Simson – Für uns

Ein Artikel von Ed Welch. Übersetzung von Viktor Zander. Download als .pdf

Bei einigen Geschichten des Alten Testaments fällt es schwer, bedeutungsvolle Weisheit daraus zu schöpfen – eine Weisheit, welche die Art unseres Gebets prägt. Es braucht Zeit, vielleicht ein oder zwei Gespräche. Und wer hat für so etwas Zeit, wenn man versucht, in einem Jahr die Bibel durchzulesen?

Als ich vor kurzem zur Erzählung über Simson kam (Ri. 13-16), wurde mir deutlich, dass ich zwar zufrieden damit war, neue Einzelheiten zu erkennen und neue Verbindungen zu knüpfen. Die Geschichte hatte jedoch keinen Berührungspunkt mit meinem Gebetsleben. Also versuchte ich, es langsamer anzugehen. Das machte aber alles nur noch schlimmer.  Simson taucht am Ende des Richter-Buches auf und die Geschichten werden im Lauf des Buches immer verkommener. Sein Vater Manoah kommt als Stümper daher. Simsons erste Worte drehen sich darum, was er sah und was er begehrte: Er begehrte eine Frau der Philister, gegen den dringenden Rat seiner Eltern. „Diese nimm mir“ forderte er, „denn sie ist in meinen Augen die Richtige!“ (14,3; rev. Elb.) In meinen Augen das Richtige, oder in Gottes Augen das Richtige – das ist im ganzen Buch ein vorherrschendes Motiv – Simson ist dabei die Kopie eines Menschen, der dem nachjagt, was in seinen Augen das Richtige ist. Das nimmt die Ereignisse voller Gier, Dummheit und Rache vorweg, die im Verlauf folgen. Simson macht seinem eigenen Volk das Leben so schwer, dass es ihn dem Feind ausliefert. Selbst sein letzter Kraftakt war ein Racheakt gegenüber den Philistern, die ihm die Augen ausgestochen hatten (was für ein treffendes und ironisches Gericht über jemanden, der alles das wollte, was er sah). Schließlich waren auch seine Wortspiele und Rätsel kindisch. Nichts Heldenhaftes zu finden. „Simson – Für uns“ weiterlesen

Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?

Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?

Ein Artikel von Ed Welch. Erschienen am 23.10.2019 unter dem Titel: „Is Scripture Sufficient for Counseling?” bei CCEF. Übersetzt von Ruth Metzger.

“Sie verwenden einfach nur die Bibel.” So habe ich Leute über biblische Seelsorge reden hören. Eigentlich würde ich über diesen Kommentar gar nicht weiter nachdenken, gäbe es da nicht zwei Dinge. Erstens wollen sie uns damit nicht anerkennend auf die Schulter klopfen; das verrät das Wort „einfach“. Würden sie sagen: „Sie verwenden die Bibel”, würde ich mich ermutigt fühlen und es dabei belassen, aber das will man damit nicht aussagen. Und zweitens führt uns diese Frage zu der größeren Frage nach der Reichweite der Schrift. Genügt die Heilige Schrift? Und wenn ja, was bedeutet das? „Genügt die Bibel für seelsorgerliche Beratung?“ weiterlesen

“Mit Christus zu Christus gehen…” – CSA – Seelsorgeausbildung, jetzt auch online möglich

Als ich letztes Jahr mit der Seelsorgeausbildung bei der CSA Aarau  angefangen habe, war ich mehr als skeptisch, ob es das richtige für mich ist.

Es schienen zahlreiche Gründe dagegen zu sprechen. Zunächst bin ich persönlich eher an Themen wie Geschichte oder Bibelkunde interessiert. Gleichzeitig halte ich mich auch nicht für den begehrtesten Genossen mit dem man in den Kampf gegen die Sünde treten würde wollen.

Nun, ich wurde Besseres gelehrt. Zunächst einmal verweist Beat Tanner, der verantwortliche Ausbilder regelmäßig darauf hin, dass Seelsorge Herzensangelegenheit ist. Ob ich es will oder nicht: ich bin immer Seelsorger! Was vermittele ich dann meinen Mitmenschen in Not, in Problemen, in Sorgen, in Verzweiflung, in Ängsten oder im Versagen gegen die Sünde? Ich habe mich rückblickend zu oft dabei erwischt, dass mein Rat in solchen Situationen völlig weltkonform war. Jeder würde so raten: “Stell dich nicht so an!”, “Streng dich doch ein bisschen mehr an!”, “Ändere dich doch endlich mal!”, “So schlimm ist das nicht” usw. usf. bis in alle Ewigkeit. Immer und immer wieder die spulen wir die alte Leier ab, die mehr mit Selbstgerechtigkeit zu tun hat, als mit der Botschaft vom Kreuz. Konfrontiert mit der Liebe Gottes, die ihren Höhepunkt darin findet, dass Gott seines eigenen Sohnes nicht schont, um uns zu erlösen, finden wir bessere Antworten. Hier ist für einen Geängstigten Trost, für einen Verzweifelten Hoffnung und für einen verstockten Sünder Befreiung zu finden.

Die Ausbildung hilft mir, diese recht einfache Antwort auf unterschiedliche Lebensbereiche und Situationen anzuwenden. An dieser Stelle ist womöglich ein Hinweis nötig. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich unter “Seelsorge” etwas anderes verstehe, als es die CSA Aarau tut. Ein Grund dürfte in meiner theologischen Herkunft aus dem evangelikalen Fundamentalismus liegen. Hier versteht man unter Seelsorge vor allem das Gespräch, dass nach einem Zuruf zwischen einem Bruder und einem reuigen Sünder stattfindet (Wahrscheinlich sind hier mehr Parallelen zur katholischen Beichte vorhanden, als man sich eingestehen möchte). Entsprechend ist Seelsorge dann auch besonderen heiligen Momenten vorbehalten.  Obwohl das Zusprechen des Heils und der Rechtfertigung für mich ein zentrales Element ist (und immer zentraler wird), wenn ich mit meinen Mitmenschen im Gespräch bin, dürfte es dennoch besser sein unter Seelsorge das zu verstehen, was Beat Tanner als “mit Christus zu Christus gehen” beschreibt. Es geht nicht um das Erteilen der Absolution sondern um das Zusprechen der Gnade in dem man auf das Kreuz weißt.  Es ist möglich unseren Mitchristen einen Rat zu geben, der zu Christus zeigt. Echten Trost- der hält, Echte Hoffnung, die besteht. Das das die Pflicht eines jeden Christen ist, macht Beat in seinem Essay: “Qualifikation für einen Seelsorger” deutlich.

Licht in die ganzen Begriffe brachte mir, als ich über den englischen Begriff “Counseling” nachdachte, der im deutschen häufig mit Seelsorge wiedergegeben wird, aber auch mit (Lebens-)Beratung übersetzt werden könnte. Genau deswegen profitiere ich ungemein von der CSA Seelsorgeausbildung. Welchen Rat kann ich meinem Bruder, meiner Schwester in ihrer Not, ihrer Angst und ihrer Sorge geben. Wie kann dieser Rat wirklich weise sein und Liebe und Wahrheit vermitteln? Was muss ich an mir ändern, damit ich besser auf Christus hinweisen kann? Wie kann ich meinen Bruder besser verstehen? Wie kann ich zwischen Sünde und Scham unterschieden? Wie kann ich Strategien entwickeln, um auch mit einem sehr beunruhigten Menschen ins Gespräch über das Wort Gottes zu kommen? Das sind nur einige der Themen, die ausführlich einschließlich persönlichem Mentoring und zusätzlicher Vorbereitungslektüre im Laufe von zwei Jahren besprochen werden.

Ich kann diesen Kurs somit nur jedem empfehlen, der überhaupt in eine Gespräch mit seinen Geschwistern tritt. Doch Achtung! Der Kurs ist gefährlich! Er wird dich verändern. Eine derartige Konfrontation mit dem Wort Gottes wird nicht ohne tiefgreifende Änderungen bleiben.

Bei der Ausbildung wird sich seit diesem Jahr etwas ändern: Ab 2020 wird es möglich sein, diese Ausbildung auch online zu absolvieren.

Mehr erfährst du hier und in diesem Video:

Pflegeeltern als Missionare vor Ort

Ein Artikel von Julie Lowe: Seeing Foster Parents as Local Missionaries, erschienen 28.Mai 2020 bei CCEF. Übersetzt von Alexander Schneider. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Christian Counseling & Educational Foundation (CCEF) (pdf-download).

Als Christen wissen wir, dass wir dazu berufen sind, uns um Waisenkinder zu kümmern. Deshalb wurde Adoption in der Kirche schon immer sehr hochgeschätzt. Erfreulicherweise gibt es inzwischen ein wachsendes Verständnis für die Komplexität und die Herausforderungen von Adoption und Pflegeelternschaft. Damit hat sich auch die Unterstützung für Pflegeeltern durch die Kirchen verbessert. Gleichzeitig bleiben viele Kirchen unabsichtlich zurückhaltend und passiv, wenn es darum geht, Pflegeeltern zu unterstützen. Wie kommt es dazu?

Als Seelsorgerin habe ich mit vielen Pflegefamilien zu tun, die davon berichten, dass Leute ihnen gegenüber mit einer Mischung aus Bewunderung, Unsicherheit oder Gleichgültigkeit reagieren. Man ist von dem Engagement beeindruckt, gleichzeitig schwingt der Vorwurf der Leichtsinnigkeit mit. Warum um alles in der Welt würde jemand sein Leben und seine Familie für einer solche „Herausforderung“ ausliefern? Andere fürchten sich vor dem Unbekannten. Nur wenige Menschen haben Erfahrungen mit dem Thema und darum scheuen sie vor dem zurück, was ihnen fremd erscheint. Die Medienberichte über die wenigen Fälle, bei denen die Pflegeunterbringung scheitert, helfen da auch nicht weiter.  Andere sind einfach unwissend. Sie sind nicht vertraut mit dem Thema und wissen daher nicht, was nötig oder hilfreich ist. Aber unabhängig davon, warum der Bedarf nicht deutlicher erkannt wird, muss man zugeben: Pflegeeltern stehen in einem wichtigen Dienst und verdienen die Unterstützung durch ihre Kirche. „Pflegeeltern als Missionare vor Ort“ weiterlesen

Über Menschenfurcht, Vergangenheitsbewältigung und mehr…

Mit einigen Freunden aus der Gemeinde besuchen wir derzeit die CSA Seelsorgeausbildung in Aarau. Ehrlich gesagt, habe ich zunächst gefürchtet, dass mich das furchtbar langweilen wird. Seelsorge ist nicht unbedingt etwas, womit ich viel anfangen kann. Doch Kurs für Kurs ändert sich meine Haltung. Beat hat auf seiner Homepage auch einige Texte veröffentlicht, die ich oftmals als sehr hilfreich empfinde. Auszüge aus zweien davon:

Menschenfurcht

“Menschenfurcht ist ein falscher Gott, der in seinem Wesen halbherzig ist. Menschenfurcht geht Kompromisse ein. Dafür gibt es ausreichend Gründe zur Selbstrechtfertigung:

  • Man kann doch nicht so sein!
  • Was denken die Anderen von mir?
  • Ich könnte mich blamieren…
  • Kann man so herzlos sein?
  • Warum jetzt wieder einen Konflikt beginnen?
  • Mein Handeln könnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen (vielleicht eine Haftstrafe durch ein Regime, Prügel oder gar der Tod…)
  • Das hat doch keinen Zweck – ist bloß vergeudete Zeit …”

gefunden in: “Menschenfurcht – Kein Kavaliersdelikt”

Vergangenheitsbewältigung im Leben Josefs

Wertvoll fand ich den Gedanken, dass Versöhnung nicht zu schnell herbeigeführt werden sollte:

“So lernen wir aus der Geschichte Josefs, dass eine Versöhnung manchmal eine lange Zeit braucht – jedenfalls aus der eigenen Perspektive gesehen –; einen langen Weg der Heiligung, der auf der einen oder auf beiden Seiten zur Einsicht Schuld vor Gott und den Menschen führt, bis es endlich zu einer Versöhnung kommen darf. Der Umgang mit der Vergangenheit kann unseren Weg der Heiligung ein ganzes Leben lang prägen. (…) In der Begegnung mit seinen Brüdern hielt er die große Spannung aus und führte keine zu schnelle Versöhnung herbei. Stattdessen prüfte er das Herz seiner Brüder: Würden sie wieder so handeln, wie sie mit ihm gehandelt hatten?”

gefunden in: Vergangenheitsbewältigung

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