Wie man den Drachen der Pornografie tötet

Ed Welch:

Pornografie wirft viele Fragen auf, aber die zwei einfachsten sind gleichzeitig die zwei wichtigsten: Warum sollten wir der Versuchung widerstehen? Und wie?

Viele guten Vorsätze, sich von Pornografie fernzuhalten, scheitern schon an der ersten Frage. Die Wie-Frage lässt sich einfacher lösen – da kommt man schneller auf Möglichkeiten wie Internetfilter oder einen Freund, der willens ist, uns unangenehme Fragen zu stellen.  Es ist das Warum, worüber wir stolpern. Wir brauchen überzeugende biblische Gründe, damit wir nicht umfallen, wenn die schwierigen Fragen und Rechtfertigungsgründe zum Angriff blasen.

Und das werden sie auf jeden Fall:

  • Warum sich überhaupt Gedanken darüber machen? Es schadet doch niemand.
  • Würde meine Frau sich öfter auf Sex einlassen und auch mal was Neues ausprobieren wollen, dann bräuchte ich das nicht.
  • Hätte ich eine Frau, dann bräuchte ich das nicht.
  • Alle Männer gucken Pornos. So sind wir geschaffen. Wie kann Gott mir dieses Verlangen geben und dann erwarten, dass ich dagegen ankämpfe?
  • Nur noch ein einziges Mal, dann ist Schluss.

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Wie ist das mit der Buße?

Jakobus 4,7–10: — “So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen. Klagt, trauert und weint; euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit.  Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.”

“Da unser Meister und Herr Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße sein soll.”Mit dieser These eröffnete Luther bekanntlich seine 95 Thesen. Ist es nicht interessant, dass das Dokument, das Auslöser für den Bruch innerhalb der westlichen Kirche wurde, sich vornehmlich mit der Buße, nämlich der Unterscheidung von richtiger und falscher Buße beschäftigt?

Wenn wir die Frage nach der Buße stellen ist sie also zunächst einmal zu bejahen! Keiner kann zu Christus mit den Fragen kommen “Was fehlt mir noch?” oder “Was muss ich tun?” ohne als Antwort mit seinem Versagen konfrontiert zu werden. Als ein wohlhabender Jugendlicher, überzeugt von seiner Rechtschaffenheit, auch von Jesus die Absolution hören wollte, wird sein Herz enttarnt, es wird ihm  plötzlich bewusst, dass er bereits gegen das erste Gebot auf krasse Weise verstößt (Lk. 18,18-27).

Ich beobachte es unter Christen sehr häufig, dass die Botschaft “Jesus nimmt die Sünder an” (Luk 15,2) keine Freudenschreie für sie persönlich auslöst. Wohl ist es die Botschaft, die sie an ihren atheistischen Nachbarn oder an ihren gottlosen Kollegen weiterreichen, aber als Christen selber haben wir es verlernt, uns als der Gnade bedürftige Sünder zu sehen. Denken wir nur, wie man immer damit ringt, die ausgeschüttete Gnade an den verlorenen Sohn (Luk. 15) auf sich selbst anzuwenden. Ständig deutet man das Gleichnis irgendwie doch so, um ja nicht sich selbst als den angenommenen Sünder sehen zu müssen. Auf eine Weise möchte man dann zum Übersohn werden, der nicht so fällt wie der jüngere Sohn und doch nicht die Selbstgerechtigkeit des zweiten Sohnes besitzt. Welch Fehlinterpretation! Dabei ist genau das die beste Botschaft, die die Bibel für uns hat: “Jesus nimmt die Sünder an”. Die Gerechten, also die, die nach Verdienst umgehen wollen, die kann Jesus auch nicht annehmen und diese werden auch keine Notwendigkeit darin sehen, einen zu suchen, der demütig, sanftmütig ist und die Lasten abnehmen will. „Wie ist das mit der Buße?“ weiterlesen

Wie sollen wir taufen? – Begießen, Besprengen oder Untertauchen?

Begießen, Besprengen oder Untertauchen? – in kirchengeschichtlichen Quelltexten (pdf).

Ein Gastbeitrag von David Ballau:

Ungefähr im Jahr 30 n. Chr. befahl Jesus Christus den elf Aposteln in die ganze Welt zu gehen, überall das Evangelium zu predigen und die Gläubigen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Heute nach fast 2000 Jahren sind weltweit über zwei Milliarden Menschen christlich getauft. Die Taufpraxis ist in den verschiedenen christlichen Konfessionen jedoch unterschiedlich. Einige Konfessionen praktizieren die Taufe durch Begießen, einige durch Besprengen und andere durch Untertauchen. Wie machten es die ersten Christen und woher kommen die unterschiedlichen Praktiken?

Das Übergießen wurde etwa ab dem 12. Jahrhundert in der westlichen Kirche einheitlich umgesetzt. Bilddarstellungen und archäologische Befunde zeigen jedoch, dass dies in einigen Teilen schon im 4. Jahrhundert gängige Praxis war. In den orthodoxen Kirchen und den koptischen Kirchen, die ihren Anfang im 1. Jahrhundert haben, geschieht die Taufe hingegen seit Anbeginn durch Untertauchen, ebenso bei den Baptisten und vielen anderen Freikirchen.[1]

Im frühen Christentum wurden oft direkt neben den Kirchen Baptisterien als besondere Bauten mit einem großen tiefen Taufbecken in der Mitte errichtet.

Die gesonderte Taufkapelle außerhalb des Kirchenraumes sollte verhindern, dass Ungetaufte den geheiligten Raum der Kirche betraten. Zudem waren die Erwachsenen bei der Taufe nackt und so durften sie sich nicht im offiziellen Raum der Kirche aufhalten.

Außerhalb Italiens verlagerte sich das Taufbecken seit dem 8. Jahrhundert ins Innere der Kirche, als angeordnet wurde, dass Kinder schon im ersten Jahr getauft werden sollten. „Wie sollen wir taufen? – Begießen, Besprengen oder Untertauchen?“ weiterlesen

Echte Gemeinden haben Gemeinschaft mit verstorbenen Heiligen

 Justin Dillehay:

In meiner Gemeinde ist vor kurzem eine Schwester namens Ann Carman an COVID-19 verstorben und wir trauern immer noch über ihren Verlust. Wir sehen sie nicht mehr, sprechen nicht mehr mit ihr und kommen mit ihr nicht mehr zum Tisch des Herrn.

Obwohl ihr Gesicht in unserer Versammlung fehlt, ist sie immer noch unsere Schwester in Christus. Es gibt Verbindungen, die selbst der Tod nicht trennen kann (Röm 8,38). Ann ist nun Teil der triumphierenden Kirche. Dennoch gibt es auf „mystisch-süße“ Weise eine Gemeinschaft zwischen der Gemeinde auf Erden und der Gemeinde im Himmel.

Ich meine damit nicht, dass wir den Tod leugnen, oder versuchen sollen, mit den Toten zu kommunizieren. Was ich aber sehr wohl meine ist das, was wir in Hebr 12,22-24 finden. „Echte Gemeinden haben Gemeinschaft mit verstorbenen Heiligen“ weiterlesen

Murren als Grundrauschen

Was ist eigentlich Murren? Vor allem wahrscheinlich ein veralteter Begriff, selbst Fanboys des Textus Receptus und der LUT1912 verwenden diesen Begriff aktiv kaum. Dabei greift Paulus das Murren Israels erneut in seinem ersten Brief an die Korinther auf (1. Kor. 10,10):

Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber

Welch harte Warnung! Gleichzeitig beobachte ich, das Murren geradezu einen obligatorischen Teil vom Großteil unseres Smalltalks ausmacht:

“Schon wieder Regen” , “Der Verkehr zur Arbeit war heute grausig”. “Montage gehören abgeschafft”. sind hier nur triviale Beispiele. In längeren Gesprächen reiht sich ein Klagelied ans Nächste: Die Kinder sind frech, die Arbeit lang, das Wetter heiß, die Gemeinde doof, der Nachbar lausig, die Luft eng…

Regelmäßig beobachte ich, dass ich in die “Murrfalle” stolpere. Erzählt einer “von seinen Herausforderungen”, dann ist es nahezu natürliche Reaktion, die Schwere der eigenen Herausforderungen hervorzuheben. Frohen Mutes übertrumpft einer seinen Nächsten im Murren. „Murren als Grundrauschen“ weiterlesen

Verbietet Australien Gebete?

Carl Trueman 

Konversionstherapien – also die Verwendung geistlicher oder psychologischer Eingriffe, um die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität eines Menschen zu verändern – werden in den USA zunehmend kontrovers diskutiert. In etwa zwanzig der amerikanischen Staaten sind sie bei Minderjährigen verboten. Der District of Columbia verbietet solche Therapien vollständig, unabhängig vom Alter. Solche Gesetze könnten als staatliche Unterstützung für die LGBTQ+ -Community verstanden werden, doch man muss sie nicht ausschließlich zynisch bewerten. Sie können durchaus den Wunsch widerspiegeln, Schutzbedürftige davor zu bewahren, für Behandlungen zu bezahlen, die der Gesetzgeber für Schwindel hält.

Der australische Staat Victoria jedoch hat kürzlich ein Gesetz erlassen, dass den Konflikt zwischen religiöser Freiheit, individueller Wahl und Identitätspolitik deutlich verschärfen wird. Dieses kann dabei ein Model für die Gesetzgebung überall sonst in der demokratischen Welt werden. „Verbietet Australien Gebete?“ weiterlesen

Hat Pornographie meine zukünftige Ehe bereits ruiniert?

John Piper

Heute stellen wir eine Frage von einem Zuhörer namens Ben. „Pastor John, danke für diesen Podcast. Als ich 10 Jahre alt war, wurde ich süchtig nach Pornovideos. Es war mein Hauptkampf für die nächsten sieben Jahre. Es gab wundervolle Siege auf dem Weg. Aber ich weiß auch, dass diese Videos unrealistisch und pervers sind. Gottes Design für Sex muss völlig anders sein als das, was ich gesehen habe. Aber was ich gesehen habe, ist das einzige Modell, das ich kenne. Da ich mich auf die Ehe freue, befürchte ich, dass das, was ich gesehen habe, meine Erwartungen bereits geprägt hat. Welchen Rat hast du für mich? Gibt es irgendeine Hoffnung, dass ich in der Ehe liebevolle, göttliche, gesunde Intimität erfahren werde? Und was kann ich jetzt tun, um diese sicherzustellen? “

Die Antwort ist, dass es sehr wohl Hoffnung für eine liebevolle, göttliche, gesunde Intimität in der Ehe gibt – wenn durch Gottes Barmherzigkeit eine Anzahl von Wundern in dir und in deiner zukünftigen Frau geschehen. Ich spreche von einer vom Geist gegebenen, unbewussten Verwandlung deiner Instinkte – dessen was man unbewusst tut – und von bewussten Schritten, die du zusammen mit dieser Frau gehen kannst, in die du dich vielleicht verlieben wirst, um eure Beziehung schriftgemäß vor Sünde zu schützen und eure Erfahrung von Intimität zu vertiefen und zu reinigen. Also ja, es gibt Hoffnung. Das geschieht jedoch nicht nur deshalb automatisch, weil du Christ bist. Du musst diese Wunder aktiv suchen. „Hat Pornographie meine zukünftige Ehe bereits ruiniert?“ weiterlesen

Vereinigung mit Christus

Ich bin mir nicht sicher, wie man das Konzept der Union with Christ im deutschen richtig übersetzt und wiedergibt, habe mich aber für das auch leicht intim und mystisch klingende  Wort “Vereinigung” für das Konzept entschieden, dass ich im folgenden beschreiben möchte:

Das  Christen mit Christus verbunden sind, finden wir an zahlreichen Stellen der Schrift: Jesus spricht davon, dass er der Weinstock ist und wir die Reben sind (Joh. 15,1-4). Die Vereinigung mit Christus ist in diesem Fall notwendig, um überhaupt Frucht bringen zu können. In einem anderen Fall gelten die Gläubigen als der Leib Christi, während Christus selber das Haupt ist (Vgl. 1. Kor 12,27; Eph. 1,22; Eph. 4,15). Auch in diesem Fall ist das Ziel der Christen zu Christus “hinzuwachsen”. Oder denken wir daran, dass sowohl Christus der Tempel ist( z.B. Joh. 2,19-22, aber auch Parallelstellen dazu) , wie auch wir Christen (1. Kor. 3,16-17). Petrus bringt diese beiden Bilder geschickt zusammen, indem er Christus zum Eckstein erklärt und uns Christen aufruft sich auf diesem zu bauen (1. Pet. 2,6-10). Petrus entwickelt das Motiv des Heiligtums in den darauf folgenden Versen entsprechend zur Berufung zum Priestertum weiter und unterstreicht die alttestamentlichen Prophezeiungen dieser Realität. Von exakt diesem Bau zeugten die Propheten. „Vereinigung mit Christus“ weiterlesen

Eigennützige Entschuldigungen

Ein Artikel von Alasdair Groves. Erschienen am 18.11.2020 unter dem Titel „When Sying „I’m sorry“ is Selfish“ auf ccef.org. Übersetzung von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von CCEF (Download als .pdf).

Manchmal wollen wir nur uns selbst dienen, wenn wir „Es tut mir leid“ sagen.

Das klingt verrückt, nicht wahr? Ist nicht Buße ein Eckpfeiler des christlichen Lebens? Leider kann ich dir versichern, dass es durchaus möglich ist, demütig klingende Worte der Entschuldigung mehr aus Selbstschutz als aus echter Buße und mit dem Ziel echter Versöhnung von uns zu geben.

Die grundsätzliche Dynamik der falschen Buße funktioniert so: Ich sage „Es tut mir leid“, damit die „beleidigte“ Person mir gegenüber keine negativen Gefühle hegt, bzw. damit ich mich selbst gut fühle. Während die Schrift uns auffordert, für Sünden, mit denen wir anderen Schaden zugefügt haben, um Verzeihung zu bitten, dienen solche eigennützigen Entschuldigungen dazu, vorbeugend abzufedern, dass jemand von uns enttäuscht sein könnte, oder unser eigenes inneres Unbehagen zu besänftigen. „Eigennützige Entschuldigungen“ weiterlesen

Wird es im Himmel hässliche Hühner geben?

Ein Artikel von Hans Boersma. Erschienen am 03.11.2020 auf FirstThings unter dem Titel: „Ugly Chickens in Heaven?“. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von FirstThings (Download als .pdf).

Ich befand mich in einer Einführungsvorlesung in Kunst im Rahmen des Grundstudiums an einem evangelikalen College. Das Ziel war ziemlich eindeutig definiert: den Glauben mit dem akademischen Bereich zu verbinden und hier ganz spezifisch das Christentum mit der Kunst.

Die Schlussfolgerung lautete im Kern: Wahre Kunst ist nicht sentimental. Die Malerei von Thomas Kinkade diente als Beispiel. Die idyllischen Bilder des amerikanischen Malers, so die Professorin, sind nicht schön. Schönheit und Sentimentalität sind zweierlei. Wahrhaft schöne Kunst zeigt das Leben wie es ist – ungeschminkt und ungeschönt. „Wird es im Himmel hässliche Hühner geben?“ weiterlesen