Eine ungewöhnliche Ablehnung der „Gay Pride“-Bewegung

John Piper:

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Ich lehne das Feiern homosexueller Begierden oder Handlungen ab. Woran ich jedoch nicht interessiert bin: gemeinsame Sache mit Nicht-Christen zu machen. Der Grund dafür liegt darin, dass eine wahrhaft christliche Art der Ablehnung der Sünde in spektakulären Wirklichkeiten wurzelt, durch sie genährt wird und auf sie hin ausgerichtet ist, von denen Nichtchristen keine Ahnung haben.

Die eindeutig christliche Art der Ablehnung von Sünde wurzelt im Blut Jesu Christi, das die Sünde bedeckt. Sie wird genährt durch das auf übernatürliche Weise verwandelnde Werk des Heiligen Geistes. Und sie ist ausgerichtet auf die Herrlichkeit Gottes, die sichtbar wird in der Freude darüber, dass so viele Sünder wie möglich verwandelt werden. Das ist eine Freude, die Christus erhöht. Die Fähigkeit einer eindeutig christlichen Art der Ablehnung von Sünde ist ein Wunder Gottes.

Die nicht-christliche Welt kann viele Dinge ablehnen. Aber sie kann keine durch Blut erkaufte, durch den Geist bevollmächtigte, Gott verherrlichende Ablehnung empfinden. Das ist ein Gnadengeschenk durch den Glauben an Christus. Diese Art der Ablehnung kennt unter den tausenden von weltlichen Arten von Ablehnung nicht ihresgleichen.

Verwandelte Ablehnung

Wenn ein Mensch Christ wird, dann macht er eine Verwandlung durch. Verwandelt wird nicht nur, was er ablehnt, sondern auch wie er ablehnt. Es ist nichts besonders Christliches an der reinen Ablehnung irgendeiner menschlichen Verhaltensart. Daher ist die Ablehnung sündiger Verhaltensweisen kein Beweis für rettende Gnade. Christ zu werden ist viel weitreichender als eine Veränderung dessen, was wir ablehnen.

Wenn jemand Christ wird, dann ist das ein Wunder – manchmal bezeichnet man das als Wiedergeburt. Dazu gehört, dass wir unser Vertrauen auf den Tod Jesu setzen, der unsere Sünden bedeckt, dass wir uns auf den Heiligen Geist verlassen, der uns dabei hilft, in Christus ähnlicher Liebe zu leben, und dass sich unser ganzes Verhalten der Herrlichkeit Gottes beugt. Nur dann wird ein Mensch in der Lage sein, die speziell christliche Art der Ablehnung hervorzubringen, was von Natur aus unmöglich ist.

All dies habe ich in der Bibel entdeckt. Man kann es nirgendwo sonst finden. Ich habe wie Millionen von anderen Menschen gesehen, dass diese spektakulären Realitäten – das Kreuz Jesu, die Gabe des Geistes und die Pracht der Herrlichkeit Gottes – auf den Seiten der Schrift miteinander verschmelzen. Dies geschieht durch eine solche sich selbst bestätigende Wahrheit, dass ich voller Freude gezwungen bin, dieses Buch als die Offenbarung Gottes anzunehmen.

Im Folgenden werde ich versuchen, von der Schrift her zu erklären, warum bibeltreue Christen homosexuelle Begierden und Praktiken ablehnen. Dann werde ich versuchen, das Wesen homosexueller Begierden zu beleuchten, indem ich zeige, in welcher Beziehung sie zu meinen eigenen sündigen Begierden stehen. Schließlich werde ich versuchen zu zeigen, was eine speziell christliche Art der Ablehnung ist. Dieser letzte Teil behandelt die Frage, ob die Abscheu vor dem Akt der Sodomie eine moralisch angemessene, oder christliche Reaktion ist.

Warum überhaupt Ablehnung?

Der Apostel Paulus ordnet den Ursprung homosexueller Sünde dem Vertauschen der Herrlichkeit Gottes mit der Herrlichkeit der Menschen zu. Dieser Tausch durchdringt die ganze Menschheit und hat sie infiziert. Er argumentiert, dass Männer und Frauen wegen diesem Austausch natürliche Beziehungen zum anderen Geschlecht mit unnatürlichen Beziehungen zum gleichen Geschlecht eingetauscht haben. In anderen Worten: Wenn man Menschen mehr wertschätzt als Gott, dann findet das einen Ausdruck darin, dass man die Art Mensch, die man im Spiegel sieht, mehr wertschätzt als das andere Geschlecht.

[Sie] haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom vergänglichen Menschen … Deswegen [haben] ihre Frauen den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt, und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst. (Röm 1:23-27)

Paulus weiß, dass tausende von Menschen – Männer wie Frauen – die Herrlichkeit Gottes mit der eigenen Herrlichkeit vertauschen, ohne homosexuelle Wünsche zu erleben.

Die Korrelation zwischen dem Vertauschen der Andersartigkeit Gottes mit der Gleichheit der Menschen führt nicht immer zu Homosexualität. Es gibt Millionen von Menschen, die sich selbst für wichtiger halten als Gott, die aber nicht homosexuell sind. Homosexualität ist nur ein Ausdruck der Irrungen, welche aufgrund des Götzendienstes in der Menschheit Einzug gehalten haben. Alle Sündhaftigkeit ergießt sich aus diesem uranfänglichen Götzendienst im Herzen.

Daher wurzelt das Erleben von Homosexualität nicht immer im persönlichen Götzendienst desjenigen. Paulus sagt nicht, dass jeder, der homosexuelle Begierden erlebt, eine bewusste Entscheidung getroffen hat, Menschen Gott vorzuziehen. Es gibt Christen, die dem Götzendienst entsagen, aber homosexuelle Begierden erleben. Paulus will auf Folgendes hinaus: Gott hat die menschliche Rasse in die Nichtigkeit, das Verderben und die Störungen unserer Zuneigung dahingegeben, und zwar wegen dieses uranfänglichen Tausches, der Gott erniedrigt. Homosexualität ist eine Form dieser Störungen.

Warum über Homosexualität schreiben?

In welcher Beziehung stehen homosexuelle Begierden zu anderen Arten gestörter Begierden? Das ist eine wichtige Frage, weil sie einen Einfluss darauf haben wird, wie wir über die Ablehnung homosexueller Begierden reden.

Man kann diese Frage beantworten, indem man eine andere Frage stellt: Warum schreibst du über Homosexualität, und nicht über Diebstahl, oder Gier, oder Trunkenheit, oder Beschimpfungen, oder Betrügerei? Ich erwähne diese Sünden, weil die Bibel sie neben der praktizierten Homosexualität auflistet. Sie alle werden uns davon abhalten, ins Reich Gottes einzugehen (1Kor 6,9-10), es sei denn uns wird vergeben und wir werden durch den Glauben an Christus gerechtfertigt (1Kor 6,11).

Meine Antwort lautet: Ich schreibe über Homosexualität, weil Millionen von Menschen sie in diesem Monat feiern. Meine Hoffnung ist, Christen dazu zu verhelfen, sie auf eine deutlich christliche Weise abzulehnen. Ich werde mich hauptsächlich auf Männer konzentrieren. Die kenne ich einfach besser. Und ich erwarte, dass die Leser die richtigen Anwendungen auf Frauen machen können.

Du kannst sicher sein, dass ich ebenso darüber schreiben werde, wenn sich Millionen von Menschen weltweit versammeln, um während des „Stolz auf Habsucht“-Monats die Schönheit von Habsucht zu feiern. Tatsächlich habe ich zehnmal mehr über Habsucht geschrieben als über Homosexualität, weil (um es vorsichtig zu schätzen) zehntausend Mal mehr Menschen wegen nicht bereuter Habsucht in der Hölle sein werden als wegen Homosexualität.

Keine Sünde kann einen Menschen vom Himmel fernhalten. Keine. Was einen Menschen vom Himmel fernhält, ist das nicht bereute Betreiben der Sünde und die Ablehnung der dafür durch Gott in Jesu Tod und Auferstehung bereitgestellten Vergebung.

Inwiefern ähneln homosexuelle Begierden meinen sündigen Begierden?
Homosexuelle Begierden ähneln anderen sündigen Begierden und ähneln ihnen wiederum auch nicht. Lass mich das genauer ausdrücken: Sie ähneln meinen sündigen Begierden und ähneln ihnen wiederum nicht. Um einige meiner Sünden aufzuzählen: Stolz, Zorn, Selbstmitleid, mürrische Launen, Angst vor Schamgefühl, Ungeduld, sündhaftes Richten. Ich habe nur geringe Zweifel daran, dass die Beschaffenheit meines Gehirns und meiner Gene einen Teil dessen ist, was mich für diese Sünden anfällig macht. Ich kann es nicht beweisen. Es scheint einfach nur offensichtlich.

Ob es richtig ist, oder nicht: körperlich bedingte Wurzeln lassen nicht die Realität meiner Verdorbenheit und Schuld verschwinden. Das ist selbst dann wahr, wenn diese sündigen Begierden ungebeten und voll ausgeprägt in meinem Herzen auftauchen. Ich entscheide mich nicht dafür. Ich plane sie nicht. Ich will sie nicht. Ich schäme mich für sie. Sie zeigen sich ganz einfach auf unterschiedliche Weise. Ich lehne sie vehement ab und bereue sie zutiefst. Nicht nur, weil ich anfällig bin, sie zu hegen, sondern auch aufgrund der nackten Tatsache, dass sie einfach da sind. Sie sind Teil meines natürlichen Zustandes. Ohne Christus machen genau sie mich aus.

Durch Gottes Gnade wende ich mich gegen sie. Ich schwöre ihnen ab. Durch das Blut Christi und durch die Kraft des Geistes und zur Ehre Gottes strebe ich danach, Kolosser 3,5 zu gehorchen: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist!“ Ich ergreife bewährte Strategien des geistlichen Kampfes (beispielsweise ANTHEM[1]) und führe Krieg.

Ich würde homosexuelle Begierden auf genau diesem Schlachtfeld der menschlichen Seele einordnen. Es kann sein, dass sie körperliche Ursachen haben. Es kann aber auch nicht sein. Man muss sich nicht für die Begierden entscheiden, sie planen, oder wollen. Sie sind einfach da. Entweder wir betrachten sie als den Feind, oder wir schließen Frieden mit ihnen und setzen unsere Seele aufs Spiel. In diesem Sinne ähneln homosexuelle Begierden meinen sündigen Begierden. Es ist genauso wahrscheinlich, dass ich mich in Zorn und Selbstmitleid suhle, wie es mein Nächster in homosexuellen Begierden tut. So schlimm ist jede Sünde.

Inwiefern sind homosexuelle Begierden anders als meine sündigen Begierden?

Aber homosexuelle Begierden sind auch anders als andere Sünden. Paulus nennt sie „schändliche Leidenschaften“, weil man damit „den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt“ (Röm 1,26). Homosexuelle Begierden sind anders, weil sie im Widerspruch dazu stehen, was uns die Natur lehrt. Ich denke, dass man das beim Nachdenken über die folgende Frage ganz deutlich sehen kann: Was ist die moralische Bedeutung des Gefühls der Abscheu vor dem Akt der Sodomie?

Ich verwende das Wort Sodomie nicht gleichbedeutend mit dem Wort Homosexualität, sondern symbolisch für die Arten von Praktiken, die Teil von homosexuellen Beziehungen sind – in diesem Fall das Einführen des männlichen Körperteils, durch den eigentlich Leben in eine Frau hineinkommen soll, in das Körperteil, durch welches eigentlich Unrat aus einem Mann herauskommen soll.

Weder das Empfinden der Lust auf Sodomie, noch das Empfinden der Abscheu vor der Sodomie ist ein moralisch zuverlässiger Führer. Dieser Satz ist eine christliche Grundhaltung. Christen bauen das, was sie tun sollten, nicht darauf, ob sie sich danach fühlen oder nicht. Wünsche können zu „betrügerischen Begierden“ werden (Eph 4,22). Stattdessen sollen wir „verstehen, was der Wille des Herrn ist“ (Eph 5,17). Nicht unsere Wünsche, sondern Gottes Wahrheit weist uns den Weg zur Freiheit: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen“ (Joh 8,32).

Manche Nichtchristen argumentieren vielleicht, dass die Lust auf Sodomie genug ist, um sie gut zu machen. Aber durch dasselbe Prinzip ist die Abscheu vor der Sodomie auch gut. Wenn es sich gut anfühlt, dann ist es okay. Daher ist Sodomie okay, und auch die Abscheu vor der Sodomie ist okay.

Ein Christ denkt nicht auf diese Weise. Wir argumentieren nicht, dass die Abscheu vor diesem Akt den Akt zu etwas Falschem macht – genauso wenig denken wir, dass die Lust eines Menschen auf den Akt ihn zu etwas Richtigem macht. Sodomie ist gut oder böse, abhängig davon, ob Gott sagt, sie sei gut oder böse. Wir haben gesehen, dass er sagt, sie sei böse. Und sie ist nicht nur böse: Wenn ihr nicht entsagt und sie nicht im Glauben an Christus vergeben wird, dann wird sie die Seele zerstören.

Was ist der moralische Stellenwert der Abscheu vor dem Akt der Sodomie?
Die Abscheu vor der Sodomie ist eine natürliche Eigenschaft. In sexuellen Beziehungen wurde der Penis nicht für den Anus gemacht. Er wurde für die Vagina gemacht. Bei der Sodomie ist die Verzerrung dieses natürlichen Gebrauchs so himmelschreiend, dass es nicht mehr nur eine Abweichung des männlichen Geschlechtsteils von dessen natürlichem Gebrauch, sondern eine Perversion davon ist. Abscheu ist das emotionale Gegenstück zu dieser sprachlichen Realität.

Zur sorgfältigen Unterscheidung sollten wir an dieser Stelle die Beobachtung machen, dass selbst die Unnatürlichkeit homosexueller Begierden allen anderen sündigen Begierden absolut nicht unähnlich ist. Alle Sünde steht dem im Weg, wie die Dinge eigentlich sein sollten. Und jede Sünde ruiniert das Natürliche, mehr oder weniger. Andere Sünden, neben den homosexuellen, können unser Gespür für die Unnatürlichkeit mit intensiver Ablehnung oder mit Abscheu erwecken. Zum Beispiel:

·       Ein Mann nimmt die letzte Rettungsweste und lässt Frauen und Kinder ertrinken. Er ruft in uns nicht nur die moralische Ablehnung der Selbstsucht hervor, sondern eine viel instinktivere Reaktion, dass dieser Mann seine Männlichkeit auf schändliche Weise zertrümmert hat.

·       Oder denke an eine Mutter, deren Geliebter nicht sie und ihr Kind haben will. Also wirft sie ihr einjähriges Baby in den Fluss. Dieser Akt ist nicht nur moralisch böse, sondern ruft in uns ebenfalls ein Gefühl instinktiver Abscheu darüber hervor, dass sie ihr natürliches Muttersein niedergemetzelt hat.

·       Oder denkt an einen Mann, der sein Leben lang damit verbringt, voller Geiz Gold zu horten, und dabei alle Bedürfnisse anderer Menschen ignoriert. Um sein Gold vor Bettlern zu schützen, bindet er es dann um seine Hüfte und ertrinkt beim Überqueren eines Flusses, weil er die Tasche nicht losbinden will. Wir sehen uns dieses Leben an, und sehen nicht nur Gier, sondern eine äußerste Verzerrung der Menschlichkeit, als wäre eine Tasche voller Gold sein Leben.

Die natürliche Fähigkeit der Abscheu vor Sodomie entspricht unserer instinktiven Reaktion auf den feigen Mann, die eiskalte Mutter und den entmenschlichten Geizhals. Es ist angemessen, eine instinktive Abneigung gegen diese Verzerrungen des natürlichen Guten zu empfinden. Wenn man solch abscheuliches Mannsein und solch widerliches Muttersein und solch entmenschlichte Gier sieht und sich dabei neutral fühlt, dann ist das kein Zeichen für eine gesunde Moral. Genauso ist es, wenn man gegenüber Sodomie oder dem Feiern der Sodomie gleichgültig ist.

Gott sagte dem Propheten Hesekiel Folgendes: „Geh mitten durch die Stadt … und zeichne ein Kennzeichen an die Stirnen der Männer, die seufzen und stöhnen über all die Gräuel, die in ihrer Mitte geschehen“ (Hes 9,4). Es gibt Gräuel, die in uns mehr bewirken sollten als nur ein moralisches Urteil. Dieses sollten gibt einigen gefühlsmäßig-körperlichen Reaktionen (wie Seufzen, oder Stöhnen, oder Abscheu) eine moralische Dimension.

Und trotzdem macht die natürliche Eigenschaft der Abscheu vor der Sodomie nicht an und für sich die Abscheu moralisch gut, geschweige denn christlich. Etwas kann natürlich und gleichzeitig sündig sein. Natürlich und nicht-christlich. Daher habe ich, wie bereits eingangs erwähnt, kein Interesse daran, mit Nicht-Christen gemeinsame Sache zu machen, die zufällig Abscheu vor der Homosexualität empfinden.

Das Christentum ist kein Kreuzzug gegen irgendetwas. Es ist eine Mission, Sünder zu retten und die moralische Schönheit der Braut Christi wiederherzustellen – eine Mission, die durch das Kreuz Christi, durch die Kraft des Geistes, für die Ehre Gottes verfolgt wird. Der Sünde zu widerstehen ist niemals einfach nur Selbstzweck. Wenn Christen Sünde anprangern, dann geschieht das, damit in der Gegenwart Gottes ein heiliger Jubel erklingt.

Homosexuelle Begierden sind anders als meine sündigen Begierden, die mich heimsuchen, weil sie unnatürlich sind – aber nicht völlig anders als sie, weil alle Sünden im Gegensatz dazu stehen, wie die Dinge eigentlich sein sollten. Manche verstoßen direkter gegen die Natur als andere. Die tödliche Wirkung jeder Begierde ergibt sich nicht aus der Tatsache, dass sie unnatürlich ist, sondern aus der Tatsache, dass sie gegen Gott gerichtet ist – weshalb Paulus Trunkenheit, Diebstahl und Habsucht neben der praktizierten Homosexualität als Bedrohung für die Seele auflisten kann (1Kor 6,9-10).

Inwiefern ist die christliche Art der Ablehnung speziell?

Wir wenden uns nun folgender Frage zu: Was macht die christliche Art der Ablehnung homosexueller Begierden und Praktiken speziell? Wie verwandeln das Kreuz Christi, die Kraft des Geistes und die Ehre Gottes unsere Ablehnung?

Das Kreuz Christi

Die christliche Art der Ablehnung der Homosexualität leitet ihre spezielle Art zuerst davon ab, wie der Tod Christi das Herz des Christen geformt hat. Paulus spricht davon, wie Christus in uns Gestalt annimmt (Gal 4,19) und wie unser Wesen Christus gleichförmig gemacht wird (Röm 8,29). Das geschieht zuerst durch den Tod Christi.

Vergebung und Neuschöpfung

„Der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat“ (1Petr 2,24). „Er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünde willen“ (Jes 53,5). Daher gilt: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen“ (Eph 1,17). „Jeder, der an ihn glaubt, empfängt Vergebung der Sünden“ (Apg 10,43). Das Kreuz Christi verkündigt meine Verdorbenheit und befreit mich davon. Das Herz eines Christen ist ein gebrochenes Herz, das Vergebung empfangen hat.

Es ist aber noch etwas anderes geschehen, als Jesus starb. All seine Leute starben mit ihm. Wenn wir durch den Glauben mit Christus vereint sind, dann ist sein Tod nicht nur die Strafe für unsere Sünden, sondern wird auch zum Tod unserer sündigen Natur. Unsere alte, rebellische, selbstsüchtige, arrogante Natur stirbt. „Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“ (Kol 3,3). „So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus“ (Röm 6,11).

Eine neue Schöpfung wird geboren. „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2Kor 5,17). Daher gilt: „Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,24; Luther 2017). Die sich selbst aufopfernde Liebe Christi und der Tod unserer alten, selbstsüchtigen Natur, formt uns in das Bild unseres himmlischen Vaters: „Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder! Und wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat“ (Eph 5,1-2).

Wie Liebe zu allen geschaffen wird

Wenn uns vergeben wird, wir für unsere alte Natur sterben und wir in Christus neu geschaffen werden, dann wird eine neue Art der Ablehnung von Sünde in uns hineingelegt. Christen hören nicht damit auf, Dinge abzulehnen, die Menschen zerstören (Sünde). Sie beginnen, den Selbst-Zerstörern (Sündern) Gutes zu wünschen. Christen, denen vergeben wurde, wollen, dass andere sich ihnen in der Hoffnung auf die Herrlichkeit anschließen. Christen, die auf Kosten des Lebens Christi gerettet wurden, geben sich bereitwillig hin, um andere zu retten.

Das umfasst alle anderen, Freund oder Feind, straight oder gay. Unser gekreuzigter Erlöser sagte: „Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen“ (Lk 6,27-28). Apostel Paulus sagte: „Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken“ (Gal 6,10). „Seht zu, dass niemand einem anderen Böses mit Bösem vergilt, sondern strebt allezeit dem Guten nach gegeneinander und gegen alle“ (1Thes 5,15).

Diese Liebe zu allen wurzelt im Opfer Christi und wird durch es geformt. Sein aufopferungsvolles Herz eines Dieners formt unseres. Paulus hat es so ausgedrückt:

In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst; … Ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an … bis zum Tod am Kreuz. (Phil 2,3-8; Schlachter 2000)

Andere höher zu achten als uns selbst bedeutet nicht, ihre Gefühle und Taten toll zu finden. Es bedeutet, ein Diener ihrer Vergebung, ihrer Rettung, ihrer Christus erhöhenden Hoffnung zu werden. Christen hegen gegen niemanden irgendeinen Groll. Wir leben zum Wohle aller.

Daher ist die christliche Art der Ablehnung homosexueller Begierden und Praktiken eine Ablehnung in Liebe, eine Ablehnung in Hoffnung.

Wie das Hässliche schön gemacht wird

Jemand wird sich vielleicht fragen, ob es wirklich möglich ist, eine Abneigung gegen einige homosexuelle Begierden und Praktiken zu empfinden und gleichzeitig Liebe und Hoffnung zu spüren. Ja, das ist möglich. Ein Militär-Chirurg ekelt sich vielleicht vor der scheußlichen Wunde eines Soldaten, aber wird trotzdem sein ganzes Können in die Waagschale werfen, um ihn zu retten. Jesus berührte den unreinen, ansteckenden, ausgestoßenen Aussätzigen (Mk 1,40-41). Gott beschrieb den Moment, in dem er Israel zu seinem Volk erwählte, wie folgt:

Niemand blickte mitleidig auf dich … sondern du wurdest auf die Fläche des Feldes geworfen, aus Abscheu vor deinem Leben, an dem Tag, als du geboren wurdest. Da … sah ich dich in deinem Blut zappeln; und zu dir in deinem Blut sprach ich: ‚Bleibe leben!‘ … Und ich ging wieder an dir vorüber … und ich schwor dir und trat in einen Bund mit dir, spricht der Herr, Herr, und du wurdest mein. (Hes 16,5-8)

Gott ging uns nicht nach, weil wir attraktiv waren. Wir waren abscheulich in unserer Sünde. Die Bibel spricht sogar davon, wie Gott „Ekel empfand“ vor Sündern, und sie trotzdem voller Liebe als sein Eigentum annimmt (Ps 95,10). Im Kommen Christi ging er uns nach, um uns zu vergeben. Er suchte uns in unserer Hässlichkeit, um uns attraktiv zu machen. „Christus hat die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben, … damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte“ (Eph 5,25-27).

Daher ist die grundlegendste Besonderheit der christlichen Art der Ablehnung der Homosexualität diese menschlich gesehen unmögliche Kombination von drei Dingen:

1)      Die moralische Bewertung, dass homosexuelle Begierden und Praktiken auf Grundlage von Gottes Wort sündhaft sind.

2)     Ein gewisses Maß an Widerwillen, das darauf beruht, was unnatürlich ist.

3)     Eine Sehnsucht nach der Rettung des Menschen – danach, dass er Vergebung empfängt; danach, dass er voller Freude Jesus gehorsam ist; danach, dass er ewiges Glück bekommt.

Die Kraft des Heiligen Geistes

Diese Kombination einer negativen moralischen Einschätzung, natürlichem Widerwillen und von Christus geprägter aufopfernder Liebe ist menschlich gesehen unmöglich. Ohne ein übernatürliches Eingreifen des Geistes Gottes schätzt das gefallene menschliche Herz weder die Sünde als das ein, was sie ist; noch empfindet es die Kostbarkeit der Vergebung durch Gott; noch sehnt es sich danach, sich zum ewigen Wohl anderer hinzugeben. Diese Wunder sind das Werk des Heiligen Geistes. Ohne ihn gibt es keine speziell christliche Art der Ablehnung von Sünde.

Bevor Jesus in den Himmel zurückging, versprach er, den Heiligen Geist zu senden, damit er bei seinen Leuten sein sollte. Der wesentliche Dienst des Geistes würde sich darum drehen, Menschen zu befähigen, die Herrlichkeit Christi zu sehen und zu schmecken. „Er wird mich verherrlichen“, sagte Jesus (Joh 16,14). Jede speziell christliche Art der Ablehnung entspringt daraus, dass man den unendlichen Wert der Herrlichkeit Christi sieht und schmeckt. Ohne den Geist wäre all unsere Ablehnung von irgendetwas oder irgendjemandem einfach nur natürlich, und nicht christlich – sie würde Christus nicht groß machen.

Durch ihn haben wir geistliches Leben (Joh 3,7-8). Durch ihn werden die Augen unseres Herzens für die Realität geöffnet (Eph 1,17-18). Durch ihn erfüllen wir menschlich unmögliche Entschlossenheit (2Thes 1,11). Durch ihn erfahren wir Vergebung und Annahme vor Gott (1Kor 6,11). Durch ihn haben wir überfließende Hoffnung (Röm 15,13). Durch ihn wachsen wir in Heiligkeit (1Petr 1,2).

Wenn der Geist in unserem Leben regiert, dann ist die Frucht davon „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22-23; Schlachter 2000). Er verwandelt ganz radikal jeden Akt der Ablehnung.

Die Herrlichkeit Gottes

Alle Dinge existieren zur Ehre Gottes – um seine Größe und die Schönheit seiner Heiligkeit zu zeigen. „Der Himmel erzählt die Herrlichkeit Gottes“ (Ps 19,2). Menschen existieren in Gottes Ebenbild und zu seiner Ehre (1Mo 1,27; Jes 43,7). Der ganze Heilsplan ist „zum Preis der Herrlichkeit seiner Gnade“ da (Eph 1,6). Daher ist die allumfassende Pflicht aller Menschen, auf eine Weise zu leben, welche die Aufmerksamkeit auf den alles überragenden Wert der Herrlichkeit Gottes lenkt. „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1Kor 10,31). Das umfasst all unsere Zustimmung und Ablehnung.

Wir lehnen Homosexualität zur Ehre Gottes ab, indem wir Richtig und Falsch anhand seines Wortes bewerten. Wir lehnen Homosexualität zur Ehre Gottes ab, indem wir die Art und Weise ehren, wie er die natürlichen sexuellen Funktionsweisen des menschlichen Körpers gestaltet hat. Wir lehnen Homosexualität zur Ehre Gottes ab, indem wir stets bereit sind, eifrig so zu vergeben wie er uns voller Barmherzigkeit vergeben hat. Wir lehnen Homosexualität zur Ehre Gottes ab, indem wir uns nach dem ewig währenden Wohl und der Christus großmachenden Freude all jener sehnen, deren Begierden und Praktiken wir ablehnen, und dafür beten. Wir lehnen Homosexualität zur Ehre Gottes ab, indem wir uns bereitwillig für andere aufopfern, um zu zeigen, dass Gott eine größere Belohnung ist als Selbsterhöhung oder Rache.

Besondere, übernatürliche Ablehnung

Bibeltreue Christen lehnen „Gay Pride“ nicht auf die Weise ab wie es Nichtchristen tun. Die christliche Art der Ablehnung ist besonders. Sie wurzelt in Realitäten, von welchen Nichtchristen keine Ahnung haben, wird durch sie genährt und zielt auf sie ab: Das Kreuz Christi, die Kraft des Heiligen Geistes, und die Herrlichkeit Gottes. Sie ist dreieinig: Gott der Sohn, Gott der Geist, und Gott der Vater.

Wegen des Kreuzes lehnen Christen „Gay Pride“ ab. Sie tun dies als Diener, deren Herzen gebrochen sind, die Vergebung empfangen haben, die voller Hoffnung und voller Freude sind. Sie verkündigen Gottes Wahrheit in Liebe und voller Mut, und sehnen sich danach, dass homosexuelle Menschen Christus annehmen, Vergebung empfangen, die Kraft des Geistes schmecken, und für alle Ewigkeit als unsere Brüder und Schwestern zur Ehre Gottes leben.

Wegen des Heiligen Geistes lehnen Christen „Gay Pride“ ohne Selbstvertrauen oder Selbsterhöhung ab. Wir sind komplett abhängig von Gottes übernatürlicher Kraft, um menschlich gesehen unmögliche Dinge zu erfüllen – wie das Empfinden von Abscheu vor homosexuellen Taten und gleichzeitig das Empfinden von Liebe, die uns antreibt, unser Leben hinzugeben, um zu sehen, wie jene, die solche Dinge tun, zu unseren besten, ewigen Freunden werden.

Wegen der Herrlichkeit Gottes lehnen Christen „Gay Pride“ ab. Sie empfinden dabei Fassungslosigkeit angesichts des atemberaubenden Zwecks, zu dem alle Dinge existieren – nämlich des alle Bedürfnisse stillenden Wertes der Schönheit Gottes.

„Wir rühmen uns aufgrund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“ (Röm 5,2). Das ist die Art von Freude, die man nicht schützen kann, indem andere ausgegrenzt werden. Sie stirbt, wenn man sie hortet und wird stärker, wenn man sie teilt. Wir schließen niemanden aus dieser Freude aus. Wir leben und wir sterben, um so viele wie möglich in diese Freude hineinzunehmen. Es ist die einzige Freude, die für alle Ewigkeit anhält. Dafür ist Christus gestorben. Dafür gibt uns der Geist Leben. Je zufriedener wir dadurch werden, desto mehr wird Gott darin verherrlicht. Das ist die speziell christliche Art der Ablehnung von „Gay Pride“.


John Piper, A Peculiar Disapproval of Gay Pride, v. 22.06.2021

https://www.desiringgod.org/articles/a-peculiar-disapproval-of-gay-pride

Übersetzt von Viktor Zander, korrigiert von Anne Hartmann

[1] Anm. d. Übers.: ANTHEM steht für Avoid (meiden), No (verneinen, entsagen), Turn (umdrehen), Hold (festhalten), Enjoy (sich über etwas freuen), Move (sich in Bewegung setzen), und stammt aus einem Artikel von John Piper über Strategien für den Kampf gegen Unzucht.

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