Murren als Grundrauschen

Was ist eigentlich Murren? Vor allem wahrscheinlich ein veralteter Begriff, selbst Fanboys des Textus Receptus und der LUT1912 verwenden diesen Begriff aktiv kaum. Dabei greift Paulus das Murren Israels erneut in seinem ersten Brief an die Korinther auf (1. Kor. 10,10):

Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber

Welch harte Warnung! Gleichzeitig beobachte ich, das Murren geradezu einen obligatorischen Teil vom Großteil unseres Smalltalks ausmacht:

“Schon wieder Regen” , “Der Verkehr zur Arbeit war heute grausig”. “Montage gehören abgeschafft”. sind hier nur triviale Beispiele. In längeren Gesprächen reiht sich ein Klagelied ans Nächste: Die Kinder sind frech, die Arbeit lang, das Wetter heiß, die Gemeinde doof, der Nachbar lausig, die Luft eng…

Regelmäßig beobachte ich, dass ich in die “Murrfalle” stolpere. Erzählt einer “von seinen Herausforderungen”, dann ist es nahezu natürliche Reaktion, die Schwere der eigenen Herausforderungen hervorzuheben. Frohen Mutes übertrumpft einer seinen Nächsten im Murren. „Murren als Grundrauschen“ weiterlesen

Drei Dinge, die Alleinerziehende sich von euch wünschen

Tessa Reed

Als mich vor ein paar Jahren jemand fragte: “Wie geht es dir damit, alleinerziehend zu sein?”, schossen mir sofort die Tränen in die Augen. Plötzlich war alles wieder da: das Gefühl nach dem Schiffbruch meiner Ehe allein umherzutreiben, die Einsamkeit in all den Problemen der letzten zehn Jahren als Mutter einer Tochter. In diesem Moment fühlte ich mich geliebt und wahrgenommen – es war das erste und einzige Mal in den letzten zehn Jahren, dass jemand mich das einfach so ohne besonderen Anlass fragte.

Wenn ich mich mit meinen alleinerziehenden Freunden über unsere Erfahrungen in unseren Gemeinden unterhalte, tauchen – obwohl jeder von uns seine eigene Geschichte hat – bestimmte Themen immer wieder auf. Es gibt drei Dinge, von denen wir wünschten, dass sie unseren Brüdern und Schwestern in Christus bewusst wären. „Drei Dinge, die Alleinerziehende sich von euch wünschen“ weiterlesen

Joe Bidens Transgender-Fiktionen

Carl Trueman:

Zu Beginn der Transgender-Diskussion zitierten die Leute gerne Thomas Jeffersons Aussage über die Beziehung zwischen Staatsmacht und Religion: “Was schadet es mir, ob mein Nachbar meint, es gäbe zwanzig Götter oder gar keinen Gott? Weder wird mir dadurch in die Tasche gegriffen, noch bricht es mir ein Bein.”  Aus welchem Grund also, fragte man mich, machst du dir Gedanken darüber, ob jemand, der als Mann geboren ist, sich selbst später als Frau identifiziert, wenn es dir doch nicht schadet, weder finanziell noch für Leib und Leben? Damals gab mir diese Frage noch zu denken, aber das ist lange vorbei.

Nimm zum Beispiel John Bidens Durchführungsverordnung “Verhinderung und Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund von Genderidentität oder sexueller Orientierung”, die wenige Stunden nach Amtsübernahme unterschrieben wurde, und der einige Tage später eine Verordnung folgte, die den Ausschluss von Transgender-Personen vom Militär aufhob.

Richter Gorsuch mag wirklich davon ausgegangen sein, dass sich sein Urteil im Fall Bostock gegen Clayton County lediglich auf die berufliche Einstellungspraxis auswirken würde. Aber diese neue Verordnung, die sich auf den Präzedenzfall von Bostock beruft, zeigt deutlich, was Gorsuch irgendwie entgangen war: Ist einer Gruppe erst einmal der legale Status und besondere Schutz in einem Bereich der Gesetzgebung zugesprochen worden, ist es sehr schwierig und kaum aufrechtzuerhalten, diesen Schutz nicht auch auf andere Gebiete auszudehnen. Nach Bidens neuer Verordnung kann die Nutzung von Schultoiletten und Umkleidekabinen sowie der Sport nicht mehr auf der Grundlage von Geschlecht oder “geschlechtsbasierten Stereotypen” (so die bevorzugte Sprachregelung der derzeitigen Administration) geregelt werden. „Joe Bidens Transgender-Fiktionen“ weiterlesen

Verbietet Australien Gebete?

Carl Trueman 

Konversionstherapien – also die Verwendung geistlicher oder psychologischer Eingriffe, um die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität eines Menschen zu verändern – werden in den USA zunehmend kontrovers diskutiert. In etwa zwanzig der amerikanischen Staaten sind sie bei Minderjährigen verboten. Der District of Columbia verbietet solche Therapien vollständig, unabhängig vom Alter. Solche Gesetze könnten als staatliche Unterstützung für die LGBTQ+ -Community verstanden werden, doch man muss sie nicht ausschließlich zynisch bewerten. Sie können durchaus den Wunsch widerspiegeln, Schutzbedürftige davor zu bewahren, für Behandlungen zu bezahlen, die der Gesetzgeber für Schwindel hält.

Der australische Staat Victoria jedoch hat kürzlich ein Gesetz erlassen, dass den Konflikt zwischen religiöser Freiheit, individueller Wahl und Identitätspolitik deutlich verschärfen wird. Dieses kann dabei ein Model für die Gesetzgebung überall sonst in der demokratischen Welt werden. „Verbietet Australien Gebete?“ weiterlesen

Hat Pornographie meine zukünftige Ehe bereits ruiniert?

John Piper

Heute stellen wir eine Frage von einem Zuhörer namens Ben. „Pastor John, danke für diesen Podcast. Als ich 10 Jahre alt war, wurde ich süchtig nach Pornovideos. Es war mein Hauptkampf für die nächsten sieben Jahre. Es gab wundervolle Siege auf dem Weg. Aber ich weiß auch, dass diese Videos unrealistisch und pervers sind. Gottes Design für Sex muss völlig anders sein als das, was ich gesehen habe. Aber was ich gesehen habe, ist das einzige Modell, das ich kenne. Da ich mich auf die Ehe freue, befürchte ich, dass das, was ich gesehen habe, meine Erwartungen bereits geprägt hat. Welchen Rat hast du für mich? Gibt es irgendeine Hoffnung, dass ich in der Ehe liebevolle, göttliche, gesunde Intimität erfahren werde? Und was kann ich jetzt tun, um diese sicherzustellen? “

Die Antwort ist, dass es sehr wohl Hoffnung für eine liebevolle, göttliche, gesunde Intimität in der Ehe gibt – wenn durch Gottes Barmherzigkeit eine Anzahl von Wundern in dir und in deiner zukünftigen Frau geschehen. Ich spreche von einer vom Geist gegebenen, unbewussten Verwandlung deiner Instinkte – dessen was man unbewusst tut – und von bewussten Schritten, die du zusammen mit dieser Frau gehen kannst, in die du dich vielleicht verlieben wirst, um eure Beziehung schriftgemäß vor Sünde zu schützen und eure Erfahrung von Intimität zu vertiefen und zu reinigen. Also ja, es gibt Hoffnung. Das geschieht jedoch nicht nur deshalb automatisch, weil du Christ bist. Du musst diese Wunder aktiv suchen. „Hat Pornographie meine zukünftige Ehe bereits ruiniert?“ weiterlesen

Geistliche Leiterschaft bricht womöglich das Herz…

…und ist doch immer voller Hoffnung

Jon Bloom

Immer dann, wenn ein selbstsüchtiger Sünder mit der Aufgabe betraut wird, andere selbstsüchtige Sünder in eine auf Gott ausgerichtete Richtung zu führen – sei es in Familien, Freundschaften, Hauskreisen, Gemeinden oder größeren Bewegungen – wird es Schwierigkeiten geben.

Nehmen wir zum Beispiel Mose. Kein anderer Anführer im Alten Bund war so sanftmütig wie Mose (4Mo 12,3), hatte innigeren Umgang mit Gott (2Mo 33,11) und wurde von jenen, die er anführte, ungerechtfertigter und schärfer kritisiert.

Hier eine Übersicht darüber, was Mose als geistlicher Leiter erlebte:
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Vereinigung mit Christus

Ich bin mir nicht sicher, wie man das Konzept der Union with Christ im deutschen richtig übersetzt und wiedergibt, habe mich aber für das auch leicht intim und mystisch klingende  Wort “Vereinigung” für das Konzept entschieden, dass ich im folgenden beschreiben möchte:

Das  Christen mit Christus verbunden sind, finden wir an zahlreichen Stellen der Schrift: Jesus spricht davon, dass er der Weinstock ist und wir die Reben sind (Joh. 15,1-4). Die Vereinigung mit Christus ist in diesem Fall notwendig, um überhaupt Frucht bringen zu können. In einem anderen Fall gelten die Gläubigen als der Leib Christi, während Christus selber das Haupt ist (Vgl. 1. Kor 12,27; Eph. 1,22; Eph. 4,15). Auch in diesem Fall ist das Ziel der Christen zu Christus “hinzuwachsen”. Oder denken wir daran, dass sowohl Christus der Tempel ist( z.B. Joh. 2,19-22, aber auch Parallelstellen dazu) , wie auch wir Christen (1. Kor. 3,16-17). Petrus bringt diese beiden Bilder geschickt zusammen, indem er Christus zum Eckstein erklärt und uns Christen aufruft sich auf diesem zu bauen (1. Pet. 2,6-10). Petrus entwickelt das Motiv des Heiligtums in den darauf folgenden Versen entsprechend zur Berufung zum Priestertum weiter und unterstreicht die alttestamentlichen Prophezeiungen dieser Realität. Von exakt diesem Bau zeugten die Propheten. „Vereinigung mit Christus“ weiterlesen

Scholablog.ch – Von und Für Jugendliche

“Auf dem Heimweg beklagte sich mein Kollege: «Weshalb gibt es Leute, die meine Jacke stehlen?» Wir stiegen in den Bus ein. An der nächsten Haltestelle stieg eine ältere Dame zu. Da alle Plätze besetzt waren, überliess ich ihr meinen Sitzplatz. Mein Kollege konnte dieses Verhalten nicht nachvollziehen. Er flüsterte: «Weshalb gibst du ihr deinen Platz frei? Jetzt musst Du stehen. Dir kann diese Alte doch egal sein.» Ich dockte an die vorherige Situation an:  «Weil die meisten so denken wie du, vermisst du deine Jacke!»”

Dies ist eines der Erlebnisse ihres Schulalltags, von dem Dave und Alex Schild regelmäßig auf ihrem Blog Scholablog.ch berichten. Die beiden sind 14 und 16 Jahre alt und haben angefangen ihre Erlebnisse aufzuschreiben, weil sie schon regelmäßig von ihren Klassenkameraden dazu angesprochen wurden. Außerdem haben Sie sich das hohe Ziel gesetzt: “Schule” und Christsein wieder näher zusammenzubringen. Das Schule eine Reifeanstalt für geistliches Wachstum oder denn geistliches Verkümmern ist, stellen sie in unterschiedlichen Artikeln gut dar, z.B. in diesem über das Gamen:

“Vor einiger Zeit hatte ich einen kurzen Wortwechsel mit einem Schulkameraden.Ich sprach ihn auf etwas Offensichtliches an: „Spielst du gerne?“ Er antwortete mir: „Natürlich. Gamen ist mein Leben.“ Ich bohrte weiter: „Was würdest du tun, wenn es keine Games mehr geben würde?“ Mein Kollege war fassungslos. „Ein Leben ohne Gamen, das kann ich mir nicht vorstellen. Es wäre sinnlos.» Er fügte hinzu: „Du hast perfekte Einstellung.“ Dann widmet er seine volle Aufmerksamkeit wieder dem Game.Diesen Kumpel reut die Zeit nicht, die er durch das Gamen vergeudet. Mit Blick auf die nächsten paar Stunden ist es am einfachsten, sich im Gamingsessel zurückzulehnen, eine neue Dose Cola zu öffnen und wild in der virtuellen Welt umherzuballern. Etwas Sinnvolles beginnen? Wieso? Hauptsache, ich habe meinen Spass jetzt.” 

Da sie direkt in die Lebenswelt von Jugendlichen hineinreden ist Scholablog eine gelungene und notwendige Ergänzung der christlichen Blogosphäre. Prädikat: herausfordernd und erfrischend.

Ich wünsche den Beiden weiterhin fröhliches Ausharren  im hehren Ziel den Schulaltag zur Ehre des Ewigen Königs zu verändern!

 

Jesus als König, Priester und Prophet

Ich werde regelmäßig dazu angefragt, wie ich das mit den drei Ämtern Christi begründe. Hier meine Antwort.

Ich finde Heb. 1,1-3 ist ein geeigneter Ausgangspunkt, um über Christi dreifaches Amt als König, Priester und Prophet zu sprechen.

Christus ist:

  • Prophet (“in den letzten Zeiten hat Gott durch Ihn geredet)
  • Priester (“Er hat die Reinigung von den Sünden vollbracht”)
  • König (“Er hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt – Er trägt alle Dinge”)

Manche empfinden diese Unterteilung als Konstrukt, aber Christus bedeutet bekanntlich Gesalbter, und es gab nur drei Ämter im Alten Testament, zu denen man gesalbt wurde, nämlich, völlig richtig: König, Priester und Prophet (Saul, David, Salomo, Joas, Jehu und Hasael sind Beispiele für gesalbt; Salbung von Priestern vgl. 2.MO. 30,30; 40,13; Salbung von von Propheten 1. Kön. 19,16 und Ps. 105,15). Vgl. auch die 31te Frage des Heidelberger Katechismus. „Jesus als König, Priester und Prophet“ weiterlesen

Eigennützige Entschuldigungen

Ein Artikel von Alasdair Groves. Erschienen am 18.11.2020 unter dem Titel „When Sying „I’m sorry“ is Selfish“ auf ccef.org. Übersetzung von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von CCEF (Download als .pdf).

Manchmal wollen wir nur uns selbst dienen, wenn wir „Es tut mir leid“ sagen.

Das klingt verrückt, nicht wahr? Ist nicht Buße ein Eckpfeiler des christlichen Lebens? Leider kann ich dir versichern, dass es durchaus möglich ist, demütig klingende Worte der Entschuldigung mehr aus Selbstschutz als aus echter Buße und mit dem Ziel echter Versöhnung von uns zu geben.

Die grundsätzliche Dynamik der falschen Buße funktioniert so: Ich sage „Es tut mir leid“, damit die „beleidigte“ Person mir gegenüber keine negativen Gefühle hegt, bzw. damit ich mich selbst gut fühle. Während die Schrift uns auffordert, für Sünden, mit denen wir anderen Schaden zugefügt haben, um Verzeihung zu bitten, dienen solche eigennützigen Entschuldigungen dazu, vorbeugend abzufedern, dass jemand von uns enttäuscht sein könnte, oder unser eigenes inneres Unbehagen zu besänftigen. „Eigennützige Entschuldigungen“ weiterlesen