Leite dein Herz!

Jon Bloom:

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„Folge deinem Herzen“ ist ein bekannter Ausdruck – im Wesentlichen ein Glaubensgrundsatz unserer heutigen Popkultur – der für den Glauben steht, dass unser Herz eine Art Kompass ist, der uns zum wahren Glück führen würde, wenn wir nur den Mut hätten, darauf zu hören. Wie ich in vorherigen Artikeln erklärt habe, denke ich, dass dieser Glaubensgrundsatz sowohl irreführend als auch gefährlich ist.

Er ist deshalb irreführend, weil „Folge deinem Herzen“ wie eine heilige Mission klingt – so als würde es dein wahres Selbst beschädigen, wenn du nicht deinem Herzen folgen würdest – obwohl es in Wirklichkeit „strebe nach dem, was du dir wünschst“ bedeutet. Und wenn man es auf diese Weise ausdrückt, dann können wir alle sehr viel klarer sehen, was den Ausdruck gefährlich macht, da uns Wünsche, die von unserer gefallenen Natur übrig sind, in größte Schwierigkeiten führen können. („Trügerisch ist das Herz mehr als alles, und unheilbar ist es“ Jer 17,9a).

Ich glaube, ein für Christen weitaus hilfreicherer Ausdruck wäre „leite dein Herz“, wie es uns in Sprüche 23,19 geraten wird:

Höre du, mein Sohn, und werde weise, und leite dein Herz den geraden Weg! „Leite dein Herz!“ weiterlesen

Niemand folgt seinem Herzen

Jon Bloom:

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Tatsächlich folgt niemand seinem Herzen. Ich weiß: das klingt seltsam, wenn wir die Vorherrschaft des Glaubensgrundsatzes unserer Kultur, nämlich „Folge deinem Herzen“ betrachten. Aber wenn wir sorgfältig darüber nachdenken, was unser „Herz“ wirklich ist und wie es funktioniert, dann werden wir sehen, dass dieser Glaubensgrundsatz keinen Sinn ergibt und warum er damit endet, Menschen zu verwirren und in die Irre zu führen.

Vor einigen Jahren schrieb ich einen Artikel mit dem Titel „Folge nicht deinem Herzen“ , in welchem ich argumentiert habe, dass unser Herz, wenn wir seine pathologisch selbstsüchtige Ausrichtung bedenken, kein Führer ist, dem wir folgen sollten.

Manche Leser hatten Einwände. Sie gaben zu bedenken, bei uns Christen sei doch das steinerne Herz durch ein neues, fleischernes Herz ersetzt worden (Hes 36,26) und darum sollte es ein zuverlässiger Führer sein. Ich verstehe das Problem, obwohl ich glaube, dass diese Sichtweise naiv ist. Römer 7 (und ein Großteil des Neuen Testaments) bezeugen eine aktive, verführerische, sündige Natur. Meine umfangreiche, persönliche Erfahrung und Beobachtung bestätigen das. Daher ist es erforderlich, dass wir misstrauisch und wachsam bleiben müssen.

Da ich jedoch mehr Klarheit haben möchte, werde ich mein Argument einen Schritt weiterführen: Niemand folgt seinem Herzen, weil Gott nicht wollte, dass das Herz so funktioniert. „Niemand folgt seinem Herzen“ weiterlesen

Geistliche Leiterschaft bricht womöglich das Herz…

…und ist doch immer voller Hoffnung

Jon Bloom

Immer dann, wenn ein selbstsüchtiger Sünder mit der Aufgabe betraut wird, andere selbstsüchtige Sünder in eine auf Gott ausgerichtete Richtung zu führen – sei es in Familien, Freundschaften, Hauskreisen, Gemeinden oder größeren Bewegungen – wird es Schwierigkeiten geben.

Nehmen wir zum Beispiel Mose. Kein anderer Anführer im Alten Bund war so sanftmütig wie Mose (4Mo 12,3), hatte innigeren Umgang mit Gott (2Mo 33,11) und wurde von jenen, die er anführte, ungerechtfertigter und schärfer kritisiert.

Hier eine Übersicht darüber, was Mose als geistlicher Leiter erlebte:
„Geistliche Leiterschaft bricht womöglich das Herz…“ weiterlesen

Gott – ich kann das nicht!

Ein Artikel von Jon Bloom. Erschienen am 26.01.2019 unter dem Titel: I Can’t do this, God. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (.pdf-download).

Schwach, unbedeutend, verachtet und unqualifiziert – das sind die wesentlichen Eigenschaften, nach denen Gott bei denen Ausschau hält, die ihm dienen sollen. Und er wählt diese Eigenschaften ganz bewusst. (1. Korinther 1,27-29)

Du glaubst es nicht? Dann schau dir mal diese merkwürdige Liste von Qualifikationen an, aufgrund derer Gott unglaublich wichtige Positionen in der Geschichte vergeben hat:

–           Vater (und Mutter) des Bundesvolkes Gottes: Ehepaar, muss unfruchtbar und alt sein (1.Mose 17,8.15-16)

–           größter König Israels: muss bei seiner Erwählung ein Hirte im Teenageralter sein, Musiker und Dichter, für einige Jahre Flüchtling unter ständiger Todesdrohung (1.Samuel 20,30)

–           Messias:  persönlicher Hintergrund im Zimmermanns-Gewerbe (Markus 6,3), muss in einer unbedeutenden Stadt mit schlechtem Ruf heranwachsen (Johannes 1,46), darf keine formale theologische Ausbildung haben (Johannes 7,15)

–           leitender Apostel: muss aus der Fischindustrie kommen und darf keine formale theologische Ausbildung haben (Matthäus 4,18; Apostelgeschichte 4,13)

–           der Meister-Theologe, -Apologet und -Missiologe unter den Aposteln: muss ein eifriger Verfolger von Christen gewesen sein (Apostelgeschichte 8,3)

Ganz abstrakt wissen wir es vielleicht, dass Gott gerne Schwachheit und Gebrochenheit benutzt. In einer biblischen Geschichte oder einer Missionsbiografie finden wir das vielleicht sehr ermutigend. Unter Umständen lehren wir es sogar und predigen es andern. Aber wenn es um unsere eigene Qualifikation geht, ist es doch immer eine unangenehme und verwirrende Überraschung, dass Gott unsere Schwachheiten hervorheben will. Und wie Mose wünschen wir uns manchmal, dass Gott sich für diese Aufgabe doch bitte jemand anderen aussucht. „Gott – ich kann das nicht!“ weiterlesen