Hack dir die Hand ab!

Jon Bloom:

(Download des Artikels als.pdf)

Wie weit wirst du gehen, um deine Seele zu retten?

Wenn uns der Sinn für die Heiligkeit Gottes abhandenkommt, so ist das das erste Warnzeichen dafür, dass wir geistlich in Gefahr sind.

Von außen kann alles ganz gut aussehen: Mit unseren Familien ist alles in Ordnung, unser Dienst floriert, vielleicht sind wir anerkannt und üben unsere geistlichen Gaben kraftvoll aus. Aber innerlich sind wir am Abweichen.

Das äußerliche Erscheinungsbild gibt keinen zuverlässigen Aufschluss über unsere innere Gesundheit. Es ist möglich, dass Familien oder Werke mit Schwierigkeiten kämpfen und keinen Erfolg haben, und die Gründe dafür nichts mit ihrem geistlichen Zustand zu tun haben. Und andererseits ist die Geschichte voll mit Beispielen von Männern und Frauen, die zeitweise geistliche Gaben mit großer Kraft ausübten, während sie insgeheim in grober Sünde lebten. Zudem dauert es oft eine Weile, bis geistlicher Niedergang nach außen sichtbar wird. Wenn er sich dann an der Oberfläche zu zeigen beginnt, ist der Zustand schon sehr ernst geworden.

Worauf wir achten müssen

Wir müssen auf unseren Sinn für Gottes Heiligkeit achtgeben.

Damit meine ich nicht unser lehrmäßiges Wissen um Gottes Heiligkeit. Wir können sie noch bejahen oder sogar selbst lehren, wenn wir innerlich schon am Abfallen sind. Nur wenn wir echte Gottesfurcht haben, haben wir die Lehre von der Heiligkeit Gottes tatsächlich begriffen. Und der Beweis für Gottesfurcht ist die Furcht zu sündigen. Wenn wir den Sinn für Gottes Heiligkeit verlieren, hat das zur Folge, dass wir unsere eigene Sündhaftigkeit nicht mehr wahrnehmen. Wenn wir Gott nicht fürchten, fürchten wir auch die Sünde nicht.

Wenn wir uns angewöhnen, mit unserer Sünde nachsichtig zu sein – weil wir die Folgen der Sklaverei der Sünde nicht fürchten (Johannes 8,34) – zeigt das ganz klar, dass wir nicht von der Furcht Gottes regiert werden. Und wenn wir uns in diesem Zustand befinden, sagt Jesus uns, was wir tun müssen: Hack deine Hand ab!

 

Eine absolut erschreckende Realität

Matthäus 18 ist eine ernüchternde Lektüre. Jesus spricht da sehr ernst über die ungemein furchtbaren Konsequenzen der Sünde. Er sagt:

Wehe der Welt wegen der Dinge, durch die Menschen zu Fall kommen! Es ist zwar unausweichlich, dass solche Dinge geschehen, doch wehe dem Menschen, der daran schuld ist! Und wenn es deine Hand oder dein Fuß sind, durch die du zu Fall kommst, dann hau sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, du gehst verstümmelt oder als Krüppel ins Leben ein, als dass du beide Hände oder beide Füße behältst und ins ewige Feuer geworfen wirst. Und wenn es dein Auge ist, durch das du zu Fall kommst, dann reiß es aus und wirf es weg! Es ist besser, du gehst einäugig ins Leben ein, als dass du beide Augen behältst und ins Feuer der Hölle geworfen wirst. (Matthäus 18,7- 9).

Beachte den Ausdruck ewiges Feuer in Vers 8. Zu fast jeder Zeit in der Geschichte der Kirche gab es solche die entweder an die ausnahmslose Rettung von jedermann geglaubt haben oder an eine endgültige Auslöschung aller Verlorenen. Aber immer in der Kirchengeschichte hat die Mehrzahl der Christen zusammen mit der Mehrzahl der hervorragendsten und zuverlässigsten Theologen der Kirche bestätigt, dass das, was Jesus und die Apostel über die Hölle gelehrt haben, sich auf eine ewige Strafe bei vollem Bewusstsein bezieht. Diese Worte (ewiges Feuer) beschreiben eine absolut erschreckende Realität.

Eine Metapher, aber keine Übertreibung

Ich habe die Worte furchtbar und absolut erschreckend bewusst und mit Bedacht gewählt. Sie sind die einzig passenden Ausdrücke, um die Hölle zu beschreiben, den ewigen Tod, der der Lohn der Sünde ist (Römer 6,23). Niemand möchte das erleben. Aber jeder, der ein Sklave der Sünde ist und nicht durch den Sohn befreit wurde, wird das tatsächlich erleben (Johannes 8,36).

Deswegen benutzt Jesus diese extreme Metapher vom Hand-Abhacken und Auge-Ausreißen. Extreme Gefahr ruft nach extremen Maßnahmen, um ihr zu entfliehen. Ja, dieses Bild von Verstümmelung ist eine Metapher, aber keine überzogene. Es ist klar, dass es eine Metapher ist, weil der buchstäbliche Verlust einer Hand oder eines Auges die Wurzel der Sünde nicht ausrotten kann. Aber eine radikale und schmerzhafte Amputation der Dinge in unseren Leben, die uns zu Fall bringen, kann der einzige Weg sein, uns vor der Schlinge der Sünde zu bewahren, die sich sonst um uns zuzieht.

Vielleicht ist es eine Angewohnheit, die wir aufgeben und abhacken müssen, oder eine Beziehung oder eine Karriere oder gewisse persönliche Freiheiten – was auch immer es ist, das uns zu Fall bringt. Denn es ist viel besser, diese Dinge zu verlieren und ins Leben einzugehen, als sie zu behalten und unsere Seelen zu verlieren (Lukas 9,25).

Hacke jede Hand ab

Wenn wir den Sinn für Gottes Heiligkeit verloren haben, dann fühlen wir uns von den Warnungen Jesu in Matthäus 18 nicht angesprochen. Wir denken, solche Warnungen betreffen andere. Es kommt uns nicht ernsthaft in den Sinn, dass sie uns gelten. Wir denken auch nicht, dass sie sich auf andere Brüder und Schwestern beziehen, die nach weltlichen Dingen trachten und ziemlich gefühllos sind in Bezug auf Sünde.

Vielleicht trösten wir uns damit, dass wir ja zur rechtgläubigen Lehre stehen, dass andere uns bestätigen und unsere fruchtbringende Arbeit doch der Beweis ist, dass wir auf dem rechten Weg sind. Aber wenn wir im Verborgenen Sünde und Gebetsarmut und Gleichgültigkeit gegenüber verlorenen Seelen tolerieren, dann ist das ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Wenn wir Gott in unserem Privatleben nicht fürchten und ehren, sind wir auf einem gefährlichen Weg ins Verderben (Matthäus 7,13).

Jesus weist uns hier den Weg zur Heilung für diese tödliche Infektion: Hack jede Hand ab, die dich zu Fall bringt. Und er meint das wirklich!  „Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, dann verschließt euch seinem Reden nicht!“ (Hebräer 4,7). Ob wir uns eben erst auf diesen Weg begeben haben oder schon viel zu lange darauf unterwegs sind, jetzt ist die Zeit, Busse zu tun und zu extremen Maßnahmen zu greifen und das zu amputieren, was sich um unsere Füße wickelt und uns gefangen nimmt (Hebräer 12,1).

Wir müssen zum Herrn flehen und tun, was immer nötig ist, damit die Furcht des Herrn wieder in unseren Herzen Einzug hält.

Wähle das Leben

Für uns als Christen steht die Furcht des Herrn nicht in Konkurrenz zu unserer Freude im Herrn. Im Gegenteil ist sie eine Quelle der Freude im Herrn. Jesaja hat über Jesus prophezeit: Und er wird sein Wohlgefallen haben an der Furcht des HERRN (Jesaja 11,3). Es war Jesu Freude, den Vater zu fürchten, und Gott möchte, dass auch wir diese Freude genießen.  Denn die Furcht des HERRN ist eine Quelle des Lebens; man meidet durch sie die Fallstricke des Todes (Sprüche 14,27). Und der Herr zieht die ins Vertrauen, die in Ehrfurcht vor ihm leben; seinen Bund macht er ihnen bekannt (Psalm 25,14).

Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang (Sprüche 9,10). Umgekehrt ist der Verlust der Furcht des Herrn der Beginn der Torheit. Der Lohn für solche Weisheit ist ewiges Leben (Johannes 3,16) und Freude in Fülle (Psalm 16,11). Der Lohn solcher Torheit ist absolut erschreckend.

Wenn wir feststellen, dass unsere gesunde Furcht vor Gott abnimmt und uns der Sinn für seine Heiligkeit verlorengeht, dann ist es Zeit, zur Tat zu schreiten. Lasst uns Busse tun und jede törichte Hand abhacken und, wie es in 5. Mose 30,19 heißt, das Leben wählen.

Ein Artikel von Jon Bloom. Übersetzung von Ruth Metzger. Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.