Murren als Grundrauschen

Was ist eigentlich Murren? Vor allem wahrscheinlich ein veralteter Begriff, selbst Fanboys des Textus Receptus und der LUT1912 verwenden diesen Begriff aktiv kaum. Dabei greift Paulus das Murren Israels erneut in seinem ersten Brief an die Korinther auf (1. Kor. 10,10):

Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber

Welch harte Warnung! Gleichzeitig beobachte ich, das Murren geradezu einen obligatorischen Teil vom Großteil unseres Smalltalks ausmacht:

“Schon wieder Regen” , “Der Verkehr zur Arbeit war heute grausig”. “Montage gehören abgeschafft”. sind hier nur triviale Beispiele. In längeren Gesprächen reiht sich ein Klagelied ans Nächste: Die Kinder sind frech, die Arbeit lang, das Wetter heiß, die Gemeinde doof, der Nachbar lausig, die Luft eng…

Regelmäßig beobachte ich, dass ich in die “Murrfalle” stolpere. Erzählt einer “von seinen Herausforderungen”, dann ist es nahezu natürliche Reaktion, die Schwere der eigenen Herausforderungen hervorzuheben. Frohen Mutes übertrumpft einer seinen Nächsten im Murren. „Murren als Grundrauschen“ weiterlesen

Joe Bidens Transgender-Fiktionen

Carl Trueman:

Zu Beginn der Transgender-Diskussion zitierten die Leute gerne Thomas Jeffersons Aussage über die Beziehung zwischen Staatsmacht und Religion: “Was schadet es mir, ob mein Nachbar meint, es gäbe zwanzig Götter oder gar keinen Gott? Weder wird mir dadurch in die Tasche gegriffen, noch bricht es mir ein Bein.”  Aus welchem Grund also, fragte man mich, machst du dir Gedanken darüber, ob jemand, der als Mann geboren ist, sich selbst später als Frau identifiziert, wenn es dir doch nicht schadet, weder finanziell noch für Leib und Leben? Damals gab mir diese Frage noch zu denken, aber das ist lange vorbei.

Nimm zum Beispiel John Bidens Durchführungsverordnung “Verhinderung und Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund von Genderidentität oder sexueller Orientierung”, die wenige Stunden nach Amtsübernahme unterschrieben wurde, und der einige Tage später eine Verordnung folgte, die den Ausschluss von Transgender-Personen vom Militär aufhob.

Richter Gorsuch mag wirklich davon ausgegangen sein, dass sich sein Urteil im Fall Bostock gegen Clayton County lediglich auf die berufliche Einstellungspraxis auswirken würde. Aber diese neue Verordnung, die sich auf den Präzedenzfall von Bostock beruft, zeigt deutlich, was Gorsuch irgendwie entgangen war: Ist einer Gruppe erst einmal der legale Status und besondere Schutz in einem Bereich der Gesetzgebung zugesprochen worden, ist es sehr schwierig und kaum aufrechtzuerhalten, diesen Schutz nicht auch auf andere Gebiete auszudehnen. Nach Bidens neuer Verordnung kann die Nutzung von Schultoiletten und Umkleidekabinen sowie der Sport nicht mehr auf der Grundlage von Geschlecht oder “geschlechtsbasierten Stereotypen” (so die bevorzugte Sprachregelung der derzeitigen Administration) geregelt werden. „Joe Bidens Transgender-Fiktionen“ weiterlesen

Verbietet Australien Gebete?

Carl Trueman 

Konversionstherapien – also die Verwendung geistlicher oder psychologischer Eingriffe, um die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität eines Menschen zu verändern – werden in den USA zunehmend kontrovers diskutiert. In etwa zwanzig der amerikanischen Staaten sind sie bei Minderjährigen verboten. Der District of Columbia verbietet solche Therapien vollständig, unabhängig vom Alter. Solche Gesetze könnten als staatliche Unterstützung für die LGBTQ+ -Community verstanden werden, doch man muss sie nicht ausschließlich zynisch bewerten. Sie können durchaus den Wunsch widerspiegeln, Schutzbedürftige davor zu bewahren, für Behandlungen zu bezahlen, die der Gesetzgeber für Schwindel hält.

Der australische Staat Victoria jedoch hat kürzlich ein Gesetz erlassen, dass den Konflikt zwischen religiöser Freiheit, individueller Wahl und Identitätspolitik deutlich verschärfen wird. Dieses kann dabei ein Model für die Gesetzgebung überall sonst in der demokratischen Welt werden. „Verbietet Australien Gebete?“ weiterlesen

Fünf Mythen über die Gesetzlichkeit

Hartnäckig halten sich unterschiedliche Mythen über die Gesetzlichkeit fest, die einen klaren Blick auf das Werk Christi trüben. Fünf möchte ich umreißen:

1. Bei der Gesetzlichkeit geht es vor allem um die Praxis der Beschneidung

Ein Bruder reagierte ziemlich verärgert, als ich mit ihm über den Galaterbrief sprach. Was fiele mir bloß ein, ihn mit den Galatern zu vergleichen. Schnell wurde deutlich, dass man meinte, das Problem der Galater nicht zu besitzen, da man schließlich nicht beschnitten sei.

Fakt ist: Titus, Grieche und Mitarbeiter des Paulus, entschied sich freiwillig für eine Beschneidung (huch- steht auch im Galaterbrief, nämlich Gal. 2,3)! Das Problem ist wie so oft nicht die eigentliche Tat, sondern das Ziel. Warum wollten sich die Galater beschneiden? Ihre “Tat um sich zu retten” stellte Christi Werk in den Schatten. An dieser Stelle sind Parallelen für unsere Zeit zu suchen. Ich denke da z.B. an Mütter, die sich nur deswegen gegen eine Familienplanung entscheiden, weil sie sonst keine Heilsgewissheit mehr besitzen. Unterschwelliger (und weitreichender) geht es dann darum, dass man die Bekehrung oder den Glauben zu Werken „degradiert“. „Fünf Mythen über die Gesetzlichkeit“ weiterlesen

Trump, Biden und die Religion in der amerikanischen Politik

Ein Artikel von Carl Trueman:

Das alte Sprichwort, dass England und Amerika zwei Nationen sind, die durch eine gemeinsame Sprache getrennt sind, enthält viel Wahrheit. Als ein Einwanderer aus England, empfinde ich Amerika aufgrund der gleichen Sprache und Popkultur einerseits seltsam vertraut und doch oft als entfremdet, weil diese Ähnlichkeiten tiefergehende, häufig nicht greifbare Unterschiede verbergen. Nie spüre ich das stärker als zur Zeit von Wahlen. Nicht nur, dass das amerikanische System eine “großartige Person” in den Vordergrund stellt – “Alle vier Jahre wählen wir Amerikaner den neuen Messias”, ließ vor kurzem mir gegenüber ein amerikanischer Freund sarkastisch verlauten- nein, auch die Bedeutung der Religion in der Politik ist hier protziger und bedeutender als in Großbritannien.

Im Vereinigten Königreich habe ich selbst als Christ immer das Gefühl gehabt, dass ich für dumm verkauft werde, wenn ein Politiker die Sprache religiöser Hingabe verwendete, wie es z.B. Tony Blair zu tun pflegte. Wir sprachen beim Essen nicht darüber und erwarteten auch nicht, dass unsere Politiker in der Öffentlichkeit darüber reden. So zu tun, klang furchtbar unecht und manipulativ. Tatsächlich war die Politik, zumindest in ihrer parteibezogenen Form, ähnlich. Ich wusste selten, wie Freunde abstimmen, weil man mir beigebracht hatte, dass es mich nichts angeht. Ich habe mit Bestimmtheit niemals einen Prediger gehört, der mir sagte, wie ich abstimmen sollte. Und so gefiel es mir. Und tut es weiterhin.

Natürlich könnten Amerikaner nun auf Großbritannien blicken und berechtigterweise darauf hinweisen, dass all das das Land in eine tief säkulare Kultur gestürzt hat und zu einer schwachen, handlungsunfähigen Gemeinde führte. Das ist ein berechtigter Punkt und schließt natürlich auch einen Großteil Europas mit ein. Ich werde ihn später noch aufnehmen.

Amerika ist eine seltsame Erfahrung für einen eingewanderten Engländer. Jeder scheint das Bedürfnis zu spüren, dem Nächsten mitzuteilen, wie er zu wählen hat. Und Religion spielt plötzlich eine viel wichtigere Rolle als zu Hause.

Das religiöse Stimmverhalten wird hier für so zentral erachtet, dass selbst die, die dem Christentum gegenüber so offensichtlich zynisch eingestellt sind, wie die gegenwärtigen beiden Präsidentschaftskandidaten, das Bedürfnis verspüren, sich auf die magische Kraft religiöser Symbole oder Handlungen zu stützen. Trumps Inszenierung außerhalb einer Episkopalen Kirche mit einer Bibel in der Hand und Bidens Bekenntnis zum frommen Katholizismus sind jeweils, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, implausibel und manipulativ.

Trumps Spiel mit den Evangelikalen hat den Pragmatismus von zumindest einigen evangelikalen Anführern enttarnt. Die, die vorher Bill Clinton für seine lockere Sexualmoral verurteilten, werfen sich nun mit ganzem Gewicht hinter Trump und verdienen den Vorwurf eines heuchlerischen Pragmatismus. Die “Hof-Evangelikalen”, wie sie von ihren Kritikern bezeichnet werden, ermangeln gerade wegen ihrem bisherigem Moralismus jeglicher moralischer Glaubwürdigkeit. Im Übrigen hatte diese Kehrtwende auch den Effekt, dass sich nun die evangelikale Linke ihrer Lieblingsbeschäftigung widmen konnte, nämlich dem Herrn dafür zu danken, nicht so wie die ganzen anderen Menschen zu sein, vor allem nicht wie die evangelikale Rechte der Trumpisten. Doch ein Stückchen Hoffnung bleibt: Während die Statistiken eine deprimierend deutliche Sprache über die enthusiastische Unterstützung Trumps durch die Evangelikalen sprechen, zeigt eine andere kürzlich durchgeführte Umfrage, dass die Beziehung zwischen dem Evangelikalismus und orthodoxem Christentum mittlerweile recht kompliziert ist. Evangelikale Unterstützung für Trump ist nicht unbedingt christliche Unterstützung für Trump.

Joe Biden stellt ein anderes Problem dar. Bereits 2016 fragte ich mich, warum die katholischen Bischöfe ihm gestatten ihren Glauben zu verspotten. Politiker wie Biden posaunen “Ich bin ein hingegebener Katholik”, während sie gleichzeitig alles unternehmen, um den katholischen Glauben durch ihre Handlungen zu verspotten. Dennoch wird er auch diesmal geduldet. Biden ist eine katholische Unmöglichkeit und steht beinahe gegen jede offizelle katholische Position bei Themen wie Persönlichkeit, Leben und Ehe. Das niemand mit Autorität in der katholischen Kirche bereit zu sein scheint, diese Probleme anzusprechen, bleibt ein Skandal. Wenn die Kirche durch die verspottet wird, die den Anspruch erheben, Teil davon zu sein, dann wird Christus verspottet. Selbst wenn die Bischöfe sich nicht um die Seele von Biden oder den Ruf ihrer Kirche bekümmern, wie können sie gleichgültig für den öffentlichen Ruf Christi blieben?

Im Licht dieser Tatsachen möchte ich einen radikalen Vorschlag unterbreiten: Könnten die amerikanischen Politiker in Zukunft die Religion aus ihren Veranstaltungen und ihrer Propaganda heraushalten? Ich bitte weder um ihret- noch um der Nation willen darum; Ich bitte um der Kirche, ihrer Mitglieder und ihrer Leiter willen darum. Wenn Politiker unechte und manipulative religiöse Ansprüche erheben, wird die Korruption der amerikanischen Christenheit aufgedeckt, – ob nun die der evangelikalen Masse oder die der katholischen Elite –  die ihren bekannten Glauben offensichtlich nicht ernst nimmt. Eine lockere Sexualmoral des Einen als für ein politisches Amt disqualifizierend zu werten, doch diese bei einem anderen zu ignorieren oder zu entschuldigen, ist kein konsistentes Christentum. Auf dem Papier hilflose Ungeboren zu verteidigen und gleichzeitig jemandem eine geistliche Heimat zu geben, der das Recht der Mörder dieser Ungeborenen verteidigen möchte, ist kein Christentum.

Solch eine politische Maßnahme könnte Christen dabei helfen, zu verstehen, dass Politik ein dreckiges, pragmatisches Geschäft ist und dass eine Stimme für jede der Parteien auch Trauer über die zu treffenden Kompromisse beinhaltet. Auch könnte das dem Christentum helfen, sich aus dem Schlamassel unserer polarisierten politischen Kultur zu befreien. Und für Christen würde das gewiss die Versuchung beseitigen, in einer Weise zu handeln, die einer beobachtenden Welt die christliche Inkonsequenz offenbart.

Das bringt mich zum verweltlichten Europa zurück. Wird mein Vorschlag nicht einfach nur die Säkularisation der amerikanischen Politik und Kultur vorantreiben? Vielleicht. Doch es besteht auch eine andere Möglichkeit. Vielleicht sind wir bereits bei dieser angelegt. Vielleicht ist der europäische Säkularismus einfach nur ehrlicher in den angestrebten Idealen? Es hat die Sprache des Christentums verlassen und es verwirft die Lehren des Christentums. Was du siehst ist nun wirklich das, was du bekommst. Ist es möglich, dass in Amerika Religion selbst Teil eines säkularen Denkens geworden ist? Schließlich scheint ein Evangelikalismus, der das Wählen von Trump (oder Biden) als moralischen Imperativ für alle ansieht und eine katholische Hierarchie, die es Biden erlaubt, ungestraft gegen so viele ihrer kostbaren Lehren vorzugehen, in ihrer christlichen Besonderheit nicht besonders zutreffend zu sein. Ist ein solches “Christentum” lediglich Verweltlichung in einem religiösen Kontext?

Das ist ein echt beunruhigender Gedanke.

Dieser Artikel von Carl Trueman erschien am 23.10.2020 auf firstthings unter dem Titel “Trump, Biden, and Religion in American Politics”. Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von First Things.

blutleere Blutlinien

Johannes 15,20:
20 Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: "Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr." Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.

Als Protestanten, gerade freikirchlicher Spielart müssen wir uns regelmäßig daran erinnern, dass die Gemeinde Christi nicht erst mit der Reformation und erst recht nicht mit der Gründung der baptistischen Ortsgemeinde ihren Anfang nahm. Doch wo war die “echte Gemeinde” in der “dunklen Zeit des Mittelalters”, als alles religiöse Leben auf irgendeine Weise mit den “Fängen Roms” verknüpft war? Eine populäre und bereits alte Erklärung besteht darin, auf die “Linie des Blutes”, auf die Spur der Märtyrer zu verweisen. Der Weg dazu: Finde die Märtyrer, finde die leidende Gemeinde und du findest die echte Gemeinde. Diese Methode ist so alt wie die Reformation selbst. John Foxes Buch “Acts and Monuments” (auch bekannt als “Foxes Buch über die Märtyrer”) gehörte eine lange Zeit zu den drei Büchern, die in einer Kirche frei zugänglich ausgelegt werden mussten (Mehr über Foxe, und was er mit Cox und Knox in Frankfurt getrieben hat, erfährst du hier).

Foxes Methode ist auch heute weit verbreitet, wenn ich z.B. an Broadbents Kirchengeschichte denke, die auf deutsch urpsrünglich unter dem Titel “Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt” erschien. Akribisch verfolgt er nicht die offizielle Kirche,sondern generell religiöse Randgruppen in (oder außerhalb) der “offiziellen” Kirche, ob nun Donatisten, Montanisten oder Waldenser. In diesen “leidenden Bibellesern” will Broadbent die “echte Gemeinde” erkennen. „blutleere Blutlinien“ weiterlesen

Multi Kulti ist tot

Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber es ist noch nicht so lange her, da hat nicht nur der damalige CSU-Chef Stoiber, nein, sogar unsere Bundeskanzlerin “Multi-Kulti” für tot erklärt. Nun, damals gab es große Vorbehalte gegen eine multikulturelle Gesellschaft, sehr beklagenswert wie ich finde, denn unser Hauptelend scheint unsere Monokultur zu sein.

Ja, richtig gehört, ich finde es kaum zu ertragen, wie monokulturell unsere Gesellschaft ist. Ein Kommentator antwortet auf die Frage: “Was ist das Gegenteil einer multikulturellen Gesellschaft?” auf dem Web-Forum Quora.de sehr treffend: “Eine monokulturelle Gesellschaft. Langweilig, trist, grau, alles wiederholt sich ständig. Öde!” Welch treffende Qualifizierung des Westens im nun nicht mehr so jungen 21ten Jahrhundert.

Nun sehe ich natürlich, dass sich überall heftiger Widerstand gegen diese Bewertung regt. Man könne schließlich überall auf Migranten treffen, Menschen des unterschiedlichsten Sexualverständnisses in (und seltsamerweise vor allem) hochqualifizierten und gutstehenden Positionen. Man ist im Westen stolz darauf, offener zu sein, als alle Generationen zuvor. Ja, sogar als die meisten anderen Regionen der Welt. Gelassen nutzt man den Verweis auf die globalisierte Welt um seine eigene spießbürgerliche Seele zu streicheln. Es stellt sich natürlich die berechtigte Frage, was denn genau in den letzten 1,5 Generationen geschehen ist, dass aus der internationalen anerkannten Hochburg für Spießertum ein Musterland  multikulturelle Identität werden ließ? Eine befreiende Eingebung in der fein abgezäunten und säuberlich geschützten Gartenanlage?

Zumindest die Indizien sprechen also dafür, dass ein Großteil der Gewissheit, einer besonders multikulturellen Gesellschaft anzugehören, eher als fromme Fassade zu bewerten ist. Nun ja, für mich Motivation genug, um hier etwas auf Spurensuche zu gehen. Meines Erachtens bestätigt die Faktenlage den  Tatverdacht der Heuchelei. Doch im Folgenden mehr:

„Multi Kulti ist tot“ weiterlesen

Axolotls Kiemen

Als Aquariumbesitzer habe ich mich auch nach potentiell exotischeren Bewohnern umgeschaut und da macht ein Axolotl natürlich mächtig Eindruck.Somit informierte ich mich etwas über die Haltung dieses ungewöhnlichen Amphibiums. Das Tier imponiert bekanntlich vor allem deshalb, weil es als Amphibium die Geschlechtsreife erreicht, ohne die äußere Larvengestalt zu verändern und somit nicht das durchläuft, was bei Amphibien üblich ist: die Metamorphose.

Wenn man sich etwas weiter informiert, erfährt man, dass sich die Metamorphose künstlich durch Gabe von Thyroxin (einem Schilddrüsenhormon) provozieren lässt. Das ließ mich aufhorchen, ob das wohl schon mal durchgeführt wurde. Im Folgenden ein paar Links, die mit äußerst erhobenem Zeigefinger davor warnen, auf so eine Idee zukommen. Es ist ein fürchterlicher und unmoralischer Tierversuch, der zurecht Strafbar ist, schreiben alle Webseiten, die auch nur irgendwie mit Axolotls zu tun haben, z.B. hier, oder hier.: Ich zitiere: “ Ethisch würde ich das irgendwo zwischen dem Kupieren von Hundeschwänzen und dem Einfärben von Albinoratten einsortieren. Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Tierversuch nach TierSchG §§ 7, 8, dessen Durchführung ohne Sondergenehmigung strafbar ist.”

Offensichtlich ist die künstliche Metamorphose eines Axolotls also ein größeres moralisches Problem als das, – in der westlichen Gesellschaft durchaus übliche-, Töten noch nicht zu Ende entwickelter “Larven”, nämlich von Abtreibungen. „Axolotls Kiemen“ weiterlesen

Queere Zeiten

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

Darel Pauls Artikel “Under the Rainbow Banner” (dt.: Unter der Regenbogenfahne), der in der Juni/Juli Ausgabe von First Things erschien, könnte einer der wichtigsten und scharfsinnigsten Artikel sein, die je in dem Magazin erschienen sind. Wie Rod Dreher bemerkt, ist er ein erschütterndes Stück Kulturanalyse. Er dringt bis zum Kern unseres Lebensgefühls durch, in dem Individualismus, Freiheit und Anerkennung moralische Imperative sind. Dennoch deutet Paul darauf hin, dass diese Dinge nicht notwendigerweise miteinander kompatibel sind, selbst in unserer Welt kaleidoskopischer Identitäten und konfiszierter Gesellschaften. Sie bringen uns eher zum Chaos in seinem kleinsten gemeinsamen Nenner. „Queere Zeiten“ weiterlesen

“Sie können sich sehr gut in die Gesellschaft einbringen und übernehmen oft Führungsrollen…”

Jael Bischof (Jahrgang 1979) und ihr Mann Marcel Bischof (Jahrgang 1963) leben ein Modell von Bildung zu Hause. Es gibt vermutlich so viele Modelle wie Familien , denn es es ist eine sehr persönliche Angelegenheit, wie genau die Bildung zu Hause aussieht. Ihre fünf Kinder (2006, 2007, 2010, 2014 und 2016) gingen nie zur Schule. Somit kennen sie Unterschied zwischen Schule und Bildung zu Hause nicht. Ich bekam die Möglichkeit, Familie Bischof zu ihren Erfahrungen als Home-Schooler zu interviewen.

Wie kamt ihr als Familie zu dem Entschluss, eure Kinder zu unterrichten?
Ich wurde bereits als Kind (ab der 5. Klasse) zu Hause – vorwiegend von meinem Vater – unterrichtet. Somit kannte ich die Vorteile des individuellen, selbständigen Lernens. Das wollten wir unseren Kindern auch ermöglichen. Es war uns ebenfalls wichtig, dass wir viel Zeit gemeinsam als Familie verbringen können.

Wie sieht euer Alltag aus? Ist man den ganzen Tag im Lern- und Hausaufgaben-Modus?

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