Murren als Grundrauschen

Was ist eigentlich Murren? Vor allem wahrscheinlich ein veralteter Begriff, selbst Fanboys des Textus Receptus und der LUT1912 verwenden diesen Begriff aktiv kaum. Dabei greift Paulus das Murren Israels erneut in seinem ersten Brief an die Korinther auf (1. Kor. 10,10):

Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber

Welch harte Warnung! Gleichzeitig beobachte ich, das Murren geradezu einen obligatorischen Teil vom Großteil unseres Smalltalks ausmacht:

“Schon wieder Regen” , “Der Verkehr zur Arbeit war heute grausig”. “Montage gehören abgeschafft”. sind hier nur triviale Beispiele. In längeren Gesprächen reiht sich ein Klagelied ans Nächste: Die Kinder sind frech, die Arbeit lang, das Wetter heiß, die Gemeinde doof, der Nachbar lausig, die Luft eng…

Regelmäßig beobachte ich, dass ich in die “Murrfalle” stolpere. Erzählt einer “von seinen Herausforderungen”, dann ist es nahezu natürliche Reaktion, die Schwere der eigenen Herausforderungen hervorzuheben. Frohen Mutes übertrumpft einer seinen Nächsten im Murren. „Murren als Grundrauschen“ weiterlesen

Verbietet Australien Gebete?

Carl Trueman 

Konversionstherapien – also die Verwendung geistlicher oder psychologischer Eingriffe, um die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität eines Menschen zu verändern – werden in den USA zunehmend kontrovers diskutiert. In etwa zwanzig der amerikanischen Staaten sind sie bei Minderjährigen verboten. Der District of Columbia verbietet solche Therapien vollständig, unabhängig vom Alter. Solche Gesetze könnten als staatliche Unterstützung für die LGBTQ+ -Community verstanden werden, doch man muss sie nicht ausschließlich zynisch bewerten. Sie können durchaus den Wunsch widerspiegeln, Schutzbedürftige davor zu bewahren, für Behandlungen zu bezahlen, die der Gesetzgeber für Schwindel hält.

Der australische Staat Victoria jedoch hat kürzlich ein Gesetz erlassen, dass den Konflikt zwischen religiöser Freiheit, individueller Wahl und Identitätspolitik deutlich verschärfen wird. Dieses kann dabei ein Model für die Gesetzgebung überall sonst in der demokratischen Welt werden. „Verbietet Australien Gebete?“ weiterlesen

Hat Pornographie meine zukünftige Ehe bereits ruiniert?

John Piper

Heute stellen wir eine Frage von einem Zuhörer namens Ben. „Pastor John, danke für diesen Podcast. Als ich 10 Jahre alt war, wurde ich süchtig nach Pornovideos. Es war mein Hauptkampf für die nächsten sieben Jahre. Es gab wundervolle Siege auf dem Weg. Aber ich weiß auch, dass diese Videos unrealistisch und pervers sind. Gottes Design für Sex muss völlig anders sein als das, was ich gesehen habe. Aber was ich gesehen habe, ist das einzige Modell, das ich kenne. Da ich mich auf die Ehe freue, befürchte ich, dass das, was ich gesehen habe, meine Erwartungen bereits geprägt hat. Welchen Rat hast du für mich? Gibt es irgendeine Hoffnung, dass ich in der Ehe liebevolle, göttliche, gesunde Intimität erfahren werde? Und was kann ich jetzt tun, um diese sicherzustellen? “

Die Antwort ist, dass es sehr wohl Hoffnung für eine liebevolle, göttliche, gesunde Intimität in der Ehe gibt – wenn durch Gottes Barmherzigkeit eine Anzahl von Wundern in dir und in deiner zukünftigen Frau geschehen. Ich spreche von einer vom Geist gegebenen, unbewussten Verwandlung deiner Instinkte – dessen was man unbewusst tut – und von bewussten Schritten, die du zusammen mit dieser Frau gehen kannst, in die du dich vielleicht verlieben wirst, um eure Beziehung schriftgemäß vor Sünde zu schützen und eure Erfahrung von Intimität zu vertiefen und zu reinigen. Also ja, es gibt Hoffnung. Das geschieht jedoch nicht nur deshalb automatisch, weil du Christ bist. Du musst diese Wunder aktiv suchen. „Hat Pornographie meine zukünftige Ehe bereits ruiniert?“ weiterlesen

Kindererziehung in der digitalen Welt

Ein Artikel von Tim Challies. Erschienen am 12.03.2015 auf challies.com unter dem Titel: „Parenting Well in a Digital World“. Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung challies.com. Übersetzt von Ruth Metzger. (Download als .pdf)

Kindererziehung in der digitalen Welt

Selbst zu den besten Zeiten ist Kindererziehung alles andere als einfach. Aber bring noch eine Million neue Technologien ins Spiel – neue Geräte, soziale Netzwerke und Apps – und es wird noch viel komplizierter. Das ist heute die tägliche Herausforderung für alle Eltern. Kürzlich habe ich ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit den Herausforderungen einer digitalen Welt gegeben, und heute möchte ich ein paar Tipps geben, wie man Kinder darin auf gute Weise begleiten kann. Ich werde dabei dasselbe Format benutzen: 3 Dinge, die du ablegen oder ablehnen solltest, und 3 Dinge, die du annehmen oder erstreben solltest. „Kindererziehung in der digitalen Welt“ weiterlesen

“Wenn ich hinfalle, will es Gott dann auch?”

“Wenn ich hinfalle, will es Gott dann auch?”

Das fragte mich neulich mein  Fünfjähriger in der Familienandacht.

Was ich ihm nicht antworten konnte: Das ist eine bloß philosophische Frage, ohne jegliche geistliche Bedeutung. Diese so typische und häufig gehörte Antwort hat mehr Ähnlichkeit mit dem Wohlstandsevangelium als mit echter Gottesfurcht! Ich glaube tatsächlich, dass bereits Fünfjährige ein existentielles Interesse an solchen Fragen besitzen. Lerne: Zu schnell einleuchtende Antworten nehmen manchmal selbst Fünfjährige nicht ernst. Seine Frage bewies mir auch, dass es eben töricht ist zu meinen, die Lehre der Vorsehung ist nur etwas für Experten und gehe die Gemeinde nicht wirklich etwas an.  Vgl. auch die Auseinandersetzung zwischen Erasmus und Luther: “Ist es nützlich, bestimmte Wahrheiten zu unterdrücken?”

Was ich ihm nicht geantwortet habe: Die übliche Antwort “Gott lässt es zu” konnte ich ihm kaum geben. Dafür kennt er seine Kinderbibel zu gut. Gott hat die Sintflut nicht einfach zugelassen. Er selbst hat sie geschickt. Es gibt keine andere höhere Autorität über (oder neben) Gott, die zufalls- oder schicksalsdiktiert unzulege “Schicksalswege” vorschlägt, unter denen Gott dann wählt, was gerade noch eintreten kann! Die Geschichte über die Arche ist nicht über eitel Sonnenschein und fröhliche Tiere. Es ist eine Geschichte über die unerwartete Rettung eines Überrests mitten im Gericht. Das begreifen die meisten Kinder intuitiv ganz schnell.

Was ich ihm geantwortet habe: Das Gott auch hinter dem “Bösen” steht, aber anders als hinter dem “Guten”. In all dem Bösen, dass ihm widerfährt, darf er einen liebenden Gott wissen, der alle Dinge, denen die ihm lieben, zum besten dienen können. Bereits bei einem Fünfjährigen konnte ich so den Trost dieser Botschaft beobachten. Als einer der sehr ehrgeizig ist, kann er jetzt lernen, auch Missgeschicke aus Gottes Hand zu nehmen.

Worüber ich selber nachgedacht habe: Die Frage hat mich weiterhin beschäftigt. Hätte ich z.B einem Missbrauchsopfer genau so geantwortet? Die bittere Vorsehung Gottes bleibt sicher ein Mysterium, aber es ist töricht zu denken, dass das Model eines “neutral nebenbei stehenden Gott”, der “unsere Entscheidungen beobachtet” irgendwie mehr Trost enthält. In beiden Fällen bliebe der bittere Gedanke, dass ein allmächtiger Gott den Missbrauch hätte verhindern können. Aber nur in einem Fall kann ich mich mit einer besseren größeren Ziel trösten. Ich schreibe das hier ganz trocken runter, aber mir ist bewusst wie viel Sensibilität das erfordert und wie schwer es ist, echte Opfer, echte leidende Menschen zu verstehen. Ich kann durchaus damit leben, dass man davon spricht, dass Gott “Leid zulässt”, wenn man das sauber ausarbeitet, wie es z.B. Paul Helm in seinem Artikel zur Vorsehung tut. Womöglich klingt das für manchen nach Rosinenpickerei. Was aber auf dem Spiel steht ist eine theologische Interpretationen von allem, was wir als Negativ im Leben empfinden! Zu oft endet der Verweis auf “Gott hat es zugelassen” in pragmatischen Lebensansätzen, die Missgeschick um jeden Preis vermeiden lösen, weil man keine Antwort auf Leid besitzt. Kann ich mich wie Lazarus (sein Name bedeutet: Gott hat geholfen!) allein an Gott erfreuen, auch wenn alle andere Zeichen gegen mich sprechen?

 

“Es ist zwar richtig so zu handeln, aber leider unbiblisch”

Als wir im Freundeskreis über schwierige Familiensituationen sprachen, hörte ich aus verschiedenem Mund Variationen der im Titel angegebenen Aussage. Z.B. so: “In so einem Fall wäre es richtig sich von seiner Frau zu trennen, aber (leider) ist das unbiblisch”. Das ließ mich aufhören!  Es stellte sich heraus, dass vor allem anspruchsvolle Situationen mit solch einer Aussage gelöst werden, z.B. in Fragen des Rechs auf Verteidigung, konsequenter Gemeindezucht, Verkündigung schwieriger Bibeltexte. Ohne die Komplexität der Situationen zu leugnen, mache ich in der so nahe liegenden Reaktion drei Problemfelder aus.

  1. Eine Trennung zwischen Wahrheit und Offenbarung: Man hält es für möglich, dass etwas wahr und richtig ist, aber nicht der Offenbarung Gottes entspricht. Damit unterstellt man (wenn auch unbewusst), dass Wahrheit etwas ist, dem sich Gott unterordnet, nicht umgekehrt. Doch es ist unmöglich, dass Gott lügt (Tit 1,2) und Christus bleibt der wahrhaftige Gott (1. Joh. 5,20). Wahrheit und Recht können Gott nicht widersprechen oder zuwiderlaufen oder gar unabhängig von ihm existieren, denn entweder wäre dann die Wahrheit gar nicht Wahrheit oder Gott nicht mehr Gott.
  2. Gottes Recht verkommt zur Willkür: Ich kann dem Zitat von oben etwas Gutes abgewinnen, wenn es unser subjektives Aufnehmen der Gebote Gottes beschreibt. Diese mögen für uns durchaus irrational und sinnlos, geradezu feindlich wirken. Doch fordert Gott einfach Sinnloses, gar Falsches von uns und stellt so seine Zuverlässigkeit aufs Spiel? Niemals! “Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.” (5. Mo. 32,4)
  3. Wir besitzen keine Garantie dafür, vor herausfordernden Situationen bewahrt zu werden: Aussagen wie oben sind ein Hinweis für die Grenzen unserer Lebensmodelle. Wir drücken damit aus, dass wir letztlich froh darüber sind, nicht in solchen Situationen stehen zu müssen. Aber schnell greift dieser “Graubereich”in weitere Lebensbereiche und verdrängt den christlichen Glauben in die Komfort-Zone. Man denke nur an Bereiche wie Schwarzarbeit, Bildungslandschaft oder nur daran, wie ich mich gegenüber meinem linken oder rechten Nachbar verhalten soll. Wann, wenn nicht in gerade schwierigen Zeiten soll mein Glaube mich tragen?  Der Psalmist hat hier eine andere Haltung: “Gott ist unsre Zuversicht und Stärke. Eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. (Ps 46,2–4)”

Mein Lösungsvorschlag zur Umkehr: Ethik und Gottesbild lassen sich nur durch intensives Bibelstudium wieder zusammenführen. Nutze den zeitlichen Freiraum, den Corona uns schafft und lese auch mit anderen Gemeinsam intensiv in der Schrift!

Ihr braucht keine Date Night

Ein Artikel von Tim Challies: You Don´t Need a Date Night, erschienen am 16. Dezember 2015. Übersetzt von Abijah Hesse (Download als .pdf)

Ich habe die meisten populären Bücher über Ehe und Romantik gelesen. Ich weiß was sie sagen. Sie sagen, dass ihr eine regelmäßige Verabredung haben müsst – vorzugsweise wöchentlich – und dass dies ein Schlüssel, vielleicht sogar der Schlüssel zu einer gesunden Ehe ist. Einige von ihnen gehen noch weiter und sagen, dass ihr nicht nur Date Nights benötigt, sondern dass ihr beide mindestens ein- oder zweimal im Jahr zusammen wegmüsst. Wie sonst soll eure Ehe gedeihen?

Ich weiß, was diese wohlmeinenden Autoren erreichen wollen. Ich weiß, was sie sagen und ich weiß, warum sie es sagen. Aber ich glaube es nicht. Ich glaube nicht an die Notwendigkeit. Ich glaube nicht, dass ihr eine Verabredung braucht. Ich glaube nicht, dass eure Ehe ohne sie unbedingt leiden wird. Ich denke nicht, dass ihr euch schuldig fühlen solltet, wenn ihr sie nicht jede Woche oder jeden Monat einplant. Sie mag eine gute Sache sein, aber sie ist keine notwendige Sache. „Ihr braucht keine Date Night“ weiterlesen

Beendete Kornelius nach seiner Bekehrung den Militärdienst?

Ich wurde gebeten zur obigen Frage einen Artikel zu schreiben. Ich komme aus Gründen, die ich im Folgenden vorstellen möchte, zum Ergebnis, dass er das nicht getan hat.

Die innere Argumentation der Apostelgeschichte

Warum schweigt die Bibel darüber, wie sich Soldaten und Hauptmänner nach ihrer Bekehrung verhalten haben? Eine übliche Erklärung ist, dass es so selbstverständlich war, dass jeder seinen Waffendienst verließ, dass man es nicht für nötig hielt, es überhaupt aufzuzeichnen. Doch ist diese Erklärung wirklich die, die das Schweigen am Besten erklärt? Auch einem flüchtigen Leser der Apostelgeschichte wird auffallen, dass Lukas einen besonderen Augenmerk auf die Besatzungsmächte  und auf ihre Reaktion auf die Botschaft des Evangeliums legt. Vom ganzen Aufenthalt in Zypern wird nur die Reaktion des Statthalters Sergius Paulus (Apg. 13,4-12) beschrieben. Auch die umfangreiche Beschreibung der Bekehrung des Kornelius ist so aufgebaut, dass bestimmte Teile zwei weitere Mal wiederholt werden. Einen besonderen Augenmerk legt Lukas dabei auf die Frömmigkeit des Kornelius und seiner Dienerschaft noch bevor er Petrus begegnet und seine ganz persönliche Pfingsterfahrung hat.

Auch die späteren umfangreiche Verteidigungsreden desPaulus vor den Vertretern der Staatsgewalt unterstreichen vor allem, dass das Christentum keine antistaatliche oder Ordnung und Recht zersetzende Religion ist.  Der Hauptmann Kornelius ist ein frommer Mitbürger und wird Christ. Nun würde das römische Reich das Quittieren des Militärdienstes als Fahnenflucht oder gar als Rebellion werten! Lukas hätte also alle Gründe in einem solchen Fall zu erklären, warum das Christentum sich nicht gegen das römische Reich wendet und dennoch entschieden pazifistisch ist.

Man könnte einwenden, dass Lukas aus friedfertigen Absichten über diese Frage schweigt, um bei einem solch brisanten Thema (nämlich der üblichen Kriegsdienstverweigerung bekehrter römischer Soldaten) nicht unnötig Aufhebens zu produzieren. Diese stünden dann nur zusätzlich unter Druck. Aber das deckt sich nicht mit der sonst schonungslos sachlich und ehrlichen Berichterstattung der Apostelgeschichte:  Weder darüber, dass Felix bestechlich (Apg. 24,26),ein Problem mit sexueller Redlichkeit( Apg. 24,25) besaß und ein Rechtsverdreher wie sein Nachfolger Festus war (Apg. 24,27; 25,9), hüllt sich Lukas um des Friedens Willen ins Schweigen. Lukas verschweigt auch nicht den Gildenaufstand der Goldschmiede unter der Anführung von Demetrius, die fast zu einem landesweiten Skandal wurde, noch die Rechtsmissbräuche der Stadtregierung von Philippi (Apg. 16,37). Nicht einmal davor schreckt er zurück, die chaotischen Zustände Jerusalems zu beschreiben, die selbst Jakobus, den Leiter dieser zentralen Gemeinde vor schwierige Entscheidungen stellen (Apg. 21). Kurz: Lukas setzt sogar einen besonderen Augenmerk auf brisante Punkte. Kein Wunder, er möchte zuverlässiger Historiker sein und ist es auch durch die Federführung des Heiligen Geistes. Und jetzt sollte Lukas ausgerechnet beim Thema Militärdienst um des Friedens Willen schweigen?  Das will für mich keinen Sinn machen. „Beendete Kornelius nach seiner Bekehrung den Militärdienst?“ weiterlesen

blutleere Blutlinien

Johannes 15,20:
20 Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: "Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr." Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.

Als Protestanten, gerade freikirchlicher Spielart müssen wir uns regelmäßig daran erinnern, dass die Gemeinde Christi nicht erst mit der Reformation und erst recht nicht mit der Gründung der baptistischen Ortsgemeinde ihren Anfang nahm. Doch wo war die “echte Gemeinde” in der “dunklen Zeit des Mittelalters”, als alles religiöse Leben auf irgendeine Weise mit den “Fängen Roms” verknüpft war? Eine populäre und bereits alte Erklärung besteht darin, auf die “Linie des Blutes”, auf die Spur der Märtyrer zu verweisen. Der Weg dazu: Finde die Märtyrer, finde die leidende Gemeinde und du findest die echte Gemeinde. Diese Methode ist so alt wie die Reformation selbst. John Foxes Buch “Acts and Monuments” (auch bekannt als “Foxes Buch über die Märtyrer”) gehörte eine lange Zeit zu den drei Büchern, die in einer Kirche frei zugänglich ausgelegt werden mussten (Mehr über Foxe, und was er mit Cox und Knox in Frankfurt getrieben hat, erfährst du hier).

Foxes Methode ist auch heute weit verbreitet, wenn ich z.B. an Broadbents Kirchengeschichte denke, die auf deutsch urpsrünglich unter dem Titel “Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt” erschien. Akribisch verfolgt er nicht die offizielle Kirche,sondern generell religiöse Randgruppen in (oder außerhalb) der “offiziellen” Kirche, ob nun Donatisten, Montanisten oder Waldenser. In diesen “leidenden Bibellesern” will Broadbent die “echte Gemeinde” erkennen. „blutleere Blutlinien“ weiterlesen