Einige Slogans aus der Reformation

Sehr stolz bin ich auf eine Hülle für meinen E-Reader, denn mir meine Frau erstellt hat. Weiches Filz schont den empfindlichen Display des Reader, mir persönlich wichtig sind die Sprüche, die darauf gestickt wurden:
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Die 5 Soli

Sola Fide: Allein der Glaube! Nur durch Glauben können wir gerechtfertigt werden vor Gott.
Sola Scriptura: Allein die (Heilige) Schrift! Die Heilige Schrift ist genug, ausreichend, klar und notwendig für das Erkennen Gottes.
Solus Christus: Allein Christus! Nur er kann Mittler zwischen Gott und Mensch sein. Er ist das A und das O.
Sola Gratia: Allein die Gnade! Für seine Rechtfertigung hat der Sünder keinen Anspruch und Anrecht, diese geschieht allein aus Gnaden.
Soli Deo Gloria: Allein zur Ehre Gottes! Nichts kann unter dem Himmel geschehen, was nicht zur Ehre Gottes gereicht.
Neben diesen fünf bekannten Sätzen sind mir auch andere wichtig geworden:
Post tenebras lux: Nach der Dunkelheit kommt das Licht. Beginnend bereits hier wachsen wir immer weiter im Glauben bis wir das ewige Licht ergreifen.
Simul justus et peccator: Gleichzeitig Gerechter und Sünder. Ein Spruch Luthers, der damit mehrfach den Zustand eines Gläubigen beschrieb
Coram Deo: Vor dem Angesicht Gottes. Oder wie Francis Schaeffer es ausdrückte: A God who is there.
Veritas vos liberabit (nicht ganz klassisch reformatorisch): Die Wahrheit wird euch freimachen! Im Christlichen Denken bleibt wenig Raum für relativistische Weltsicht.
So möchte ich meine Bücher lesen: Im Bewusstsein, dass ich gerechtfertigt bin und doch Sünder zugleich, oftmals im Dunkeln stochere auf der Suche nach mehr Licht, und doch nur lesen vor dem Angesicht Gottes kann! Meine E-Book Hülle ist also auch meine Mahnung ist recht anzufassen. Mit der Absicht, die Wahrheit besser zu erkennen, um freier Christus dienen zu können, was nur durch Christus, durch Glauben und aus Gnaden möglich ist, wie es die Schrift uns lehrt! Schließlich mag auch dieser Tropfen zu seiner Ehre gereichen.
P.S.: eine ähnliche Hülle wird gerne auf Bestellung erstellt 🙂

Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich

Meines Erachtens eine faire Gegenüberstellung dieser beiden Strömungen im bibeltreuen Schriftverständnis hat Ligon Duncan in seiner Vorlesung Covenant Theology. Ein gut lesbares Skript dazu findet sich im .pdf-Format und .epub und .mobi Format.  Für Visuelle Typen geht es hier Richtung youtube (youtube-Pro-Tip: es gibt die Möglichkeit automatische Untertitel auf Englisch zu aktivieren).
Im Kapitel “Dispensationalism – A Reformed Evaluation” führt Duncan eine hilfreiche und präzise Gegenüberstellung der beiden Positionen aus, die ich übersetzt habe und hier veröffentliche, man lese und staune über hermeneutische Unterschiede…
(Eine Anmerkung zu Beginn: Vor allem bei den letzten Punkten  kommen einige Fremdwörter. Diese können irritieren, was völlig verständlich ist. Ich habe gelernt diese zu akzeptieren, als ich anfing dahinter Codewörter zu sehen, um theologisches Verständnisse mit einem Label zu versehen. So kann man größere Zusammenhänge in kurzer Zeit gegenüberstellen. Eine kurze Erklärung der Begriffe findet sich unter dieser Tabelle. Wichtig: Es nützt wenig sich in Details zu verlieren und die klaren Linien zu übersehen) „Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich“ weiterlesen

David in der Höhle Adullam


Aus der Beschäftigung mit Vern Poythress Buch “Reading the Word of God in the Presence of God” ist diese kleine Andacht entstanden, die ich heute in einem Hauskreis besprechen werde:

1 Samuel 22,1-2:

1 David ging von dannen und entrann in die Höhle Adullam. Da das seine Brüder hörten und das ganze Haus seines Vaters, kamen sie zu ihm hinab dahin.

2 Und es versammelten sich zu ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und betrübten Herzens waren; und er war ihr Oberster, dass bei vierhundert Mann bei ihm waren.

Ausgangslage:

Beachtet die Ausgangslage: Seit 1 Samuel 19 ist David auf der Flucht vor einem rachsüchtigen Saul. Rache möchte Saul nehmen an David, und schließlich aber vor allem an Gott, der ihn als König verwirft. David soll sein erstes Opfer werden. So flieht David aus seinem Haus und von seiner Frau Michal nach Rama zu Samuel. Gemeinsam fliehen sie nach Najot bei Rama (1. Sam.19,18-24). Dort trifft sich David mit Jonathan und erfährt, dass der Hass Sauls tief in seinem Herzen verwurzelt ist. Es bleibt nur weitere Flucht, zunächst zu den Priestern nach Nob, später dann sogar zu Achisch, einem philistäischen Fürsten.
Schließlich findet David in der Höhle Adullam, also in der Nähe seiner Heimat Schutz. Dort schließen sich ihm zunächst seine Verwandten an, die auch fürchten mussten unter die Räder der Rache Sauls zu kommen und schließlich auch Menschen, die “in Not, in Schulden und betrübten Herzens” sind. Diese sollen die Ausgangsarmee bilden, die angefangen bei 400 Mann irgendwann das ganze Israel besitzen sollen. Ab diesem Zeitpunkt schließen sich immer mehr Menschen David an, nicht umsonst wird unmittelbar danach berichtet, dass der einzige überlebende Priester Abjatar sich David anschließt. So werden Königreich und Priestertum aus dem Wirkungsbereich Sauls entfernt! David tröstet Abjatar mit den Worten: “Bleibe bei mir und fürchte dich nicht. Denn der, der mir nach dem Leben trachtet, der trachtet auch dir nach dem Leben; du bist bei mir in Sicherheit” (1. Sam 22,23) „David in der Höhle Adullam“ weiterlesen

Gedicht: Die Bewahrung Noahs

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Als der Regen kam war die Türe zu
Noah und die Seinen waren geborgen
In der Arche herrschte Frieden und Ruh
Für ein Jahr würde Gott Sie versorgen
Vor Jahren sprach der große Gott
Und erwählte sich Noah nach seinem Rat
Er sprach zu ihm: es kommt Gericht und Tod,
Du wirst bewahrt, glaube nur in der Tat!
und so nahm Noah Axt, Säge und Beil
die Arbeit begann- die Söhne dabei
Sie glaubten und bauten die Arche zum Heil
Wie groß auch der Spott der Menge sei
„Was, ein Schiff baust du mitten im Land?“
so sprachen die einen als sie ihn sahen
„Du glaubst auch wohl an Gott den Heiland?“
So hörte man andere, diese bejahen
Der Spott bekümmerte Noah kaum
Überaus wachsen im Glauben er konnte
Für sich, Tiere und Nahrung, schaffte er Raum
so sah man ein Schiff bald am Horizonte
Was Gott bekümmerte mit Großem Leid
Seit Adams Fall herrschte an jedem Ort
die Sünde und große Gottlosigkeit
diese führte die Menschen von der Wahrheit fort
Als nun die Sünde regierte zum Tod
War Rettung zu finden in einem Ort
So wie das Kreuz erlöst aus der Not
War damals das Heil in Noah’s Boot
Die Rettung zu suchen im einfachen Holz
War vielen Genossen Noahs zu billig
So verachtete man die Arche stolz
Nur die Glaubenden zeigten sich willig
Am Kreuz geht auch heute so mancher vorbei
Es ist ihm ein Anstoß und eine Torheit
der Gläubige – zum Trotz – wird dabei Frei
vom Gericht  und der Sünde befreit
Die Gläubigen wurden in der Arche bewahrt
Für Jesus Christus ist das ein Bild,
so werden auch wir durch den Glauben verwahrt
so wird unsere Sehnsucht auf ewig gestillt!

Gott hört Gebet!

Gebete sind zentral in der Bibel: Die Psalmen sind Lieder, und doch auch Bekenntnisse und Gebete der Gläubigen. Neben diesem Gebetsliederbuch haben wir noch viele ganze Kapitel von Gebeten, so z.B. das Tempelweihgebet Salomos, das Gebet Nehemias, die Gebete der Gemeinde….Beten tun die, die wissen wie groß Gott ist. Oder die wissen wie klein der Mensch ist. Offenbar gehören diese Beiden zueinander. Einer kann nicht beanspruchen, ein christuszentriertes Weltbild zu besitzen, ohne auch ein Beter zu sein. Obwohl, – so könnte man einwenden-, muss man überhaupt beten, wenn doch nichts gegen den Ratschluss Gottes geschieht und geschehen kann? Offensichtlich ist es so, dass Gebet und Vorsehung auf irgendeine Art zusammenhängen, was in der Schrift oftmals deutlich wird: So betet Daniel für die Rückkehr des Volkes Israel aus Babylon, obwohl er die Verheißung der Rückkehr kannte (Daniel 9). So beteten Gläubige für den Messias, obwohl hier der Heilsplan vor Grundlegung der Welt feststand. Und doch wurden diese Gebete auch erhört. Für mich ist es ein Mysterium, welches ein Weiserer als ich lösen muss. Aber dieses Mysterium motiviert mich zum Beten und heute möchte ich einige persönliche Gebetsanliegen erzählen, und wie diese erhört wurden:

  • Als wir mit unserem Zweiten bei der U3 waren, stellte der Kinderarzt eine intensive Hüftdysplasie fest und verordnete einen Termin beim Orthopäden. Vor diesem beteten wir intensiv für das Baby. Interessant waren die Details: Der Orthopäde begrüßte uns mit den Worten: “Ah, Dr. Leonhard schickt euch, er ist unfehlbar in seinen Diagnosen”. Nach einer intensiven Untersuchung kam aber die Diagnose, man könne keine Unregelmäßigkeiten vorstellen. Bei der U4 wurden wir zunächst getadelt, dass das Kind immer noch keine Spreizhose hatte. Hier wurde etwas großes in kurzer Zeit erhört
  • Etwas später hatte ich eine relativ verantwortliche Bestellung in der Arbeit zu tätigen, die knapp terminiert war und einen recht hohen Betrag wert war. Dies geschah am Freitag nachmittag. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde mir bewusst, dass ich aufgrund eines Denkfehlers fast alle Teile falsch bestellt habe. Schweißgebaded wachte ich auf und schrie zum Herrn. Ich musste mit mir kämpfen am Montag überhaupt zur Arbeit zu kommen aber ich ringte mich durch hier meinen Fehler einzugestehen. Doch davor schaute ich nocheinmal in die Bestellliste, diese wurde offensichtlich von einer unsichtbaren Hand korrigiert, anders kann ich es mir nicht erklären
  • Obiges sind zwei Beispiele für viele unzählige Gebetserhörungen: Ich habe erst nach der Heirat angefangen zu studieren, und die Anfangszeit war von unterschiedlichen finanziellen Problemen  beherrscht, wir besprachen diese aber nie mit Menschen sondern nur mit Gott. Wir haben so oft auf wunderbare Weise von Gott Hilfe erfahren. So konnte ich z.B. als Student eine sehr gut bezahlten Nebenjob finden, oder ich bekam eine unerwartete Entschädigungszahlung (die ich nicht beantragt habe) von der Zivildienststelle etc… Das interessante ist, die Hilfe kam immer gerade rechtzeitig. So oft haben wir erfahren, dass Gott stark ist, und haben aber oftmals zuerst an irdische Mittel gedacht, bevor man im Gebet zu ihm rief.
  • Ich bin handwerklich eine Niete und muss es immer wieder als eine demütigende Erfahrung neu lernen, mit Gottes Hilfe habe ich aber wirklich gelernt auch praktische Aufgaben zu bewältigen. Jesus ist einfach der beste Handwerker!
  • Neben diesen obigen Beispielen einer persönlichen Führung und Versorgung in praktischen Dingen, erfahren wir Hilfe im Gebet in vielen Seelischen Dingen, sei es, dass man um offene Augen bittet, um seinem Nächsten helfen zu können, um Demut eine Beleidigung zu ertragen, um Kraft in Durcheinanderzeiten ruhig zu bleiben etc… Hierfür vielleicht auch ein Beispiel: Einer meiner Kollegen macht mir das Leben eher schwer, aber ich sehe in Ihm genau den Kollegen den Gott sandte, um mich zu formen, so weiß ich auch, dass es nichts nützt, sich hier das Joch leichte r machen zu wollen, Gott ist keine Wunschmaschine! Aber es nützt definitiv was, bei Gott zu bitten in dieser Schule zu wachsen.

Was mir in den Jahren immer wichtiger wurde, keine Aufgabe zu trivial zu halten, um dafür zu beten!
(Apg 4:31) Und da sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, da sie versammelt waren; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und redeten das Wort Gottes mit Freudigkeit.
(Spr 15:29) Der HErr ist fern von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört er.

Über Staatliche Erziehung

Einige Gedanken über meinen Schulweg:
Meine Mutter war allein erziehend, und so waren wir als Familie auf Stütze (Hartz 4) angewiesen. Die Versorgung nahm gelegentlich bizarre Züge an. So bekam man zum Schulanfang einen geringen Betrag für Schulmittel (ich denke es waren 12 oder 15 EUR), diese wurden jedoch mit dem Basisbetrag für Hartz 4 verrechnet. Ab dem 16ten Lebensjahr hatte man sich einmal im Jahr oder pro halbes Jahr beim Arbeitsamt zu einem persönlichen Beratungstermin zu melden und musste sich verantworten, warum man sich nicht bemüht eine Arbeit zu finden… Die Ausrede “Ich gehe doch in die Schule (= Gymnasium)” galt da nicht. Das sage ich nicht, um das Sozialsystem Deutschlands zu kritisieren. Ich bin ein großer Fan der Agenda 2010. Schröders Politik (obwohl SPD Politiker) erscheint mir mit einem klaren Konzept, mit vielen Ideen zur Stärkung des Bürgers und hatte vor allem eine Konzentration auf Innenpolitik. Drei Punkte die ich nach über 12 Jahren Merkel nicht erkennen kann (Dabei bin ich natürlich wie jeder Russlanddeutsche in dem Bewusstsein erzogen worden, dass nur die CDU für uns wählbar sei…)
Mein Vater, der sich als ich 8 war, von meiner Mutter trennte, und denn ich seit da nur noch zweimal traf, war ein äußerst geschickter Didakt und brachte mir bereits vor Einschulung Lesen, Schreiben und Rechnen (bis hin zur Division und Prozentrechnen) bei. Wie er das machte, bleibt mir ein Geheimnis, aber diese Fähigkeiten halfen mir beim Umzug nach Deutschland (mit ebenfalls 8) nicht den Anschluß zu verlieren. Und so kam ich, obwohl ein asoziales Kind, dann in der fünften in ein sehr ehrenwertes Gymnasium. Es gab nur zwei arme Kinder unter 28 Schülern: Mich und eine Iranerin (deren Vater immerhin Oliven im Kaufland verkaufte). Ich habe die ganzen reichen Schnösel verachtet, die trotz bester Behütung und überquellendem Wohlstand kaum bessere Leistungen brachten als ich. Die Lehre die ich daraus heute ziehe ist, dass Arme oft sehr viel Hass gegen Bessergestellte besitzen, und diesen “mit sozialer Gerechtigkeit” überdecken, der sogenannte “Bildungsplan” schüttet hier übrigens ordentlich Öl ins Feuer. Viele Leute können den Reichen ihren Wohlstand nicht gönnen und vergehen vor Neid und Hass und sündigen so wohl noch mehr als die Reichen in ihrem Stolz… Was ich übrigens nie empfand sind rassische Diskriminierungen, außer der, dass man als Russe bezeichnet wurde, obwohl man keiner war. (So war ich noch nie in meinem Leben in Russland und habe auch nie die Bürgerschaft Russlands gehabt). Die Leute glauben einem aber eher schwer, dass man Deutscher sei, wenn man Sergej heißt.
Was ist mir sonst sitzengeblieben: Wirklich wunderbare und tüchtige Lehrer habe ich gehabt, ansonsten war aber vor allem der Bildungsplan enttäuschend und auch die vermittelten Inhalte, einige Punkte:

  • Insgesamt gab es von der 5ten bis zur 13ten 5 oder 6 mal Aufklärungsunterricht. Einmal gab es eine Wiederholung aufgrund einer Lehrplanverschiebung. Einmal wurde das eine Klasse später wiederholt, was zum Ende der vorhergehenden Klasse besprochen wurde. “Fächerübergreifender Unterricht” führte dann auch dazu, dass Sexualkunde natürlich auch in Religion (und hier in einer besonders perfiden Art, wer hätte es gedacht) besprochen wurde
  • Geschichtsunterricht, wenn man bedenkt, dass man 7 Jahre lang Geschichte hatte, habe ich das Gefühl, dass wir nur vier Themen hatten: ganz bisschen Römer, etwas mehr über das Mittelalter, noch etwas mehr die Französische Revolution, und die restlichen 95% waren über unzählige Besprechungen des dritten Reiches gedeckt. Im Rückblick bin ich vor allem über den Geschichtsunterricht meiner Schulzeit enttäuscht. Es ist so ein unfassbar lehrreiches Fach, und man macht eine Farce daraus. (Im Übrigen rege ich mich vor allem über die Verherrlichung der französischen Revolution auf, die glorreiche Revolution der Engländer erwähnte man nicht mal mit einem Wort…)
  • Ganz Bizarr: Der Lehrer, der Evolution unterrichten sollte, war Evolutionsskeptiker (er glaubte, dass wir von Aliens geschaffen wurden), somit wurde in der 9ten das Thema Evolution fast vollständig übersprungen… Fast Vollständig bedeutet, dass die eine Stunde, die das Thema besprochen wurde, von einem von mir gehaltenen Referat gedeckt wurde, welches die Evolution kritisch untersuchte. Ansonsten kam das Thema nicht mehr.
  • Französisch: Kein Junge konnte Französisch leiden. Somit habe ich nach vier Jahren Französisch vielleicht noch 20 Vokabeln inne. (Asche auf mein Haupt)
  • Deutsch: Im Nachhinein regt mich ungemein auf, dass behauptet wurde, es gebe eine Art goldene Hermeneutik bei Aufsätzen: Also den einen wahren Weg, einen Text/ ein Buch zu interpretieren. Kein Lehrer konnte mir aber erklären, warum ich bei einem Lehrer nur Einser für meine Aufsätze bekam und ein Jahr später bei einem anderen nur Dreier
  • Kunst: Der letzte Kunstlehrer war ein echter Romeo. Als ich ihn in einer Romanze mit einer Schülerin erwischte, gab es halt eine 6 (nebenbei gemerkt: welch Ironie).
  • Physik war eine schreckliche Enttäuschung. Im an die Schulzeit folgenden technischen Studium musste man ständig die “schulischen Vereinfachungen” ablegen und mal echte Naturwissenschaften lernen
  • Die Krönung war aber der Musikunterricht, zwischen fünter und dreizehnter Klasse gab es keinen wesentlichen Unterschied: Es wurden immer noch “der Akkordaufbau” erklärt und die selben Lieder gesungen (Ich glaube ich würde alle 12 noch hinkriegen: “Country Roads”, “I am Sailing”, “Amazing Grace”, “Heute hier, morgen dort”, “Lady Madonna”, “ein kleiner grüner Kaktus” ) Als ein durchaus musikalischer Mensch habe ich den Musikunterricht von ganzem Herzen gehasst
  • Wir haben nicht ein Werk von Goethe gelesen…Warum nur?
  • Die Linken Lehrer in Geographie, Gemeinschaftskunde und Ethik wollten uns von morgens bis abends weiß machen, dass wir reiche Schnösel (ich meine wir, vergleiche weiter oben???) schuld wären für die Misere der ganzen armen Länder, weil wir zu viel Fleisch essen, weil wir zu viel baden (ihr wollt gar nicht wissen, wie man in unserem Haushalt Wasser sparte), weil wir zu viel Plastik benutzen (…und er packte sein stylisches Smartphone aus) etc etc etc…Witzig (hmm, wohl eher nicht), dass man alle Regeln verwarf, und viele neue noch weniger erfüllbare aufstellte.

Das schlimmste war und ist aber das ständige Wechseln des Bildungsplanes. Zu meiner Zeit ging es die ganze Zeit mit G8/G9 hin und her (Ich wäre ja eigentlich ganz starker G8 Bekenner, wenn man doch nur dieses Elend um ein Jahr reduzieren könnte…). Ich meine ein Bildungsplan, der in zehn Jahren völlig obsolet ist.  Meine Allgemeinbildung des allgemein bildenden Gymnasiums könnte also bald nicht mehr viel wert sein…
Dankbar bin ich für: Englisch, Deutsche Grammatik, Mathematik, Sport.
 

Track: In Gott allein

Die Christen Russlands lieben Gesang und Musik. So kenne ich heute auch keine umfangreichere christliche Notensammlung als das Notenarchiv des “Internationalen Bundes der Evangeliums-Christen-Baptisten” (offensichtliche lieben sie auch lange Denominations-Namen). Hier finden sich ganze Partituren, Aufbereitungen für Soloinstrumente und auch Ensembles von bekannten und weniger bekannten Christlichen Liedern. Es ist etwas mühselig sich als deutschsprachiger durchzukämpfen, aber nicht ganz unmöglich.
Das Lied “In Gott allein”, dessen Version für Gitarre sich hier findet, konnte ich auch als Track  zur CD “O, weißt du, wie er für dich litt” beitragen.
Das Lied kann hier angehört werden.
 

Gedanken über die Wiedergeburt

In unserer Gemeinde wird in der Bibelstunde das Glaubensbekenntnis unserer Gemeinde besprochen. 2 Prediger stellen jeden Dienstag dann jeweils eines der insgesamt 16 Kapitel des Glaubensbekenntnisses vor. Diesen Dienstag durfte ich mich mit einem Beitrag zum Thema “Wiedergeburt” beteiligen.
Ich wählte die Heilung des Aussätzigen in Markus 1,40-45 als Leittext:
40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! 42 Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. 43 Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich 44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. 45 Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.
Die Heilung des Aussätzigen eignet sich meiner Meinung nach aus mehreren Gründen dafür:

  • Aussatz trennt von der Gemeinschaft des Volkes Gottes, dem Gottesdienst im Tempel und somit auch von Gott. So geht es mit Sünde
  • Aussatz ist nicht übertünchbar, linderbar oder heilbar. So ist es mit Sünde
  • Aussatz konnte in der Bibel nur durch ein Wunder Gottes geheilt werden. So ist es ein Wunder wenn Sünder zu Heiligen werden. Ein Wunder der Gnade
  • Die Wiedergeburt bedeutet, dass Christus unsere Krankheit trägt. Zentral ist 2 Kor 5,20: Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
  • Christus nimmt unsere Sünde und gibt uns seine Gerechtigkeit
  • Aufgrund dieser Aneignung der Gerechtigkeit ist wieder Gemeinschaft mit Gott möglich.

Audiobeitrag hier:
Track 1
Track 2

Zitat: "Der Glaube ist ein unruhig Ding"

“(…)wie alle Andern sich Christen und Gläubige nennen, so will ich auch sagen: „ich bin ein Gläubiger,“ denn sonst erhalte ich ja über das keine Aufklärung, was ich aufgeklärt wünsche.
Also ich antworte: „ja, ich bin ein Gläubiger.“
„Wie,“ antwortet Luther, „davon habe ich Dir Nichts angemerkt, und ich habe doch auf Dein Leben geachtet. Du weißt, der Glaube ist ein unruhig Ding. Wo hat der Glaube, von dem Du sagst, dass Du ihn habest, Dich unruhig gemacht; wo hast Du für die Wahrheit gezeugt und wo gegen die Unwahrheit; welche Opfer hast Du gebracht, was von Verfolgung erlitten für Dein Christentum; und daheim in Deinem häuslichen Leben, wo ist Deine Selbstverleugnung und Entsagung zu merken gewesen?“
„Ja, aber, lieber Luther, ich kann Dir versichern, ich habe den Glauben.“
„Versichern, versichern, was ist das für eine Rede? Den Glauben betreffend bedarf es keiner Versicherung, falls man ihn hat, denn der Glaube ist ein unruhig Ding, und gleich zu merken; und keine Versicherung kann helfen, falls man ihn nicht hat.“
„Ja, aber glaube mir doch nur, ich kann Dir so feierlich wie möglich versichern…“
„Ach halt doch ein mit dem Geschwätz, was kann Deine Versicherung nützen!“
„Ja, aber wenn Du doch nur eine von meinen Schriften lesen wolltest; so würdest Du sehen, wie ich den Glauben darstellen kann; so weiß ich denn auch, ich muss ihn haben.“ „Ich glaube, der Mensch ist toll! Wenn dem so ist, dass Du den Glauben darstellen kannst, so beweist das nur, dass Du ein Dichter bist, und wenn Du es gut machst, dass Du ein guter Dichter bist, aber es beweist Nichts weniger, als dass Du ein Gläubiger bist. Vielleicht kannst Du auch weinen, wenn Du den Glauben darstellst; das würde dann beweisen, dass Du ein guter Schauspieler wärest; Du erinnerst Dich wohl der Geschichte von dem Schauspieler im Altertum, der in dem Grade das Gerührtsein
darzustellen vermochte, dass er sogar weinte, wenn er vom Theater nach Hause kam, und mehrere Tage nachher weinte – das bewies nur, dass er ein guter Schauspieler war. Nein, mein Freund, der Glaube ist ein unruhig Ding; er ist Gesundheit, aber stärker und heftiger als das hitzigste Fieber, und wie es nicht hilft, dass ein Kranker versichert: ich habe das Fieber nicht, wenn der Arzt es am Pulse fühlt, und andrerseits, dass ein Gesunder sagt: ich habe Fieber, wenn der Arzt am Pulse fühlt, dass es nicht wahr ist – ebenso, wenn man nicht den Puls des Glaubens in Deinem Leben fühlt, so hast Du auch den Glauben nicht. Wenn man dagegen des Glaubens Unruhe als Deines Lebens Puls vernimmt, so kann  von Dir gesagt werden, Du habest den Glauben und Du „zeugest“ vom Glauben. Und das heißt dann wieder im eigentlichen Sinne predigen; denn predigen heißt weder den Glauben in Büchern darstellen, noch ihn in „stillen Stunden“ als Redner
darstellen, – es sollte ja, wie ich in einer Predigt gesagt habe, eigentlich „nicht in der Kirche, sondern auf der Gasse gepredigt werden“, – und der Prediger soll auch nicht ein Redner sein, sondern ein Zeuge, das heißt: „der Glaube, dies unruhige Ding, soll in seinem Leben erkennbar sein.“
Ja, der Glaube ist ein unruhig Ding. Lass mich, um doch in dieser Hinsicht ein
wenig aufmerksam zu machen, des Glaubens Unruhe in einem solchen Glaubenshelden
oder Wahrheitszeugen darstellen. So nimm die Wirklichkeit vor Augen;
die ist ja da in jedem Augenblick. Diese Tausende und aber Tausende und
Millionen, sie gehen Jeder seinen Geschäften nach: der Beamte den seinigen, der
Gelehrte den seinigen, der Künstler den seinigen, der Gewerbetreibende den
seinigen, der Verleumder den seinigen, und der Müßiggänger, nicht minder in
Anspruch genommen, den seinigen, und so weiter, Jeder geht seinen Geschäften
nach in diesem bunten Spiel der Mannigfaltigkeit, aus dem die Wirklichkeit besteht.
Inzwischen sitzt, wie Luther in einer Klosterzelle, oder auf einem abgelegenen
Zimmer, kurz für sich allein ein einsamer Mensch in Furcht und Zittern
und vieler Anfechtung. Ein einsamer Mensch! Ja, es ist Wahrheit. Es ist Unwahrheit,
was diese Zeiten erfunden haben, dass die Majorität, die Menge, oder das
geehrte gebildete Publikum es sei, von dem Reformationen ausgehen”
Sören Kierkegaard in “Zur Selbstprüfung der Gegenwart empfohlen“.
Mehr über und von Kierkegaard…

Hermeneutica fatale


Wie sieht eigentlich fundamentalistische Hermeneutik aus? Oftmals so:
Textwahl: Gab es eine Lohnerhöhung, so wähle man einen Text über Segen. Gab es einen Sündenfall, von dem jeder spricht, so wähle einen Text über die gottlose Zeit, den großen Abfall der Endzeit oder allternativ über die große Gnade Gottes. So vermeidet man ganz sicher, dass neue Gedanken und Impulse auf unwissende Schäffchen zukommen können.
Exegese: Die Story ist absolut pur auf dich zugeschnitten. In Fachkreisen wird diese Methode auch Narzigese genannt: der Held der Story ist man selbst, die Widerstände werden entsprechenden Problemen oder Problem-Menschen zugewiesen, die einen daran hindern das selige Nirvana, äh die himmlische Heimat zu erreichen. Umfangreiche Erklärung der Narzigese hier.
Appell an den Hörer: Hör auf mit XY (aber wie?)  und fange endlich an mit YZ (aber wie?), Versuche es noch etwas mehr, dich zu ändern! Wusste wohl schon auch Janis Joplin: Try, just a little bit harder. (P.S.: Mit dieser Anmerkung habe ich wohl zwischen erzkonservativen Evangelikalen und der 68er-Bewegung eine Verbindung hergestellt, man möge mir verzeihen)
Umgebungsbedingungen: Zeit unbedingt überziehen und sich regelmäßig wiederholen, wie schon Kurt Tucholsky feststellte (wieder ein Hauch von 68, war doch Tucholsky ein Kommunist):

 Sprich nie unter anderthalb Stunden, sonst lohnt es gar nicht erst anzufangen.
Wenn einer spricht, müssen die anderen zuhören – das ist Deine Gelegenheit!
Missbrauche sie.

Stilmittel: die Predigt wird eine kleine Terz (unbedingt Moll-Tonart einnehmen!) gesprochen als sonst. Ansonsten kann wahre Andacht nicht herrschen. Ironie ist dabei entweder das einzig zulässige oder das völlig verbotene Stilmittel.


PS: Für die Ernsteren unter uns ein Wort zur Besänftigung: Eigentlich liebe ich die Möglichkeit, dass möglichst viele in der Gemeinde mit einem Wort teilnehmen können. Aber alle die diese Möglichkeiten kennen, wissen wie viel Schabernack wir da getrieben haben. Ich fasse mich da zuallererst an der Nase! So viele Predigten, wo nicht einmal der geringste Bezug zu Jesus fiel, müssen gebrandmarkt werden!