Bei der Erziehung geht es um Wertschätzung

Parenting Is About Treasuring  von Ryan Lister, Veröffentlicht am 13. Mai 2020, übersetzt von Elisabeth Sovkov mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (download als .pdf)

Jeder sucht nach Freude. Das betrifft auch unsere Kinder, liebe Eltern.

Hinter all den Sehnsüchten unserer Kinder liegt die Suche nach Freude. Es beeinflusst und leitet alle ihre Hoffnungen, Gefühle und Handlungen. Es hängt sich ihnen förmlich ans Herz. Aus diesem Grund verziehen sie auch ihr Gesicht, wenn man sie daran erinnert, dass sie ihr Dessert erst bekommt, nachdem sie ihr Gemüse gegessen haben und daran, dass ihre Welt nicht davon abhängt, noch fünf Minuten ihr Videospiel zu spielen.

Sobald wir die prägende Kraft der Freude über die Herzen unserer Kinder erkennen, sind wir auf dem besten Weg, unsere Kinder und auch unsere Rolle als Eltern besser kennen zu lernen. „Bei der Erziehung geht es um Wertschätzung“ weiterlesen

Warum will Christus, dass manche NICHT glauben?

Ein Artikel von John Piper, Why Does Christ Want Some Not to Believe, erschienen am 15.06.2020 auf Desiring God. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (download .pdf

 – Das ist für viele Bibelleser eine verwirrende Frage, die sich am Kopf kratzen, wenn sie auf Texte wie Mt 13,13 und Lk 8,10 stoßen. Heute kommt die Frage von einem Zuhörer namens Max – eine Frage an Pastor John, der uns wieder einmal via Skype zugeschaltet ist.

„Hallo Pastor John! Können Sie mir bitte Jesu Gleichnis in Lk. 8,9-15 erklären, in welchem er Jes. 6,9 zitiert? In Jes. 6,10 sagt Gott: ‚Mache das Herz dieses Volkes fett, … damit es mit seinen Augen nicht sieht … und sein Herz nicht einsichtig wird und es nicht umkehrt und Heilung für sich findet!‘ Was mich irritiert ist, dass Gott mit voller Absicht Menschen von der Errettung fernhält, obwohl 1Tim. 2,4 feststellt, dass Gott will, dass alle Menschen Buße tun und die Errettung empfangen. Helfen Sie mir bitte, dieses scheinbare Paradox und wenn möglich Gottes Gedanken dahinter zu verstehen, wenn er bestimmte Herzen verhärtet, um sie von der Buße fernzuhalten.“ – 


In Wirklichkeit handelt es sich hier um zwei Fragen. Beide Fragen sind gut. Die erste Frage lautet: Impliziert 1Tim 2,4, dass Gottes Wunsch, dass alle gerettet werden, seine entscheidende Souveränität darüber ausschließt, wer tatsächlich gerettet wird? Wenn er also wünscht, dass alle gerettet werden, ziehen Sie dann die Schlussfolgerung, dass er keinen Anteil daran hat, auszuwählen, dass manche gerettet und manche übergangen und nicht gerettet werden? Das ist eine Frage.

Die andere Frage lautet: Was sind Gottes Gedanken darüber, oder der Zweck dahinter, wenn er in Lukas 8 verhindert, dass manche Menschen die Wahrheit sehen und gerettet werden? Lassen Sie uns also eine Frage nach der anderen angehen und sie dann miteinander verbinden. „Warum will Christus, dass manche NICHT glauben?“ weiterlesen

Die Biblischen Bünde

Ein Artikel von Paul R. Williamson (Download als .pdf).

Übersetzt von Abijah Hesse unter der Creative Commons License with Attribution – ShareAlike (CC BY-SA 3.0US).

Durch die zahlreiche Unterstützung, die ich auf meinen Aufruf hin erfahren habe, ist es mir nun möglich auch die TGC-Essays als Podcast anzubieten. 

Manuel nimmt diese Essays auf und veröffentlicht sie auf auf seinem Kanal euangelion.  Die letztliche Freischaltung auf spotify und itunes wird zwar noch ein paar Tage dauern, aber hier schon einmal dieser Beitrag zum Anhören:


Definition

Die biblischen Bünde bilden den verbindenden Faden des rettenden Handelns Gottes durch die Schrift, explizit beginnend mit Noah bis zur Erfüllung des neuen Bundes, in Kraft gesetzt durch das Blut Jesu Christi.

Zusammenfassung

Die biblischen Bünde bilden den verbindenden Faden von Gottes Heilshandlung durch die Schrift. Während einige Theologen argumentieren, dass es vor dem ersten Bund drei Bünde gibt (den Erlösungsbund, den Werkebund und den Gnadenbund), besteht der erste ausdrückliche Bund in der Schrift nach der Flut zwischen Gott und Noah. Der abrahamitische Bund folgt bald darauf in Genesis und legt den Grundstein für die Nation Israel und den kommenden Messias, durch den Gott alle Nationen der Welt begnaden würde. Der mosaische Bund setzt Gottes Umgang mit der Nation Israel, den Nachkommen Abrahams, fort und ruft sie dazu auf, gegenüber den Nationen um sie herum die Herrlichkeit ihres Herrn widerzuspiegeln. Der mit König David geschlossene Bund wies vor Israel auf den kommenden Messias hin, der für immer vollkommen auf dem Thron Davids regieren würde. Erst als Jesus als Israels Messias kam, wurden die Bünde mit dem Menschen gänzlich gehalten und erfüllt. Jesus kam, um den neuen Bund in Kraft zu setzen, der im Gesetz und in den Propheten versprochen wurde, mit diesem bringend die eschatologischen Segnungen, die dem Volk Gottes versprochen wurden.

Die Bünde zwischen Gott und den Menschen bilden einen einheitlichen Faden in der Schrift, von ihrer konzeptuellen Einführung in Genesis bis zu ihrer eschatologischen Erfüllung in der Offenbarung. Obwohl Theologen hinsichtlich der genauen Anzahl und Art solcher göttlichen Bünde uneins sind, stellen nur wenige ihre theologische Bedeutung in Bezug auf die Erlösungsgeschichte infrage.

Während der Begriff „Bund“ nicht vor Genesis 6,18 erscheint, vertritt die Reformierte/ Bundestheologie, dass drei weitere Bünde dem Bund Gottes mit Noah vorausgehen: ein ewiger „Erlösungsbund“, der innerhalb der Dreifaltigkeit vor der Erschaffung der Welt geschlossen wurde, ein vor dem Fall zwischen Gott und Adam geschlossener Bewährungs- „Bund der Werke/ Schöpfung“ und ein Gnadenbund nach dem Fall, durch den Gott versprach, die Menschheit vor den Folgen der Sünde zu retten und seine durch die Schöpfung erhaltene Bestimmung zu erfüllen. Während sich nicht alle reformierten Theologen auf die genaue Beziehung zwischen dem Gnadenbund und dem Erlösungsbund einigen können, wird angenommen, dass einer oder beide die nachfolgenden göttlich-menschlichen Bünde in der Schrift untermauern, die alle demselben übergeordneten Zweck und Endziel dienen.

Andere Gelehrte sind jedoch nicht überzeugt und identifizieren nur diejenigen, die in der Schrift ausdrücklich als solche beschrieben werden, als göttliche Bünde. Obwohl sie nicht leugnen, dass der dreieinige Gott die Errettung des Menschen vor der Erschaffung der Welt geplant hat oder dass Gott eine Beziehung zu Adam aufgebaut hat, die gegenseitige Verpflichtungen beinhaltete, oder dass Gottes Beziehungen zur Menschheit ein einziges kreatives und erlösendes Ziel ausdrücken, unterscheiden sie solche Ideen sorgfältig von den Konzept eines Bundes – eines, das zusätzliche Elemente wie einen vereidigten und / oder erlassenen Eid beinhaltet. Im letzteren Sinne verstanden, ist der erste göttlich-menschliche Bund somit der in den Tagen Noahs geschlossene (vgl. Jes. 54, 9), der Gottes Eintreten für die Schöpfung nach der Flut bekräftigt. „Die Biblischen Bünde“ weiterlesen

20 Jahre irritierende Vaterlosigkeit

Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Trilogie eines Rückblicks. Der erste Teil findet sich unter: 10 Jahre unverdiente Treue.  Mit dieser Reflexion will ich meine eigenen Motive udn Antriebe besser verstehen. Was treibt meinen Puls?

Kein schöner Land?!

Kasachstan, das Land in dem ich 1989 geboren wurde, ist definitiv mein Traumland. Meine ersten 8 Lebensjahre verbrachte ich dort. Ich erinnere mich an die bibbernde Kälte des Winters und an die sengende Sonne des kurzen heißen Sommers. Irgendwie schafften wir es als Kinder, die ganze Zeit draußen zu verbringen. Die ersten Jahre nach der Perestroika waren hart, Strom gab es nur nachts, bezahlt wurde man in Naturalien, gleichzeitig lagen große politische und wirtschaftliche Änderungen in der Luft. Wir Kinder verstanden davon reichlich wenig. Ich liebte dieses Land. Die Freiheit, diese gigantische Steppe, in der man in keiner Richtung auch nur ein Häuschen sah. Nur ganz weit weg,  einen einsamen Kuhhirten. Den ganzen Sommer hindurch tummelten wir uns im Park, pinkelten an die Mauern einer alten sowjetischen Getreidemühle, fingen am Fluß Frösche und Blindschleichen und winkten den vorbeifahrenden sowjetischen Dampflocks zu. Definitiv positiv ist auch meine Erinnerung an meinen Vater. Irgendwie war er Genie und Wahnsinniger zugleich, vielleicht beschönigt ihn aber auch nur meine Erinnerung.

Womöglich ist meine Erinnerung an meinen Vater genauso idealisiert, wie die an Kasachstan. Mein Vater war unfassbar sportlich, muss ein extrem guter Didakt, aber ein furchtbarer Landwirt gewesen sein. Auf jeden Fall brachte er mir zwar schon mit 4 Jahren lesen, schreiben und Artithmetik bei, aber im Stall verbrachte vor allem die Mutter die Zeit. Vor allem aber war er Alkoholiker. Die letzten zwanzig Jahre habe ich immer versucht jedes Stückchen Erinnerung an ihn wach zu halten. In dieser bleibt immer diese Irritation: Einerseits ein Vater, der mir vor dem zu Bett gehen stundenlang Geschichten erzählte, mich bei Spatziergängen immer auf den Schultern trug und mit einer eselsgeduld meine zahlreichen Fragen beantwortete. Mit mir den Weltatlas genauso bestaunte, wie eine russische Übersetzung von Brehms Tierleben. (Als ich viele Jahre später meinen Geburtsort besuchte, ging ich in die Bibliothek um mir von dieser diesselben Band abzukaufen.) Andererseits ein Vater im Kontrolverlust. Kaum trank er  zuviel, redete er nur noch wirr und handelte unvernünftig. Eines Tages betrank er sich bei seinen Freunden, zu denen er mich auch mitnahm, so sehr, dass er auf dem Rückweg mitten im Schnee bei -20°C einschlief. An alles, ob Licht ob Schatten, habe ich nur eine kindliche, vielleicht kindische Erinnerung. manchmal versuche ich diesen Filter gegenzurechnen, um einen besseren Rückblick zu bekommen,aber das will mir nicht gelingen. „20 Jahre irritierende Vaterlosigkeit“ weiterlesen

Eine Viertelstunde über eine lustvolle Bankrotterklärung

Auf der Gebetsstunde der Gemeinde haben wir über den 16.ten Psalm nachgedacht.

Dabei sprach ich über:

  • den Schutzsuchenden, der voller Leidenschaften undLust ist
  • wo dieser Leidenschaftliche seine Sehnsüchte gestillt bekommen hat
  • wie man bei der Erfüllung seiner Lüste leer ausgeht: Wenn man sie löscht, statt sie zu stillen
  • und was das alles mit Jesus zu tun hat!

 

Leland Ryken über die Lyrik Gottes

Alexander Schneider hat für uns eine großartige Anleitung von Leland Ryken übersetzt, die der erste Schritt für die Auseinandersetzung mit der vielfältigen Poesie und Lyrik der Bibel sein kann.

Ryken schreibt über zwei typische Fehler im Umgang mit biblischer Dichtung:

“Wir müssen es vermeiden, zweitrangige Dinge zu behandeln, bevor wir die Struktur eines poetischen Textes analysiert haben. Ich kann mich gut daran erinnern, wie irritiert ich war, als ein Bibelwissenschaftler die Meinung äußerte, dass das erste, was er im Zusammenhang mit biblischer Dichtung behandeln würde, Parallelismen wären. Das ist nicht sehr sinnvoll. Dichterische Bedeutung ist in der dichterischen Textstruktur verkörpert. Parallelismen stellen einfach nur das Versmaß dar, in das der Inhalt verpackt ist. Das ist nicht unwichtig. Aber es steht bei den Punkten, die im Zusammenhang mit Dichtung behandelt werden müssen, weit unten.”

“Ich habe einmal untersucht, was Kommentare und Studienbibeln mit einem Bild anfangen, das mehr als ein halbes dutzendmal in den Psalmen aufgegriffen wird – die Erhöhung des Horns oder der Hörner (z.B. Ps. 75,11; 89,18; 112,9; 148,14). Keine dieser Quellen konnte erklären, was auf der wortwörtlichen Ebene die Bedeutung dieses Bildes ist. Alle Aufmerksamkeit war nur darauf gerichtet, die dahinterliegende Bedeutung zu erfassen. Dichtung muss zunächst einmal so gelesen und ausgelegt werden, wie sie sich uns präsentiert. Und das beginnt ganz grundsätzlich auf der Ebene ihrer Bilder.”

Hier geht es zum vollständigen Text.

Eine Viertelstunde über einen drastischen Gemeindeausschluß (Apg. 8,22-23)

Auf unserer Bibelstelle haben wir über den Konflikt zwischen Petrus und Simon, dem Zauberer nachgedacht. Dabei betrachteten wir diese Punkte:

  • Petrus macht Simon die Notwendigkeit der Buße sehr deutlich
  • Dies macht er in der Gewissheit, dass der Mensch keine Buße tun will
  • Er verweist intensiv auf das Trachten des Herzens, dass eine Umkehr benötigt
  • Dabei konzentriert er sich ausschließlich auf die Harten Brocken

Buße – Aber wie?

Eine Andacht von John Piper für den 28. Januar. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (Download als .pdf).

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1.Johannes 1,9)

So ein vages negatives Gefühl, dass du ein mieser Typ bist, ist nicht dasselbe wie Sündenerkenntnis. Sich schlecht fühlen ist etwas anderes als Buße zu tun.

Als ich heute Morgen beten wollte, fühlte ich mich unwürdig, mit dem Schöpfer des Universums zu reden. Es war ein ganz undefinierbares Gefühl von Unwürdigkeit, und ich sagte es ihm. Was jetzt?

Nichts änderte sich, bis ich bezüglich meiner Sünden auf den Punkt kam. Sich schlecht zu fühlen, kann manchmal nützlich sein, wenn es dazu führt, dass uns bestimmte Sünden bewusst werden. Aber nur so ein diffuses Gefühl, dass man ein schlechter Mensch ist, ist normalerweise nicht sehr hilfreich.

Im Nebel der Unwürdigkeit müssen sich die dunklen Säulen des Ungehorsams herauskristallisieren und klare Form annehmen. Dann können wir mit dem Finger darauf zeigen, Buße tun und um Vergebung bitten und mit unserer Evangeliums-Panzerfaust darauf zielen und sie in die Luft jagen.

Ich habe mir also die Gebote, die ich häufig breche, in Erinnerung gerufen. Die folgenden sind die, die mir in den Sinn kamen:

  • Liebe Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand und aller Kraft. Nicht 95%, sondern 100%. (Matth. 22,37)
  • Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sei genauso eifrig bemüht, dass es ihm gut geht, wie du bemüht bist, dass es dir selbst gut geht. (Matth. 22,39)
  • Tue alles ohne Murren. Kein Murren, weder innerlich noch äußerlich. (Phil. 2,14)
  • Wirf all deine Sorgen auf ihn – so dass sie dich nicht mehr runterziehen. (1.Pet. 5,7)
  • Sag nur Dinge, die anderen Gnade vermitteln – besonders denen, die dir nahestehen. (Eph. 4, 29)
  • Nutze die Zeit. Verplempere sie nicht und trödele nicht herum. (Eph. 5,16)

So viel zu jeglicher Anmaßung von wegen großer Heiligkeit! Ich bin erledigt.

Das ist viel schlimmer als das vage Gefühl von Unwürdigkeit. Ah, aber jetzt ist der Feind sichtbar! Die Sünden sind ganz spezifisch. Sie sind aus ihrem Versteck gekommen. Ich kann ihnen ins Auge schauen. Ich jammere nicht mehr herum über meine Unwürdigkeit. Ich bitte Christus um Vergebung für die Dinge, die ich entgegen seinem klaren Gebot unterlassen habe.

Ich bin zerbrochen und habe einen Zorn auf meine Sünde. Ich möchte sie töten – und nicht mich. Ich bin kein Selbstmörder, sondern ein Sünden-Hasser und ein Sünden-Mörder. „Darum tötet alles, was zu eurer irdischen Natur gehört.“ (Kol. 3,5) „Wenn ihr aber durch den Geist die alten Verhaltensweisen tötet, werdet ihr leben.“ (Röm. 8,13). Ich möchte leben, deswegen bin ich ein „Killer“ – meiner Sünde.

In diesem Kampf höre ich die Verheißung: Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit (1.Joh. 1,9). Der Frieden ist in Sicht.

Nun fühlt sich das Gebet wieder möglich und richtig und kraftvoll an.

Audio: Martin Luthers Predigt am Ostersonntag in Coburg

Diese Predigt hielt Martin Luther am Ostersonntag den 17.04.1530 in Coburg. Luther hielt sich in dieser Zeit in Coburg auf, um möglichst nah an den Religionsgesprächen dabei zu sein, die in Augsburg stattfinden. Er selbst kann nicht nach Augsburg reisen, da er unter Reichsacht steht. So blieb Luther fast sechs Monate in Coburg. Er selbst berichtet: „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort.“ Der Predigttext wurde der Weimarer Ausgabe der Luther Werke Bd. 32, Kap. 7 (s. 39-47) entnommen und geringfügig sprachlich angepasst (download als .pdf).

Liebe Freunde, ihr habt oft die Begebenheiten gehört, die sich an diesem Tag, an dem Christus auferstanden war, begeben haben und wisst, wie die lieben Jünger Christi und die Frauen zu der unerwarteten Freude, an die sie nicht einmal zu denken hofften, gekommen sind. Die gleichen Begebenheiten sollte man wohl noch ausführlicher erklären, obwohl es noch viele zu finden gibt, die zu gerne klug werden und sich dünken lassen, sie kennen diese und der gleichen Begebenheiten ganz gut und warten und harren auf etwas Neues. Doch wollen wir uns, liebe Freunde, schicken, als die es noch nicht wissen und wollen sagen, warum solche Begebenheiten geschehen und wozu sie uns nützen. Es ist eine sehr schlechte Kunst, solche Geschichten zu kennen und darüber reden zu können, wenn man nicht weiß, wozu sie mir und dir nützen und dienen. Denn das alles ist darum geschehen, dass uns allen dadurch geholfen und geraten werde.

Das ist auch denn die Ursache, warum Paulus so ausführlich von diesen Geschichten predigt und rühmt, dass es ein Triumph sei und gegen Sünde, Tod, Teufel, Hölle und alles Übel siege (Kol. 2,15). Das man Christus also ansehe, dass er solches nicht getan habe um seiner selbst willen, sondern man muss solche Geschichten von seinem Nutzen für andere und unser aller Nutzen preisen. Er durfte ja Nichts sein, er hätte wohl verklärt werden können; eine solche Auferstehung, wie er genau das selbst bewiesen hat auf dem Berg Tabor, da er sich nur seinen Jüngern verklärte. Aber er hat diese Weise darum für sich genommen, damit er uns damit diente. Am Karfreitag hat er angefangen und ist an unsere Stelle getreten und hat dem Teufel ein solches Bild unter die Nase gehalten, dagegen er anlaufen sollte.

Denn der Teufel ist ein Fürst des Todes, dass er die Leute würgen, in Sünde und Hölle werfen kann. Darum wird er zu Recht ein Fürst der Sünde und des Todes genannt, denn er hat das Handwerk so lange getrieben, dass ihm niemand widerstehen noch entlaufen kann oder möchte. Darum wurde er auch sehr stolz und mutig. Da kam nun unser lieber Herrgott und legte ihm einen Bissen vor, an dem er sich tot beißen sollte und schickte Christus auf die Erde ins Fleisch. Aber der Teufel bedachte das alles gar nicht, dachte nur, er wollte auch ihn bald auffressen. Steckt ihn erst in die Sünde, dass er verurteilt und gerichtet wurde, wie ein Aufrührerischer, wie denn solches auch der Titel aufzeigt, der über das Kreuz geschlagen war. Da muss er sterben wie ein verzweifelter aufrührerischer Bösewicht, der sich unterwunden hat, das ganze römische Reich anzugreifen und an sich zu reißen. Darum meint der Teufel, er habe ihn gewiss und wolle ihn auch erwürgen, wie er denn tut. So er ihn nun also hingerichtet hat, meint er, er müsse nun ewig in einem solchen Tod bleiben. Was aber geschieht? Christus steht unversehens auf von den Toten und tritt Teufel mit Sünde, Tod und Hölle unter die Füße und wird so ein Herr über Teufel, Sünde und Tod. Er tut solches auch nicht mit Gewalt, sondern hat das Recht dazu, dass ihm auch der Teufel selbst solches muss recht geben. „Audio: Martin Luthers Predigt am Ostersonntag in Coburg“ weiterlesen

“Mit Christus zu Christus gehen…” – CSA – Seelsorgeausbildung, jetzt auch online möglich

Als ich letztes Jahr mit der Seelsorgeausbildung bei der CSA Aarau  angefangen habe, war ich mehr als skeptisch, ob es das richtige für mich ist.

Es schienen zahlreiche Gründe dagegen zu sprechen. Zunächst bin ich persönlich eher an Themen wie Geschichte oder Bibelkunde interessiert. Gleichzeitig halte ich mich auch nicht für den begehrtesten Genossen mit dem man in den Kampf gegen die Sünde treten würde wollen.

Nun, ich wurde Besseres gelehrt. Zunächst einmal verweist Beat Tanner, der verantwortliche Ausbilder regelmäßig darauf hin, dass Seelsorge Herzensangelegenheit ist. Ob ich es will oder nicht: ich bin immer Seelsorger! Was vermittele ich dann meinen Mitmenschen in Not, in Problemen, in Sorgen, in Verzweiflung, in Ängsten oder im Versagen gegen die Sünde? Ich habe mich rückblickend zu oft dabei erwischt, dass mein Rat in solchen Situationen völlig weltkonform war. Jeder würde so raten: “Stell dich nicht so an!”, “Streng dich doch ein bisschen mehr an!”, “Ändere dich doch endlich mal!”, “So schlimm ist das nicht” usw. usf. bis in alle Ewigkeit. Immer und immer wieder die spulen wir die alte Leier ab, die mehr mit Selbstgerechtigkeit zu tun hat, als mit der Botschaft vom Kreuz. Konfrontiert mit der Liebe Gottes, die ihren Höhepunkt darin findet, dass Gott seines eigenen Sohnes nicht schont, um uns zu erlösen, finden wir bessere Antworten. Hier ist für einen Geängstigten Trost, für einen Verzweifelten Hoffnung und für einen verstockten Sünder Befreiung zu finden.

Die Ausbildung hilft mir, diese recht einfache Antwort auf unterschiedliche Lebensbereiche und Situationen anzuwenden. An dieser Stelle ist womöglich ein Hinweis nötig. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich unter “Seelsorge” etwas anderes verstehe, als es die CSA Aarau tut. Ein Grund dürfte in meiner theologischen Herkunft aus dem evangelikalen Fundamentalismus liegen. Hier versteht man unter Seelsorge vor allem das Gespräch, dass nach einem Zuruf zwischen einem Bruder und einem reuigen Sünder stattfindet (Wahrscheinlich sind hier mehr Parallelen zur katholischen Beichte vorhanden, als man sich eingestehen möchte). Entsprechend ist Seelsorge dann auch besonderen heiligen Momenten vorbehalten.  Obwohl das Zusprechen des Heils und der Rechtfertigung für mich ein zentrales Element ist (und immer zentraler wird), wenn ich mit meinen Mitmenschen im Gespräch bin, dürfte es dennoch besser sein unter Seelsorge das zu verstehen, was Beat Tanner als “mit Christus zu Christus gehen” beschreibt. Es geht nicht um das Erteilen der Absolution sondern um das Zusprechen der Gnade in dem man auf das Kreuz weißt.  Es ist möglich unseren Mitchristen einen Rat zu geben, der zu Christus zeigt. Echten Trost- der hält, Echte Hoffnung, die besteht. Das das die Pflicht eines jeden Christen ist, macht Beat in seinem Essay: “Qualifikation für einen Seelsorger” deutlich.

Licht in die ganzen Begriffe brachte mir, als ich über den englischen Begriff “Counseling” nachdachte, der im deutschen häufig mit Seelsorge wiedergegeben wird, aber auch mit (Lebens-)Beratung übersetzt werden könnte. Genau deswegen profitiere ich ungemein von der CSA Seelsorgeausbildung. Welchen Rat kann ich meinem Bruder, meiner Schwester in ihrer Not, ihrer Angst und ihrer Sorge geben. Wie kann dieser Rat wirklich weise sein und Liebe und Wahrheit vermitteln? Was muss ich an mir ändern, damit ich besser auf Christus hinweisen kann? Wie kann ich meinen Bruder besser verstehen? Wie kann ich zwischen Sünde und Scham unterschieden? Wie kann ich Strategien entwickeln, um auch mit einem sehr beunruhigten Menschen ins Gespräch über das Wort Gottes zu kommen? Das sind nur einige der Themen, die ausführlich einschließlich persönlichem Mentoring und zusätzlicher Vorbereitungslektüre im Laufe von zwei Jahren besprochen werden.

Ich kann diesen Kurs somit nur jedem empfehlen, der überhaupt in eine Gespräch mit seinen Geschwistern tritt. Doch Achtung! Der Kurs ist gefährlich! Er wird dich verändern. Eine derartige Konfrontation mit dem Wort Gottes wird nicht ohne tiefgreifende Änderungen bleiben.

Bei der Ausbildung wird sich seit diesem Jahr etwas ändern: Ab 2020 wird es möglich sein, diese Ausbildung auch online zu absolvieren.

Mehr erfährst du hier und in diesem Video: