Grenzziehung im Dienst?

Ed Welch

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Persönliche Grenzen im Dienst: Wann ist es angebracht, „nein“ zu sagen?

Wie kannst du auflegen, wenn die Person am anderen Ende der Leitung pausenlos spricht und du noch Arbeit hast, die auf Erledigung drängt? Kennst du das, dass du dich selbst “ja” sagen hörst und dich im selben Moment schon über dich ärgerst?

Was sind weise Grenzziehungen? Das ist die Frage, die mir als Dozent bei CCEF in der einen oder anderen Form am häufigsten gestellt wird. Unsere Schüler nehmen Kurse in Seelsorge, weil sie Menschen lieben und ihren Bedürfnissen besser dienen möchten. Die meisten von ihnen stecken allerdings schon bis zum Hals im Dienst. Während eines Kurses vertiefen sich einige dieser Beziehungen, und es kommen noch ein paar dazu. Und sie fragen sich: Wie lange kann sich dieser Trend zu noch mehr und noch tieferen Gesprächen fortsetzen? „Grenzziehung im Dienst?“ weiterlesen

Über Balken, Splitter und Vorurteile

Mt. 7, 3:  “Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? 4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? 5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.”

Die Bergpredigt ist wirklich eine shocking message! Jesus durchschaut uns bis in die geheimsten Ecken des Herzens. Wenn ich über Mt. 7,3-5 nachdenke, dann fallen mir einige Punkte auf:

a) Wir können kleine Fehler an anderen bemerken und doch gleichzeitig unsere eigenen großen Fehler übersehen.  Das heißt nichts anderes, als das wir selbst große Fehler in unserem Leben so klein reden, dass sie uns kleiner vorkommen, als Kleine Fehler anderer: “Der Splitter da, der ist furchtbar! und der nennt sich noch Christ? Aber der Balken hier, naja der fällt ja kaum auf!”

Ich finde es spannend, dass gerade die Aussage Jesu, die uns deutlich macht, wie vorsichtig wir dabei sein sollten, andere zu korrigieren, gleichzeitig deutlich macht, wie nötig wir Korrektur haben. Während ich also einiges falsch machen könnte beim Versuch, meinem Bruder zu helfen, toleriere ich einen viel größeren Fehler in meinem Leben. „Über Balken, Splitter und Vorurteile“ weiterlesen

Christians Abenteuer (1): Christian kann nicht genießen

Denn dem Menschen, der (Gott) gefällt, gibt er Weisheit, Verstand und Freude; (Pred. 2,26)


Bei meinem letzten Besuch in Oxford bin ich beim Wandeln zwischen den alterwürdigen Gräbern neben dem Martyrs Memorial über eine lockere Bodenplatte gestolpert,  die dadurch um wenige Zentimenter nachgab. Auf diese Weise tat sich ein bis dahin kaum sichtbarer Spalt so weit auf, dass dahinter ein Hohlraum sichtbar wurde. Fast automatisch musste ich hinlangen und zog eine stark angegriffene Ledertasche hervor in der sich ein englisches handgeschriebenes Manuskript  mit dem eigentümlichen Titel “Some lost chapters of the pilgrim’s progress” von einem gewissen Yann Jobuhn. Nun bin ich endlich dazu gekommen, einige Kapitel davon zu übersetzen, wobei ich es nicht unterlassen konnte, die Erzählungen zu kürzen und die Begebenheiten an moderne Herausforderungen anzupassen.

Doch lassen wir den Autor sprechen:

Christian (35 Jahre alt und verheiratet mit Christine) wohnt in Kampfstadt, einer kleinen Siedlung in der Nähe von Siegburg. Er ist seit vielen Jahren Christ, recht aktiv in der Gnadenkirche, einer bunten Gemeinde am Rande seiner Stadt.  Doch in den letzten Jahren verließ die Freude immer mehr das Herz von Christian, ein derart schleichender Prozess, dass er ihm weder besonders auffiel, noch für ihn erklärbar war. Doch blicken wir auf einen typischen Sonntag von Christian.

An diesem Tag wollte das junge Paar den Gottesdienst der Martini Gemeinde  besuchen und schon bald fing die Schlinge Satans an, sich enger um den Hals von Christian zusammenzuziehen. Der Weg war lang, und obwohl man für einen Sonntag nur wenig Verkehr erwarten durfte, haben sie fast eine halbe Stunde länger benötigt, als eingeplant. Entsprechend stockten auch die Gespräche unterwegs ziemlich schnell und Christian dachte darüber nach, wie viel er in der Verkehrsplanung ändern würde, wenn er der Stadtbauplaner wäre. Schon bald versank er im Nachdenken über die weitreichenden Änderungen, die eigentlich  die komplette Gesellschaft benötigt und verpasste so die Gelegenheit seiner Frau zuzuhören, die mit ihm die herausfordernde Schulsituation ihrer Kinder besprechen wollte. Auch hatte er natürlich weder Freude an der Umgebung, noch konnte er die Songs aus dem DAB-Radio genießen, die ausgerechnet heute seine Lieblingssongs ausstrahlen mussten. Sie sind recht knapp eingetroffen, waren aber pünktlich genug, damit sich Christian über den starren Gesichtsausdruck eines Ordners und das doch eigentümliche Design eines evangelistischen Flyers wundern konnte, die am Eingang auslagen. “Wer bitte soll ernsthaft erwägen, den Gottesdienst zu besuchen, wenn er einen solchen Flyer sieht”, fragte sich Christian. Doch schon saßen sie zwischen den Reihen, natürlich mit Abstand und Maske. schließlich war ja Corona. Christian hasste es, über Corona nachzudenken, und je mehr er sich diesem Thema entziehen wollte, desto mehr schien es seine Gedankenwelt zu kontrollieren. Die kompletten Maßnahmen erschienen ihm bizarr, ja er weigerte sich, in diesen Weitsinn oder Kompetenz anzuerkennen. Er würde so vieles anders machen. Er verstand nicht, wie solch kompetente Menschen sich  nicht zu besseren Entscheidungen durchringen konnten. Wieder war er kurz davor, sich von einem wichtigen, global relevanten Thema gefangen zu nehmen, bei dem eine Veränderung dringen nötig war (und die er sogar kannte), doch kam er doch noch rechtzeitig zur Besinnung, um der Gottesdienstliturgie und der Predigt folgen zu können. Doch was war das bloß für eine Liturgie. „Christians Abenteuer (1): Christian kann nicht genießen“ weiterlesen

Christliche Seelsorgeausbildung in Aarau.

Vor ca. einem Jahr habe ich bereits für die Christliche Seelsorgeausbildung in Aarau  geworben.  Deswegen kann ich mich diesmal kurz fassen, möchte aber bekräftigen, dass wir Teilnehmer sehr von dem 2 Jährigen Kurs profitiert haben. Ich wurde in so vielen Bereichen verändert und habe das Wort Gottes auf eine Neue Art kennengelernt. Viele fühlen sich bei dem “Begriff Seelsorge” unangenehm herausgefordert. Sehe ich mich nun als Seelsorger?  Sicherlich nicht im engeren Sinne, dass ich eine christliche Beratungsstelle öffne, aber ganz klar im weiteren Sinne, das jeder Christ ein Seelsorger an seinem Nächsten ist, um ihn zu Christus zu führen. Entsprechend habe ich besonders von der gründlichen Arbeit des Dozenten profitiert, zentrale biblische Wahrheiten praxisnah anzuwenden, darunter Gebet, Christologie, Einheit mit Christus, Heiligung, Ehe, Familie.

Vor allem die Möglichkeit den Kurs nun auch online zu machen, öffnet auch Menschen, die nicht so nah an Aarau wohnen wie ich, die Möglichkeit an dieser Ausbildung teilzunehmen.

Beim letzten Mal kam in den Kommentaren, doch recht regelmäßig dieser Einwand: “Ist dieser Kurs etwa das Gelbe vom Ei”  oder “Willst du sagen, dass man nur mit diesem Kurs ein besserer Christ wird?” und ähnlich. Dabei wird diese Art von Artikeln missverstanden. Ich berichte bloß davon, wovon ich profitiert habe und könnte mir vorstellen, dass auch andere ähnliche Erfahrungen machen können. Mir hat auch das strukturierte Befolgen eines Lehrplanes und der Austausch mit einem Christen aus einem völlig anderen Kutlurkreis geholfen, in meiner Erkenntnis zu reifen.

Mehr Infos zu Ausbildungsziel, Inhalten und Kosten finden sich hier.  Ab dem 27 August fängt der Kurs 2021/2022 an. Wer sich nicht ganz sicher ist, dem empfehle ich, den Veranstalter einfach um einen Schnupperkurs zu bitten (so habe ich das auch getan). Weitere Infos finden sich auch in diesem Video:

Leite dein Herz!

Jon Bloom:

(Artikel downloaden)

„Folge deinem Herzen“ ist ein bekannter Ausdruck – im Wesentlichen ein Glaubensgrundsatz unserer heutigen Popkultur – der für den Glauben steht, dass unser Herz eine Art Kompass ist, der uns zum wahren Glück führen würde, wenn wir nur den Mut hätten, darauf zu hören. Wie ich in vorherigen Artikeln erklärt habe, denke ich, dass dieser Glaubensgrundsatz sowohl irreführend als auch gefährlich ist.

Er ist deshalb irreführend, weil „Folge deinem Herzen“ wie eine heilige Mission klingt – so als würde es dein wahres Selbst beschädigen, wenn du nicht deinem Herzen folgen würdest – obwohl es in Wirklichkeit „strebe nach dem, was du dir wünschst“ bedeutet. Und wenn man es auf diese Weise ausdrückt, dann können wir alle sehr viel klarer sehen, was den Ausdruck gefährlich macht, da uns Wünsche, die von unserer gefallenen Natur übrig sind, in größte Schwierigkeiten führen können. („Trügerisch ist das Herz mehr als alles, und unheilbar ist es“ Jer 17,9a).

Ich glaube, ein für Christen weitaus hilfreicherer Ausdruck wäre „leite dein Herz“, wie es uns in Sprüche 23,19 geraten wird:

Höre du, mein Sohn, und werde weise, und leite dein Herz den geraden Weg! „Leite dein Herz!“ weiterlesen

Das Gleichnis vom leichtsinnigen Vater und den verlorenen Söhnen

Ich glaube unter den Aussprüchen Jesu zählen die Gleichnisse zu den Texten, an die wir uns so sehr gewöhnt haben dass wir  die schockierende Botschaft überlesen.  Ich erinnere mich an eine der wenigen Religionsstunden der Mittelstufe, in der wirklich ein Bibeltext gelesen wurde und es wurde mal das Gleichnis vom verlorenen Sohn gewählt. Nach der Lesung folgte von den Schülern ein beinahe einstimmiges Urteil: Wie ungerecht und hart der Vater gegenüber dem älteren Sohn handelt und wie leichtsinnig er mit dem jüngeren umgeht.

Das veranlasst mich zu einigen skizzenhaften Überlegungen:

  1. Warum lässt der Vater den Sohn ziehen?

Es war ein Skandal erster Güte, was sich der jüngere Sohn erlaubt: Noch zu Lebzeiten verlangt er sein Erbteil. Anders gesagt, ruft er seinem Vater zu: Ich wünschte, du wärst endlich tot! Der Vater wäre also natürlich im Recht gewesen, wenn ihr im die Güter versagt hätte! Er wusste ja , was mit dem Erbe geschehen wird, es wird verschleudert! Hätte er nicht ein bisschen vernünftiger, ein Stück weit strenger handeln müssen? Aber was würde dann aus der Gnade! Einiges wäre erreicht worden, durch ein gerechtes, frommes, einem dem israelischen Gesetz würdigen Verhalten des Vaters: Das Geld bliebe erhalten, die Zucht gewahrt, die Rebellion hätte gar nie öffentlich werden müssen. Mit entsprechenden Drohungen ließe sich der Sohn an der Leine halten, schließich musste er in diesen Fragen den Kürzeren ziehen. Der Vater schließlich, müsste sich nicht die beschämenden Blicke seiner Nachbarn gefallen lassen, die alle eines in aller Deutlichkeit sagen: “Du hast versagt!” „Das Gleichnis vom leichtsinnigen Vater und den verlorenen Söhnen“ weiterlesen

Psychopharmaka und Seelsorge – eine Publikation von Dr. rer. nat. Martin Schumacher

Heute möchte ich auf eine hilfreiche Publikation von Dr. rer. nat. Martin Schumacher aufmerksam machen. Das Dokument ist eine Handreichung für jeden, der vor der schwierigen Frage steht, ob zu Psychopharmaka bei sich selbst (oder bei seinem Nächsten) gegriffen werden soll und soll eine Unterstützung in der Entscheidungsfindung sein. Während man die Medikamentengabe nicht generell ablehnen kann, darf man in dieser keinesfalls eine (dauerhafte) Lösung seiner Probleme sehen. Ich denke Schumacher gelingt hier diese ausgewogene Sicht auf diesen psychosomatischen Lebensbereich. Der Lesefluss des Buches wird durch kurze “Merke-” Stationen deutlich vereinfacht und man hat nach jedem Kapitel die Möglichkeit über das Gelesene zu reflektieren. Schließlich rundet ein umfangreiches Kapitel mit Literaturhinweisen das Buch ab und ermöglicht , – auch je nach Problemfeld – weitergehende Selbstrecherche. Es ist  zu empfehlen, sich vor der Verwendung von Psychopharmaka umfassend zu informieren.

Das Handbuch findet sich hier kostenfrei zum Download.

Der Autor, dessen Herz für die Seelsorge schlägt, hat viele historische Schriften in diese Bereich aufbereitet (und neu entdeckt). Diese finden sich unter diesem Link.

Wieder… Taufe

Ich habe schon einige Artikel über die Taufe geschrieben. Nebst einem eher allgemeinen, kritisiere ich in einem anderen, dass ausgerechnet wir Baptisten die Bedeutung und Zentralität der christlichen Taufe runterspielen. Für mich ist die christliche Taufe extrem wichtig, deswegen stimmt es mich traurig, dass ausgerechnet Baptisten eher schwache Plädoyers für die Taufe veröffentlichen. Ich denke da z.B. an das neu aufgelegte Buch von A.E. Wilder-Smith. Ein Autor, den ich sonst gerne gelesen habe, verpasst es, die ganze biblische Offenbarung zur Taufe zusammenzutragen und konzentriert sich einzig und allein auf die Frage, ob die Taufe als Erwachsener durchs Untertauchen stattfinden soll (und entsprechend dann immer wiederholt werden soll). Entsprechend bleibt nichts von diesem mächtigen Symbol mehr übrig. Dabei gibt selbst die katholische Kirche Situationen zu, in denen eine Wiedertaufe nötig ist, und das manchmal bereits bei einem falschen Wort: “wir” statt “ich” (Vergleiche den Artikel hier).

Persönlich habe ich über die Taufe am meisten durch den Heidelberger Katechismus (im Folgenden HK) gelernt. Selbst (oder ausgerechnet) bei der Frage “Soll man auch die kleinen Kinder taufen?” (Frage 74), die der HK  natürlich bejaht.

Er begründet das damit, dass auch “die Kinder ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde gehören”. Klingt trivial oder? Wenn man darüber nachdenkt, hat man aber hier eine spannende und wichtige Trennlinie innerhalb des Protestantismus: Was ist Gemeinde? Gehören Kinder der Gläubigen dazu oder nicht? Im Gespräch mit der Familie wurde mir bald klar, dass ich meine Kinder sehr wohl als Gläubige behandeln muss, und dass genau das auch unter Baptisten gängige Praxis ist (z.B. dürfen auch ungetaufte Kinder zum Gottesdienst beitragen). Auch ist mir der Schaden bewusst, was passiert, wenn ich meine Kinder als Unbekehrte behandele. Hacke ich nämlich auf meine Kinder nur ein, “dass sie sich erst bekehren müssen”, könnte es schnell geschehen, dass ich einem Kinde Gottes nur die Heilsgewissheit raube. Ich denke schon, das viele, auch biblische Gründe (nicht zuletzt 1 Kor 7,14) für das Vorgehen sprechen, Kinder gläubiger Familien als Gläubige zu betrachten, so lange sie nicht klar gegen den Glauben rebellieren (Ich vermute auch, dass Artikel 15.1 des baptistischen Bekenntnisses von 1689 in diese Richtung argumentiert) . „Wieder… Taufe“ weiterlesen

Wie schütze ich mein Kind vor dem Einfluss des Staates?

John Piper

Ein Christ aus Schweden, sowohl Ehemann als auch Vater, schreibt in der heutigen Frage: „Hallo Pastor John, ich höre ihren Podcast sehr gerne und auch das, was Sie uns vermitteln, gefällt mir sehr gut. Ich komme aus Schweden und wir werden hier zu vielem gezwungen, vor allem auf sozialer Ebene. War früher Hausunterricht aufgrund von bestimmten religiösen Überzeugungen noch erlaubt, so ist er seit einiger Zeit verboten. Wir müssen unsere Kinder in staatliche Schulen schicken, oder die Regierung droht damit, sie uns wegzunehmen. Unsere Kinder müssen mit 6 Jahren schon in die Vorschule gehen. Christliche Schulen werden zunehmend als illegal eingestuft, auch wenn es noch „Christliche Schulen“ gibt. Diese haben mit dem Christentum jedoch, abgesehen vom Namen keine Gemeinsamkeiten. Sie dürfen weder christliche Werte, noch eine christliche Weltanschauung lehren. Durch das Gesetz werden sie dazu gezwungen, sich an denselben Lehrplan zu halten wie säkulare, atheistische Schulen, um den Kindern eine weltliche Bildung zu vermitteln. Sie lernen sogar in der Schule, dass LGBTQ etwas völlig Normales und nicht zu verurteilen sei. Pastor John, wie sollen wir in so einem Land gute Eltern sein?“

 

Wir wollen nunan diesem Beispiel versuchen zu verstehen, wie wir mit solchen schwierigen Herausforderungen umgehen sollen. „Wie schütze ich mein Kind vor dem Einfluss des Staates?“ weiterlesen

Niemand folgt seinem Herzen

Jon Bloom:

(Artikel downloaden)

Tatsächlich folgt niemand seinem Herzen. Ich weiß: das klingt seltsam, wenn wir die Vorherrschaft des Glaubensgrundsatzes unserer Kultur, nämlich „Folge deinem Herzen“ betrachten. Aber wenn wir sorgfältig darüber nachdenken, was unser „Herz“ wirklich ist und wie es funktioniert, dann werden wir sehen, dass dieser Glaubensgrundsatz keinen Sinn ergibt und warum er damit endet, Menschen zu verwirren und in die Irre zu führen.

Vor einigen Jahren schrieb ich einen Artikel mit dem Titel „Folge nicht deinem Herzen“ , in welchem ich argumentiert habe, dass unser Herz, wenn wir seine pathologisch selbstsüchtige Ausrichtung bedenken, kein Führer ist, dem wir folgen sollten.

Manche Leser hatten Einwände. Sie gaben zu bedenken, bei uns Christen sei doch das steinerne Herz durch ein neues, fleischernes Herz ersetzt worden (Hes 36,26) und darum sollte es ein zuverlässiger Führer sein. Ich verstehe das Problem, obwohl ich glaube, dass diese Sichtweise naiv ist. Römer 7 (und ein Großteil des Neuen Testaments) bezeugen eine aktive, verführerische, sündige Natur. Meine umfangreiche, persönliche Erfahrung und Beobachtung bestätigen das. Daher ist es erforderlich, dass wir misstrauisch und wachsam bleiben müssen.

Da ich jedoch mehr Klarheit haben möchte, werde ich mein Argument einen Schritt weiterführen: Niemand folgt seinem Herzen, weil Gott nicht wollte, dass das Herz so funktioniert. „Niemand folgt seinem Herzen“ weiterlesen