Eine Viertelstunde über ein Gebet im Walfischmagen

Was macht ein erfahrener Prophet Gottes im Walfischmagen? Offensichtlich eine Lektion lernen. Aber welche sollte es sein? Und warum hat Jona geradezu zum Verzweifeln keinerlei Motivation nach Ninive zu gehen? Ist es Angst? Ist es mangelnde Überzeugung? Könnte es sein, das Jona nicht ertragen kann, dass sein Gott selbst mit einem Terroristenvolk gnädig ist? Wie kann es sein, dass Jona Gnade als unerträglich empfindet? Wenn dieses Problem einen bewährten Propheten betrifft, wie weit mehr uns? Diesen und weiteren Fragen gehe ich in meiner Andacht nach.

Übrigens: Meine Lektüreliste findet sich hier.

Höre hier:

 

Die Zweite Eva

 Ein Artikel von von Rachel Jankovic: „The Second Eve“, erschienen  am 15. Mai 2020, übersetzt von Elisabeth Sovkov (Download als .pdf)

Ich glaube, es gibt keine traurigere Geschichte in unserer Weltgeschichte als das Ereignis in 1.Mose 3. Während die Tatsachen des Sündenfalls in Kürze festgehalten werden, ist das, was wir dort lesen, der Ursprung allen menschlichen Leids und Todes, aller Krankheiten und Herzschmerzen. Alles Traurige was jemals passierte, begann dort. Wir lesen von der zerstörten Beziehung zwischen der Menschheit und Gott und wie das einen Einfluss auf die Beziehung zwischen Mann und Frau als auch auf unsere Arbeit und auf unsere Welt besitzt (1.Mo. 3:16-19).

Aber auch in dieser Einleitung von Tod und Not, gibt es ein Licht. Geburten werden uns viel Schmerz bringen – aber dieser Fluch nimmt uns nicht die Freude an unseren Kindern. Es gibt zwar Schmerz, aber da ist auch viel Schönheit und Hoffnung inbegriffen. Zwar sind Spannungen in die Beziehung zwischen Mann und Frau gekommen, doch wurde die Liebe nicht beseitigt. Selbst im Fluch gab Gott uns eine große Hoffnung, dass er diesen ungeschehen machen kann. Gott machte uns für immer zu Feinden der Schlange, aber nicht zu Feinden untereinander (1.Mo. 3:15).  Selbst in diesem abscheulichen Moment, begann er mit seinem großartigen Plan, uns für sich wiederherzustellen. „Die Zweite Eva“ weiterlesen

Meine Seele will sich nicht trösten lassen

Ein Artikel von Jon Bloom: „My Soul refuses to be comforted”, erschienen am 16.05.2020. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God. (download als .pdf)

Seine Seele war so aufgewühlt, dass er keinen Schlaf fand. So verwirrt und verstört waren seine Gefühle (und die ihnen zugrundeliegenden Fragen), dass er sie gar nicht alle in Worte fassen konnte. Er litt nicht an einer generalisierten, undefinierten Depression. Er erwähnte keinen besonderen Feind, der sein Leben bedrohte. Die Person, wegen der er solche Qualen litt, war Gott selbst. Als Asaph Psalm 77 niederschrieb, ging er durch eine Glaubenskrise.

Ich rufe zu Gott und will schreien;
zu Gott rufe ich, und er wolle auf mich hören!
Zur Zeit meiner Not suche ich den Herrn;
meine Hand ist bei Nacht ausgestreckt und ermüdet nicht,
meine Seele will sich nicht trösten lassen.
Denke ich an Gott, so muss ich seufzen,
sinne ich nach, so ermattet mein Geist. (Sela.)
Du hältst meine Augenlider offen;
ich werfe mich hin und her und kann nicht reden. (Psalm 77,2-5 SLT)

Warum war Asaph so aufgewühlt? Weil es aus seiner Perspektive so aussah, als habe Gott beschlossen, seine Verheißungen für Israel fallenzulassen. Wenn Gott sein Wort nicht hält, haben die, die ihm vertrauen, das Haus ihres Glaubens auf Sand gebaut – ein sehr verstörender Gedanke. „Meine Seele will sich nicht trösten lassen“ weiterlesen

Wie wurde John Piper Calvinist?

Dieser Artikel von John Piper erschien am 19.08.2020 unter dem Titel: „How Did John Piper Become a Calvinist?“  Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (download)

Audio Transkript

Manche Leute denken vielleicht, dass John Piper als Calvinist geboren wurde. Falsch gedacht. Tatsächlich geschah seine Annahme Reformierter Heilslehre mit dem Preis von einigen sehr schmerzhaften Lebenserfahrungen. Einige davon teilte er in einer Predigt im Jahr 2002 (hier auf Deutsch) mit. Hier ist Pastor John und erzählt von einigen dieser Schlüsselmomente seines Lebens in der Hochschule, nämlich der Konfrontation mit Philipper 2,12-13 und Römer 9. Im Folgenden seine Erklärung.

Es gibt zwei Erlebnisse in meinem Leben, die Römer 9 für mich zu einem der wichtigsten (wenn nicht sogar zu dem wichtigsten) Kapitel in der Bibel machen. Dies dahingehend, wie es die Art geformt hat, wie ich über alles denke, und wie es den Ort bestimmt hat, an den ich von Gott in den Dienst geführt wurde, nämlich nach Bethlehem[2]. „Wie wurde John Piper Calvinist?“ weiterlesen

Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?

Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?

Ein Artikel von Ed Welch. Erschienen am 23.10.2019 unter dem Titel: „Is Scripture Sufficient for Counseling?” bei CCEF. Übersetzt von Ruth Metzger.

“Sie verwenden einfach nur die Bibel.” So habe ich Leute über biblische Seelsorge reden hören. Eigentlich würde ich über diesen Kommentar gar nicht weiter nachdenken, gäbe es da nicht zwei Dinge. Erstens wollen sie uns damit nicht anerkennend auf die Schulter klopfen; das verrät das Wort „einfach“. Würden sie sagen: „Sie verwenden die Bibel”, würde ich mich ermutigt fühlen und es dabei belassen, aber das will man damit nicht aussagen. Und zweitens führt uns diese Frage zu der größeren Frage nach der Reichweite der Schrift. Genügt die Heilige Schrift? Und wenn ja, was bedeutet das? „Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?“ weiterlesen

Lass deine Traum-Gemeinde sterben!

Wie Unzufriedenheit Gemeinschaft zerstört

Ein Artikel von Scott Hubbard: Let Your Dream Church Die. Erschienen am 02.08.2020. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von desiring God (Download als .pdf).

„Herr, ich möchte dich jetzt für Kevin bitten …“

Wer ist Kevin? Das war mein erster Gedanke. Ich hatte die Augen geschlossen, den Kopf gesenkt und ging im Kopf die Namen der neuen Hauskreismitglieder durch und fragte mich, wie ich Kevin übersehen konnte. Nach einigen Augenblicken merkte ich, dass Kevins Gebetsanliegen ziemlich stark meinen eigenen ähnelten.

Dann blickte ich es: Er betete für mich. Ich war Kevin.

Jeder, der schon lange Teil einer christlichen Gemeinschaft ist, kann von solchen peinlichen Momenten erzählen. Ab dem Moment, in dem man beginnt, sich in eine Gemeinde zu investieren, umgibt man sich mit Menschen, die einem manchmal auf die Nerven gehen können. Menschen, die immer ganz genau gegen den Takt klatschen. Menschen, die sagen: „Wir sollten uns unbedingt treffen“, und dann offensichtlich alles vergessen. Menschen, die einen Kevin nennen.

Sicher, die meisten von uns können solch banale Enttäuschungen leicht wegstecken. Die wirklichen Schwierigkeiten kommen erst, wenn solche Banalitäten richtig ermüdend werden. Wenn du lange genug in einer christlichen Gemeinschaft bleibst, dann wirst du dich selbst nicht genug wertgeschätzt und übersehen fühlen. Vielleicht wirst du alle möglichen ungebetenen „Ratschläge“ bekommen. Vielleicht verhedderst du dich in allerkleinlichsten Konflikten. Das alles kann sich verschlimmern.

Wenn uns ausreichend solcher Provokationen begegnen, dann kommen die Nebel der Ernüchterung auf. Wir beginnen uns dann womöglich zu fragen, ob wir in der falschen Gemeinde sind. „Lass deine Traum-Gemeinde sterben!“ weiterlesen

Multi Kulti ist tot

Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber es ist noch nicht so lange her, da hat nicht nur der damalige CSU-Chef Stoiber, nein, sogar unsere Bundeskanzlerin “Multi-Kulti” für tot erklärt. Nun, damals gab es große Vorbehalte gegen eine multikulturelle Gesellschaft, sehr beklagenswert wie ich finde, denn unser Hauptelend scheint unsere Monokultur zu sein.

Ja, richtig gehört, ich finde es kaum zu ertragen, wie monokulturell unsere Gesellschaft ist. Ein Kommentator antwortet auf die Frage: “Was ist das Gegenteil einer multikulturellen Gesellschaft?” auf dem Web-Forum Quora.de sehr treffend: “Eine monokulturelle Gesellschaft. Langweilig, trist, grau, alles wiederholt sich ständig. Öde!” Welch treffende Qualifizierung des Westens im nun nicht mehr so jungen 21ten Jahrhundert.

Nun sehe ich natürlich, dass sich überall heftiger Widerstand gegen diese Bewertung regt. Man könne schließlich überall auf Migranten treffen, Menschen des unterschiedlichsten Sexualverständnisses in (und seltsamerweise vor allem) hochqualifizierten und gutstehenden Positionen. Man ist im Westen stolz darauf, offener zu sein, als alle Generationen zuvor. Ja, sogar als die meisten anderen Regionen der Welt. Gelassen nutzt man den Verweis auf die globalisierte Welt um seine eigene spießbürgerliche Seele zu streicheln. Es stellt sich natürlich die berechtigte Frage, was denn genau in den letzten 1,5 Generationen geschehen ist, dass aus der internationalen anerkannten Hochburg für Spießertum ein Musterland  multikulturelle Identität werden ließ? Eine befreiende Eingebung in der fein abgezäunten und säuberlich geschützten Gartenanlage?

Zumindest die Indizien sprechen also dafür, dass ein Großteil der Gewissheit, einer besonders multikulturellen Gesellschaft anzugehören, eher als fromme Fassade zu bewerten ist. Nun ja, für mich Motivation genug, um hier etwas auf Spurensuche zu gehen. Meines Erachtens bestätigt die Faktenlage den  Tatverdacht der Heuchelei. Doch im Folgenden mehr:

„Multi Kulti ist tot“ weiterlesen

Axolotls Kiemen

Als Aquariumbesitzer habe ich mich auch nach potentiell exotischeren Bewohnern umgeschaut und da macht ein Axolotl natürlich mächtig Eindruck.Somit informierte ich mich etwas über die Haltung dieses ungewöhnlichen Amphibiums. Das Tier imponiert bekanntlich vor allem deshalb, weil es als Amphibium die Geschlechtsreife erreicht, ohne die äußere Larvengestalt zu verändern und somit nicht das durchläuft, was bei Amphibien üblich ist: die Metamorphose.

Wenn man sich etwas weiter informiert, erfährt man, dass sich die Metamorphose künstlich durch Gabe von Thyroxin (einem Schilddrüsenhormon) provozieren lässt. Das ließ mich aufhorchen, ob das wohl schon mal durchgeführt wurde. Im Folgenden ein paar Links, die mit äußerst erhobenem Zeigefinger davor warnen, auf so eine Idee zukommen. Es ist ein fürchterlicher und unmoralischer Tierversuch, der zurecht Strafbar ist, schreiben alle Webseiten, die auch nur irgendwie mit Axolotls zu tun haben, z.B. hier, oder hier.: Ich zitiere: “ Ethisch würde ich das irgendwo zwischen dem Kupieren von Hundeschwänzen und dem Einfärben von Albinoratten einsortieren. Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Tierversuch nach TierSchG §§ 7, 8, dessen Durchführung ohne Sondergenehmigung strafbar ist.”

Offensichtlich ist die künstliche Metamorphose eines Axolotls also ein größeres moralisches Problem als das, – in der westlichen Gesellschaft durchaus übliche-, Töten noch nicht zu Ende entwickelter “Larven”, nämlich von Abtreibungen. „Axolotls Kiemen“ weiterlesen

Warum ich Baptist bin

Ein Artikel von R. Albert Mohler Jr.,: „Why I am a Baptist.“ Erschienen in der Printausgabe von First Things, August 2020.  Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung  von First Things (download als .pdf).

Übersetzt von Viktor Zander. (Infos darüber, wie ihr Viktors Übersetzungsarbeit unterstützen könnt, findet ihr ganz unten)

Desiderius Erasmus hat einmal bei seinen Debatten mit Martin Luther, zunächst ungläubig und schließlich außer sich, den großen Reformer als Doctor Hyperbolicus bezeichnet. Laut Erasmus konnte Luther nicht anders, als jede Streitfrage auf die Spitze zu treiben. Wir können darüber nur phantasieren, was Erasmus über Baptisten gesagt hätte, die glauben, Luther habe seine Streitfrage nicht weit genug gedacht. Selbst der eloquente Erasmus wäre dann wohl sprachlos geworden.

Sicher, weder Erasmus noch Luther sind je einem Baptisten begegnet. Die Bewegung, die wir heute unter dem Namen Baptisten kennen, entstand auf dem Kontinent erst im sechzehnten und in England erst im siebzehnten Jahrhundert. Seitdem ist die Welt weniger still.

Jede große Bewegung beginnt wahrscheinlich mit irgendeiner Art von Streitfrage, so entstanden die Baptisten im Zusammenhang mit einer Streitfrage, die intensiv, bedeutend und manchmal tödlich war. Luther fing damit an. Die Calvinisten glaubten, er habe sie nicht weit genug gedacht. Die englischen Puritaner kamen ebenso zu der Überzeugung, dass die moderat reformierte Kirche Englands die Streitfrage nicht weit genug gedacht habe. Die Separatisten (aus Kongregationalisten und Presbyterianern bestehend) glaubten, dass die Puritaner, die in der Kirche Englands verblieben, sie nicht weit genug gedacht hätten. Die Baptisten separierten sich dann von den Separatisten, weil sie sie nicht weit genug dachten. Seitdem haben Baptisten nicht aufgehört zu streiten. Sie streiten oft unter-einander, aber viel dringlicher streiten sie für die Notwendigkeit der Bekehrung, für die aus Gläubigen bestehende Gemeinde, für die alleinige Taufe Gläubiger, und für die Gewissensfreiheit. „Warum ich Baptist bin“ weiterlesen

Geistlicher Missbrauch in der Ehe

Ein Artikel von Darby Strickland. Erschienen am 18.09.2019 unter dem Titel: „Spiritual Abuse in Marriage (ursprünglich in zwei Teilen)” bei CCEF. Übersetzt von Ruth Metzger. (download als .pdf)

Ich habe oft mit Frauen zu tun, deren Ehemänner die Heilige Schrift als Waffe benutzen, um sie zu kontrollieren. Beth war eine dieser Frauen. Als ich sie fragte, wie ihr Mann Joe für sie betet, erzählte sie mir das jüngste Beispiel. “Letzte Woche betete er Matthäus 6,24 über mir: ‚Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!‘  Er bat Gott dann, mir zu helfen, nicht so egoistisch und gierig zu sein und mich davor zu bewahren, dem falschen Herrn zu dienen. Er flehte Gott an, über mir zu wachen, weil man mir nicht trauen kann.“ Unter Tränen fuhr sie fort: “Im Gebet sagte er, dass ich keine Selbstkontrolle habe, und dass das bedeutet, dass ich Gott nicht diene, und dass Gott jedes Recht hätte, mich aus seinem Reich zu verstoßen.  Er flehte Gott an, ihm zu helfen, das zu ertragen, was Gott selbst kaum ertragen kann.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfuhr ich, dass Beths Mann, ein Ältester ihrer Gemeinde, so darauf reagiert hatte, dass sie das Lebensmittel-Budget für ihre neunköpfige Familie um 6$ überzogen hatte.

Nachdem er jahrelang auf diese Weise mit ihr gebetet hatte, war es Beth fast unmöglich, die Bibel aufschlagen, ohne davon auszugehen, dass sie von Gott verdammt war, wie es ihr Mann ihr unterstellte. Sie war dadurch innerlich zerstört. Beten war fast unmöglich geworden. Schlimmer noch, sie konnte die missbrauchenden Worte ihres Mannes nicht mehr unterscheiden von dem, was Gott über sie sagte. Sie war überzeugt, dass sie des Herrn unwürdig und seiner Fürsorge nicht wert war. „Geistlicher Missbrauch in der Ehe“ weiterlesen