Das gähnend langweilige Gespräch

Ed Welch:

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Manche Gespräche sind einfach weniger interessant als andere. Die bloßen Tatsachen dessen, was ein anderer Mensch am Tag erlebt hat – der Weg zur Arbeit, das Frühstück, der verschütteter Kaffee – sind nicht interessant, es sei denn sie enthüllen uns etwas über den Menschen, der diese Einzelheiten erlebt hat. Genauso können Gebetsanliegen für eine kranke Tante, die weit entfernt lebt, langweilig sein, es sei denn wir wissen etwas über die Tante und welchen Platz sie im Leben dieses Menschen hat. Menschen wollen Menschen kennen. Die Einzelheiten helfen, wenn sie offenbaren, was demjenigen wichtig ist, der mit uns spricht. Und nun die Aufgabe: Wie können wir einem Gespräch eine neue Richtung geben, das unendlich oberflächlich scheint, sodass wir den Menschen sehen, der vor uns sitzt?

Zwei Dinge müssen wir begreifen, bevor wir diese Frage beantworten können. Erstens: Wir müssen erkennen, dass unsere täglichen Gespräche das Grundmaterial sind, aus dem Gottes Reich besteht. Und wir hoffen, darin zunehmende besser zu werden. Zweitens: Der andere Mensch muss uns tatsächlich wichtig sein. Wenn wir gelangweilt oder ungeduldig sind, dann lieben wir nicht gut und werden kein Interesse daran haben, den Menschen zu kennen oder an tiefergehenden Gesprächen zu arbeiten. Liebe ist kreativ im Fragen stellen und im Zuhören. Langeweile und Ungeduld warten einfach nur auf eine Pause, in der man sich verdrücken und sich etwas Interessanteres suchen kann.

Du versuchst es also nochmal, und … dein Gegenüber schießt los wie eine Rakete. Er erzählt dir Einzelheiten und berichtet die Ereignisse haarklein, ohne dass du begreifst, was an diesen Ereignissen wichtig sein soll. Aber dieses Mal bist du fest entschlossen zu lieben und suchst nicht einfach nur nach dem Ausgang. Stattdessen hörst du zu und hast vielleicht im Hinterkopf wie ein gutes Gespräch ablaufen könnte. Du hältst Ausschau nach einer Landkarte zum Herzen der Person, weil dort all die interessanten Dinge zuhause sind. Im Zweifel sind die Wünsche und Gefühlsausdrücke der Zugang dazu. Ein kranker Mensch wünscht sich Erleichterung (Ps 10,17). Wir alle wünschen uns Leben (Ps 34,13) und unerschütterliche Liebe (Spr 19,22). Höre die Freuden und Schmerzen, die Aufregung und die Lustlosigkeit heraus.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet klingen die Einzelheiten vielleicht reichhaltiger. Die meisten Menschen gehen ins Detail, wenn sie von etwas betroffen sind, das ihnen persönlich wichtig ist. Was genau sagt dieser Mensch in dieser Informationsflut? Inwiefern bringen die Einzelheiten Herzensangelegenheiten zum Ausdruck? Um das herauszufinden, könntest du folgende Fragen stellen:

„Gefällt dir deine Arbeit? Es klingt so, als wäre sie dir sehr wichtig. Was gefällt dir daran?“

„Du sprichst oft über deine Kollegen. Sie scheinen dir wirklich wichtig zu sein. Du klingst fast wie ein Pastor im Dienst.“

„Du hast diese Tante schon einmal erwähnt. Warum hat sie einen besonderen Platz in deinem Herzen?“

Keine Hinweise auf Gefühle? Stelle weitere Fragen:

„Ist dir diese Woche etwas besonders bedeutendes passiert?“ „Was ist dir wichtig gewesen?“ „Wie hast du dich diese Woche gefühlt?“

„Erzähl mir von deiner Tante. Wie ist sie so?“

Diejenigen, die dir näherstehen, solltest du jeden Tag mindestens zwei Fragen stellen: „Was hat dir an diesem Tag am besten gefallen? Was war für dich am schwersten?“ Und dann nimm Anteil an den Schwierigkeiten und den Freuden.

Deine Versuche werden natürlich nicht immer zum Erfolg führen. Ich hatte in einem Gespräch mit einem Freund versucht, diese Fragen anzubringen, aber das Gespräch schien immer mehr in Einzelheiten abzudriften, die weniger wichtig schienen und meine Aufmerksamkeit ließ nach. Tiefere Liebe hätte mich darauf aufmerksam machen können, warum ihm diese Einzelheiten wichtig waren. Ich habe diesen Punkt leider nicht erreicht. Aber Gott war mir gnädig. Beim nächsten Gespräch kam seine Frau dazu und platzte mit seinen Ängsten vor einer bedeutenden Veränderung auf der Arbeit heraus, die ich wahrscheinlich niemals bemerkt hätte. In anderen Worten: Ich brauchte Gottes Eingreifen – den Geist, der durch seine Frau wirkte – um diesen Zugang zu finden. Endlich wusste ich, wie ich für ihn beten konnte, und unsere zukünftigen Gespräche bedeuteten uns beiden mehr. Keine abschweifende Aufmerksamkeit mehr. Wenn wir das nächste Mal gemeinsam Zeit verbringen, dann beginnt es vielleicht so: „Du hast große Veränderungen auf der Arbeit erlebt. Ich habe über deine Situation nachgedacht. Ich würde mich verloren fühlen. Wie ging es dir damit?“ „Wie ist es, deine gewohnten Abläufe zu verlieren?“ „Welche neuen Ängste ergeben sich aus all dem?“ „Wie soll ich in dieser Woche für dich beten?“ Und ich war vorbereitet, auch ihn um Gebet für mich zu bitten.

Das Herz reicht immer noch tiefer. Im Zentrum unseres Herzens ist der dreieinige Gott, der sich selbst am umfassendsten in Jesus offenbart hat. Anders ausgedrückt: Jedes Gespräch über Jesus ist gut und bedeutend – eine Lieblingsgeschichte aus dem Evangelium, persönliche Zweifel, was wir lernen, was uns verwirrt, oder ein kürzlich gelesener Bibelabschnitt wie dieser, der mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte und mich einige Minuten lang in die Anbetung brachte. „Und er ist das Haupt der Gemeinde, das Haupt seines Leibes. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung, der Erste, der von den Toten auferstand, denn nach Gottes Plan soll er in allem den ersten Platz einnehmen“ (Kol 1,18; NGÜ).

Achte jedoch darauf, wie das funktioniert. Wenn ich meinen Freund unterbrochen und ihm gesagt hätte: „Gibt es irgendeine Bibelstelle, über die du in letzter Zeit nachgedacht hast?“ oder „Was lernst du zurzeit über Jesus?“, dann wäre das seltsam, sogar unhöflich. Genauso gut hätte ich sagen können: „Genug davon. Rede mal über etwas Wichtigeres.“ Aber als ich einen Weg zu Fragen finden konnte, die ihm wichtig waren, wurden Fragen wie diese ganz natürlich.

Der Stoff aus dem das Leben, die Liebe, Gemeinschaft und weise Hilfe bestehen, ist: Gespräche. Dort geschieht am meisten Dienst. Langweilige Gespräche laugen einen aus. Wachsende Gespräche sind spannend. Wir haben eine Mission: Wir sollen darin wachsen, zunehmend geschickt in diesen Gesprächen zu sein. Denke heute über neue Ziele für diese Fertigkeiten in deinen Beziehungen mit denen nach, die mit dir unter einem Dach leben.


English: This translation is copyrighted © 2021 by the Christian Counseling & Educational Foundation (CCEF). The original article entitled The dull conversation,  Copyright © 2021, was written by Ed Welch (2021/04/30)  and is available at the ccef.org website. All content is protected by copyright and may not be reproduced in any manner without written permission from CCEF. For more information on classes, materials, speaking events, distance education, and other services, please visit www.ccef.org.

Translated in full with permission from the Christian Counseling & Educational Foundation (CCEF) by Viktor Zander and Anne Hartmann for glaubend.de in Koenigsfeld, Germany. Sole responsibility of the translation rests with the translator – glaubend.de.

Deutsch: Dieser Artikel ist urheberrechtlich geschützt durch die Christian Counseling & Educational Foundation (CCEF) © 2022. Der Original Artikel lautet: The dull conversation, Copyright © 2021 und wurde von Ed Welch am 30.04.2021 auf der ccef.org Homepage veröffentlicht. Jeglicher Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf in keiner Weise ohne schriftliche Erlaubnis von CCEF verwendet werden. Für weitere Informationen über Materialien, Veranstaltungen, Lehrinhalte und Vorlesungen besuchen Sie bitte www.ccef.org

Vollständig übersetzt mit Erlaubnis der Christian Counseling & Educational Fundation (CCEF) von Viktor Zander und Anne Hartmann (Lektorat) für glaubend.de in Königsfeld, Deutschland. Die völlige Verantwortung für die Übersetzung liegt beim Übersetzer und bei Glaubend.de.

 

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