Das Sonnenblumenöl der Endzeit

In den letzten Wochen gab es immer wieder Momente, in denen man kein Speiseöl in den Regalen gefunden hat. Manch ein Geschäft hat die Preise für Speiseöl entsprechend auch “angepasst”. In den Sozialen Netzwerken kursierten Bilder, die Sonnenblumenöl zeigten, dass für 5€ der Liter verkauft wurde.

In dieser Zeit erlebte ich schmerzlich mit, wie viele Christen diese Entwicklung mit einem Hinweis darüber quittierten, das die Bibel ja genau das als Zeichen der Letzen Zeit voraussagt. Mir drängt sich ein Reim auf:

In der Bibel steht geschrieben,

dass die Ölpreise gestiegen

Ich bin verwundert über solche Äußerungen, da hätte ich den Fans der “Wir leben in der absolut letzten Zeit”-Fraktion etwas mehr Kenntnis der Offenbarung zugetraut, die schließlich in 6.6. lehrt: “Und ich hörte etwas wie eine Stimme mitten unter den vier Wesen sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden!”

Aber etwas Ernsthafter: Wirklich alles, was die Presse berichtet, als Abbildung biblischer Prophetie zu sehen, halte ich in dreifacher Hinsicht für problematisch.

1 Schrift auf den Lippen, aber wenig davon im Herzen

Da wäre zunächst die Haltung zu Gott und seinem Wort: Zu Beginn der Invasion der Ukraine durch Russland wurde ich nahezu mit Abbildungen geflutet, die Mt. 24,6 (bzw. Mk. 13,7) enthielten: Dabei galt die Betonung aber nicht der Tatsache, dass nach Mt. 24,6 und Mk. 13,7 Kriege und Kriegsgeschrei nicht das Ende sind und gerade Matthäus schildert, was noch alles zusätzlich zum Krieg und Kriegsgeschrei folgen muss. Über Mt. 24,6 und ähnliche Stellen wurde aber so gesprochen, als wäre der Überfall Russland jetzt ” erlebte Erfüllung des Endzeitfahrplanes Gottes”.  Ich habe wirklich Mühe, wenn wir so leichtsinnig mit dem Erbe der Schrift umgehen, dass uns Gott hinterlassen hat. Wenn wir bei jedem Geschehen “Alarm” rufen, verlieren wir die Glaubwürdigkeit, wenn echte Gefahr vorherrschen wird. Ich empfehle den Artikel von Etgladium.de als Gegengift.

Um bei Mt. 24, zu bleiben:  In den Versen 6 bis 14 findet sich ja durchaus eine eindeutige Eskalationsbeschreibung: Krieg und Kriegsgeschrei (= noch nicht das Ende) – Hungersnöte und Erdbeben (=Anfang der Wehen) – Bedrängnis, Hass – Verfolgung – Weltweite Evangeliumsverkündigung (= dann wird das Ende kommen).

Es geht darum, dass dieses vermeintlich beständige Verweisen auf das Wort Gottes entgegen dem ersten Eindruck eben nicht vor Respekt vor Gottes Wort zeugt. Vor allem zeugt das eher von einer grenzenlosen Selbstüberschätzung (mehr dazu im zweiten Punkt). Überhaupt ist wenn, dann gerade diese Geringschätzung der Schrift ja das eigentliche Zeichen der letzten Zeit, dass man nicht mehr auf Gottes Wort achtet. Das erinnert mich an den Prediger, der immer wieder erinnerte, dass in der Letzten Zeit, die Leute sich die Prediger suchen, “nach dem ihre Ohren jucken”. Oder natürlich an 2. Tim. 3,1ff das uns lehrt, dass in der letzten Zeit die Menschen die Ausschweifung mehr lieben werden als Gott, und das bringt mich zur zweiten Perspektive

2. Das Persönliche Erleben als das Zentrum der Endzeitlichen Erfüllung

2. Tim. 3,1ff führt auch aus, dass die Endzeit von egoistischen Menschen geprägt sein wird. Diese “schlimmen Zeiten” werden von Menschen voll sein, die u.a. “viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, (…) undankbar, gottlos,  lieblos, unversöhnlich, schändlich, haltlos, zuchtlos” sind.

Es kann nicht richtig sein, dass wir als Christen darüber murren, dass das Öl nicht mehr 1,19EUR sondern 1,79EUR kostet, während in Nordkorea und anderen Ländern Christen für die Durchführung der Gottesdienste exekutiert werden. In so vielen Ländern befinden sich Christen in echten “Wehen der Endzeit” und wir verzweifeln an teuer werdendem Speiseöl? Dabei waren natürlich auch die Corona-Politik (Seuchen), das “Jahrhunderthochwasser” 2021, die Regierung von Trump, die Regierung von Obama, die Regierung von Schröder, die Expansion der EU und alles andere “Zeichen der letzten Zeit”. Als hätte die Bibel nicht klar davon gesprochen, dass das Zeichen der letzten Zeit die Ausgießung des Geistes auf der ganzen Welt ist! Das wissen Christen doch schon seit 2000 Jahren. Bereits Petrus sah das in seiner ersten Predigt, als er erklärte, dass sich im Pfingstwunder das erfüllt, was der Prophet Joel für die letzte Zeit voraussah (Apg. 2,14-21, wo Petrus auf Joel 3,1-5 zurückgreift). Das kostbare Öl der Ausgießung des Heiligen Geistes ist das wahre Öl der Endzeit!

Der ultimative Prophet der Endzeit war Jesus selbst und das Zentrum der Endzeit ist sein Volk, dass aus allen Nationen trotz allen Verfolgungen gesammelt wird. An diesem Feigenbaum Gottes, da sehen wir die Zeichen der letzten Zeit, die uns nicht egoistisch selbstsüchtig machen lassen, was ja nur von 2. Tim 3,1ff zeugen würde.

3. Ist die Warnung der Endzeit das Eintrittsticket eines Preppers?

Eine derart materialistische Sicht auf die Endzeit wird auch die Botschaft ändern, die wir für unseren Nächsten haben. Blicke ich auf Öl oder Sanktionen für Ungeimpfte, dann habe ich vor allem eine Botschaft für meinen Nächsten: Horde, Sammle, Sorge vor, werde zum Prepper, baue möglichst hohe Unabhängigkeit auf. Das widerspricht aber schlicht dem Zentrum der Wahrheiten, die die Bibel uns weitergibt, wenn sie uns Anweisungen für das Verhalten in der Endzeit gibt. Im Zentrum steht hier immer die Warnung, nicht verführt zu werden. Immer wieder die Erinnerung, aufzumerken und zu wachen, nicht von Christus wegzugleiten! Beständige Hinweise auf Irrlehrer finden sich hier ebenfalls. Obwohl praktische Hinweise nicht vollständig abwesend sind, ist es doch eher ein Ausdruck westlicher Dekadenz, wenn wir schon im knapp werdenden Sonnenblumenöl Anzeichen des Weltuntergangs sehen. Ich kann euch versichern, der Tag des Herrn wird viel furchtbarer (vgl. z.B. “Heulet, denn des HERRN Tag ist nahe; er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen.” Jes 13,6–9.).

Teures Sonnenblumenöl ist weit über dem, was die Zufriedenheitsschwelle eines Christen kennzeichnen sollte, da Paulus uns erinnert: “Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen.” ( 1 Tim 6,8). Und was unser schweres westliches christliches Los angeht, wie sollte ich hier eine bessere Botschaft haben, als die die wir in 2. Tim. 3.12 finden: Und alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden.”

Schließlich ist ja ein Speiseölpreis von 2EUR/l eine Unverschämtheit. Eine Unverschämtheit gegenüber dem anbauenden Landwirt, dem verarbeitenden Ölhersteller und schließlich auch gegenüber dem Händler, die für ein paar Pennys ein reines Qualitätsprodukt abliefern. So lange sind die Zeiten nicht her, dass einige Gefäße Speiseöl ein Vermögen bedeuteten (Ich nehme Bezug auf das Wunder, als Elisa das Öl der Witwe mehrte, nachzulesen in 2. Könige 4,1-7). Das wiederum erinnert mich an einen potentiellen Selbstversorger, der “über teure Lebensmittelpreise” klagt, und doch gleichzeitig die selbstgemachten Nudeln für deutlich über ALDI-Preis feil bietet. Finde den Fehler, Bruder!

Fazit des Artikels: Jemand, der in jedem Ereignis der Tagespolitik ein Zeichen der letzten Zeit erkennt, steht in der Gefahr unter die Verführung der letzten Zeit zu geraten.

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