Murren als Grundrauschen

Was ist eigentlich Murren? Vor allem wahrscheinlich ein veralteter Begriff, selbst Fanboys des Textus Receptus und der LUT1912 verwenden diesen Begriff aktiv kaum. Dabei greift Paulus das Murren Israels erneut in seinem ersten Brief an die Korinther auf (1. Kor. 10,10):

Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber

Welch harte Warnung! Gleichzeitig beobachte ich, das Murren geradezu einen obligatorischen Teil vom Großteil unseres Smalltalks ausmacht:

“Schon wieder Regen” , “Der Verkehr zur Arbeit war heute grausig”. “Montage gehören abgeschafft”. sind hier nur triviale Beispiele. In längeren Gesprächen reiht sich ein Klagelied ans Nächste: Die Kinder sind frech, die Arbeit lang, das Wetter heiß, die Gemeinde doof, der Nachbar lausig, die Luft eng…

Regelmäßig beobachte ich, dass ich in die “Murrfalle” stolpere. Erzählt einer “von seinen Herausforderungen”, dann ist es nahezu natürliche Reaktion, die Schwere der eigenen Herausforderungen hervorzuheben. Frohen Mutes übertrumpft einer seinen Nächsten im Murren. „Murren als Grundrauschen“ weiterlesen

Eine Erinnerung an Viktor Fades Leben und Sterben!

Am morgen des 08.01.2021 ist ein guter, beinahe väterlicher Freund von mir nach drei Jahren heftigen Krebsleidens heimgegangen.  Ich kenne Viktor schon seit mehr als 20 Jahren und kannte seine eiserne Konstitution und einen nahezu unbrechbaren Eigenwillen. Als er sich in der Fortbildung zum Klavierbaumeister langweilte, übersetzte er die Bibel vom Englischen ins Deutsche. Einfach um sowohl Englisch, wie Bibel besser kennenzulernen. Einmal beschloss er 40 Tage am Stück zu fasten und zog es durch. Jahrelang stand er immer (obwohl er es nicht nötig hatte) um 5 Uhr morgens auf, um die Zeit mit Bibellesen und Gebet zu verbringen. Ich möchte mit diesen Aussagen keine Hagiographie betreiben und könnte auch über einige Reibereien mit ihm berichten. Was mich aber in besonderer Weise fasziniert, war sein standhaftes Ausharren in Zeiten einer langen und besonders grausamen Krankheit. Ein seltener, aggressiver Krebs griff Bauchdecke und Gedärme an. Die folge war, dass er zunehmend abmagerte, während der Bauch sich gleichzeitig ins unermessliche aufblähte. “Ich sehe aus wie eine Schwangere”, pflegte er zu scherzen.

Ich habe ihn in dieser Zeit mehrfach besuchen können und immer war er es, der den Trost un den Zuspruch vermittelte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Früher wohnten wir in der Nähe eines Kreiskrankenhauses und ich hatte die Möglichkeit viele Schwerstkranke zu besuchen. Viele, auch Christen, nehmen Verbitterung, Materialismus, Machtkämpfe und Enttäuschungen mit bis ans Sterbebett. Ich empfand und empfinde das immer als Herausforderung. Wie ich anders sterben kann, habe ich mir sehr häufig gefragt

Um ehrlich zu sein, wird mir Viktors Hoffnung und Freude bis zur letzten Lebensstunde wohl immer auch ein Geheimnis bleiben. Dabei hatte er durchaus einige Gründe zu verzweifeln. Ein dubioser Druck durch die Ortsgemeindeleitung blieb eigentlich bis zum letzten Tag bestehen. Sein jüngster Sohn einer großen Familie ist 8 Jahre alt. Aber Viktor warf seine Hoffnung ganz auf die Gnade (1. Pet. 1,13). Ich möchte mit euch eine Botschaft teilen, die er wenige Stunden vor seinem Heimgang mit seinen Kontakten geteilt hat.  Es ist eine Botschaft der Freude und des Siegs des Evangeliums. Sie gibt mir Trost im Angesicht meiner eigenen Sterblichkeit.

Audio: Das Gebet, dass Gott am liebsten beantwortet!


Ein Artikel von David Mathis. Erschienen am 25.01.2019 unter dem Titel: God’s Favorite Prayer to Answer. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God. (Download als .pdf)

Dein Name werde geheiligt!

Irgendwo zwischen Morgengebeten und hin und wieder dem Rosenkranz in der katholischen Grundschule, dann beim High School Basketball – im Frühling, im Sommer und im Herbst – muss ich das wohl hunderte von Malen gebetet haben und habe doch kaum oder gar nicht verstanden, was es bedeutete. Genauso gut hätte ich sagen können: “Hohl sei dein Name!”

Wie Jesus gebetet hat

Begib dich mal unter die Jünger, die Jesus fragten, wie sie beten sollen (Lukas 11,1). Wie soll man beten? Was wird er wohl antworten? Welche Worte er auch immer jetzt sagen wird, sie werden zu den wichtigsten der Weltgeschichte gehören. Kein Wunder, dass katholische Schulkinder und High School Basketballplayer sie 2000 Jahre später immer noch aufsagen. Aber wie tragisch andrerseits, dass es dann oft nur noch bedeutungslose Wiederholungen und leere Phrasen sind – genau das, wovor uns Jesus gewarnt hat, kurz ehe er uns dieses Gebet gab. „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden!“ (Matthäus 6,7). Und dann wird ausgerechnet das Gebet, dass wir am häufigsten gesprochen haben, zur leersten aller leeren Phrasen! „Audio: Das Gebet, dass Gott am liebsten beantwortet!“ weiterlesen