Warum bot Jesus nicht die linke Backe dar, als er auf die rechte geschlagen wurde?

2010/07] Wer ist schuld am Tod Jesu? « Juli - 2010 « 2010 « Archiv « Unsere  Kirche

Im 18ten Kapitel des Johannes-Evangeliums wird uns ein Verhör Jesu vor dem Hohepriester beschrieben. Hier finden wir in den Versen 19-23 diese Begebenheit: “19 Der Hohepriester befragte nun Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. 21 Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, sie wissen, was ich gesagt habe. 22 Als er so redete, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sprach: Sollst du dem Hohenpriester so antworten? 23 Jesus antwortete ihm: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es übel ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?”

Als Jesus den Hohepriester darauf hinweist, dass er immer frei geredet hat, und es Zeugen genug für sein Wirken gibt, klingt “Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe” doch recht hart und eindeutig. Zu hart für einen Bodyguard des Hohepriesters, der natürlich Jesus zum nötigen (wie er denkt) Respekt erzieht. Seine Disziplinarmaßnahme besteht aus plumpen Prügeln. Szenen wie aus einem Gangsterfilm à la Hollywood.

Daraufhin schweigt Jesus aber (weiterhin) nicht, sondern weist entschieden daraufhin, dass er die Schläge zu unrecht empfangen hat. Als ich als Teenager diese Stellen gelesen habe, habe ich immer gejubelt darüber, wie souverän Jesus hier einem unrechtmäßigen Verhör entgegentritt! Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und weist alle, auch seine Eminenz, Hochwürden den Hohepriester auf falsches Verhalten hin.

Aber schneidet sich sein Verhalten nicht mit der Bergpredigt? Lesen wir doch schließlich in Mt. 5,39: “Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.”

Hier ist Jesus, das Lamm Gottes, das zur Schlachtbank geführt wird, “der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;” (1 Pet, 2,23).

Was ist dabei passiert. Wieso bietet Jesus nachdem er geschlagen ist nicht seine andere Backe dar, indem er das Unrecht einfach erduldet? Denkt man darüber nach, fällt einem auf, dass das Verhalten Jesu häufiger war. Herodes dem Fuchs gibt er eine Antwort zurück, die Juden im Tempel konfrontiert er mit ihren bösen Gedanken, Pilatus weist er auf seine vergängliche Macht hin und natürlich hat er zur Tempelreinigung schmerzende Werkzeuge verwendet (womöglich führte er die Reinigung sogar zweimal durch).

Was ist also los? Was ist denn nun mit “dem Bösen nicht zu widerstreben” aus Mt. 5,39. Es lässt sich nicht leugnen, das Johannes die Verantwortungen Jesu vor Gericht eben zu diesem Zwecke aufzeichnet, um zu zeigen, dass Jesus auch in einem ungerechten und hinterhältigen Verhör richtig handelte, z.B. in dem er auf die Unregelmäßigkeiten der Prozessführung, die übertriebene Härte der Bodyguards hinwies und sogar bemüht war, die Motive aufzudecken (etwas, das manchmal aus Jesu Mund ganz schön unterstellend klingt).

Damit scheint es nur eine Erklärung zu geben: Jesus hat vorgelebt, wie das “linke Backe anbieten” wirklich aussieht. Und das ist durchaus revolutionär: Nicht zurückschlagen aber auch nicht einfach “stur ertragen”. Die Linke Backe anbieten sieht so aus, dass du auf die Gefahr hin, noch mehr zu bekommen, auf die Wahrheit oder Herzensmotive hinweist. Das ist “Linke Backe anbieten” schlechthin!

Es gibt ja auf Provokationen die Möglichkeit explodierend oder implodierend zu reagieren. Für mich ist Jesu Verhalten eine Lektion darauf, dass es einen besseren Weg gibt, der Wahrheit und Liebe in Waage hält. Um ein Beispiel zu geben: Wer häufiger mit eher schnell aggressiv werdenden Leuten zusammenarbeitet ,kennt die Versuchung, lieber einen Bogen um die Sache zu machen. Man rechtfertigt sein Verhalten sogar damit, dass “man um des Friedens Willen” schweigt. Doch was passiert wirklich? Eigentlich handelt man falsch am Tyrannen, weil man ihm seine Schuld nicht vorhält. Und kommt es dann vielleicht Jahre später doch mit einer Konfrontation, verliert sie ihre Überzeugungskraft, weil Sie mit dem Einwand: “Wieso hast du mir das nicht schon gesagt?” sehr stark entkräftet werden kann. Jesus schwieg nicht um “des Friedens willen”, weil der Friede ja schon längst kaputt war. Es ist eben nicht Liebe am Nächsten, wenn man ihm alles durchgehen lässt! Diese Liebe lebte Jesus aus, auch wenn Sie für ihn Verachtung und Prügel bedeutete. – Welch Beispiel für einen Umgang mit niederträchtigen Verleumdungen!

 

 

 

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