Biblische Lehre, Theologie

Wer Säuglinge tauft, muss sie auch zum Abendmahl zulassen

Die Taufe ist das Zeichen des Neuen Bundes. Wer sich taufen lässt, gehört zu Christus. Seine Mitgliedschaft drückt er nun auch durch regelmäßige Teilnahme am zweiten Bundeszeichen, dem Abendmahl, aus.

Bundeszeichen gab es auch im alten Bund: Da wäre die Beschneidung: Ohne Beschneidung konnte keiner ein Jude sein, keiner zu Gottes Volk gehören. Nur ein Beschnittener war berechtigt, am Passah – einem weiteren Bundeszeichen des Volkes – teilzunehmen. So weit ich es deute, gab es aber für das Volk noch weitere Zeichen: die Sabbatheiligung und die Bundeslade.

Dennoch liegt es nahe, die Parallelen zwischen den Zeichen von NT und AT zu sehen. Das Abendmahl wurde ja bei einer Passahfeier eingesetzt, mit neuer Bundessprache: “ Dies ist das Blut des Bundes“ – Nun geht es um mein Blut, nicht mehr um das Blut eines Lammes, mit dem die Türpforten angestrichen wurden, damit der Racheengel am eigenen Haus vorbeigehe. Soweit zur Parallele zwischen Abendmahl und Passahmahl.

Parallelen zwischen Taufe und Beschneidung zu finden, ist nicht so einfach. Am nähesten kommt man der Sache in Kolosser 2,11-12, wo es heißt: “in dem ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in dem ihr auch mitauferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.” (Kolosser 2,11–12)

Aber die Parallele ist nicht so eindeutig, wie man es sich hoffen würde: Denn „Beschneidung des Christus“ meint nicht seine physische Beschneidung als Säugling, sondern ist ein Bild seines Kreuzestodes. Die Beschneidung Christi, die wirksam ist, „unser Fleisch zu beschneiden“, ist die, die an seinem Kreuzestod stattfand. Das erklärt auch, warum – typisch Paulus – gleich darauf auf Tod & Auferstehung Jesu geblickt wird. Nicht nur der Tod Jesu rettet uns, sondern auch seine Auferstehung. Einfacher ausgedrückt: Das ganze Werk Christi rettet uns.

Ein umfassender Blick auf die Errettung! Das erklärt die Schritte dieser Errettung, die fast schon wie eine Aufzählung genannt werden:

  • Mit Christus begraben in der Taufe
  • Ausziehen des Leibes
  • durch übernatürliche Beschneidung
  • Nun auch mitauferweckt
  • Aber alles natürlich durch den Glauben an die wirksame Kraft

Bei allen Aufzählungen stellt sich aber immer die Frage, ob eher die einzelnen Aspekte betont werden oder eher das Ganze. So auch in diesem Fall: Sollte es eher um einzelne Aspekte der Errettung gehen, um einzelne Teilschritte? Dann müsste man klären, wie weitgehend die Verknüpfung zwischen „mit ihm begraben in der Taufe“ und „in der Beschneidung des Christus“ ist. Oder blickt „mit ihm begraben“ in die Taufe schon auf die darauffolgenden Folgen dieser „Mitauferweckung“: Wirksame Kraft der Auferstehung Jesu.

Ist die Beschneidung Jesu sein Leiden und Sterben (hier wurde in ihn hineingeschnitten) am Kreuz, folgt darauf das Begrabenwerden im Grabe (und damit wird hier die Taufe verglichen) und anschließend blickt Paulus auf die Auferstehung. Das wäre eine Parallele davon wie die Taten Jesu im Leben eines Gläubigen sichtbar werden. Und damit würde diese Stelle KEINE Parallele von Taufe und Beschneidung sehen.

Naheliegender und üblicher ist die Art der Bibel von der Errettung immer ganzheitlich zu sehen. Da werden dann weniger einzelne Schritte betrachtet, als das „Ganze der Errettung“. Das sehen wir z.B. in der Darstellung von Wiedergeburt, Gotteskindschaft und Glaube in Joh 1,12-13. Oder darüber wie ganzheitlich und fast schon „als Eines“ von Rettung, Taufe und Buße gesprochen wird, die dann sogar in einem einzigen Satz genannt werden. Denken wir nur an Apg 2,38, Röm 6,1-3 oder 1 Pet 3,21.

Sollte das, auch hier in Kolosser 2,11-12 der Fall sein? Dann bedeutet das, dass wir der Verheißungen, die uns „durch die Beschneidung Christi“ zuteil werden, nur „durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes“ teilhaftig werden. Auch dieser Beschneidung Christi würden wir nur durch den Glauben teilhaftig. Was damit dann eher ein Argument gegen die Säuglingstaufe wird, die ja nun mal „ohne Glauben“ getauft werden.

Um aus dem reformierten Verständnis heraus für die Kindertaufe zu argumentieren, ist es unbedingt notwendig, diese als Bundeszeichen mit einer Nähe oder Parallele zum alttestamentlichen Bundeszeichen zu formen. Die Taufe wird dann zu einem Aspekt „vorauseilender Gnade“, ähnlich den Gnadenzusagen, die in der Beschneidung dem ebenfalls unmündigen Kind zugesprochen werden.

Eine genaue Analyse von Kolosser 2,11-12 zeigt uns aber, dass diese Parallele nicht so stark ist, wie häufig behauptet. Beachten wir auch: Als Paulus die Errettung im alten wie im neuen Bund vergleicht, da vergleicht er die Taufe nicht mit der Beschneidung, sondern es heißt: „Und alle wurden auf Mose getauft in der Wolke und in dem Meer“. (1 Kor 10,2). Es wäre gerade an dieser Stelle so naheliegend – besäße Paulus so ein Konzept – von der Taufe in der „Beschneidung“ zu sprechen. Sollte Paulus nicht gerade hier ein Bild verwenden wie in Kolosser 2,11-12. Aber Paulus macht das nicht, weil er zumindest keine Notwendigkeit zu dieser Parallele sah. Naheliegender ist sogar, dass es diese Parallele gar nicht gibt. Für die Apostel jedenfalls war es kein Problem die Taufe im Durchgang durch das Rote Meer illustriert zu sehen (und an einer anderen Stelle als Arche in der Flut).

Der Durchgang durch die Wasser, das Umgeben von Wasser kommt auf jeden Fall als Bild viel häufiger vor, als ein Vergleich mit der Beschneidung. Bedenken wir auch diese Situation: Jesus lässt sich im Jordan taufen und identifiziert sich damit mit seinem Volk Israel, das ja einst auch im „Jordan“ getauft wurde. Wieder eine Parallele, die gänzlich ohne alle Anspielungen zur Beschneidung auskommt. Und wieder eine Parallele die von einem Hineingetauft ins Wasser spricht.

Insgesamt konnten wir sehen, dass die Nähe von Beschneidung zur Taufe nicht so stark in der Bibel ausgearbeitet wird, wie häufig behauptet oder angenommen wird.

Dennoch muss ich eingestehen, dass eine Nähe von Beschneidung und Taufe bereits dadurch besteht, dass beides Bundeszeichen sind. Doch auch jede noch so große Betonung der Nähe kann kaum dafür hinhalten, die Säuglingstaufe in der Art, wie sie in vielen Kirchen praktiziert wird, zu rechtfertigen.

Die Lehre der Taufe wird von Baptisten oft zu oberflächlich dargestellt. Man degradiert sie zu einem „zweiten Gehorsamsschritt“ (wir berichteten). Da ist es oft ein Lichtblick, die gründliche und tiefgehende Theologie der Taufe zu entdecken, wie sie z.B. im Heidelberger Katechismus dargestellt wird (wir berichteten). Der Katechismus versucht ganzheitlich und umfassend, aber auch seelsorgerlich und theologisch auf die Frage der Taufe zu blicken und macht das richtig gut! Doch dann Frage 74: „Soll man auch kleine Kinder taufen?“ und die Antwort darauf: „Ja;
denn sie gehören ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde….“
– Doch warum dann mit dem Abendmahl warten, bis man die Konfirmation hinter sich hat? Gehört man etwa in Bezug auf das Abendmahl nicht „wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde“?

Soll hier eine Parallel der Bundeszeichen wirklich so vorliegen, wie von Vertretern der Säuglingstaufe behauptet? Säuglinge wurden beschnitten, also sollen Säuglinge auch getauft werden. Aber lass mich mal fragen: Gilt die Taufe dann nur für Männer? Oder nur für männliche Säuglinge? Die Beschneidung auf jeden Fall, wurde nur an Jungen vollzogen. Damit müssen alle jene, die eine starke Ähnlichkeit von Beschneidung mit Taufe wahrnehmen, hier eine wesentliche Veränderung vornehmen.

Der Probleme werden nur mehr: Die Bedingung dafür, am Passahmahl teilzunehmen, war die Beschneidung (der Jungen) – Warst du einer vom Bundesvolk, nimmst du am Passahmahl teil. Niemals entschied darüber ein Initiationsritus wie z.B. die Bar Mitzwa. Die Teilnahme der unmündigen Kinder am Passahmahl war ausdrücklich gewünscht und gewollt – das praktizieren auch Juden bis heute so und ihre Schriften bestätigen das (Pesachim 10 4, 109 a; 116a). Natürlich erwähnt die Schrift auch, dass die ganze Familie am Passahmahl teilnahm (2 Mose 12,3-4), und gerade das Passahmahl war ein Ausgangspunkt, um über Gott den Retter vor der Familie zu sprechen (2 Mose 12,26-27 und 2 Mose 13,8).

Interessanterweise erlauben sich viele, die eine Parallele der alttestamentlichen Bundeszeichen mit den neutestamentlichen sehen, auch an dieser Stelle eine ungewöhnliche Abweichung: Obwohl man Säuglinge tauft, sie – im presbyterianischen Kontext – als Bundesvolk ansieht, verweigert man diesen Mitgliedern des Bundesvolkes dann aber die Teilnahme am Abendmahl. Es findet ein ungewöhnlicher und unberechtigter Mix statt: Ein Bundeszeichen ist ganz Gnadenzeichen und soll eben selbst unmündigen Kindern zugefügt werden, ein anderes Bundeszeichen ist aber strikt nur für die Gläubige zugänglich.

Das ist einfach inkonsequent. Jeder, der seine Säuglinge tauft, sollte sie auch zum Abendmahl mitbringen (damit sie daran teilnehmen können). Wenn das eine Bundeszeichen immer ganzen Familien / Häusern offen stand und deswegen unterschiedslos ganze Häuser getauft wurden, wie behauptet, woher kommt dann die Idee, dass nicht diese ganzen Häuser auch geschlossen am Abendmahl teilnahmen?

Aber natürlich ist das Umgekehrte das wirklich Richtige: Beide Zeichen stehen dem Gläubigen offen. Wenn du glaubst, hindert dich nichts daran, getauft zu werden (Apg 8,37, wenn auch nicht in allen Handschriften) und am Abendmahl teilzunehmen. Inkonsequent ist, Ungläubige zu taufen, aber nur Gläubige zum Abendmahl zuzulassen.

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2 Kommentare

  1. Rodrigo sagt:

    Eine sehr fundierte, biblische Recherche zu diesem Thema von Jakob Tscharnke mit überraschenden Erkenntnissen findet sich in seinem Papier „010-Die-biblische-Taufe–Saeuglingstaufe-oder-Bekehrtentaufe-1.pdf“. Mir als eingefleischtem Baptisten hat das meinen Horizont substanziell erweitert.

    1. Hallo Rodrigo, danke für den Kommentar. Das genannte Dokument hat mich in der Tat sehr positiv vüberrascht. – Tschartnke sieht zurecht dass Baptisten oft zu plump für Ihre Position argumentieren. Und er greift in vielen Fällen viele hilfreiche Beispiele auf – Danke für den Link Ich habe das Dokument nur stellenweise überflogen, aber In machen Fällen bemüht er sich aber nicht die besseren Thesen zu widerlegen. Z.B. ist es natürlich klar, dass der Verweis auf die Reihenfolge aus Mk 16,16 nicht entscheidend. Und doch kann man nicht sagen, dass kein Heilsprozess jemals „Als Ablauf“ dargestellt wird. Ist also die These zu kurz gedacht, gilt es auch für die Erwiderung – Was das Plädoyer für Haustaufen (vs Missionstaufen) angeht, die These halte ich weniger überzeugend, selbst evangelische Figuren kritisieren das deutlich und sehen die Lösung hier darin zwischen (mündigen entscheidungsfähigen) „Kindern“ und (unmündigen) „Säuglingen“ zu unterscheiden – was zutreffender ist – siehe die Darstellungen von Kurt Aland hier bekanntlich selbst Kindertäufer (https://www.amazon.com/Did-Early-Church-Baptize-Infants/dp/1592445411). Gerade ausgehend von dem Fakt, dass die angeheirateten Frauen selber „wählten“ ob sie glaubten oder nicht (1 Kor 7,15) spricht gegen „Ganze Haustaufen“ – Es sei den man meinte Haustaufen aber naütrlich nicht die Frauen…und nicht die Knechte…und nicht die….Kinder?

      Ich kann die EFK Riedlingen in dieser Frage aber nicht ganz nachvollziehen, weil Tscharntke in diesem Dokument zwar eher für die Säuglingstaufe plädiert, aber die Gemeinde gleichzeitig hier schreibt ( https://efk-riedlingen.de/was-wir-glauben/bekenntnisse/) : “ Allein die persönliche Beziehung zu Jesus Christus bringt Heil und Leben. Deshalb taufen wir nur Menschen, die zuvor zum persönlichen Glauben an Jesus Christus gekommen sind“ – Irgendwie ist das Bekenntnis einerseits brüderlich-baptistisch, dann aber werden reformatorisch-lutherische Schriften als Bekenntnis-Schriften genannt (unter gleichem Link findet sich ein Verweis auf Confessio Augustana ) –

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