Bild war von einer Vermählung von Lieblosigkeit und Verachtung. Die Frau wurde für den Mann im allerbesten Falle zu einem Statussymbol mit derer Schönheit er in gewisser Weise prahlen konnte. Im schlimmsten Fall zu einem beständigen Hindernis der Selbstverwirklichung. Der Mann wurde gleichzeitig zu einem beständigen verachtungswürdigen Dauerärgernis der Frau, der eigentlich nie etwas machte, das Ehrfurcht verdiente.

Und plötzlich macht Paulus Gleichung „a & b gehören zusammen“ gleich mehr Sinn.

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