Wie sollen wir taufen? – Begießen, Besprengen oder Untertauchen?

Begießen, Besprengen oder Untertauchen? – in kirchengeschichtlichen Quelltexten (pdf).

Ein Gastbeitrag von David Ballau:

Ungefähr im Jahr 30 n. Chr. befahl Jesus Christus den elf Aposteln in die ganze Welt zu gehen, überall das Evangelium zu predigen und die Gläubigen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Heute nach fast 2000 Jahren sind weltweit über zwei Milliarden Menschen christlich getauft. Die Taufpraxis ist in den verschiedenen christlichen Konfessionen jedoch unterschiedlich. Einige Konfessionen praktizieren die Taufe durch Begießen, einige durch Besprengen und andere durch Untertauchen. Wie machten es die ersten Christen und woher kommen die unterschiedlichen Praktiken?

Das Übergießen wurde etwa ab dem 12. Jahrhundert in der westlichen Kirche einheitlich umgesetzt. Bilddarstellungen und archäologische Befunde zeigen jedoch, dass dies in einigen Teilen schon im 4. Jahrhundert gängige Praxis war. In den orthodoxen Kirchen und den koptischen Kirchen, die ihren Anfang im 1. Jahrhundert haben, geschieht die Taufe hingegen seit Anbeginn durch Untertauchen, ebenso bei den Baptisten und vielen anderen Freikirchen.[1]

Im frühen Christentum wurden oft direkt neben den Kirchen Baptisterien als besondere Bauten mit einem großen tiefen Taufbecken in der Mitte errichtet.

Die gesonderte Taufkapelle außerhalb des Kirchenraumes sollte verhindern, dass Ungetaufte den geheiligten Raum der Kirche betraten. Zudem waren die Erwachsenen bei der Taufe nackt und so durften sie sich nicht im offiziellen Raum der Kirche aufhalten.

Außerhalb Italiens verlagerte sich das Taufbecken seit dem 8. Jahrhundert ins Innere der Kirche, als angeordnet wurde, dass Kinder schon im ersten Jahr getauft werden sollten.

In den Ruinen der Marienkirche, in Selçuk, in der Türkei befindet sich ein solches Baptisterium mit einem in den Boden eingelassenen tiefen Taufbecken zum Untertauchen der Täuflinge (Vgl. Abb.).
Das Gebäude diente ab dem 5. Jahrhundert der frühchristlichen Gemeinde in Ephesus als Kirchengebäude.

Taufbecken zum Untertauchen in der Marienkirche

 

Auch die frühen Kirchenlehrer äußern sich eindeutig zur Taufpraxis:

Thomas von Aquin schrieb im 13. Jahrhundert:

“Wenn deshalb es auch eine größere Sicherheit ist, die Taufe durch Untertauchen zu vollziehen (denn so bringt es der allgemeinere Gebrauch mit sich); so kann doch durch Besprengen oder in der Weise des Ausgießens ebenfalls die Taufe vollzogen werden, nach Ezech. 36.: „Ausgießen will ich über euch reines Wasser;“ wie man liest, dass der heilige Laurentius getauft habe (als er auf dem Roste liegend den heiligen Romanus auf dessen Bitten taufte). Und zwar ist diese letztere Weise vorzugsweise anzuwenden im Falle der Notwendigkeit oder weil eine große Menge zu taufender da ist, wie Apg 2 und 4. von fünftausend oder dreitausend gelesen wird. Die Notwendigkeit kann eintreten wegen der geringen Menge Wassers oder wegen der Schwäche des Spenders, der den zu taufenden nicht aufrechthalten, oder wegen der Schwäche des Täuflings, welchem aus dem Untertauchen Todesgefahr drohen kann.”[2]

Im 4. Jahrhundert schrieb der Kirchenlehrer Kyrill von Jerusalem:

“Hierauf wurdet ihr zum heiligen Bade der göttlichen Taufe geführt, wie Christus vom Kreuze weg zu dem in der Nähe gelegenen Grabe gebracht wurde. Und jeder einzelne wurde gefragt, ob er an den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes glaube. Jeder legte das heilsame Bekenntnis ab und tauchte dreimal in das Wasser unter und wieder auf, hierdurch das dreitägige Begräbnis Christi sinnbildlich andeutend. Wie nämlich unser Heiland drei Tage und drei Nächte im Schoße der Erde verbrachte, so stiegt ihr das erste Mal empor, um den ersten Tag Christi unter der Erde anzudeuten, und tauchtet unter, um die Nacht darzustellen.”[3]

Ungefähr 200 n. Chr. schrieb der Kirchenlehrer Hippolyt, ein Schüler vom Kirchenlehrer Irenäus:

„Sobald der Täufling ins Wasser hinabgestiegen ist, legt der Täufer ihm die Hand auf und fragt: Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater? Und der Täufling soll antworten: Ich glaube.

Und sogleich, während die Hand auf seinem Haupt liegt, tauft er ihn zum ersten Mal.

Und darauf fragt er: Glaubst du an Christus Jesus, den Sohn Gottes, der geboren ist vom Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, gestorben, am dritten Tage lebend von den Toten auferstanden und zum Himmel aufgestiegen ist, zur Rechten des Vaters sitzt, der kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten? Und wenn jener gesagt hat: Ich glaube, soll er ein zweites Mal getauft werden. Erneut fragt er: Glaubst du an den Heiligen Geist, in der heiligen Kirche und an die Auferstehung des Fleisches? Der Täufling soll sagen: Ich glaube. Und so soll er ein drittes Mal getauft werden.“[4]

In der wohl ältesten Kirchenordnung aus dem 1. Jahrhundert, der Didache, heißt es:

“Tauft so: Nachdem ihr alles dies vorher gesagt habt, tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes in fließendem Wasser. Wenn du aber fließendes Wasser nicht in der Nähe hast, so tauche in anderes Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es in warmen. Wenn du aber beides nicht in der Nähe hast, so gieße auf den Kopf dreimal Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.”[5]

Die Ausnahmeregelungen wurden Anfangs in Notsituationen bei Wassermangel oder bei Kranken akzeptiert, später jedoch dann in der Westkirche zur Regel.

In der Bibel wird die christliche Taufe immer nur mit Untertauchen in Verbindung gebracht:

Kol 2,11-12: „In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.

Röm 6,3-4: Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so werden auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.“

Mit der Taufe bezeugen wir also vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt, dass Jesus Christus leibhaftig von den Toten auferstanden ist und wir mit ihm eins sind und nun für die Sünden und Begierden dieser Welt gestorben sind und in einem neuen Leben mit Christus wandeln.

 


David Ballau (32) lebt in Hüfingen und studiert Technikpädagogik im Master mit den Fächern Elektrotechnik und ev. Theologie. Er beschäftigt sich gerne mit der frühen Kirchengeschichte und liebt die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Religionen. – Unveränderte Weitergabe gestattet.

[1] https://www.theology.de/kirche/amtshandlungen/taufe/taufritus.php

[2] https://bkv.unifr.ch/works/8/versions/18/divisions/15586

[3] https://bkv.unifr.ch/works/117/versions/135/divisions/104625

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Glaubensbekenntnisse

[5] https://bkv.unifr.ch/works/2/versions/3/divisions/93574

 

 

Ein Kommentar

  1. Es besteht wahrscheinlich kein Zweifel, dass die Taufe in der Bibel durch Untertauchen ausgeführt wurde. Aber interessant finde ich, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist eine durch “Ausgießen” ist, sowohl im NT als in allen Prophezeiungen des AT – das ist mir gerade vor ein paar Tagen aufgefallen. Also so ganz absurd ist Übergießen auch nicht. Strongs Wörterbuch erklärt baptizo mit: to make whelmed (that is, fully wet).

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