Ich bin müde und beschäftigt – Wie kann ich mir für die Bibel Zeit nehmen?

John Piper:

Es gibt Zeiten, in denen das Leben uns auslaugt, in denen es scheint, wir seien zu müde und zu beschäftigt, um uns irgendeine mit der Bibel zu beschäftigen. Das ist zurzeit die Situation bei Elaina, die uns heute schreibt.

„Hallo Pastor John. Ich lebe alleine. In der Woche arbeite ich sehr lange. Ich finde es fast unmöglich, meiner Bibellese nachzukommen. Kochen, Putzen, Fitness, Besorgungen, Nahrungsmittel einkaufen, Shoppen, und so weiter… Wenn ich dann endlich zuhause bin, dann bin ich erschöpft. Ich plane Zeiten für das Bibellesen, für das Gebet und für die Zweisamkeit mit Gott ein, aber ich fühle mich, als würde ich Gott nur fünfzehn Minuten meines Tages geben. Das will ich nicht. Ich muss aber Rechnungen bezahlen. Ich stecke fest. Wenn ich meine Bibel lese, dann bin ich schon im Halbschlaf. Die einzige Zeit, die ich wirklich habe, sind die Wochenenden. Aber das ist nicht genug. Wie kann ich ganz praktisch die Geschäftigkeit meines Lebens zurückdrängen und sicherstellen, dass ich mir Zeit für ihn nehme?“

Aus Elainas Worten höre ich drei Dinge heraus, die ihre Zeit mit Gott im Wort zu einer Enttäuschung machen. Erstens: Sie steckt fest. Zweitens: Sie ist so erschöpft, dass sie einschläft, sobald sie ihre Bibel liest. Und drittens: Sie ist unglaublich beschäftigt mit vielen Belastungen, welche die Bibel an den Rand ihres Lebens drängen. Diese Dinge möchte ich ansprechen. „Ich bin müde und beschäftigt – Wie kann ich mir für die Bibel Zeit nehmen?“ weiterlesen

Wie man ein Bibelstudium sabotiert

Dies ist der sechste Brief von Wormwood an Globdrop. Bisher übersetzt:

Die dunkle Seite eines Hauskreises

Die dunklere Seite eines Hauskreises

Predigten, die Satan gefallen

Gefühle sind großartige Götter!

Warum gerade Satan dich von Pornographie abhalten könnte


Mein lieber Globdrop,

du „bedauerst, mich informieren zu müssen“, dass der kleine Hauskreis deines Patienten (momentan) seine Gabeln und Löffel niedergelegt, Geschwätz abgestellt und dagegen begonnen hat, das Buch des Feindes konsequenter zu lesen. Bevor du es bemerkt hast, haben sie angefangen, die Essenszeit gegen die „Bibelzeit“ einzutauschen, und das lässt dich nun zittern, nicht wahr? Neffe, das war meine Anregung.

Du scheinst zu vergessen, dass wir niemals einen Mann fürchten, nur weil er eine Bibel liest. Einige unserer nützlichsten Ungeziefer, die ihr Leben dieser gewidmet haben, sind in religiösen Abteilungen im ganzen Land fest installiert. Denke daran, wir haben nichts gegen den Bibel-Hobbyisten, den Heuchler und den Text-Verdreher. Alles geht jedoch schief, wenn die Menschen das Wort des Feindes verstehen, es schätzen, es glauben, ihm gehorchen und durch jenes zu ihm geführt werden.

Unsere Kriegsanstrengungen werden nicht nur dadurch behindert, dass echte Soldaten sein Buch führen können, sondern auch dadurch, dass die Spielzeugsoldaten vom Spielen abgehalten werden. Jede Woche haben wir das Privileg, diese Gruppe zu beobachten, wie sie mit der Klinge unseres Gegners herumtollt. Und wenn sie sich gegenseitig aufschlitzen, erledigen sie unsere Arbeit für uns. Nein, mein lieber Globdrop, die Lösung besteht nicht darin, solche Bibelstudien zu beenden, sondern sich ihnen anzuschließen. Und nachdem man sich ihnen angeschlossen hat, sie zu führen. „Wie man ein Bibelstudium sabotiert“ weiterlesen

Der Kampf gegen Zweifel und Zynismus beim Bibellesen

John Piper:

Kristen hört unseren Podcast und schreibt uns ihre Frage: „Pastor John, es ist mir peinlich, aber oft überfällt mich beim Bibellesen ein Gefühl des Zweifels. Manchmal empfinde ich es sogar mehr als einen geistlichen Kampf und nicht so sehr wie ein verstandesmäßiger Kampf. Und das macht mir Angst, weil das ein Angriff auf das Fundament meines Glaubens ist – auf die Wahrheit der Bibel. Haben Sie einen Rat für mich, wie ich gegen einen Geist des Zweifels und des Zynismus ankämpfen kann, der mich beim Bibellesen angreift?“

Geistlicher Kampf

Tony, du weißt, dass ich mir Zeit nehme, und über jede dieser Fragen bete, bevor ich versuche, sie zu beantworten. Ich tue das, damit der Herr mir hilft, aus den hunderten von Dingen, die ich sagen könnte, die Dinge zu wählen, die am hilfreichsten sein könnten. Diese Frage gab mir das Gefühl, dass ich mehr beten müsste. Als sie schrieb, dass es ein geistlicher und nicht nur ein verstandesmäßiger Kampf ist, da spürte ich, dass das wirklich wahr ist. Das gilt nicht nur für sie, sondern für uns alle.

Wenn verstandesmäßige Fragen aufkommen, welche die Bibel problematisch aussehen lassen, dann verschleiert das oft einen Angriff Satans. Der Teufel hasst die Bibel wirklich. Er hasst die Wahrheit. Er ist ein Lügner von Anfang an, und er kann die Dinge einfach nur verstandesmäßig daherkommen lassen, obwohl eigentlich schwerwiegende Dinge auf der geistlichen Ebene ablaufen.

Ich werde Kristen jetzt also sagen, wie die Antwort lautet: Ja. Auf jeden Fall kann ich ihr etwas raten. Ich gründe jeden einzelnen der folgenden sechs Ratschläge auf die Schrift. Und ich werde die Schrift zitieren. Ich bete also für Kristen und viele Menschen, die beim Bibellesen Stolpersteine vorfinden, die sich ihrem Genuss und ihren Glaubensgrundsätzen in den Weg stellen. Und vielleicht erweist sich einer dieser Ratschläge (wenn nicht sogar alle) als Ratschlag des Herrn für sie. „Der Kampf gegen Zweifel und Zynismus beim Bibellesen“ weiterlesen

Wie bekomme Ich Leidenschaft fürs Bibellesen?

Ein Artikel von John Piper,  in der Reihe AskPastorJohn: How Do I Become Passionate About Bible Reading?, vom 01.01.2021. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod (Download als .pdf).

Wir wünschen allen Zuhörern ein Frohes Neues Jahr. Wir lassen das Jahr 2020 hinter uns und stürzen uns in die große Ungewissheit des Jahres 2021. Dabei beten Pastor John und ich für euch alle, wie es Paulus in 2. Thessalonicher 3,5 tut: „Der Herr aber richte eure Herzen auf die Liebe Gottes und auf das Ausharren des Christus.“

Zu diesem Zweck – damit eure Herzen auf die Liebe Gottes gegründet werden – starten wir das neunte Jahr dieses Podcasts mit dem Thema des täglichen Bibellesens. Ein neues Jahr bedeutet einen Neustart für unsere Bibellesepläne. Pastor John: Du verwendest den Discipleship Journal Bibelleseplan, etwas worüber wir in Folge 1140 („Ein Neues Jahr, ein neuer Bibelleseplan“) gesprochen haben. Schaut gerne dort nach, wenn ihr mehr wissen wollt. „Wie bekomme Ich Leidenschaft fürs Bibellesen?“ weiterlesen

Ich lese die Bibel und spüre gar nichts – Was soll ich tun?

Ein Artikel John Piper im Rahmen der Ask Pastor John-Reihe: I Read the Bible and Feel Nothing – What Should I Do?, vom 11.12.2015. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod. (download als .pdf)

Hier nun eine sehr häufig gestellte Frage, die viele Christen bewegt. Es ist eine Frage, die dir Pastor John sehr häufig gestellt wird, wenn du unterwegs bist. Es ist eine der häufigsten Fragen, die wir in den Emails unserer Zuhörer lesen.

„Ich lese meine Bibel, aber ich spüre nichts. Kein Gefühl in dem die Würde, der Wert, die Kostbarkeit, die Schönheit, die Freude bleiben, welche diese Worte eigentlich kommunizieren müssten. Was kann ich dagegen tun? Oder muss ich einfach warten und zulassen, dass ich das zukünftig erleben werde?“

Wie lautet deine Antwort? „Ich lese die Bibel und spüre gar nichts – Was soll ich tun?“ weiterlesen

Lügen, die Frauen vom Bibellesen abhalten

Ein Artikel von Rachel Jankovic, der am 21.11.2019 unter dem Titel Lies That Keep Women from the Word auf DesiringGod erschienen ist. Übersetzung von Viktor Zander mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod (Download als .pdf).

Die Welt ist voller nützlicher Ratschläge. Dusch dich. Putz die Zähne. Trag einen Mantel, wenn es kalt ist. Iss und schlaf regelmäßig.

Wir alle stimmen einem solchen gesunden Menschenverstand zu und würden anderen Ratschläge erteilen, die damit übereinstimmen. „Du benötigst bloß etwas Schlaf, ich erkläre dir gerne warum.“ „Es wäre mal wieder Zeit zum Zähne putzen“. Und so weiter.

Wenn unsere Freunde anfingen, solche Ratschläge zu ignorieren, würden wir sie auffordern, ihre Haltung zu überdenken. „Dein Leben ist so hektisch, dass du keine Zeit mehr findest, um dich anzuziehen? Du weißt doch genau, dass Klamotten nicht optional sind – du wirst deine Gewohnheiten ändern müssen, damit das Anziehen zu deiner täglichen Routine wird.“ „Das Leben ist so stressig, dass du entschieden hast, mit dem Essen aufzuhören und auch deine Kinder nicht mehr zu versorgen? Offensichtlich ist dein Leben nicht sehr stressig. Immerhin besitzt du ausreichend Zeitressourcen für einen Krankenhaus– oder gar Gefängnisaufenthalt.“ „Lügen, die Frauen vom Bibellesen abhalten“ weiterlesen

Über verschwundene Menschentypen

Als ich vor kurzem über die Schweizer Grenze fuhr, musste ich daran denken, dass es die “biblischen Zöllner” einfach nicht mehr gibt. Zumindest nicht mehr hier in Westeuropa, in den GUS-Staaten tummeln sich noch zahlreich Zöllner von beeindruckend biblischen Qualitäten herum.

Aber nicht nur die Zöllner “vermisse” ich. Auch Menschen pharisäischer Qualität kann ich heute nicht mehr finden. Zumindest scheint kaum einer von der kaum zu ertragenden Schmähkritik in Matth. 23 betroffen zu sein. Heuchler scheinen Fehlanzeige zu sein.  Vielleicht liegt es ja daran, dass kein Christ mehr zwei mal in der Woche fastet? Aber auch Menschen, die Zweifel so erfolgreich promoten wie die Sadduzäer, soll es heute wohl auch nicht mehr geben. Das soll nicht heißen, dass sich nicht überall genug Leute in der Oberschicht des Volkes Gottes (besser: unter dem Volk Gottes) rumtummeln, die ebenfalls sowohl Auferstehung wie Engelwelt bezweifeln. Aber irgendwie darf man diese beiden so offensichtlich  identischen Zweifel-Gruppen nie und unter keinen Umständen jemals vergleichen. Irgendetwas wunderbares, nahezu magisches unterscheidet die heutige Ablehnung des Übernatürlichen von der vergangen. Was genau, konnte mir bisher keiner erklären.

Oder haben Sie schon mal jemals jemanden getroffen, der egal welch Anzahl an menschengemachten Regeln er um sich aufgebaut hat, in Erwägung zieht, dass der Galaterbrief ihm womöglich etwas zu sagen hat? Da sich heute keiner beschneiden lässt, muss alles in Ordnung sein. By the way: Wie war es dann bei Titus (Gal. 2.3)?

Auch auf der anderen Seite des Spektrums alles menschenleer: Keine ungeistlichen und gesetzlosen Korinther, zerfressen durch Neid und Streitsucht, zu finden! Die Liebe zur Welt kleidet sich heute viel lieber in zwei Varianten: Entweder in konservativer oder liberaler Spielart.  Entweder als “biblischer Separatismus” oder als “gesellschaftliche Teilhabe”.

Selbst die ganzen Lahmen und Krüppel kann man kaum finden; offensichtlich wurde eine beachtliche Zahl derselben rechtzeitig abgetrieben, im anderen Fall in geeigneten Heimen abgeriegelt.

Benebelt durch den dunklen Rauch der Selbstbeweihräucherung, mitten in der Anbetung unserer eigenen Gerechtigkeit, haben wir effizient zahlreiche Bereiche der Bibel “ausgeräuchert”. Sie schweigen, da sie nur noch rein fiktive Personen in rein fiktiven Situationen meinen. Viel zu weit (zeitlich) von uns entfernt, viel zu andersartig in ihrer Kultur. Warum z.B. sollten wir als Christen noch nach sozialer Diakonie trachten, wenn es einen gut funktionierenden Sozialstaat gibt? (Die durch die Situation entstanden Ämter werden natürlich eisern bewacht, einschließlich Hierarchie und Beffchen.)

Was sollen wir z.B. bloß mit der Kapitel an Kapitel gereihten Kritik des Amos am Umgang mit Armen anfangen?  (mindestens Kap. 3-7). Ich meine er geht so weit, die verwöhnten Frauen Israels als fette Kühe zu bezeichnen! (Am. 4,1). Wie furchtbar unpassend! Welch unangenehme Sprachwahl! So sollte sich doch ein Prophet Gottes nicht ausdrücken!  Und überhaupt, soziale Gerechtigkeit – ne, ne,ne!  – Warum ich das Beispiel wähle? Weil wir mit der Familie gemeinsam den Propheten Amos angeschaut haben, und mir wieder mein kaltes liebloses Herz bewusst wurde. Ich verstehe den Inhalt von Amos, aber ich habe gemerkt, wie er mir einfach nichts sagt und nichts zu sagen hat. Kapitel nach Kapitel lese ich über fehlende Gerechtigkeit im Umgang mit dem Nächsten, aber ich lese es und streichele mir doch gleichzeitig selbstgefällig meine Seele, als wäre alles in Ordnung!

Ach Herr: “Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott!” (Jes. 31,18)