J. I. Packer zählt zu den einflussreichsten evangelikalen Denkern des 20. Jahrhunderts. Mit geistlicher Tiefe, theologischer Klarheit und einer Liebe zur Heiligen Schrift prägte er Generationen von Christen. Sein bekanntestes Werk, Gott erkennen, verbindet biblische Lehre mit Herz und Leben – verständlich und tief zugleich. Packer verstand es, die alten Wahrheiten der Reformation in die Gegenwart zu übersetzen. Wer seine Bücher liest, begegnet einem Glauben, der den Verstand anspricht und das Herz bewegt. In einer Zeit theologischer Beliebigkeit lohnt es sich, auf Packer zu hören – nicht als Autorität, sondern als geistlicher Wegweiser.
Packers Werk war bereits zwei Mal Thema auf unserem Blog:
- Orthodoxie mit offenen Armen: Eine Erinnerung an J.I. Packer
- Warum wir die Puritaner brauchen.
Heute ist es mir dank der Unterstützung von Lynn Wiebe einen weiteren Text von J.I. Packer auf deutsch zu veröffentlichen, nämlich Packers bekannten Text über die Bundestheologie.
Das Werk steht in unterschiedlichen Formaten zum Download, Nutzung und Weitergabe zur Verfügung:
Außerdem war es möglich ein leicht gekürztes KI-Generiertes Audio-File zu erstellen:
Kapitel I:
Dr. Packers erster Abschnitt, der hier weggelassen wurde, ehrt den Theologen Herman Witsius (1636–1708)[1].
Kapitel II:
Was ist Bundestheologie? Die einfache, wenn auch provokante Antwort auf diese Frage ist, dass sie das ist, was man heutzutage eine Hermeneutik nennt – das heißt, eine Weise, die ganze Bibel zu lesen, die selbst Teil der Gesamtinterpretation der Bibel ist, die sie untermauert. Eine erfolgreiche Hermeneutik ist ein konsequentes interpretatorisches Verfahren, das ein konsequentes Verständnis der Schrift liefert, das wiederum die Angemessenheit des Verfahrens selbst bestätigt. Die Bundestheologie ist ein treffendes Beispiel dafür. Sie ist eine Hermeneutik, die sich jedem nachdenklichen Bibelleser aufdrängt, der an den Punkt gelangt,
erstens, die Heilige Schrift zu lesen, zu hören und zu verinnerlichen als lehrmäßige Unterweisung, die durch menschliche Vermittler von Gott selbst, persönlich, gegeben ist;
zweitens, zu erkennen, dass das, worüber der Gott, der durch die Schriften spricht, uns auf ihren Seiten belehrt, sein eigenes anhaltendes souveränes Handeln in Schöpfung, Vorsehung und Gnade ist;
drittens, zu erkennen, dass Gott in unserer Errettung durch Gnade als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbar wird, der in dreipersönlicher Einheit ein einziges gemeinsames Werk vollführt, nämlich Sünder aus dem Elend geistlicher Verlorenheit zu erheben, damit sie für immer an Christi Herrlichkeit teilhaben;
und viertens, zu sehen, dass gottzentriertes Denken und Leben – das als Antwort auf eine von Gott bewirkte Herzensveränderung entspringt und sich spontan im dankbaren Lobpreis äußert – das Wesen wahrer Gotteserkenntnis ist. Sobald Christen so weit gekommen sind, ist die Bundestheologie der Schrift etwas, das sie kaum übersehen können.
Gottes Gnadenbund
Doch in gewissem Sinne können sie sie dennoch übersehen: nämlich indem sie es versäumen, sich darauf zu fokussieren, selbst wenn sie sich ihrer Wirklichkeit im Allgemeinen bewusst sind. Gottes Gnadenbund in der Schrift ist eines jener Dinge, die zu groß sind, um leicht gesehen zu werden, besonders dann, wenn der Verstand darauf ausgerichtet ist, auf etwas Kleineres zu achten. Wenn du auf einer Karte des Pazifiks nach einer bestimmten polynesischen Insel suchst, wird dein Auge Dutzende von Inselnamen erfassen, ganz gleich, wie klein sie gedruckt sind, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du die großen Buchstaben „PAZIFISCHER OZEAN“, die sich über die ganze Karte erstrecken, gar nicht wahrnimmst.
In ähnlicher Weise können wir – und ich denke, das tun wir oft – Realitäten wie Gottes Verheißungen; den Glauben; den Heilsplan; Jesus Christus, den Gott-Menschen, unseren Propheten, Priester und König; die Gemeinde in beiden Testamenten, samt Beschneidung, Passa, Taufe, Abendmahl, den Feinheiten des alttestamentlichen Gottesdienstes und der Schlichtheit seines neutestamentlichen Gegenstücks; das Wirken des Heiligen Geistes in den Gläubigen; das Wesen und die Maßstäbe christlichen Gehorsams in Heiligkeit und Nächstenliebe; das Gebet und die Gemeinschaft mit Gott und viele weitere Themen studieren, ohne zu bemerken, dass all diese Beziehungs-wirklichkeiten in ihrem Wesen bündnishaft sind. So wie jede polynesische Insel im Pazifik verankert ist, so ist jedes der eben genannten Themen verankert in Gottes Entschluss, sich mit seinen menschlichen Geschöpfen in Beziehung zu setzen – und uns mit ihm – in einem Bund, was letztlich bedeutet: eine Weise für den Menschen, mit Gott in Beziehung zu treten, die Aspekte der Gemeinschaft von Sohn und Geist mit dem Vater in der Einheit der Gottheit widerspiegelt. Daraus können wir vielleicht beginnen zu erkennen, wie groß und bedeutsam die Kategorie des Bundes sowohl in der biblischen Lehre als auch im wirklichen Leben ist.
„Der Abstand zwischen Gott und den Geschöpfen ist so groß“, sagt das Westminster Bekenntnis[2] (VII.I), „obwohl sie ihm als ihrem Schöpfer Gehorsam leisten müssen, ihn doch niemals als ihre Seligkeit und ihren Lohn genießen können, wenn es nicht durch eine freiwillige Herablassung von Gottes Seite aus geschieht, die er nach seinem Wohlgefallen durch einen Bundesschluss zum Ausdruck bringt.“ Ganz genau! Also hat die biblische Lehre von Anfang bis Ende mit Bundesbeziehungen zwischen Gott und Mensch zu tun; die biblische Ethik handelt davon, Gottes Bundesbeziehung zu uns in Bundesbeziehungen untereinander auszudrücken; und die christliche Religion hat die Natur eines Bundeslebens, in dem Gott der direkte Gegenstand unseres Glaubens, unserer Hoffnung, Liebe, Anbetung und unseres Dienstes ist – alles belebt von Dankbarkeit für die Gnade.
Unser Thema ist die alle Lebensbereiche umfassende Grundwirklichkeit der Bundesbeziehung zwischen dem Schöpfer und Christen und es ist höchste Zeit, dass wir genau definieren, wovon wir sprechen. Eine Bundesbeziehung ist eine freiwillige, gegenseitige Verpflichtung, die jede Partei an die andere bindet.
Gottes Bundesverpflichtung
Ob sie verhandelt wurde, wie ein moderner Geschäftsabschluss oder ein Ehevertrag, oder einseitig auferlegt ist, wie alle Bündnisse Gottes es sind, ist für die Verpflichtung selbst irrelevant; die Wirklichkeit der Beziehung hängt allein davon ab, dass auf beiden Seiten gegenseitige Verpflichtungen akzeptiert und zugesagt worden sind. Luther soll gesagt haben, das Christentum sei eine Sache der Personalpronomen – in dem Sinne, dass alles davon abhängt zu wissen, dass Jesus für mich gestorben ist, um mein Retter zu sein, und dass sein Vater mein Gott und Vater ist, der sich persönlich verpflichtet hat, mich zu lieben, zu nähren, zu tragen und zu verherrlichen. Dies ist bereits Bundesdenken, denn dies ist der wesentliche Inhalt der Bundesbeziehung: Gottes Bund ist eben eine Sache dieser Personalpronomen, in dieser Weise gebraucht, als Grundlage für ein Leben mit Gott in Freundschaft, Frieden und mitgeteilter Liebe.
Wenn Gott also zu Abraham sagt: „Ich schließe meinen Bund mit dir und deinen Nachkommen […] Es ist ein ewiger Bund, denn ich will dein und deiner Nachkommen Gott sein […] ich werde ihr Gott sein.“ (1. Mose 17,7–8), sind die Personalpronomen die Schlüsselworte: Gott verpflichtet sich gegenüber Abraham und Abrahams Samen in einer Weise, in der er sich anderen gegenüber nicht verpflichtet. Gottes Bundesverpflichtung bringt seine ewige Erwählung zum Ausdruck; seine Bundesliebe zu einzelnen Sündern fließt aus seiner Erwählung von ihnen, für immer ihm zu gehören, im Frieden der Rechtfertigung und der Freude der Verherrlichung. Die verbale Zusage, in der sich diese erwählende Souveränität zeigt, hat den Charakter einer Verheißung, deren Erfüllung durch Gottes absolute Treue und Verlässlichkeit garantiert ist – jene Eigenschaft, die der Entdecker David Livingstone pries, indem er Gott als „einen ehrenwerten Gentleman, der nie sein Wort bricht“ beschrieb[3].
Die Bundesverheißung selbst – „Ich will dein Gott sein“ – ist ein bedingungsloses Vorhaben Gottes, „für uns“ zu sein (Röm. 8,31), „auf unserer Seite“ (Ps. 124,1–5), indem er all seine Mittel einsetzt, um das letztendliche Wohl derer („uns“) zu fördern, denen er sich auf diese Weise verpflichtet. „Und ich will euch als mein Volk annehmen und will euer Gott sein“ (2. Mose 6,7) – die Bundesverheißung, die sich durch beide Testamente hindurch ständig wiederholt (1. Mose 17,6–8; 2. Mose 20,2; 29,45f.; 3. Mose 11,45; Jer. 32,38; Hes. 11,20; 34,30f.; 36,28; 2. Kor. 6,16–18; Offb. 21,2f. usw.), kann mit Recht als die „All-Inclusive-Verheißung“[4] bezeichnet werden, denn jede einzelne Verheißung, die Gott macht, ist in ihr enthalten – zuerst Gemeinschaft und Nähe („Ich will mit euch sein“, „Ich will unter ihnen wohnen“, „Ich will unter euch leben“ usw.), und dann die Versorgung mit allem, was wir wirklich brauchen, hier und danach. Souveränität und Rettung, Liebe und Freigebigkeit, Erwählung und Freude, Zusage und Gewissheit, Treue und Fülle erscheinen somit als das Themenspektrum (wobei der zweite Begriff jedes Paares die Frucht des ersten als seiner Wurzel ist), das sich zum weißen Licht vereinigt – leuchtend und herrlich – der gnädigen Selbsthingabe Gottes an Sünder, die die Bundestheologie verkündigt.
Unsere Bundesverpflichtungen
Der von Gott gegebene Bund bringt natürlich Verpflichtungen mit sich. Das Leben im Glauben und in Buße, sowie der Gehorsam, zu dem der Glaube führt, bilden das Halten des Bundes, durch das Gottes Volk die Fülle des Bundessegens empfängt. „Ihr habt gesehen, […] wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr von allen Völkern mein besonderes Eigentum sein“ (2. Mose 19,4f.). Bundestreue ist die Bedingung und das Mittel, um die Segnungen des Bundes zu empfangen, und daran ist nichts Willkürliches; denn die Segnungen fließen aus der Beziehung, und menschliche Rebellion und Untreue unterbrechen diesen Fluss, indem sie die Beziehung stören. Israels Untreue tat dies fortwährend im Verlauf der alttestamentlichen Geschichte, und das Neue Testament macht deutlich, dass Gemeinden und Christen Segnungen verlieren werden, die sonst ihnen gehören würden, sollte Bundestreue in ihrem Leben fehlen.
Kapitel III: Folgen der Bundesbeziehung mit Gott
Der Bund als Rahmen für die Verkündigung des Evangeliums
Aus dem bisher Gesagten werden drei Dinge deutlich. Erstens wird das Evangelium Gottes nicht richtig verstanden, solange es nicht im Rahmen des Bundes betrachtet wird.
Jesus Christus, dessen rettender Dienst die Summe und Substanz des Evangeliums ist, wird im Hebräerbrief als der Mittler und Bürge der Bundesbeziehung bezeichnet (Hebr. 7,22; 8,6). Die Verheißungen des Evangeliums, die Christus und seine Wohltaten den Sündern anbieten, sind daher Einladungen, in eine Bundesbeziehung mit Gott einzutreten und sie zu genießen. Der Glaube an Jesus Christus ist demnach die Annahme des Bundes, und das christliche Leben – Gott durch Worte und Taten um seiner Güte und Gnade willen zu verherrlichen – hat im Zentrum die Bundesgemeinschaft zwischen dem Retter und dem Sünder. Die Gemeinde, die Gemeinschaft der Gläubigen, die das Evangelium hervorbringt, ist die Gemeinschaft des Bundes; und die Predigt des Wortes, die Ausübung von Seelsorge und Gemeindezucht, sowie die vielfältigen Formen gemeinschaftlicher Anbetung und die Verwaltung der Taufe und des Abendmahls (entsprechend Beschneidung und Passa in früheren Zeiten) sind alles Zeichen, Symbole, Ausdrucksformen und Werkzeuge des Bundes, durch die göttliche Segnungen aus dem Bund fortwährend zu den Glaubenden fließen. Die Hoffnung der Herrlichkeit, wie sie im Evangelium verheißen ist, ist das Ziel der Bundesbeziehung (Offb. 21,2f.), und die christliche Gewissheit ist das Wissen um Inhalt und Beständigkeit dieser Beziehung, insofern sie auf einen selbst zutrifft (Röm 5,1–11; 8,1–39).
Die ganze Bibel wird gewissermaßen von Jesus Christus der ganzen Kirche und jedem einzelnen Christen als das Buch des Bundes übergeben, und der gesamte Bericht über die Auseinandersetzungen des Wortes mit der Kirche ebenso wie mit der Welt in den nachbiblischen Jahrhunderten – der Bericht, der gewöhnlich Kirchengeschichte genannt wird – ist genau die Geschichte des Bundes, der sich in Raum und Zeit entfaltet. Wie Künstler und Gestalter wissen, ist der Rahmen wichtig, um ein Bild zur Geltung zu bringen, und tatsächlich sieht man ein Bild besser, wenn es angemessen gerahmt ist. So ist es mit den Reichtümern des Evangeliums; Der Bund ist ihr angemessener Rahmen, und man sieht sie nur in ihrer ganzen Herrlichkeit, wenn dieser Rahmen sie umgibt, so wie es in der Schrift tatsächlich der Fall ist und wie es in der Theologie immer sein sollte.
Der Bund als Rahmen für das Verständnis der Schrift
Zweitens wird das Wort Gottes nicht richtig verstanden, solange es nicht im Rahmen des Bundes betrachtet wird.
Die Bundestheologie ist, wie oben gesagt, sowohl eine biblische Hermeneutik als auch eine Ausformulierung biblischer Lehre. Sie entspringt nicht nur dem Lesen der Heiligen Schrift als einer Einheit, sondern enthält auch bestimmte Aussagen darüber, wie dieses geschehen sollte. Die Bundestheologie bietet eine Gesamtansicht an, die sie – wenn herausgefordert – bereit ist, aus der Schrift selbst zu bestätigen, nämlich darüber, wie die verschiedenen Teile der Bibel zueinander in Beziehung stehen.
Das Wesen dieser Sichtweise ist: Die biblische Offenbarung, die das geschriebene Wort Gottes ist, konzentriert sich auf eine von Gott gegebene Erzählung darüber, wie aufeinanderfolgende und sich steigernde Offenbarungen von Gottes bündnishafter Absicht und Fürsorge zu bestimmten Schlüsselpunkten der Geschichte gegeben wurden und wie darauf geantwortet wurde. Das Rückgrat der Bibel, auf das sich alle auslegenden, homiletischen, moralischen, liturgischen und erbaulichen Inhalte beziehen, ist die Entfaltung in Raum und Zeit von Gottes unveränderlicher Absicht, ein Volk auf Erden zu haben, zu dem er sich bündnishaft in Beziehung setzen will – zu seiner und ihrer Freude. Die Inhalte der Schrift fügen sich zu einer einzigen, in sich stimmigen Wahrheit über Gott und die Menschheit zusammen, nach der jeder Christ – ja, jeder Mensch – in jeder Generation zu leben berufen ist. Die Bibel ist – in einem Sinn – ebenso wie Jesus Christus in einem anderen – Gottes Wort an die Welt.
Die Geschichte, die dieses Rückgrat der Bibel bildet, handelt von der Bundesbeziehung des Menschen zu Gott, die zuerst zerstört und dann wiederhergestellt wurde. Die ursprüngliche Bundesordnung, gewöhnlich „Bund der Werke“ genannt, war eine, in der Gott sich verpflichtete, den glücklichen Zustand, in dem er das erste Menschen-paar geschaffen hatte, für die gesamte nachfolgende Menschheit zu verlängern und zu mehren – vorausgesetzt, der Mensch beachtete, im Rahmen des demütigen Gehorsams, der ihm damals natürlich war, ein Verbot, das in der Erzählung darin bestand, eine verbotene Frucht nicht zu essen. Der Teufel, dargestellt als Schlange, verführte Adam und Eva zum Ungehorsam, sodass sie unter die Strafsanktionen des Bundes der Werke fielen (Verlust des Guten und Verderbtheit der Natur). Aber Gott offenbarte ihnen sofort in Keimform eine erlösende Ordnung, die sowohl die Bedeckung der Sünde als auch einen zukünftigen Sieg des Samens der Frau (eines menschlichen Retters) über die Schlange und ihre Bosheit enthielt. Der erlösende Zweck dieser neuen Ordnung wurde deutlicher, als Gott Abraham berief, aus seinen Nachkommen ein Volk machte, sie aus der Sklaverei rettete und sich selbst nicht nur als ihren Gott, sondern auch als ihren König und Vater bezeichnete, ihnen sein Gesetz (den Familienkodex) lehrte, sie in Opferliturgien einübte, ihren Ungehorsam züchtigte und Boten sandte, um ihnen seine Heiligkeit und seine Verheißung eines Retter-Königs und eines rettenden Reiches vor Augen zu führen; was zu gegebener Zeit Wirklichkeit wurde. Das Westminster Bekenntnis fasst zusammen, was in all dem und durch all das geschah.
„Da der Mensch sich durch seinen Fall unfähig gemacht hat, durch den (ersten) Bund Leben zu erlangen, war der Herr gnädig gesinnt, einen zweiten zu schließen, der allgemein der Bund der Gnade genannt wird: in welchem er den Sündern frei Leben und Erlösung durch Jesus Christus anbietet, wobei er von ihnen Glauben an ihn fordert, damit sie gerettet werden, und er verspricht allen, die zum ewigen Leben bestimmt sind, seinen Heiligen Geist zu geben, um sie willig und fähig zu machen, zu glauben …
Dieser Bund wurde zur Zeit des Gesetzes und zur Zeit des Evangeliums unterschiedlich verwaltet; unter dem Gesetz wurde er durch Verheißungen, Prophezeiungen, Opfer, Beschneidung, das Passahlamm und andere Vorbilder und Satzungen verwaltet, die dem Volk der Juden gegeben wurden, die alle im Voraus auf das Kommen des Christus hinweisen, die für jene Zeit durch das Wirken des Geistes hinreichend und wirksam waren, um die Erwählten im Glauben an den verheißenen Messias zu unterweisen und aufzuerbauen, durch den sie völlige Vergebung der Sünden und ewige Errettung hatten; und dieser wird das Alte Testament genannt.
Unter dem Evangelium, als Christus, das Wesen, offenbart wurde, sind die Ordnungen, durch die dieser Bund verwirklicht wird, die Verkündigung des Wortes und die Verwaltung der Sakramente der Taufe und des Abendmahls … in ihnen wird er allen Völkern – sowohl Juden als auch Heiden – in größerer Fülle, Klarheit und geistlicher Wirksamkeit dargeboten; und er wird das Neue Testament genannt. Es gibt daher nicht zwei Gnadenbünde, die sich im Wesen unterscheiden, sondern einen und denselben, unter verschiedenen Dispensationen.“ (VII.iii. v. vi).
Die einigenden Stränge, die die Bücher der Bibel miteinander verbinden, sind also erstens die eine Bundesverheißung, formuliert in dem Leitsatz: „Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein“, die Gott gegenüber seinen Auserwählten durch alle seine aufeinanderfolgenden Ordnungen des Bundes, des Glaubens und des Lebens erfüllte; zweitens der eine Bote und Mittler des Bundes: Jesus Christus, der Gottmensch, Prophet und König, Priester und Opfer, der Messias der alttestamentlichen Prophetie und der neutestamentlichen Verkündigung; drittens das eine Volk Gottes, die Bundesgemeinschaft, die Gemeinschaft der Auserwählten, die Gott zum Glauben führt und im Glauben erhält – von Abel, Noah und Abraham über den Überrest Israels bis hin zur weltweiten neutestamentlichen Kirche aus gläubigen Juden und Heiden; und viertens das eine Muster bündnishafter Frömmigkeit, bestehend aus Glaube, Buße, Liebe, Freude, Lobpreis, Hoffnung, Sündenhass, Sehnsucht nach Heiligkeit, einem Geist des Gebets und der Bereitschaft, gegen Welt, Fleisch und Teufel zu kämpfen, um Gott zu verherrlichen … ein Muster, das vielleicht am deutlichsten in Luthers „kleiner Bibel“, dem Psalter, sichtbar wird, aber ebenso im Leben der Knechte Gottes in beiden Testamenten erkennbar ist und sich mehr oder weniger vollständig in jedem einzelnen Buch des Alten und Neuen Testaments widerspiegelt. Bundetheologen bestehen darauf, dass jedes Buch der Bibel in der Tat darum bittet, in Bezug auf diese Einheiten gelesen zu werden, und als Beitrag zu ihrer Auslegung verstanden werden soll, und dass es tatsächlich missverstanden wird, wenn es nicht auf diese Weise gelesen wird.
Der Bund als Rahmen für die Erkenntnis Gottes
Drittens wird die Wirklichkeit Gottes nicht richtig verstanden, solange sie nicht im Rahmen des Bundes betrachtet wird.
Wer ist Gott? Gott ist der dreieinige Schöpfer, der den Vorsatz hat, ein Bundesvolk zu haben, das er in Liebe zu seiner Ehre erhöhen will. („Ehre“ bedeutet hier sowohl Gottes Offenbarung seiner Lobwürdigkeit als auch das tatsächliche Lob, das daraus hervorgeht.) Warum verfolgt Gott diesen Vorsatz? – Das heißt: Warum wünscht er sich Bundesgemeinschaft mit vernunftbegabten Wesen? Das Meiste, was wir dazu sagen können (denn die Frage ist keine, zu der uns Gott direkte Antwort gegeben hat), ist, dass die Natur einer solchen Gemeinschaft beobachtbar den Beziehungen gegenseitiger Ehre und Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist innerhalb der Einheit des göttlichen Wesens entspricht, sodass der göttliche Vorsatz gewissermaßen als eine Erweiterung dieses Kreises ewiger Liebe und Freude erscheint. Indem sie den Gedanken hervorhebt, dass Bundesgemeinschaft das innere Leben Gottes ist, verleiht die Bundestheologie der Wahrheit der Trinität eine tiefere Bedeutung, als sie andernfalls haben könnte.
Doch das ist noch nicht alles. Die Schrift ist eindeutig darin, dass von Ewigkeit her – im Blick auf die vorausgesehene menschliche Sünde – eine besondere Vereinbarung zwischen dem Vater und dem Sohn bestand, dass sie einander auf folgende Weise verherrlichen würden: Der Vater würde den Sohn ehren, indem er ihn sendet, um verlorene Sünder durch ein straftragendes Selbstopfer zu retten, was zu einer kosmischen Herrschaft führen würde, in der die zentrale Tätigkeit darin bestünde, den Sündern durch den Heiligen Geist die Erlösung zu vermitteln, die er für sie erworben hat; und der Sohn würde den Vater ehren, indem er das Liebesgeschenk des Vaters an die Sünder würde und indem er sie durch den Geist dazu führt, dem Vater zu vertrauen, ihn zu lieben und zu verherrlichen – nach dem Vorbild seines eigenen Gehorsams gegenüber dem Willen des Vaters. Dieser Bund der Erlösung, wie er gemeinhin genannt wird, der dem Gnadenbund zugrunde liegt, macht mindestens diese drei Wahrheiten deutlich:
(1) Die Liebe des Vaters und des Sohnes gemeinsam mit dem Heiligen Geist zu verlorenen Sündern ist eine geteilte, einmütige Liebe. Die tritheistische Fantasie von einem liebenden Sohn, der einen lieblosen Vater besänftigt und einen gleichgültigen Heiligen Geist dazu nötigt, uns zu retten, ist ein erschütternder Unsinn.
(2) Da unsere Errettung aus Gottes freiem und gnädigem Entschluss stammt und von Anfang bis Ende gemäß Gottes ewigem Plan durch Gottes eigene souveräne Macht vollzogen wird, ist ihr letztliches Ziel, den Vater und den Sohn gemeinsam zu erhöhen und zu verherrlichen. Die anthropozentrische Verzerrung, die Gott so darstellt, als rette er uns mehr um unseretwillen als um seinetwillen, ist ebenfalls ein erschütternder Unsinn.
(3) Jesus Christus ist die zentrale Gestalt, das richtige Zentrum unserer gläubigen Aufmerksamkeit, während des gesamten Heilswerks. Er, als Mittler des Gnadenbundes und der Gnade dieses Bundes, ist ebenso wahrhaft Gegenstand göttlicher Prädestination wie wir, die er rettet. Mit ihm als unserem Bürgen und Repräsentanten, dem letzten Adam, der zweiten „öffentlichen Person“, durch die der Vater mit unserem Menschengeschlecht handelt, ist der Gnadenbund ursprünglich und grundlegend geschlossen worden, damit er nun mit uns in ihm gestiftet und bestätigt werde. („Mit wem wurde der Gnadenbund geschlossen?“, fragt Frage 31 der größere Westminster Katechismus[5], und die Antwort lautet: „Der Bund der Gnade wurde mit Christus als dem zweiten Adam und in ihm mit allen Auserwählten als seinem Samen gemacht.“) Aus der lebendigen Einheit, die wir durch das Wirken des Heiligen Geistes mit Christus haben, fließen all das Lebendigsein für Gott, all der Glaube, die Hoffnung und Liebe zu Gott hin, all das Verlangen nach ihm, die Antriebe, ihn anzubeten, und die Bereitschaft, für ihn zu arbeiten – all das, dessen wir uns je bewusst waren, sind oder sein werden; ohne Christus wären wir immer noch geistlich tot (objektiv: leblos; subjektiv: ohne jede Reaktion) in unseren Übertretungen und Sünden. Christus ist deshalb jetzt und in Ewigkeit als unser Alles in allem, unser Alpha und Omega, in Bezug auf unsere Errettung anzuerkennen – und das gilt für das subjektiv erfahrbar gemachte Heil nicht weniger als für das objektiv für uns erworbene Heil. Die legalistische, sub-spirituelle römisch-katholische Theologie der Messen und des Verdienstes, in der Christen vom Vater dazu verpflichtet und vom Sohn dazu befähigt werden, an der Erwirkung ihres eigenen Heils mitzuwirken, ist ein weiterer erschütternder Unsinn.
Diese drei Wahrheiten zusammen prägen die authentische biblische und reformierte Denkweise, in der Gott dem Vater durch Christus und Christus selbst in seinem rettenden Wirken, alle Ehre und aller Lobpreis dafür gegeben wird, dass er uns Tote lebendig gemacht, uns Hilflosen geholfen und uns Verlorene gerettet hat. Geerhardus Vos[6] schreibt:
„Erst wenn der Gläubige versteht, wie er alles vom Mittler empfangen muss und empfangen hat, und wie Gott in keiner Weise mit ihm anders handelt als durch Christus, erst dann entsteht in seinem Bewusstsein ein Bild des herrlichen Werkes, das Gott durch Christus vollbracht hat, und die großartige Idee der Gnade beginnt, sein Leben zu prägen und zu formen. Für die Reformierten ist daher der gesamte ordo salutis [Heilsordnung], beginnend mit der Wiedergeburt als erster Stufe, an die mystische Vereinigung mit Christus gebunden. Es gibt keine Gabe, die nicht von ihm erworben worden wäre. Ebenso gibt es keine Gabe, die nicht von ihm verliehen wird und durch ihre Verleihung nicht Gottes Herrlichkeit erhöht wird. Die Grundlage für diese Ordnung liegt in nichts anderem als im Bund des Heils mit Christus. In diesem Bund werden die vom Vater Auserwählten Christus gegeben. In diesem wurde er zum Bürgen, damit sie durch den Glauben in der Gedankenwelt der Gnade in seinen Leib eingepflanzt würden. Da die Anwendung des Heils durch Christus und aus Christi Initiative ein Grundprinzip der reformierten Theologie ist, hat diese Theologie die Heilsanwendung zu Recht als eine bundesgemäße Verpflichtung verstanden, die dem Mittler zufiel und für deren Erfüllung er zum Bürgen wurde.“[7]
Die volle Wirklichkeit Gottes und des Handelns Gottes wird nicht angemessen erfasst, solange der Bund der Erlösung – die spezifische bundesgemäße Vereinbarung zwischen Vater und Sohn, auf der der Gnadenbund beruht – nicht den ihm gebührenden Platz in unserem Denken einnimmt.
So zeigt sich, dass die Bundestheologie bekennend und gottlobend eine notwendige Bereicherung an Einsicht in unsere Herzen bringt – sie ist die Kraft unserer Andacht. Ältere Evangelikale verfassten Hymnen zur Feier des Gnadenbundes, in denen sie mit voller Kraft die sieghafte Gewissheit zum Ausdruck brachten – eine Art von Gewissheit, die wir heute nur noch selten hören. Es lohnt sich daher, einige davon zu zitieren. Sie verdienen es, auswendig gelernt, bedacht und sich zu eigen gemacht zu werden; unaufhörliche Kraft fließt zu jenen Heiligen, die diese Gedanken in ihrer Seele Wurzeln schlagen lassen. Hier, zuerst Philip Doddridge[8]:
Mein ist der Bund der Gnade ganz,
und jede Zusage gilt mir;
entsprungen aus der ew‘gen Lieb‘
Und durch sein göttlich Blut besiegelt.
Auf meinem Haupt, das nichts verdient,
ruhen die Segnungen vereint;
mehr als der Sterne große Zahl,
von größerer Dauer und hellerem Strahl.
Und wieder:
Mein Gott, der Bund von deiner Lieb‘
bleibt ewig fest bestehen;
in seiner Gnade ohne Maß
ist meine Freude sicher.
Da du, der ewig wahre Gott,
nun selbst mein Vater bist,
Jesus, mein Freund und auch mein Schutz,
der Himmel meine Heimat;
so nehm ich an dein‘ suveränen Willen,
denn all dein Wille ist nur Lieb‘,
verstehe ich nicht, was du tust,
dann harr‘ ich aus auf Licht von oben.
Auch im achtzehnten Jahrhundert schrieb Augustus Toplady[9] Folgendes:
Ein Schuldner bin ich nur der Gnad,
Von Bundesgnade will ich singen;
Und fürchte nicht, mit deiner Gerechtigkeit bekleidet,
Mich selbst samt meinem Opfer dir zu bringen.
Das Grauen vor dem Gesetz und vor Gott
Hat nichts mehr mit mir zu tun:
Des Heilands Gehorsam und Blut
Verbergen alle meine Schuld.
Das Werk, das seine Güte einst begann,
Wird seine starke Hand vollenden;
Sein Wort ist Ja und Amen;
Es wurde niemals je gebrochen.
Nichts Kommendes, nichts Gegenwärtiges,
Nichts unter mir noch über mir,
Kann seinen Plan je hindern,
Noch trennen meine Seele von der Liebe.
Dann, hundert Jahre später, gab uns Frances Ridley Havergal[10] Folgendes:
Jehovas Bund bleibt ewig fest,
Geordnet, ewig, unvergänglich!
Du Kind des Herrn, erfreu dich dran,
Dass du in Gnad’ dich finden darfst.
Er ist dein, denn dir ist Christ
Als Gottes Bund gegeben ganz;
In ihm – Gottes goldner Schriftroll des Lichts –
Wird dunkle Wahrheit hell und klar.
O trauernder Sünder, er wusste schon,
Noch eh die Zeit begann, was kommt.
Drum ruh in Hoffnung hinterm Schleier;
Sein Gnadesbund wird nie vergehn.
O Zweifler, siehe: Ew‘ges Drei
Hat Treue dir verheißen fest.
Ergreif die süßen, sichern Zusagen,
Durch Gottes Bundeseid bekräftigt.
O Schwacher, schaue auf und sieh,
Dir gilt der Schwur, ein Trost so stark:
Jehovas Arm, in Macht enthüllt,
Der Bund macht seine Kraft zu deiner.
O Traurnder, jeder Schlag der Liebe,
Wird sich als Bundessegen noch erweisen.
Die Bundesliebe sei dein Halt,
Die Bundesgnade sei dein Tag.
O Liebe, die erwählt und starb,
O Liebe, die besiegelt, heiligt,
Ehre, Ehre, Ehre sei
Dir, Bundesgott, dreiein’ger Herr!
Ein Weg, die Qualität von Theologien zu beurteilen, besteht darin, zu betrachten, welche Art von Hingabe sie hervorbringen. Die hingebungsvolle Haltung, die die Bundestheologie erzeugt, wird in den Liedtexten treffend widergespiegelt. Die Leser werden sich selbst ein Urteil darüber bilden, ob eine solche Hingabe die Kirche heute signifikant bereichert könnte und entsprechend ihr Urteil über die Bundestheologie fällen.
Kapitel IV: Die Notwendigkeit der Bundestheologie.
Früher wurde gesagt, dass die Bibel die Bundestheologie allen „aufzwingt“, die sie als das annehmen, was sie ihrem Wesen nach zu sein beansprucht – Gottes Zeugnis von Gottes Werk, Sünder zu retten zur Ehre Gottes. „Aufzwingen“ ist ein starkes Wort! Wie „zwingt“ die Schrift uns die Bundestheologie auf? Durch die folgenden vier Merkmale, zumindest.
Eine Erzählung
Erstens durch die Geschichte, die sie erzählt. Die Bücher der Bibel, von 1. Mose bis zur Offenbarung, sind – wie zuvor gesagt – Gottes eigene Aufzeichnung der fortschreitenden Entfaltung seines Vorsatzes, ein Volk in einem Bund mit sich selbst hier auf der Erde zu haben. Der bundesgemäße Charakter von Gottes Beziehungen zu Menschen – vom Anfang bis zum Ende – wurde bereits hervorgehoben und spiegelt sich tatsächlich auf die eine oder andere Weise auf beinahe jeder Seite der Bibel wider. Der Übergang im Garten Eden vom Werkbund zum Gnadenbund und der weitere Übergang von allem, was zur vorläufigen (alten) Form dieses Bundes gehörte, hin zu seiner endgültigen (neuen) Form, die durch den Tod Jesu Christi eingeführt wurde und jetzt von ihm von seinem Thron aus verwaltet wird – das sind die Schlüsselmomente in der Bundesgeschichte. Die Bedeutung der Tatsache, dass Gott sein Lehrbuch für die Menschheit so zusammenstellen ließ, dass die Geschichte seines Bundes dessen Rückgrat bildet, kann kaum überschätzt werden. Bundesbeziehungen zwischen Gott und Menschen, durch Gottes Initiative gestiftet, die zeitliche und ewige Segnungen für Einzelne bringen und Gemeinschaft unter ihnen schaffen, sodass sie eine gemeinsame Identität als Gottes Volk haben, sind tatsächlich die durchgängigen Themen der gesamten Bibel; und sie zwingt nachdenkliche Leser dazu, den Bund als zentral für Gottes Anliegen wahrzunehmen.
Ein Erlöser:
Zweitens zwingt uns die Schrift zur Bundestheologie durch die Stellung, die sie Jesus Christus in der Bundesgeschichte einräumt. Dass die gesamte Schrift – auf die eine oder andere Weise – ihre Leser auf Christus hinweist, uns Wahrheiten lehrt und Muster göttlichen Handelns zeigt, die uns helfen, ihn richtig zu verstehen, ist ein Grundsatz, den kein ehrfürchtiger und erleuchteter Bibelleser bezweifeln wird. In Anbetracht dessen ist es von überragender Bedeutung, dass Jesus, als er das Erinnerungsmahl erklärte, das er als regelmäßige Form der Anbetung seines Volkes eingesetzt hatte, den Wein, den sie trinken sollten, als Symbol für sein Blut bezeichnete, das vergossen wurde, um den neuen Bund zu bestätigen – eine klare Ankündigung der Erfüllung des Musters aus 2. Mose 24 (Jesus greift direkt die Worte von Vers 8 auf) und der Verheißung aus Jeremia 31,31–34. Ebenso bedeutsam ist es, dass der Hebräerbriefschreiber, wenn er die Einzigartigkeit und Endgültigkeit Jesu Christi als einzige Quelle des Heils für Sünder erklärt, dies tut, indem er Jesus als Mittler des neuen Bundes in den Mittelpunkt stellt und ihn darstellt als denjenigen, der diese vorausgesagte Beziehung zwischen Gott und seinem Volk begründet, indem er die unzureichenden Einrichtungen des alten Bundes für den Umgang mit Sünden und den Zugang zu Gott ersetzt (überragt und dadurch aufhebt). Ebenso bedeutend ist es, dass Paulus, als er in Galater den Heiden sagt, dass ihr Glaube an Christus sie bereits zu Erben all dessen gemacht hat, was Abraham verheißen wurde, betont, dass sie in der Einheit mit Christus, als solche, die durch die Taufe den Christus „angezogen“ haben, dem sie vertraut haben, um sein Eigentumsvolk zu werden, nun der Same Abrahams sind, mit dem Gott seinen ewigen Bund geschlossen hat (Gal. 3)… der Bund, der Freiheit bringt vom Gesetz als vermeintlichem Heilsweg – und ewige Gemeinschaft mit Gott in der Höhe (Gal. 4,24–31). Solche Schriftstellen verlangen von uns, Christus im Licht von Gottes Bund zu deuten, genauso wie sie verlangen, Gottes Bund im Licht von Christus zu verstehen, und diese Tatsache macht aufmerksame Leser auch auf die Zentralität des Bundesthemas aufmerksam.
Ein Stellvertreter:
Der dritte Weg, auf dem uns die Schrift zum bundesmäßigen Denken hinführt, ist der spezifische Parallelismus zwischen Christus und Adam, den Paulus in Römer 5,12–18 sowie 1. Korinther 15,21f. und 45–49 zieht. Die Solidarität eines Einzelnen, der für eine Gruppe steht, wobei die ganze Gruppe in die Folgen seines Handelns einbezogen ist und Verheißungen empfängt, die sowohl für die gesamte Gruppe als auch für ihn selbst gelten, ist ein vertrauter Aspekt biblischen Bundesdenkens, meist veranschaulicht am Beispiel von Familien- oder Volksgruppen (Noah, 1. Mose 6,18; 9,9; Abraham, 1. Mose 17,7; die Israeliten, 2. Mose 20,4–6; 8–12; 31,12–17 (16); Aaron, 3. Mose 24,8f.; Pinhas, 4. Mose 25,13; David, 2. Chronik 13,5; 21,7; Jeremia 33,19–22). In Römer 5,12–18 verkündet Paulus eine Solidarität zwischen Christus und seinem Volk (den Gläubigen, Römer 3,22–5,2; den Erwählten, den von Gott Auserwählten, 8,33), durch die der gesetzeserfüllende, sünden-tragende Gehorsam „des einen Menschen“ Gerechtigkeit vor Gott, Rechtfertigung und Leben den „vielen“, „allen“ bringt; und er stellt dies in den Rahmen einer vorhergehenden Solidarität, nämlich der zwischen Adam und seinen Nachkommen, durch die unsere gesamte Menschheit in die strafrechtlichen Folgen von Adams Übertretung hineingezogen wurde. Die Stellen im 1. Korintherbrief bestätigen, dass es sich hierbei tatsächlich um bundesgemäße Solidaritäten handelt; Gott handelt mit der Menschheit durch zwei Repräsentanten, Adam und Christus; alle, die in Adam sind, sterben; alle, die in Christus sind, werden lebendig gemacht. Dieser weitreichende Parallelismus bildet eindeutig die Grundlage von Paulus’ Verständnis von Gottes Umgang mit der Menschheit, und es ist ein bundesmäßiges Denken, das aus einem dritten Blickwinkel zeigt, dass die Bundestheologie tatsächlich biblisch grundlegend ist.
Eine Aufgabe:
Ein vierter Grund, warum die Schrift uns zur Bundestheologie drängt, ist die klare Offenbarung des Erlösungsbundes – besonders (wenn auch nicht ausschließlich) durch Jesu Worte Jesu, wie sie im Johannesevangelium überliefert sind. Alle Aussagen Jesu, in denen er seinen Auftrag in der Welt als das Tun des Willens seines Vaters beschreibt und seine konkreten Worte und Werke als Gehorsam gegenüber dem Befehl des Vaters versteht (Joh 4,32–34; 5,30; 6,38–40; 7,16–18; 8,28 f.; 12,49 f.; 14,31; 15,10; 17,4; 19,30); alle weiteren Stellen, in denen er davon spricht, vom Vater in die Welt gesandt worden zu sein, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen (z. B. Joh 3,17.34; 5,23.30.36.38; 6,29.57; 7,28f.33; 8,16.18.26; 9,4; 10,36; 11,42; 12,44; 13,20; 14,24; 15,21; 16,5; 17,3.8.18.21.23.25; 20,21; vgl. 18,37); sowie alle seine Aussagen, dass der Vater ihm bestimmte Menschen „gegeben“ habe, damit er sie vor dem Sterben rette – und dass er diesen Auftrag angenommen habe, indem er für sie sterbe und sie rufe und als Hirte zur Herrlichkeit führe (z. B. Joh 6,37–44; 10,14–16.27–30; 17,2.6.9.19.22.24); – all dies sind zahlreiche Zeugnisse für die Realität des Erlösungsbundes. Diese Betonung ist allgegenwärtig, fesselnd und unausweichlich: Jesu eigene Worte nötigen aufmerksamen Lesern die Einsicht auf, dass die Bundesordnung die Grundlage allen Nachdenkens über die Wirklichkeit von Gottes rettender Gnade ist.
Kapitel V:
Dr. Packers abschließender Abschnitt, der hier ausgelassen wurde, beschreibt den historischen Hintergrund des Buches von Herman Witsius und empfiehlt das Werk herzlich.
Das obige Material stammt aus J.I.. Packers Einleitung zu „The Economy of the Covenants between God and Man: Comprehending A Complete Body of Divinity“ von Herman Witsius. Übersetzung von Lynn Wiebe.
[1] Herman Witsius (1636–1708) war ein niederländischer reformierter Theologe. In seinem Hauptwerk De Œconomia Foederum verband er biblische Theologie mit systematischer Klarheit und prägte die Bundestheologie maßgeblich – stets bemüht, Gnade und Gesetz in der Heilsordnung biblisch auszugleichen.
[2] Anm. des Hrsg: Das Bekenntnis von Westminster (Westminster Confession of Faith) ist ein während des englischen Bürgerkrieges entstandenes reformiertes Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 1646. Eine gründlich recherchierte Version des Bekenntnisses findet sich bei Thomas Schirrmacher (Hg.). Der Evangelische Glaube kompakt: Ein Arbeitsbuch: Das Westminster Glaubensbekenntnis von 1647. 3 Aufl.: Hamburg: RVB & Bonn: VKW, 2017. 256 S. Pb. ISBN 978-3-86269-145-6. (Kostenfrei zum Download verfügbar). Der Deutsche Text folgt der Wiedergabe bei T. Schirrmacher.
[3] David Livingstone (1813–1873) war ein schottischer Missionar und Afrikaforscher. Tief geprägt vom christlichen Glauben, bezeichnete er Gottes Zusagen einmal als „das Wort eines Gentlemans von höchster und heiligster Ehre“ – Ausdruck seines unerschütterlichen Vertrauens auf die Verlässlichkeit der Bibel. Er schrieb diese Zeilen am 14.01.1856 in sein Tagebuch – Erschienen unter dem Titel „Last Journals of David Livingstone in Central Africa“
[4] Packer verwendet an dieser Stelle den Begriff pantechnicon-promise, eine englische Metapher die sich auf einen griechischen Begriff bezieht und das Bild eines „Lager-Kaufhauses“ im Blick hat, dass alles anbietet.
[5] Der Größere Westminster-Katechismus wurde 1647 von der Westminster Assembly verfasst. Er bietet eine tiefgehende, systematisch gegliederte Darstellung des reformierten Glaubens und diente besonders zur theologischen Unterweisung von Predigern und Lehrern innerhalb der presbyterianischen Kirchen.
[6] Geerhardus Vos (1862–1949) war ein reformierter Theologe und gilt als Begründer der biblischen Theologie in der reformierten Tradition. In seinen Werken verband er exegetische Tiefe mit heilsgeschichtlicher Weitsicht, besonders in Biblical Theology: Old and New Testaments (1948).
[7] Aus Redemptive History and Biblical Interpretation, hrsg. von Richard B. Gaffin, Philadelphia: Presbyterian and Reformed, 1980, S. 248
[8] Philip Doddridge (1702–1751) war ein englischer Nonkonformist, Theologe und Erbauungsschriftsteller. Als Autor des weit verbreiteten Werks The Rise and Progress of Religion in the Soul verband er pietistische Frömmigkeit mit pastoraler Weisheit und prägte die evangelikale Erneuerungsbewegung seiner Zeit nachhaltig.
[9] Augustus Toplady (1740–1778) war ein englischer anglikanischer Pfarrer und Vertreter des Calvinismus im 18. Jahrhundert. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Choral Rock of Ages. In seinen Schriften verteidigte er die Lehren der Gnade gegenüber dem Arminianismus mit großer theologischer Schärfe.
[10] Frances Ridley Havergal (1836–1879) war eine englische Dichterin, Musikerin und engagierte Christin. Ihre geistlichen Lieder und Gedichte, wie Take My Life and Let It Be, zeugen von tiefer Hingabe an Christus und wurden fester Bestandteil der evangelikalen Erbauungsliteratur.
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