Der Tod jeder Hoffnung

Die Sowjetunion, mein Geburtsland, war ein furchtbarer Unrechtsstaat. Der exzessiven Bagatellisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in diesem Land habe ich meine schlimmsten Albträume zu verdanken:

Auseinandergerissen und Abgespült

Ich habe bis zu meinem achten Lebensjahr in Kasachstan gelebt. Eigentlich habe ich zumeist positive, kindliche Erinnerung an dieses Land. Ein Kapitel der Erinnerungen ist aber düster: Es war üblich, dass man am Tisch spielen und mithören durfte, wenn Besuch da war. Waren es Frauen, gab es kaum eine, die nicht von einem (oder mehreren) „Abbort(s)“ berichtet hat, es dauerte einige Zeit, bis ich in meinem kindlichen Verständnis zu begreifen anfing, dass es wirklich darum ging, ungewollte Kinder auf unterschiedliche Weise zu töten, in dem man sie z.B. aussaugte. Seltsam war dabei, dass kaum eine Frau diesem Verbrechen aus dem Weg gegangen ist. Dabei war meine Familie eher Vertreter einer sozialen Oberschicht (wenn es denn so etwas in der Sowjetunion gegeben hat).

Auf jeden Fall, habe ich diesen Berichten einige meiner schlimmsten Albträume zu verdanken. Ich konnte nie begreifen, warum ich irgendwie besser sein sollte, als irgend eines dieser vielen Kinder, die noch ungeboren auf der Müllkippe landeten. Ich träumte (und träume), dass ich selig im Mutterleib schwimme, während plötzlich ein schrecklicher Druck um mich zunimmt, meine Glieder auseinander reißt, erst einen Arm, dann ein Bein, irgendwann auch den Kopf. Alles zirkuliert in einem Todesstrudel. Die Organe werden nach dem „Abbort“ sorgfältig zusammengelegt, da ja nichts „zurückbleiben“ soll, und anschließend in der Toilette runtergespült. Einfach weg: kein Sergej (der bis dahin ja noch völlig namenlos ist) mehr. „Der Tod jeder Hoffnung“ weiterlesen

Eine Viertelstunde über Apg 5,13

Eigentlich waren Sie Juden, die einfach nur daran glaubten, dass Jesus Christus die Erfüllung der Verheißungen des AT ist. Kulturell bestanden keine weiteren Unterschiede, ja man versammelte sich sogar in denselben Räumlichkeiten wie das „Mainstream-Judentum“. Wer die Halle Salomos (Apg. 5,12) jedoch betrat, dem konnte die Christozentrik dieser ersten Jünger Christi nicht entgehen. Ob Brotbrechen, ob Gemeinschaft, Gebet oder die Lehre der Apostel, alles drehte sich um das Werk Christi und die Gerechtigkeit die aus dem Glauben an ihn, strömte. Das für Selbstgerechtigkeit dabei wenig Platz bleibt, haben einige Verse zuvor bereits Hananias und Saphira schmerzlich erfahren…

Hier geht’s zum Audiofile:

Die unwahrscheinlichste, verrückteste und faszinierendste Geschichte aller Zeiten

Eigentlich sollten wir diese Kunstfertigkeit feiern, doch alle schweigen verschämt und blicken zu Boden. Eine unfassbar fantastische Geschichte wurde entdeckt, doch keiner möchte darüber Reden.  Die Entdeckung dieser unfassbar unglaublichen Geschichte haben wir übrigens vor allem der liberalen Theologie und in besonderer Weise der liberalen Theologie Deutschlands zu verdanken. Fangen wir einfach mal an:

So berichteten es mir meine evangelischen Religionslehrer immer und immer wieder: Das Alte Testament, und in besonderer Weise der Pentateuch sind Fiktion. Auch wenn diese scharfe Rationalität nicht mehr den neuesten Stand der Forschung darstellen, sammeln wir gerade die Früchte vergangener Saat-Arbeit. Ist doch genau diese Bewertung des AT als Fiktion der „state of the art“ des Menschen auf der Straße. Man hat dabei in etwa diese Erzählung im Blick, doch weil man immer nur kleine Schnipsel erzählt, verhindert man die Enttarnung der völligen Unglaubwürdigkeit:

Ca. 550 v.Chr. landet ein eher schlecht gebildetes Volk, ein Nomadenvolk, das meist von Streitigkeiten zerrissen und gespalten war, in babylonischer Gefangenschaft. Obwohl die meisten dieser Volksgruppe, auch Israeliten bzw. Judäer genannt, kaum oder gar nicht lesen können, entwickeln sie plötzlich ungeahnte und unerwartete Integrations-Schwierigkeiten. Während sich die meisten anderen Völker (die übrigens irgendwie auf seltsame Weise, weil es die Forschung des 19.Jahrhunderts so bestimmte, deutlich fortgeschrittener waren) ohne Probleme assimilieren, entwickeln die Juden eine Gegenkultur. „Die unwahrscheinlichste, verrückteste und faszinierendste Geschichte aller Zeiten“ weiterlesen

Wie Jesus dir in deiner Not helfen kann? – Predigt von Danny Fröse

Spannend finde ich, dass gerade Markus 9,24 zur Jahreslosung „gelost“ wurde. Es ist einer meiner Lieblingsverse und sicherlich ein Vers, der sehr gut in unsere Zeit passt, vor allem wenn man den Kontext betrachtet. „Wenn du etwas vermagst…!“, genau so redet der moderne Mensch mit Gott. Er beansprucht ein Recht auf Unglauben und empfindet seinen Zweifel als gerechtfertigt. Das kann in der Tat nur Gnade durchbrechen.

Vor einigen Tagen besuchte ich die EFK Bad Krotzingen, in der Danny Fröse über diesen Text gepredigt hat. Danny und seine Frau Rahel, sind Missionare aus Albanien. Über ihren Dienst bloggen sie ausführlich und auf angenehme Weise, christusallein hat den Blog besprochen.

Die Predigt findet sich hier: Ich hatte zudem die Möglichkeit kurz mit beiden zu reden. Der Eifer für die Sache, aber vielleicht sogar ein bisschen mehr die Ehrlichkeit der beiden, begeistert. Ich bin mir sicher, dass Gott diese Familie in ihrem Feld Frucht sehen lassen wird.

Man kann diese Aussage natürlich unabhängig vom Kontext betrachten, aber um dem Sinn des Bibeltextes besser auf die Spur zu kommen, ist es besser den Gesamtzusammenhang zu betrachten.

Dies habe ich in meiner Predigt dann getan. Ich habe über die gesamte Geschichte der Heilung eines dämonenbesessenen Jungen gepredigt und ich leitete aus der Geschichte ab, dass Jesus unserer Not begegnen will. Die Predigt nannte ich dann. Wie Jesus dir in deiner Not helfen kann. (…)

Beten Sie für diesen Dienst und erwägen Sie auch, Danny und Rahel zu unterstützen!

Wie gehe ich mit sexualisierten Träumen um?

Ein Artikel von John Piper Download (docx, pdf):

Seit sieben Jahren betreiben wir nun diesen Podcast. Nach über 1400 Episoden, sprechen wir das Thema sexueller Phantasien an. Ja, sexualisierte Träume – sicherlich eines der meistgefragten Themen im Posteingang, und sicherlich auch das Thema, dass wir bisher am ehesten aufgeschoben haben. Doch nun nicht mehr. Hier ist die E-Mail von einem Mann, der anonym bleiben möchte:

„Hallo Pastor John. Zunächst Vielen Dank für ihren Podcast. Ich bin 31, gläubig und seit zwölf Jahren mit einer wunderbaren Christin verheiratet. Ich bin mit den Geboten Gottes über geschlechtliche Sünden vertraut und weiß, welche ewigen Gefahren sie mit sich bringen. Dank des Gebets, Gottes Wortes, der Unterstützung durch meine Frau, meinen Pastor und einer Organisation, die zur besseren Rechenschaft die Spuren der Internetaktivität aufzeichnet, konnte ich nun seit einem Jahr erfolgreich die Sünde der Pornographie bekämpfen. Ich verstehe und akzeptiere, dass Sex außerhalb der Ehe sündig und falsch ist. Selbst das Verlangen ist sündig, wie Jesus sagte. Nun ist also meine Frage diese: Warum bekomme ich derart deutliche sexualisierte Träume mit anderen Menschen als meiner Frau, ja selbst mit Menschen, die ich noch nie getroffen habe? Diese Träume belasten mich sehr, denn auch nach dem Aufwachen fühle ich mich schuldig und sündig. Schlimmer ist zudem, dass ich mich so fühle, als ob ich keine Kontrolle über die meisten meiner Träume besitze. Ich habe einen ziemlich ungesunden Schlafrhythmus, zum Teil auch deswegen, weil ich am liebsten überhaupt nicht träumen möchte. Ich bin dadurch äußerst beunruhigt und möchte jede Hilfe Annehmen.“ Pastor John, was würden Sie ihm antworten? „Wie gehe ich mit sexualisierten Träumen um?“ weiterlesen

Ein seltsamer Bruch in der Evangelisch-Methodistischen Kirche

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

 

Die evangelisch-methodistische Kirche (United Methodist Church, im Folgenden EMK)  hat beschlossen, sich aufgrund der gleichgeschlechtlichen Ehe zu teilen. Das ist aufgrund der langanhaltenden, diese Denomination nun lange beschäftigenden Meinungsverschiedenheiten keine große Überraschung. Die EMK hat diese Trennung auf eine beachtenswert friedliche Weise arrangiert. Die vorgeschlagene Lösung, die durch ein Komitee erstellt wurde, das sich aus Mitgliedern beider Seiten dieser Debatte zusammensetzte, wird (hoffentlich) die Streitigkeiten und Unruhe über Besitztümer und Pensionen vermeiden, die andere denominationelle Brüche unserer Zeit gekennzeichnet haben.

„Ein seltsamer Bruch in der Evangelisch-Methodistischen Kirche“ weiterlesen

„Seiner Finger Werk ist wunderbar“

Zuletzt bot sich mir die Möglichkeit, Paul Mathis, dem Verantwortlichen des Magazins schoepfung.info, einige Fragen zu stellen. Mich fasziniert, was einige (junge) Christen ehrenamtlich und kostenfrei auf die Beine gestellt haben. Dazu gehört auch die Organisation der kreatikon. Die Zeitschrift kann hier abonniert werden (Ich denke, man darf entsprechend über eine Unterstützung nachdenken (hier ganz unten)). Die bisher erschienen Artikel lassen sich online ansehen. Zu empfehlen dürften dabei besonders die Interviews sein.

S.P.:  Welche Absicht(en) verfolgt ihr mit eurem Magazin?
Paul Mathis (P.M): Wir wollen Gott die Ehre geben, indem wir ihn als den Schöpfer groß machen. Seiner Finger Werk ist wunderbar, und wenn man Sein Werk bestaunt oder erforscht, wird man froh (Ps 8,4 und 111,2). Dadurch sollen Christen im Glauben gestärkt werden und Nicht-Christen zum Glauben angeregt werden. Wir wollen das unumwundene Vertrauen in die Bibel vom ersten bis zum letzten Satz stärken; und da die Bibel sowohl mit einer Schöpfungsgeschichte anfängt als auch aufhört und beides in der heutigen, scheinbar wissenschaftshörigen Zeit stark angefochten wird, setzen wir hier an und informieren über die Schöpfung – schöpfung.info eben. Das tun wir dreimal im Jahr mit unserem kostenlosen Print-Magazin, aber gleichzeitig veröffentlichen wir auch alle Artikel aus der Zeitschrift und darüber hinaus auf unserer Webseite www.schöpfung.info, wo man das Magazin abonnieren kann.

„„Seiner Finger Werk ist wunderbar““ weiterlesen

Über Menschenfurcht, Vergangenheitsbewältigung und mehr…

Mit einigen Freunden aus der Gemeinde besuchen wir derzeit die CSA Seelsorgeausbildung in Aarau. Ehrlich gesagt, habe ich zunächst gefürchtet, dass mich das furchtbar langweilen wird. Seelsorge ist nicht unbedingt etwas, womit ich viel anfangen kann. Doch Kurs für Kurs ändert sich meine Haltung. Beat hat auf seiner Homepage auch einige Texte veröffentlicht, die ich oftmals als sehr hilfreich empfinde. Auszüge aus zweien davon:

Menschenfurcht

„Menschenfurcht ist ein falscher Gott, der in seinem Wesen halbherzig ist. Menschenfurcht geht Kompromisse ein. Dafür gibt es ausreichend Gründe zur Selbstrechtfertigung:

  • Man kann doch nicht so sein!
  • Was denken die Anderen von mir?
  • Ich könnte mich blamieren…
  • Kann man so herzlos sein?
  • Warum jetzt wieder einen Konflikt beginnen?
  • Mein Handeln könnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen (vielleicht eine Haftstrafe durch ein Regime, Prügel oder gar der Tod…)
  • Das hat doch keinen Zweck – ist bloß vergeudete Zeit …“

gefunden in: „Menschenfurcht – Kein Kavaliersdelikt“

Vergangenheitsbewältigung im Leben Josefs

Wertvoll fand ich den Gedanken, dass Versöhnung nicht zu schnell herbeigeführt werden sollte:

„So lernen wir aus der Geschichte Josefs, dass eine Versöhnung manchmal eine lange Zeit braucht – jedenfalls aus der eigenen Perspektive gesehen –; einen langen Weg der Heiligung, der auf der einen oder auf beiden Seiten zur Einsicht Schuld vor Gott und den Menschen führt, bis es endlich zu einer Versöhnung kommen darf. Der Umgang mit der Vergangenheit kann unseren Weg der Heiligung ein ganzes Leben lang prägen. (…) In der Begegnung mit seinen Brüdern hielt er die große Spannung aus und führte keine zu schnelle Versöhnung herbei. Stattdessen prüfte er das Herz seiner Brüder: Würden sie wieder so handeln, wie sie mit ihm gehandelt hatten?“

gefunden in: Vergangenheitsbewältigung

Mehr…

„Über Menschenfurcht, Vergangenheitsbewältigung und mehr…“ weiterlesen

Dürfen Hausfrauen einen freien Tag in der Woche haben?

Ein Artikel von John Piper (Download (Docx; PDF)):

Ich weiß nicht, wann diese Folge „Ask Pastor John“ gehört wird, doch sie erscheint an einem Montag, was üblicherweise der freie Tag eines Pastors ist. Eine Hausfrau schrieb uns: „Hallo, Pastor John! Ich bin eine Hausfrau und Mutter von drei Töchtern, die alle noch unter fünf sind. Zudem bin ich die Ehefrau eines Pastors. Wie viele andere Pastoren, nimmt sich mein Ehemann den Montag frei. Doch ich finde, dass es niemals einen Tag gibt, an dem ich von der Wäsche, dem Geschirr und dem Putzen freinehmen kann. Die Arbeit hört für mich nie auf und ich finde das ist für viele Mütter, die sich ausgebrannt fühlen, eine Herausforderung. Ohne, den Wert eines freien Tages für die Männer in Frage zu stellen, frage ich mich, ob Mütter auch einen freien Tag haben sollten? Sollen wir das anstreben? Oder ist das ein selbstsüchtiger Wunsch?

„Dürfen Hausfrauen einen freien Tag in der Woche haben?“ weiterlesen

Gibt es eigentlich unwahre Erzählungen?

Manchmal geschehen Schlüsselereignisse. Eines davon war für mich die Begegnung zwischen Dr. Siegfried Zimmer und Dr. Lothar Gassmann zum Thema Bibeltreue, Bibelforschung und Bibelkritik im Jahre 2012.

Nun, um es kurz zu machen: Dr. Zimmer hat den Vortrag von Dr. Gassmann in kurzer Zeit zerstört. Natürlich konnte er sich dabei voll auf seine rhetorischen Fähigkeiten verlassen. Ich muss zugeben, ich war damals ebenfalls ziemlich schockiert, dass liberale Theologie derart leichtes Spiel hat. Nachträglich betrachtet, bin ich für diese extrem harte Erfahrung auch gleichermaßen dankbar. Eine damals von Dr. Zimmer formulierte These, möchte ich heute aufgreifen – weil Sie mir unabhängig von Dr. Zimmer regelmäßig den Weg kreuzte.

Damals argumentierte Zimmer (unter anderem) so, um zu erklären, warum die Bibel Wahrheit bleibt, ohne an Ihrer Unfehlbarkeit (oder göttlichen Inspiration) festhalten zu müssen: Der Wahrheitgehalt einer Aussage oder einer Erzählung hängt nicht davon ab, ob das berichtete wirklich stattfand. Er erzählte sehr bildlich von Victor Hugo, der das Leben der Ärmsten von Frankreich an eigenem Leib erlebte, weil er sich freiwillig entschied, über einen längeren Zeitraum in einem Armenviertel zu leben. Zurück im Bürgertum veröffentlichte er sein Meisterwerk „Die Elenden„, was in der französischen Welt zu einem Umdenken in sozialen Fragen führte. „Die Elenden“ ist dabei vollständig fiktiv und beschreibt doch die Unterschicht genau und präzise. Sie wäre also eine wahre Geschichte. Ähnlich berichtet auch die Bibel über Schöpfung, Inkarnation, Auferstehung und Pfingsten wahr, ohne dass diese Ereignisse unbedingt stattgefunden haben müssen. „Gibt es eigentlich unwahre Erzählungen?“ weiterlesen