“Es ist der Herr” – Gedicht

Nach diesem ungewöhnlichen Passahfest
Ihr Meister gekreuzigt, das Grab war leer
Verunsichert blieb der Jüngerrest
der kehrte zum galiläischen Meer
Sie flickten erneut ihre Netze, holten Ruder herbei
Setzen die Boote ins Wasser und griffen zur Fischerei

Die ganze Nacht auf dem Wasser, doch alles vergeblich
Nicht ein Fischlein ging ihnen ins Netz
Von Ferne erhob sich die Dämmerung, gelblich
Die lange Nacht fand ein Ende zuletzt,
Da erblickten sie Einen, so fremd und vertraut
Der vom Ufer zu ihnen herüberschaut

Er ruft “Werft die Netze zur Seite nach Rechts”
Und ihr werdet fangen die größte Menge
Das Schiff kracht ob des großen Gewichts
die Männer an Deck im großen Gedränge
Da bricht’s aus Johannes: “Es ist der Herr!”
Und Petrus wirft sich sogleich ins Meer

Die Anderen rudern die hundert Meter
und ziehen berstende Netze ans Land
Hier sind sie versorgt – Jesus ist wie ein Vater
Bereit ist das Mahl von seiner Hand
er spricht zu den Jüngern: Bringt her und esst
Das Feuer lodert, es kommt zum Christus-Begegnungs-Fest

So offenbarte sich Jesus zum dritten Mal
Den sieben Jüngern, den Ersten der Seinen
Sie sitzen gemeinsam beim seltsamen Mahl
Da naht sich Jesus vor allem dem Einen
Der Meister zu Petrus ganz nahe kommt
Dieser dabei Freude – auch Zweifel bekommt

Ihn fragt der Meister: “Liebst du mich von Herzen?
Petrus erwidert, “Herr Ja, du kennst die Dinge doch alle”
“So weide meine Schafe, trag ihre Schmerzen!
Das ist dein Auftrag, wenn ich zum Himmel walle”
Und trotz dem Versagen in der Karfreitags-Nacht
ist das Feuer der Liebe bei Petrus entfacht

Noch zweimal hört dieser die gleiche Frage
“Hast du mich lieb” durchdringt es des Jüngers Ohr!
dreimal verleugnete er den Meister die Tage
Und in seinem “Ja! “sich jeder Stolz verlor
Christus -Sicherer Fels im Straucheln, Stolpern und Fallen
Ist er für Petrus, wie seinen Nachfolgern allen!

Audio: Martin Luthers Predigt am Ostersonntag in Coburg

Diese Predigt hielt Martin Luther am Ostersonntag den 17.04.1530 in Coburg. Luther hielt sich in dieser Zeit in Coburg auf, um möglichst nah an den Religionsgesprächen dabei zu sein, die in Augsburg stattfinden. Er selbst kann nicht nach Augsburg reisen, da er unter Reichsacht steht. So blieb Luther fast sechs Monate in Coburg. Er selbst berichtet: „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort.“ Der Predigttext wurde der Weimarer Ausgabe der Luther Werke Bd. 32, Kap. 7 (s. 39-47) entnommen und geringfügig sprachlich angepasst (download als .pdf).

Liebe Freunde, ihr habt oft die Begebenheiten gehört, die sich an diesem Tag, an dem Christus auferstanden war, begeben haben und wisst, wie die lieben Jünger Christi und die Frauen zu der unerwarteten Freude, an die sie nicht einmal zu denken hofften, gekommen sind. Die gleichen Begebenheiten sollte man wohl noch ausführlicher erklären, obwohl es noch viele zu finden gibt, die zu gerne klug werden und sich dünken lassen, sie kennen diese und der gleichen Begebenheiten ganz gut und warten und harren auf etwas Neues. Doch wollen wir uns, liebe Freunde, schicken, als die es noch nicht wissen und wollen sagen, warum solche Begebenheiten geschehen und wozu sie uns nützen. Es ist eine sehr schlechte Kunst, solche Geschichten zu kennen und darüber reden zu können, wenn man nicht weiß, wozu sie mir und dir nützen und dienen. Denn das alles ist darum geschehen, dass uns allen dadurch geholfen und geraten werde.

Das ist auch denn die Ursache, warum Paulus so ausführlich von diesen Geschichten predigt und rühmt, dass es ein Triumph sei und gegen Sünde, Tod, Teufel, Hölle und alles Übel siege (Kol. 2,15). Das man Christus also ansehe, dass er solches nicht getan habe um seiner selbst willen, sondern man muss solche Geschichten von seinem Nutzen für andere und unser aller Nutzen preisen. Er durfte ja Nichts sein, er hätte wohl verklärt werden können; eine solche Auferstehung, wie er genau das selbst bewiesen hat auf dem Berg Tabor, da er sich nur seinen Jüngern verklärte. Aber er hat diese Weise darum für sich genommen, damit er uns damit diente. Am Karfreitag hat er angefangen und ist an unsere Stelle getreten und hat dem Teufel ein solches Bild unter die Nase gehalten, dagegen er anlaufen sollte.

Denn der Teufel ist ein Fürst des Todes, dass er die Leute würgen, in Sünde und Hölle werfen kann. Darum wird er zu Recht ein Fürst der Sünde und des Todes genannt, denn er hat das Handwerk so lange getrieben, dass ihm niemand widerstehen noch entlaufen kann oder möchte. Darum wurde er auch sehr stolz und mutig. Da kam nun unser lieber Herrgott und legte ihm einen Bissen vor, an dem er sich tot beißen sollte und schickte Christus auf die Erde ins Fleisch. Aber der Teufel bedachte das alles gar nicht, dachte nur, er wollte auch ihn bald auffressen. Steckt ihn erst in die Sünde, dass er verurteilt und gerichtet wurde, wie ein Aufrührerischer, wie denn solches auch der Titel aufzeigt, der über das Kreuz geschlagen war. Da muss er sterben wie ein verzweifelter aufrührerischer Bösewicht, der sich unterwunden hat, das ganze römische Reich anzugreifen und an sich zu reißen. Darum meint der Teufel, er habe ihn gewiss und wolle ihn auch erwürgen, wie er denn tut. So er ihn nun also hingerichtet hat, meint er, er müsse nun ewig in einem solchen Tod bleiben. Was aber geschieht? Christus steht unversehens auf von den Toten und tritt Teufel mit Sünde, Tod und Hölle unter die Füße und wird so ein Herr über Teufel, Sünde und Tod. Er tut solches auch nicht mit Gewalt, sondern hat das Recht dazu, dass ihm auch der Teufel selbst solches muss recht geben. „Audio: Martin Luthers Predigt am Ostersonntag in Coburg“ weiterlesen