Was bedeutet es für einen Mann, seine Familie geistlich zu leiten?

John Piper:

 

Kelly schreibt uns und hat eine Frage über geistliche Leitung in der Familie:

„Hallo Pastor John. Mein Mann und ich sind noch am Anfang unserer Ehe. Wir sind beide in christlichen Familien aufgewachsen, aber leider hatten wir beide Väter, die darin versagt haben, die Familie geistlich zu leiten.

Unsere Mütter haben diese Aufgabe übernommen. Naja, ich wünsche mir, dass mein Ehemann unsere Familie geistlich leitet, aber wir beide wissen nicht, wie das aussieht. Leitet er mich täglich im Gebet? Liest er jeden Tag mit mir das Wort? Was tun Sie mit Ihrer Familie? Wie hat das bei Ihnen ausgesehen?“

Nun ja, mein erster Gedanke ist: Ich frage mich, warum Kelly uns geschrieben hat und nicht ihr Mann. Ich hoffe, es liegt daran, dass sie einig waren, beide diese Frage zu haben und dass sie gemeinsam beschlossen haben, es wäre einfach nur leichter, wenn sie schreiben würde. Das wäre in Ordnung.

Ich hoffe, es liegt nicht daran, dass er die Füße hochlegt und sie ihn die ganze Zeit ziehen muss. Mein erster Rat lautet, dass sie genau jetzt gehen und ihren Mann holen soll. Schalten Sie alles aus. Holen Sie ihn jetzt dazu und hören Sie sich das gemeinsam an, anstatt nur der Vermittler zu sein und daraus etwas zu machen, was ihm vielleicht nicht gefällt.

Hinweise für Ehemann und Ehefrau

Lasst uns mindestens einen Abschnitt aus der Schrift vor Augen halten, so dass meine Gedanken nicht als selbstverständlich gelten.

Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn! Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als der Retter des Leibes. Wie aber die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. (Eph 5,21-25)

Wir haben hier das Bild gegenseitiger Liebe, des Dienstes aneinander, und der Unterordnung unter die Bedürfnisse und Sehnsüchte des anderen, und das in einer Art liebevoller und demütiger Gegenseitigkeit. Die Frau hat ihr Vorbild in der Gemeinde: Sie ist berufen, Christus als ihrem Leiter zu folgen. Der Mann hat sein Vorbild in Christus: Er ist das Haupt der Gemeinde und hat sich selbst für sie hingegeben.

Einer der Gründe, warum diese ganze Angelegenheit von Leiterschaft und Unterordnung in der Ehe wichtig ist, liegt darin, dass es Gottes Absicht war, in der Ehe die Bundes-Liebe zwischen Christus und seiner Braut, die Gemeinde, widerzuspiegeln. Das ist es, was wir verstehen wollen, wenn wir an dieser Frage der Leiterschaft und Unterordnung arbeiten.

Bei der Beziehung zwischen Mann und Frau einerseits und der Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde andererseits gibt es Unterschiede und Ähnlichkeiten. Sowohl die Ähnlichkeiten als auch die Unterschiede prägen, wie wir dieses Drama von Christus und der Gemeinde mit Leben füllen.

Freiwillig folgt sie

Eine Ähnlichkeit ist beispielsweise, dass Christus eine freiwillige und fröhliche Unterordnung der Gemeinde will, verbunden mit einem vollen Verständnis seiner Person, wofür er steht und warum er tut, was er tut. Christus will von der Gemeinde keinen sklavischen Gehorsam, oder freudlose Zustimmung, oder sinnlose Unterwürfigkeit. Er will, dass seine Gemeinde ihm voller Intelligenz und Verständnis und Weisheit und Freude und Freiheit nachfolgt.

Ohne all das würde die Nachfolge der Gemeinde den Herrn Jesus nicht verherrlichen. Stumpfsinnige Unterordnung macht einem Leiter keine Ehre. In ähnlicher Weise will ein guter Ehemann keinen sklavischen Gehorsam, oder freudlose Zustimmung, oder stumpfsinnige Unterordnung. Er will, dass seine Frau sich voller Intelligenz, Verständnis, Weisheit, Freude und Freiheit verpflichtet, ihm zu folgen. Das ist ein Beispiel für den Einfluss einer Ähnlichkeit darauf, wie wir Leiterschaft und Unterordnung leben.

Denke an den wahren König

Hier nun ein Beispiel für einen Unterschied zwischen Ehemann und Ehefrau einerseits und zwischen Christus und der Gemeinde andererseits, der einen Einfluss darauf hat, wie die Ehe funktioniert: Menschliche Ehemänner sind fehlbar und sündhaft, Christus jedoch nicht. Daher kann man niemals eine gerade Linie ziehen von der Art, wie Christus seine Gemeinde leitet, zu der Art, wie ein Ehemann seine Ehefrau leitet, ohne dabei diese Andersartigkeit, diesen Unterschied in Betracht zu ziehen. Seine Begrenztheit und seine Sünde sind Teil des Gesamtbildes geworden.

Ein weiterer Unterschied, der unseren Umgang mit diesem Thema prägt: Sowohl der Ehemann als auch die Ehefrau ordnen sich dem Herrn Jesus als ihrem höchsten Herrn unter. Jesus ist ihr direkter Herr – nicht ihr indirekter Herr, zu dem sie nur durch ihren Ehemann Zugang hat.

Das Neue Testament lehrt (1Petr 2,13-17; Eph 5,21-33; Kol 3,17-25), dass Christen – männlich wie weiblich – in erster Linie eine Beziehung zum Herrn Jesus als ihrem über allem stehenden Herrn haben. Um des Herrn willen, sozusagen im Gehorsam zum Herrn, begeben wir uns dann zurück (wir werden wieder zurückgeschickt) in die Institutionen der Welt, wie die Ehe und andere Beziehungen, die Gott uns zugewiesen hat.

Wir handeln in diesen Beziehungen der Unterordnung freiwillig, weil unser über allem stehender und vorrangiger Herr es so gesagt hat. Daher geschieht die Unterordnung, die eine Frau ihrem Ehemann entgegenbringt, freiwillig, auf den Wunsch ihres Herrn Jesus.

Fehlbar und doch Christus ähnlich

Diese beiden Unterschiede zwischen unseren Ehen und der Ehe Christi implizieren also, dass der Ehemann nicht annehmen wird, dass sein Wille unfehlbar und dass seine Ehefrau weniger weise, intelligent oder einsichtig ist als er. Jesus ist immer weiser als die Gemeinde. Ehemänner sind nicht immer weiser als ihre Ehefrauen.

Diese Unterschiede bedeuten auch, dass ein reifer christlicher Ehemann seine Leiterschaft nicht mit kindischer, stolzer Bevormundung oder einseitiger Entscheidungsfindung zum Ausdruck bringen wird. Er wird stattdessen immer sowohl die Weisheit als auch die Wünsche seiner Ehefrau herausfinden wollen. Das ist es, was gute, gefallene Leiterschaft tut, die fehlbar und doch Christus ähnlich ist.

Man kann auch anders über dieselbe Realität sprechen. Man kann darauf hinweisen, dass die Rollen der Leiterschaft und der Unterordnung in der Ehe nicht auf Kompetenz aufbauen. Gott hat niemals gesagt, dass der Mann wegen größerer Kompetenz der Leiter sein, oder dass die Frau sich wegen geringerer Kompetenz unterordnen soll. Bei der Frage, ob ein Mann ein Leiter ist und eine Frau sich unterordnet, geht es nicht um Kompetenz. Kompetenz spielt eine Rolle dabei, wie sie Leiterschaft und Unterordnung ausüben, aber sie teilt diese Rollen nicht zu.

Eine im Herzen spürbare Verantwortung

Die Leiterschaft – oder das Haupt-Sein – eines Ehemannes wie Gott es sich vorstellt, definiere ich also wie folgt: Ein Gefühl der wohlwollenden Verantwortung seine Ehefrau zu führen, zu schützen, und für sie zu sorgen. Der Schlüssel hierbei ist „ein Gefühl der wohlwollenden Verantwortung“. Er hat vielleicht eine Behinderung, die ihn beispielsweise davon abhält, die Brötchen zu verdienen, aber diese Behinderung hält ihn nicht davon ab, eine wohlwollende Verantwortung für das Stillen der Bedürfnisse der Familie zu spüren.

Dieses Gefühl der Verantwortung wird ihn bewegen, mit seiner Frau und den Kindern Initiativen zu ergreifen, um dafür zu sorgen, dass sich um die Familie gekümmert wird. Das ist die Hauptsache: Ein Gefühl der Verantwortung, die den Mann dazu bewegt, in der Familie die Initiative zu ergreifen, sodass Gottes Wille von jedem Familienmitglied so gut wie möglich getan wird.

Hier einige Beispiele. Denke daran: Wenn ich sage, dass er eine besondere Verantwortung für Initiativen in der Familie spürt, dann heißt das nicht, dass er die Tatsache ausblendet, dass seine Frau vielleicht wichtige Initiativen in die Diskussion einbringen könnte – wegen seiner blinden Flecken und seiner Fehlbarkeit und wegen ihrer Weisheit und Wahrnehmungsfähigkeit.

Damit will ich Folgendes sagen: Sie sollte nicht das Gefühl haben müssen, dass sie immer den ersten Schritt gehen muss, ihn anstupsen muss, ihren Mann dazu bringen muss, über Dinge zu sprechen, über die gesprochen werden muss, Dinge zu planen, die geplant werden müssen, Dinge zu tun, die getan werden müssen. Hier nun einige der Dinge, bei denen ich denke, dass ein Ehemann aktiv den ersten Schritt gehen sollte.

Familien-Entscheidungen

Was ist die umfassende, moralische Orientierung der Familie? Er sollte den ersten Schritt gehen, diese Frage stellen und mit der Frau an seiner Seite nach einer Antwort suchen. Was glauben wir über Gott und die Welt, über die Familie und die Kultur?

Alle Familien stehen für etwas. Alle Familien sind für etwas bekannt. Ale Familien sind berufen, Gott ihren Gaben gemäß zu verherrlichen. Wie sieht das aus? Das ist die Verantwortung des Mannes. Gehe dem nach. Finde es heraus. Ein Mann spürt die Verantwortung, den ersten Schritt zu gehen, wenn es darum geht, diese moralische Orientierung der Familie zu formen und zu leben.

Natürlich tut er dies in ständigem Austausch mit seiner Frau. Sie wäre nicht sehr begeistert, wenn sie bei diesem formenden Prozess außen vor gelassen werden würde, aber ich denke, dass die meisten christlichen Frauen begeistert davon wären, wenn ihr Ehemann den ersten Schritt unternimmt und sie mit einbezieht. Wenn er sich darum kümmert, dass sie eine solche moralische Orientierung für die Familie bekommen. Das würde beispielsweise folgende Initiativen umfassen:

  • „Lass uns klären, welche Erwartungen wir für unsere Kinder haben und wie wir sie disziplinieren werden.“
  • „Lass uns klären, wie sich meine Leiterschaft als Vater und deine Leiterschaft als Mutter auf die Erziehung auswirken.“
  • „Lass uns klären, wie die Kinder ihre freie Zeit verbringen werden.“

Und so weiter. Das umfasst Dinge wie die Entscheidung, in welche Gemeinde die Familie geht, und wie ihre Beteiligung aussieht, und ob sie ihr angestrebtes Ziel erreichen oder nicht. Es umfasst beispielsweise Dienste: Was die Familie als Dienst tut und ihre gemeinsamen Aktivitäten in der Nachbarschaft und in der missionarischen Arbeit.

Das umfasst beispielsweise Entscheidungen hinsichtlich des Lebensstils der Familie. Man stellt sich dabei beispielsweise folgende Fragen: „Wie gehen wir mit den sozialen Medien um, oder mit dem Fernsehen, oder mit Unterhaltung und Freizeit und Sport und Urlaub?“

Fragen stellen, dann den ersten Schritt gehen

Jede Familie muss hinsichtlich dieser Dinge Hunderte von Entscheidungen treffen. Eines der Dinge, die eine Ehefrau am meisten deprimieren: Ein gleichgültiger Ehemann, der niemals darüber nachdenkt, was getan werden muss, und der ständig angeschubst werden muss, damit er herausfindet, wie etwas getan werden soll.

Natürlich will sie Input geben. Sie hat wahrscheinlich bei vielen dieser Themen sehr viel mehr Ahnung als er. Aber sie will, dass er den ersten Schritt geht. Er muss sagen: „Komm, wir setzen uns zusammen. Lass uns reden. Lass uns beten.“ Sie will, dass er das tut.

Dazu gehören Dinge wie das Thema der Finanzen: Wie gibt die Familie Geld aus? Wofür sparen sie? Welche Art von Versicherungen schließen sie ab? Wie sehen die Pläne für die Rente aus? Was ist die umfassende finanzielle Orientierung der Familie, einschließlich der Frage, wie viel sie der Gemeinde geben? Der Ehemann sollte eine besondere Verantwortung spüren, das zu erarbeiten, und seine Ehefrau beständig in seine Gedankengänge hineinnehmen.

Bei vielen dieser Themen wird sie sehr viel mehr Weisheit haben, aber sie sehnt sich nach einem Ehemann, der den ersten Schritt geht und Prozesse anstößt, durch welche diese Dinge erarbeitet, Probleme gelöst, und Pläne gemacht werden können.

Führe, indem du Christus folgst

Schließlich das vielleicht allerwichtigste: Der Ehemann sollte eine besondere Verantwortung spüren, die Familie im Gebet, im Bibellesen und in der Anbetung anzuleiten. Nochmal: Auch hier geht es nicht um Kompetenz. Vielleicht hat er nach der achten Klasse die Schule abgebrochen, und seine Frau hat einen Universitätsabschluss.

Trotzdem kann er den ersten Schritt gehen und danach schauen, dass seine Familie eine von Gebet und der Bibel durchtränkte Familie ist, und gemeinsam mit seiner Frau daran arbeiten, damit sie ihre Gaben beim Bibellesen und Erklären der Bibel gebraucht (die vielleicht seine eigenen Möglichkeiten übersteigen).

Ich hoffe, dass diese wenigen Beispiele verdeutlichen, was es für einen Ehemann und eine Ehefrau bedeutet, Christus und die Gemeinde einer Welt vorzuleben, die dieses Vorbild so dringend braucht.

 

John Piper, What Does It Mean for a Man to Lead His Family Spiritually?, v. 11.01.2016

Übersetzt von Viktor Zander, korrigiert von Lina Kromm

3 Antworten auf „Was bedeutet es für einen Mann, seine Familie geistlich zu leiten?“

  1. Guter Text, aber beim Wort “Züchtigung” (heutige Bedeutung: Bestrafung) zucke ich zusammen. Im Original steht nicht “punishing”, sondern “disciplining”, also “erziehen” oder Disziplin lehren. Wenn es irgendwo “diszipliniert” zugeht, hat das mit Ordnung zu tun und nicht mit Strafe, die Piper hier nicht meint. Bitte also die ersten beiden Anstriche korrigieren, damit Piper nicht grob missverstanden wird.

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