Von Lieblingen und Lieblingskindern

Ein Artikel von Ed Welch:  Playing Favorites, erschienen am  19.08.2020 bei CCEF. Übersetzung von Viktor Zander (Download als .pdf)

Jakob macht mich wütend. In 1. Mose heißt es, dass er Josef mehr liebte als jeden seiner anderen Söhne (37,3). Obwohl die Schrift keinen expliziten Kommentar zu dieser Art von Bevorzugung abgibt, entfesselt Jakobs Vorliebe eine Familiengeschichte, die damit endet, dass Josefs Brüder ihn in die Sklaverei verkaufen. Jedes Mal wenn ich das lese, werde ich wütend.

Aber diese Geschichte hat eine Vorgeschichte und einen größeren Rahmen. Vor Jakobs eklatanter Bevorzugung wurde er von seinem Onkel Laban betrogen. Ihm wurde eine Frau gegeben, die er nicht gewollt hatte. Das zwang Jakob die Polygamie auf und wir können mehr oder weniger verstehen, warum er eine Vorliebe für den Sohn seiner gewollten Ehefrau hatte. Die Polygamie ist also schuld. Jakob ist ebenfalls Opfer der Bevorzugung seiner Eltern gewesen. Sein Bruder Esau war der Liebling ihres Vaters und Jakob war der Liebling seiner Mutter. Unfassbar fürchterlich. In Josefs Geschichte gab es alle möglichen mildernden Umstände, aber ich bin trotzdem wütend auf Jakob. Er sündigte an seiner Familie, führte eine scheußliche Tradition fort und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass er dabei eine rühmliche Rolle spielte. „Von Lieblingen und Lieblingskindern“ weiterlesen

Simson – Für uns

Ein Artikel von Ed Welch. Übersetzung von Viktor Zander. Download als .pdf

Bei einigen Geschichten des Alten Testaments fällt es schwer, bedeutungsvolle Weisheit daraus zu schöpfen – eine Weisheit, welche die Art unseres Gebets prägt. Es braucht Zeit, vielleicht ein oder zwei Gespräche. Und wer hat für so etwas Zeit, wenn man versucht, in einem Jahr die Bibel durchzulesen?

Als ich vor kurzem zur Erzählung über Simson kam (Ri. 13-16), wurde mir deutlich, dass ich zwar zufrieden damit war, neue Einzelheiten zu erkennen und neue Verbindungen zu knüpfen. Die Geschichte hatte jedoch keinen Berührungspunkt mit meinem Gebetsleben. Also versuchte ich, es langsamer anzugehen. Das machte aber alles nur noch schlimmer.  Simson taucht am Ende des Richter-Buches auf und die Geschichten werden im Lauf des Buches immer verkommener. Sein Vater Manoah kommt als Stümper daher. Simsons erste Worte drehen sich darum, was er sah und was er begehrte: Er begehrte eine Frau der Philister, gegen den dringenden Rat seiner Eltern. „Diese nimm mir“ forderte er, „denn sie ist in meinen Augen die Richtige!“ (14,3; rev. Elb.) In meinen Augen das Richtige, oder in Gottes Augen das Richtige – das ist im ganzen Buch ein vorherrschendes Motiv – Simson ist dabei die Kopie eines Menschen, der dem nachjagt, was in seinen Augen das Richtige ist. Das nimmt die Ereignisse voller Gier, Dummheit und Rache vorweg, die im Verlauf folgen. Simson macht seinem eigenen Volk das Leben so schwer, dass es ihn dem Feind ausliefert. Selbst sein letzter Kraftakt war ein Racheakt gegenüber den Philistern, die ihm die Augen ausgestochen hatten (was für ein treffendes und ironisches Gericht über jemanden, der alles das wollte, was er sah). Schließlich waren auch seine Wortspiele und Rätsel kindisch. Nichts Heldenhaftes zu finden. „Simson – Für uns“ weiterlesen

10 Dinge, die man über Priesterschaft wissen sollte

Ein Artikel von Ed Welch: „10 Things you should know about the Priesthood” erschienen am  13.01.2020, bei CCEF. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von CCEF (download als .pdf).

Wenn wir über die Priester der Bibel nachdenken, stellen wir uns bärtige Männer vor, die räuchern und Tiere opfern. Doch die Priesterschaft ist ein zentrales Thema der ganzen Schrift und ist vor allem eine Rolle, die von allen Gläubigen getragen wird – von Männern und Frauen aus jedem Stamm und jeder Nation. Die Gemeinde spricht nicht viel über diese Rolle, doch sie ist zentral für unsere Identität als Volk Gottes.

Du solltest 10 Dinge über die Priesterschaft wissen:

1.   Priester sind dazu aufgerufen, näher zum Herrn zu kommen

Der levitische Priester besaß eine ausfüllende Tätigkeit, doch die Essenz ihrer Arbeit war der Aufruf in das Haus Gottes (die Stiftshütte) zu kommen. Könnten es für sie etwas Besseres geben? Natürlich konnten die Priester nicht einfach so in das Allerheiligste – den eigentlichen Thronsaal spazieren – was ausschließlich einmal jährlich dem Hohepriester vorbehalten war. Doch der Herr reinigte und kleidete die Priester zur Arbeit an allen anderen Teilen der Stiftshütte, damit sie in seiner Einladung und seinem Segen Vertrauen schöpfen.

Wer von uns fühlt sich einer solchen Einladung würdig, Gott nahe zu sein? Keiner! Unsere Sünde und unser Scham legen uns nahe, weit weg von Gott sein zu wollen. Doch er hat uns geschaffen, um uns zu sich zu ziehen, um Priester zu sein und er zeigt uns den Weg zu diesem Amt. „10 Dinge, die man über Priesterschaft wissen sollte“ weiterlesen