Dürfen Hausfrauen einen freien Tag in der Woche haben?

Ein Artikel von John Piper (Download (Docx; PDF)):

Ich weiß nicht, wann diese Folge „Ask Pastor John“ gehört wird, doch sie erscheint an einem Montag, was üblicherweise der freie Tag eines Pastors ist. Eine Hausfrau schrieb uns: „Hallo, Pastor John! Ich bin eine Hausfrau und Mutter von drei Töchtern, die alle noch unter fünf sind. Zudem bin ich die Ehefrau eines Pastors. Wie viele andere Pastoren, nimmt sich mein Ehemann den Montag frei. Doch ich finde, dass es niemals einen Tag gibt, an dem ich von der Wäsche, dem Geschirr und dem Putzen freinehmen kann. Die Arbeit hört für mich nie auf und ich finde das ist für viele Mütter, die sich ausgebrannt fühlen, eine Herausforderung. Ohne, den Wert eines freien Tages für die Männer in Frage zu stellen, frage ich mich, ob Mütter auch einen freien Tag haben sollten? Sollen wir das anstreben? Oder ist das ein selbstsüchtiger Wunsch?

Ob das eine selbstsüchtige Frage ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich Ihr Herz nicht kenne. Gott kennt es. Doch sicherlich muss es keine selbstsüchtige Frage sein und ich nehme das auch nicht an. Es dürfte dieselbe Frage sein, die meine Frau und ich in der Gemeinde und mit den Mitarbeitern, zu Hause und in meinem Dienst immer und immer wieder besprachen: Wie finden wir, ob nun als Mitarbeiter, oder als ein Paar die Puste, um den Lauf zu vollenden? So drücken wir es aus. Den Lauf der Ehe, den Lauf der Elternschaft. Es sind alles Marathonläufe, keine 100-Meter Sprints.

Seit dem vergangenen Dezember laufen Noël und ich den Marathonlauf der Ehe seit bereits 50 Jahren. Den Marathon der Elternschaft laufen wir nun seit 47 Jahren. Und glauben Sie mir, auch nachdem die Kinder groß sind, laufen wir diesen Lauf mit unseren 14 Enkeln weiter. Schließlich laufen wir auch im Marathon des Pastorenamtes seit 33 Jahren.

Nun ist also die Frage für jede Mutter, für jeden Ehemann, Vater, für jedes alleinerziehende Elternteil, diese: Woher nehmen wir die Kraft, um den Lauf zu vollenden? Das ist die Frage. Wir wollen auf dem himmlischen Pilgerweg nicht umherschlendern und wir wollen nicht auf dem halben Weg erschöpft umfallen. Das ist keine selbstsüchtige, sondern vielmehr eine weise Frage: Woher nehme ich die Ausdauer und Puste, um den Lauf zu beenden? Ob es nun ein freier Tag oder eine andere Möglichkeit der Freizeit ist, Arbeit und Ruhe bleiben ein sich erhaltender Rhythmus. Somit möchte ich fünf Beobachtungen äußern, bei denen es lohnenswert sein könnte, darüber nachzudenken.

1.  Ehre den Sabbat

Das Prinzip der Sabbatruhe war Gottes Idee vor dem Sündenfall. Vor dem Fall, mit all seinen zusätzlichen Lasten, war ein Tag anders als die anderen sechs, nämlich ohne die gleiche Last der Arbeit, sondern mit Erholung und dem geistlichen Fokus, um zum Herrn zu sagen: „Ich bin nicht Gott. Du bist Gott. Wenn ich für einen Tag aufhöre, das Universum zu erhalten, springt es nicht aus seiner Existenz. Ich bin nicht Gott.“ Es ist auch Zeit an einem solchen Tag zu seinem eigenen Körper zu sagen: „Du bist nicht übermenschlich! Gott ist es!“

Dieses Prinzip des einen Tages von Sieben bedeutetet ehrlich, demütig und ehrfürchtig vor Gott zu sein, denn dieses Prinzip war für das ganze Volk Gottes wahr, ob Männer oder Frauen. Somit sollten Ehemänner den Anfang machen – Ich gehe in dieser Frage davon aus. Ehemänner sollten die Führung übernehmen, um der Familie zu helfen, darüber nachzudenken, wie das realisiert werden kann, wenn die Kinder größer werden. Wenn alle sieben Tage der Mutter unverändert ablaufen, geht etwas vom Prinzip des Sabbats verloren.

2.  Der Takt der Gegenwart

Bedenken Sie, dass Ehe, Kinder und Dienst sehr unterschiedliche Zeiten mit unterschiedlichen Aufgaben haben werden. Kinder unter 2 sind eine ganz andere Herausforderung als die 3 bis 6-Jährigen und die 6 bis 13-Jährigen und so weiter. Jede Zeit ist herausfordernd, doch nicht auf die gleiche Weise.

Ich habe vor Kurzem mit einem jungen Mitarbeiter bei Desiring God gesprochen, der vor kurzem Vater wurde und er meinte: „Ich hätte nie gedacht, dass es so hart wird.“ Was er vor allem im Blick hatte, war ausreichend Schlaf. Wie können wir genug Schlaf bekommen, um so zu funktionieren, wie wir sollten? Es könnte in solchen Zeiten hilfreich sein, sich daran zu erinnern, dass solche Zeiten einmal vorbei sein werden. Eines Tages ist es vorbei und wir müssen das Tempo finden, um diesen Teil des Laufes durchzuhalten.

3.  Väter, tragt die Lasten der Mütter

Ehemänner, übernehmt die Verantwortung für eure Ehefrauen! Petrus sagt, dass wir „nach Erkenntnis“ mit Ihnen zusammenleben sollen. Sie sind „Miterben der Gnade des Lebens“ (1. Petr. 3,7, Elberfelder Übersetzung). Das bedeutet, dass wir unsere Frauen studieren sollten, ihnen zuhören, sie beobachten und uns darüber sorgen sollten, wie sie blühen und völlig fruchtbar sein können. Das möchten wir ja für unsere Ehefrau, dass sie floriert und blüht. Wie kann sie völlig aufgehen und in ihrer Berufung als Hausfrau, Mutter und in ihren Aufgaben in der Gemeinde und Gesellschaft glücklich sein?

Diese Hilfe wird womöglich tägliche Unterstützung und regelmäßige größere Hilfe ihrerseits für sie bedeuten. Als junger Pastor mit vier Kindern versuchte ich immer bis 17.30 am Abend, noch vor dem Abendessen, daheim zu sein. Wir hatten damals 4 Jungs (Talitha ist erst später dazu gekommen) und vom Abendessen um 17.30 bis 19.00, waren die Kinder meine Verantwortung. Wir nannten es Spielzeit. Noël konnte arbeiten oder ausruhen. Sie konnte lesen oder den Abwasch machen. Sie konnte das machen, was sie machen wollte, zwischen 17.30 und 19.00 Uhr.

Doch zumindest für diese 90 Minuten trug ich die Last des Tages. Im Urlaub handelten wir anders. Sie kümmerte sich vormittags um die Kinder und ich konnte bis zum Mittag lesen. Wir aßen gemeinsam. Ich nahm die Kinder am Nachmittag und sie konnte ausgehen, die Stadt besichtigen, shoppen gehen, am Strand ausruhen, und das tun, was sie wollte. Sie war frei das zu tun, was sie alleine tun wollte und ich spielte mit den Kindern Ball für 4-5 Stunden. Abends gab es dann die Familienzeit, bis die Kinder ins Bett kamen.

Zu anderen Zeiten achtete ich darauf, dass sie mit ihren Freundinnen eine Auszeit nehmen konnte. Der Punkt ist, liebe Ehemänner, dass Leiterschaft nicht bedeutet, endlose Ansprüche an die Frau zu haben. Können wir jemals dem nachkommen, was Leiterschaft ist? Zu einem Ehemann berufen zu sein, bedeutet, entschieden und einmalig der verantwortliche Führer der Familie zu sein. Es ist nicht Leiterschaft um ununterbrochen Forderungen zu stellen. Das wäre unreife Tyrannei. Leiterschaft bedeutet: Sie erkennen. Seien Sie kreativ darin, Strategien der Erholung zu entwickeln, die für euch beide funktionieren. Unternehmen Sie die Initiative darin. Achten Sie darauf, dass die Ehefrau umsorgt wird.

4.  Bittet um Unterstützung

Seien Sie offen für weitere Familien, Verwandte und Nachbarn, die Ihnen bei der Sorge um die Kinder helfen können. Das ist besonders für alleinerziehende Eltern relevant. Das ist eine Tatsache. Wir sollten eifrig darum bemüht sein, Familien aus zahlreichen Gründen zu helfen. Wir befinden uns in schwierigen saisonalen Umständen. Die Kernfamilie ist Gottes Idee, doch die isolierte Familie ist nicht Gottes Idee. Eine Mutter, die sich isoliert und in den Wänden ihres Hauses gefangen fühlt, wird womöglich weder geistlich noch emotional glücklich sein.

Als Hilary Clinton – wenn wir sie zitieren dürfen – sagte, „es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen“, war das nicht ihre Erfindung. Das ist ein uraltes Sprichwort. Das ist antike Weisheit. Überall brauchen Kinder mehr als Mutter und Vater. Kinder benötigen andere menschliche Wesen. Ehemänner, auch hier müssen wir unsere Verantwortung übernehmen. Wie entwickelt sich die Familie im weiteren Netzwerk zum Guten der Kinder und zur Erholung der Mutter, wenn wir die Verantwortung unsere Kinder zu erziehen, mit anderen teilen und uns gegenseitig in dieser Last unterstützen?

5.  Fordern Sie konsequenten Gehorsam

Ich möchte mich in besonderer Weise an die jungen Mütter und Väter wenden, dass ihr eure Energie und eure Aufmerksamkeit insbesondere darauf aufwendet, euren Kindern, die noch unter zwei Jahren sind, als aller Erstes Gehorsam anzugewöhnen – lasst kein Jammern und kein Ungehorsam zu: „Du wirst das Geforderte tun.“

Nun, bedeutet dies außerordentlich viel Fokus, Aufmerksamkeit, Mut, Weisheit, Energie und Liebe, wenn die Kinder noch sehr klein sind, weil es viel einfacher ist, auf der Couch liegen zu bleiben und dem Kind dreifachen Ungehorsam nachzusehen, weil man zu faul ist, aufzustehen und etwas durchzusetzen. Somit sage ich, dass dies eine lange und schwere Arbeit ist. Doch der Lohn ist später sehr wundervoll. Nun könnte ich dafür anhand der Bibel argumentieren, die sagt: „Kinder, gehorcht euren Eltern.“ (Eph. 6,1; Kol. 3,20). Es ist keine Raketenwissenschaft. Das sagt die Schrift und die Kinder tun das nicht von sich aus. Die Eltern aber sollen sie in „der Zucht und Ermahnung des Herrn“ aufziehen (vgl. Eph. 6,4).

Insbesondere möchte ich aber darauf aufmerksam machen, dass dies der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mutter hilft, wenn die Väter ihr helfen, gehorsame Kinder aufzuziehen. Es überrascht mich, zu sehen, dass so viele Eltern kleiner Kinder keinen Gehorsam beanspruchen. Das erscheint für mich verrückt und ungesund zu sein. So machen sie ihr Leben für fünfzehn Jahre miserabel. Kein Wunder ist jeder todmüde. Es ist einfach ermüdend, den Kindern nachzugehen und zu versuchen, sie davon abzuhalten sich selbst umzubringen, weil sie sowieso nicht das tun werden, was man ihnen sagt.

Ich sage aber das: Ja, Sie können von ihrem Kind, das sagen wir unter 6,7 oder 8 Jahren ist, erwarten, dass es um 19.00 Uhr ins Bett geht. Ja, Sie können das. Es kümmert mich nicht, woher sie stammen. Sie können das fordern und sie dürfen nicht aus dem Bett kommen, bis das Haus wieder zum Leben erwacht. Sie werden mit dem väterlichen Zorn konfrontiert, wenn sie aus dem Bett kommen, obwohl kein Feueralarm zu hören ist.

Das sage ich nicht, um Lasten hinzuzufügen, sondern diese abzunehmen. Stellen Sie sich vor, welche emotionelle Last wegfällt, wenn die Kinder einfach beim ersten Hören das tun, was Sie von ihnen erwarten. Das beansprucht enorme Anstrengung, Konzentration, Liebe, Durchsetzung und Disziplin in den ersten zwei Lebensjahren.

Nun wisst ihr Väter eure Agenda: Kennt eure Frau, kennt eure Kinder, kennt eure Bibel, kennt euch selbst und stellt sicher, dass eure Frau das hat, was sie benötigt, um als Mutter und Ehefrau fruchtbar und glücklich zu sein.


Erschienen erstmals am 21. Oktober 2019 unter

https://www.desiringgod.org/interviews/should-stay-at-home-moms-take-a-day-off.

Mit freundlicher Erlaubnis von „Desiring God“ übersetzt.

 

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