Echte Gemeinden haben Gemeinschaft mit verstorbenen Heiligen

 Justin Dillehay:

In meiner Gemeinde ist vor kurzem eine Schwester namens Ann Carman an COVID-19 verstorben und wir trauern immer noch über ihren Verlust. Wir sehen sie nicht mehr, sprechen nicht mehr mit ihr und kommen mit ihr nicht mehr zum Tisch des Herrn.

Obwohl ihr Gesicht in unserer Versammlung fehlt, ist sie immer noch unsere Schwester in Christus. Es gibt Verbindungen, die selbst der Tod nicht trennen kann (Röm 8,38). Ann ist nun Teil der triumphierenden Kirche. Dennoch gibt es auf „mystisch-süße“ Weise eine Gemeinschaft zwischen der Gemeinde auf Erden und der Gemeinde im Himmel.

Ich meine damit nicht, dass wir den Tod leugnen, oder versuchen sollen, mit den Toten zu kommunizieren. Was ich aber sehr wohl meine ist das, was wir in Hebr 12,22-24 finden. „Echte Gemeinden haben Gemeinschaft mit verstorbenen Heiligen“ weiterlesen

Jesus – besser als Wasser!

Durch Peter Leitharts “Survey of the Old Testament” bin ich darauf aufmerksam geworden, wie Johannes Jesu Wirken mit Wasser verbindet. Ja, Jesus ist besser (und notwendiger als Wasser). Eine Übersicht:

  1. Johannes tauft mit Wasser, aber Jesus wird mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen (Joh 1,26.31; Mt. 3,11)
  2. Jesus macht aus Wasser Wein
    Spannend dabei, das das Wasser, dass auf dieser Hochzeit dargereicht wird, für die kultische und notwendige jüdische Reinigung verwendet wurde (Joh 2.6). Johannes macht sich die Mühe das bewusst zu erwähnen. Auch dass es eine Hochzeit ist, die “am dritten Tage” stattfindet. Überhaupt ist das Wunder ein Vorzeichen auf das was in Jesus folgen soll. Eigentlich hatte der Bräutigam für den Wein zu sorgen und klar wird, wer der wahre und bessere Bräutigam ist
  3. Jesus reicht ewiges Lebenswasser
    In Kapitel 4 begegnet uns eine Brunnenszene, die man vom Lesen des Alten Testaments bereits kennt (Jakob, Mose…). Jesus kann jedoch besseres Wasser darreichen. Ja er sagt sogar, dass die, die von seinem Wasser trinken, selber zu Wasserspendern werden (Joh. 4.14). Diese Botschaft wiederholt Jesus auf dem Chanukka-Fest(Joh. 7).
  4. Jesu Reinigung ermöglicht die echte Feier des Sabbats
    Diese Situation finde ich am Spannendsten: Der Gelähmte stand am Schaftor. Es ist das Tor, durch das Opfertiere zum Tempel gebracht wurden. Hier konnten nur gesunde Tiere durch. Ironischerweise blieben auch kranke Menschen vor dem Tor, ausgeschlossen von Gottesdienst und Gemeinschaft. Wer Unrein ist, konnte nicht am Gottesdienst teilnehmen und durfte das erst nach einer rituellen Waschung. 38 Jahre wartet nun hier einer, der es nicht vermögen kann. Dem es unmöglich auf diese Weise gelingen kann, rein zu werden und Sabbat, Gottesdienst und Gemeinschaft zu feiern (Joh. 5,7). Auch hier ist Jesu Dienst besser als Wasser
  5. Jesu wäscht seinen Jüngern die Füße
    Noch einmal begegnet uns Wasser. In einer Schüssel. Umgürtet mit dem Handtuch ist Wasser. Das was die Jünger hier erleben spiegelt nur Jesu wirklich reinigenden Dienst in seinem Blut.

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Vereinigung mit Christus

Ich bin mir nicht sicher, wie man das Konzept der Union with Christ im deutschen richtig übersetzt und wiedergibt, habe mich aber für das auch leicht intim und mystisch klingende  Wort “Vereinigung” für das Konzept entschieden, dass ich im folgenden beschreiben möchte:

Das  Christen mit Christus verbunden sind, finden wir an zahlreichen Stellen der Schrift: Jesus spricht davon, dass er der Weinstock ist und wir die Reben sind (Joh. 15,1-4). Die Vereinigung mit Christus ist in diesem Fall notwendig, um überhaupt Frucht bringen zu können. In einem anderen Fall gelten die Gläubigen als der Leib Christi, während Christus selber das Haupt ist (Vgl. 1. Kor 12,27; Eph. 1,22; Eph. 4,15). Auch in diesem Fall ist das Ziel der Christen zu Christus “hinzuwachsen”. Oder denken wir daran, dass sowohl Christus der Tempel ist( z.B. Joh. 2,19-22, aber auch Parallelstellen dazu) , wie auch wir Christen (1. Kor. 3,16-17). Petrus bringt diese beiden Bilder geschickt zusammen, indem er Christus zum Eckstein erklärt und uns Christen aufruft sich auf diesem zu bauen (1. Pet. 2,6-10). Petrus entwickelt das Motiv des Heiligtums in den darauf folgenden Versen entsprechend zur Berufung zum Priestertum weiter und unterstreicht die alttestamentlichen Prophezeiungen dieser Realität. Von exakt diesem Bau zeugten die Propheten. „Vereinigung mit Christus“ weiterlesen

Jesus als König, Priester und Prophet

Ich werde regelmäßig dazu angefragt, wie ich das mit den drei Ämtern Christi begründe. Hier meine Antwort.

Ich finde Heb. 1,1-3 ist ein geeigneter Ausgangspunkt, um über Christi dreifaches Amt als König, Priester und Prophet zu sprechen.

Christus ist:

  • Prophet (“in den letzten Zeiten hat Gott durch Ihn geredet)
  • Priester (“Er hat die Reinigung von den Sünden vollbracht”)
  • König (“Er hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt – Er trägt alle Dinge”)

Manche empfinden diese Unterteilung als Konstrukt, aber Christus bedeutet bekanntlich Gesalbter, und es gab nur drei Ämter im Alten Testament, zu denen man gesalbt wurde, nämlich, völlig richtig: König, Priester und Prophet (Saul, David, Salomo, Joas, Jehu und Hasael sind Beispiele für gesalbt; Salbung von Priestern vgl. 2.MO. 30,30; 40,13; Salbung von von Propheten 1. Kön. 19,16 und Ps. 105,15). Vgl. auch die 31te Frage des Heidelberger Katechismus. „Jesus als König, Priester und Prophet“ weiterlesen

Was der meistzitierte Psalm im Neuen Testament über Jesus sagt

Ein Artikel von Justin Dillehay, der am 20.10.2020 unter dem  Titel „Jesus According to the New Testament’s Most Quoted Psalm“ auf thegospelcoalition.org erschienen ist. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von The Gospel Coalition. (Download als .pdf)

Kein anderer Vers der hebräischen Bibel wird im Neuen Testament häufiger zitiert, als Ps. 110,1.  Doch damit nicht genug.  Fast ein ganzes Kapitel (Hebräer 7,11-28) widmet sich Vers 4 dieses Psalms als Kommentar. Bei ihrem Verständnis Jesu maßen die Apostel und Propheten maßen diesem messianischen Psalm eine sehr hohe Bedeutung bei.

Es wird sich für uns also lohnen, darüber nachzudenken, wie uns dieser Psalm den Messias vor Augen führt, den wir anbeten.

Der Messias als Davids Herr und König (Ps 110,1-3)

Wie viele andere Psalmen trägt auch Psalm 110 die Überschrift „Ein Psalm Davids“. Doch wahrscheinlich ist bei keinem anderen Psalm die Urheberschaft so bedeutend wie bei diesem. Sie ist deswegen bedeutend, weil David Israels menschlicher König und „Herr“ war – natürlich Jahwe untergeordnet. Und doch nennt David hier in Vers 1 jemand anderen seinen „Herrn“ – und zwar jemand anderen als Jahwe:

„Spruch des HERRN [Hebräisch = Jahwe] für meinen Herrn [Hebräisch = Adonai]: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße!“

David, der im Heiligen Geist spricht (Mt 22,43),[1] hört einem Gespräch zu. Es ist ein Gespräch zwischen zwei Personen. Den HERRN kennen wir. Aber wer ist dieser andere Herr, den Jahwe einlädt, zu seiner Rechten zu sitzen? Einer, den sogar David „meinen Herrn (Adonai)“ nennt? „Was der meistzitierte Psalm im Neuen Testament über Jesus sagt“ weiterlesen

“Wenn ich hinfalle, will es Gott dann auch?”

“Wenn ich hinfalle, will es Gott dann auch?”

Das fragte mich neulich mein  Fünfjähriger in der Familienandacht.

Was ich ihm nicht antworten konnte: Das ist eine bloß philosophische Frage, ohne jegliche geistliche Bedeutung. Diese so typische und häufig gehörte Antwort hat mehr Ähnlichkeit mit dem Wohlstandsevangelium als mit echter Gottesfurcht! Ich glaube tatsächlich, dass bereits Fünfjährige ein existentielles Interesse an solchen Fragen besitzen. Lerne: Zu schnell einleuchtende Antworten nehmen manchmal selbst Fünfjährige nicht ernst. Seine Frage bewies mir auch, dass es eben töricht ist zu meinen, die Lehre der Vorsehung ist nur etwas für Experten und gehe die Gemeinde nicht wirklich etwas an.  Vgl. auch die Auseinandersetzung zwischen Erasmus und Luther: “Ist es nützlich, bestimmte Wahrheiten zu unterdrücken?”

Was ich ihm nicht geantwortet habe: Die übliche Antwort “Gott lässt es zu” konnte ich ihm kaum geben. Dafür kennt er seine Kinderbibel zu gut. Gott hat die Sintflut nicht einfach zugelassen. Er selbst hat sie geschickt. Es gibt keine andere höhere Autorität über (oder neben) Gott, die zufalls- oder schicksalsdiktiert unzulege “Schicksalswege” vorschlägt, unter denen Gott dann wählt, was gerade noch eintreten kann! Die Geschichte über die Arche ist nicht über eitel Sonnenschein und fröhliche Tiere. Es ist eine Geschichte über die unerwartete Rettung eines Überrests mitten im Gericht. Das begreifen die meisten Kinder intuitiv ganz schnell.

Was ich ihm geantwortet habe: Das Gott auch hinter dem “Bösen” steht, aber anders als hinter dem “Guten”. In all dem Bösen, dass ihm widerfährt, darf er einen liebenden Gott wissen, der alle Dinge, denen die ihm lieben, zum besten dienen können. Bereits bei einem Fünfjährigen konnte ich so den Trost dieser Botschaft beobachten. Als einer der sehr ehrgeizig ist, kann er jetzt lernen, auch Missgeschicke aus Gottes Hand zu nehmen.

Worüber ich selber nachgedacht habe: Die Frage hat mich weiterhin beschäftigt. Hätte ich z.B einem Missbrauchsopfer genau so geantwortet? Die bittere Vorsehung Gottes bleibt sicher ein Mysterium, aber es ist töricht zu denken, dass das Model eines “neutral nebenbei stehenden Gott”, der “unsere Entscheidungen beobachtet” irgendwie mehr Trost enthält. In beiden Fällen bliebe der bittere Gedanke, dass ein allmächtiger Gott den Missbrauch hätte verhindern können. Aber nur in einem Fall kann ich mich mit einer besseren größeren Ziel trösten. Ich schreibe das hier ganz trocken runter, aber mir ist bewusst wie viel Sensibilität das erfordert und wie schwer es ist, echte Opfer, echte leidende Menschen zu verstehen. Ich kann durchaus damit leben, dass man davon spricht, dass Gott “Leid zulässt”, wenn man das sauber ausarbeitet, wie es z.B. Paul Helm in seinem Artikel zur Vorsehung tut. Womöglich klingt das für manchen nach Rosinenpickerei. Was aber auf dem Spiel steht ist eine theologische Interpretationen von allem, was wir als Negativ im Leben empfinden! Zu oft endet der Verweis auf “Gott hat es zugelassen” in pragmatischen Lebensansätzen, die Missgeschick um jeden Preis vermeiden lösen, weil man keine Antwort auf Leid besitzt. Kann ich mich wie Lazarus (sein Name bedeutet: Gott hat geholfen!) allein an Gott erfreuen, auch wenn alle andere Zeichen gegen mich sprechen?

 

“Es ist zwar richtig so zu handeln, aber leider unbiblisch”

Als wir im Freundeskreis über schwierige Familiensituationen sprachen, hörte ich aus verschiedenem Mund Variationen der im Titel angegebenen Aussage. Z.B. so: “In so einem Fall wäre es richtig sich von seiner Frau zu trennen, aber (leider) ist das unbiblisch”. Das ließ mich aufhören!  Es stellte sich heraus, dass vor allem anspruchsvolle Situationen mit solch einer Aussage gelöst werden, z.B. in Fragen des Rechs auf Verteidigung, konsequenter Gemeindezucht, Verkündigung schwieriger Bibeltexte. Ohne die Komplexität der Situationen zu leugnen, mache ich in der so nahe liegenden Reaktion drei Problemfelder aus.

  1. Eine Trennung zwischen Wahrheit und Offenbarung: Man hält es für möglich, dass etwas wahr und richtig ist, aber nicht der Offenbarung Gottes entspricht. Damit unterstellt man (wenn auch unbewusst), dass Wahrheit etwas ist, dem sich Gott unterordnet, nicht umgekehrt. Doch es ist unmöglich, dass Gott lügt (Tit 1,2) und Christus bleibt der wahrhaftige Gott (1. Joh. 5,20). Wahrheit und Recht können Gott nicht widersprechen oder zuwiderlaufen oder gar unabhängig von ihm existieren, denn entweder wäre dann die Wahrheit gar nicht Wahrheit oder Gott nicht mehr Gott.
  2. Gottes Recht verkommt zur Willkür: Ich kann dem Zitat von oben etwas Gutes abgewinnen, wenn es unser subjektives Aufnehmen der Gebote Gottes beschreibt. Diese mögen für uns durchaus irrational und sinnlos, geradezu feindlich wirken. Doch fordert Gott einfach Sinnloses, gar Falsches von uns und stellt so seine Zuverlässigkeit aufs Spiel? Niemals! “Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.” (5. Mo. 32,4)
  3. Wir besitzen keine Garantie dafür, vor herausfordernden Situationen bewahrt zu werden: Aussagen wie oben sind ein Hinweis für die Grenzen unserer Lebensmodelle. Wir drücken damit aus, dass wir letztlich froh darüber sind, nicht in solchen Situationen stehen zu müssen. Aber schnell greift dieser “Graubereich”in weitere Lebensbereiche und verdrängt den christlichen Glauben in die Komfort-Zone. Man denke nur an Bereiche wie Schwarzarbeit, Bildungslandschaft oder nur daran, wie ich mich gegenüber meinem linken oder rechten Nachbar verhalten soll. Wann, wenn nicht in gerade schwierigen Zeiten soll mein Glaube mich tragen?  Der Psalmist hat hier eine andere Haltung: “Gott ist unsre Zuversicht und Stärke. Eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. (Ps 46,2–4)”

Mein Lösungsvorschlag zur Umkehr: Ethik und Gottesbild lassen sich nur durch intensives Bibelstudium wieder zusammenführen. Nutze den zeitlichen Freiraum, den Corona uns schafft und lese auch mit anderen Gemeinsam intensiv in der Schrift!

Beendete Kornelius nach seiner Bekehrung den Militärdienst?

Ich wurde gebeten zur obigen Frage einen Artikel zu schreiben. Ich komme aus Gründen, die ich im Folgenden vorstellen möchte, zum Ergebnis, dass er das nicht getan hat.

Die innere Argumentation der Apostelgeschichte

Warum schweigt die Bibel darüber, wie sich Soldaten und Hauptmänner nach ihrer Bekehrung verhalten haben? Eine übliche Erklärung ist, dass es so selbstverständlich war, dass jeder seinen Waffendienst verließ, dass man es nicht für nötig hielt, es überhaupt aufzuzeichnen. Doch ist diese Erklärung wirklich die, die das Schweigen am Besten erklärt? Auch einem flüchtigen Leser der Apostelgeschichte wird auffallen, dass Lukas einen besonderen Augenmerk auf die Besatzungsmächte  und auf ihre Reaktion auf die Botschaft des Evangeliums legt. Vom ganzen Aufenthalt in Zypern wird nur die Reaktion des Statthalters Sergius Paulus (Apg. 13,4-12) beschrieben. Auch die umfangreiche Beschreibung der Bekehrung des Kornelius ist so aufgebaut, dass bestimmte Teile zwei weitere Mal wiederholt werden. Einen besonderen Augenmerk legt Lukas dabei auf die Frömmigkeit des Kornelius und seiner Dienerschaft noch bevor er Petrus begegnet und seine ganz persönliche Pfingsterfahrung hat.

Auch die späteren umfangreiche Verteidigungsreden desPaulus vor den Vertretern der Staatsgewalt unterstreichen vor allem, dass das Christentum keine antistaatliche oder Ordnung und Recht zersetzende Religion ist.  Der Hauptmann Kornelius ist ein frommer Mitbürger und wird Christ. Nun würde das römische Reich das Quittieren des Militärdienstes als Fahnenflucht oder gar als Rebellion werten! Lukas hätte also alle Gründe in einem solchen Fall zu erklären, warum das Christentum sich nicht gegen das römische Reich wendet und dennoch entschieden pazifistisch ist.

Man könnte einwenden, dass Lukas aus friedfertigen Absichten über diese Frage schweigt, um bei einem solch brisanten Thema (nämlich der üblichen Kriegsdienstverweigerung bekehrter römischer Soldaten) nicht unnötig Aufhebens zu produzieren. Diese stünden dann nur zusätzlich unter Druck. Aber das deckt sich nicht mit der sonst schonungslos sachlich und ehrlichen Berichterstattung der Apostelgeschichte:  Weder darüber, dass Felix bestechlich (Apg. 24,26),ein Problem mit sexueller Redlichkeit( Apg. 24,25) besaß und ein Rechtsverdreher wie sein Nachfolger Festus war (Apg. 24,27; 25,9), hüllt sich Lukas um des Friedens Willen ins Schweigen. Lukas verschweigt auch nicht den Gildenaufstand der Goldschmiede unter der Anführung von Demetrius, die fast zu einem landesweiten Skandal wurde, noch die Rechtsmissbräuche der Stadtregierung von Philippi (Apg. 16,37). Nicht einmal davor schreckt er zurück, die chaotischen Zustände Jerusalems zu beschreiben, die selbst Jakobus, den Leiter dieser zentralen Gemeinde vor schwierige Entscheidungen stellen (Apg. 21). Kurz: Lukas setzt sogar einen besonderen Augenmerk auf brisante Punkte. Kein Wunder, er möchte zuverlässiger Historiker sein und ist es auch durch die Federführung des Heiligen Geistes. Und jetzt sollte Lukas ausgerechnet beim Thema Militärdienst um des Friedens Willen schweigen?  Das will für mich keinen Sinn machen. „Beendete Kornelius nach seiner Bekehrung den Militärdienst?“ weiterlesen

Eine Viertelstunde über Gottes souveränes Walten in der Heilsgeschichte

Auf der Bibelstunde habe ich über Apg. 13,20-22 nachgedacht. Die Verse sind in die erste uns überlieferte Predigt von Paulus eingebunden: Paulus beschreibt Gottes souveränes Weiterentwickeln seines Heilsplanes trotz beschämender Stationen für das erwählte Volk: 400 Jahre Richterzeit, von denen einer den nächsten im Versagen überbot. Das Projekt eines Königtums auf Eigeninitiative mit Saul ist ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Offensichtlich entwickelt Paulus die Messiaserwartung in seiner Predigt vor allem antithetisch. In dieses Model wollte aber das ungewöhnlich gute Abschneiden von David in V. 22 nicht ganz passen. Bis ich mir Ps. 89 genauer angeschaut habe….

 

Über verschwundene Menschentypen

Als ich vor kurzem über die Schweizer Grenze fuhr, musste ich daran denken, dass es die “biblischen Zöllner” einfach nicht mehr gibt. Zumindest nicht mehr hier in Westeuropa, in den GUS-Staaten tummeln sich noch zahlreich Zöllner von beeindruckend biblischen Qualitäten herum.

Aber nicht nur die Zöllner “vermisse” ich. Auch Menschen pharisäischer Qualität kann ich heute nicht mehr finden. Zumindest scheint kaum einer von der kaum zu ertragenden Schmähkritik in Matth. 23 betroffen zu sein. Heuchler scheinen Fehlanzeige zu sein.  Vielleicht liegt es ja daran, dass kein Christ mehr zwei mal in der Woche fastet? Aber auch Menschen, die Zweifel so erfolgreich promoten wie die Sadduzäer, soll es heute wohl auch nicht mehr geben. Das soll nicht heißen, dass sich nicht überall genug Leute in der Oberschicht des Volkes Gottes (besser: unter dem Volk Gottes) rumtummeln, die ebenfalls sowohl Auferstehung wie Engelwelt bezweifeln. Aber irgendwie darf man diese beiden so offensichtlich  identischen Zweifel-Gruppen nie und unter keinen Umständen jemals vergleichen. Irgendetwas wunderbares, nahezu magisches unterscheidet die heutige Ablehnung des Übernatürlichen von der vergangen. Was genau, konnte mir bisher keiner erklären.

Oder haben Sie schon mal jemals jemanden getroffen, der egal welch Anzahl an menschengemachten Regeln er um sich aufgebaut hat, in Erwägung zieht, dass der Galaterbrief ihm womöglich etwas zu sagen hat? Da sich heute keiner beschneiden lässt, muss alles in Ordnung sein. By the way: Wie war es dann bei Titus (Gal. 2.3)?

Auch auf der anderen Seite des Spektrums alles menschenleer: Keine ungeistlichen und gesetzlosen Korinther, zerfressen durch Neid und Streitsucht, zu finden! Die Liebe zur Welt kleidet sich heute viel lieber in zwei Varianten: Entweder in konservativer oder liberaler Spielart.  Entweder als “biblischer Separatismus” oder als “gesellschaftliche Teilhabe”.

Selbst die ganzen Lahmen und Krüppel kann man kaum finden; offensichtlich wurde eine beachtliche Zahl derselben rechtzeitig abgetrieben, im anderen Fall in geeigneten Heimen abgeriegelt.

Benebelt durch den dunklen Rauch der Selbstbeweihräucherung, mitten in der Anbetung unserer eigenen Gerechtigkeit, haben wir effizient zahlreiche Bereiche der Bibel “ausgeräuchert”. Sie schweigen, da sie nur noch rein fiktive Personen in rein fiktiven Situationen meinen. Viel zu weit (zeitlich) von uns entfernt, viel zu andersartig in ihrer Kultur. Warum z.B. sollten wir als Christen noch nach sozialer Diakonie trachten, wenn es einen gut funktionierenden Sozialstaat gibt? (Die durch die Situation entstanden Ämter werden natürlich eisern bewacht, einschließlich Hierarchie und Beffchen.)

Was sollen wir z.B. bloß mit der Kapitel an Kapitel gereihten Kritik des Amos am Umgang mit Armen anfangen?  (mindestens Kap. 3-7). Ich meine er geht so weit, die verwöhnten Frauen Israels als fette Kühe zu bezeichnen! (Am. 4,1). Wie furchtbar unpassend! Welch unangenehme Sprachwahl! So sollte sich doch ein Prophet Gottes nicht ausdrücken!  Und überhaupt, soziale Gerechtigkeit – ne, ne,ne!  – Warum ich das Beispiel wähle? Weil wir mit der Familie gemeinsam den Propheten Amos angeschaut haben, und mir wieder mein kaltes liebloses Herz bewusst wurde. Ich verstehe den Inhalt von Amos, aber ich habe gemerkt, wie er mir einfach nichts sagt und nichts zu sagen hat. Kapitel nach Kapitel lese ich über fehlende Gerechtigkeit im Umgang mit dem Nächsten, aber ich lese es und streichele mir doch gleichzeitig selbstgefällig meine Seele, als wäre alles in Ordnung!

Ach Herr: “Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott!” (Jes. 31,18)