Axolotls Kiemen

Als Aquariumbesitzer habe ich mich auch nach potentiell exotischeren Bewohnern umgeschaut und da macht ein Axolotl natürlich mächtig Eindruck.Somit informierte ich mich etwas über die Haltung dieses ungewöhnlichen Amphibiums. Das Tier imponiert bekanntlich vor allem deshalb, weil es als Amphibium die Geschlechtsreife erreicht, ohne die äußere Larvengestalt zu verändern und somit nicht das durchläuft, was bei Amphibien üblich ist: die Metamorphose.

Wenn man sich etwas weiter informiert, erfährt man, dass sich die Metamorphose künstlich durch Gabe von Thyroxin (einem Schilddrüsenhormon) provozieren lässt. Das ließ mich aufhorchen, ob das wohl schon mal durchgeführt wurde. Im Folgenden ein paar Links, die mit äußerst erhobenem Zeigefinger davor warnen, auf so eine Idee zukommen. Es ist ein fürchterlicher und unmoralischer Tierversuch, der zurecht Strafbar ist, schreiben alle Webseiten, die auch nur irgendwie mit Axolotls zu tun haben, z.B. hier, oder hier.: Ich zitiere: “ Ethisch würde ich das irgendwo zwischen dem Kupieren von Hundeschwänzen und dem Einfärben von Albinoratten einsortieren. Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Tierversuch nach TierSchG §§ 7, 8, dessen Durchführung ohne Sondergenehmigung strafbar ist.”

Offensichtlich ist die künstliche Metamorphose eines Axolotls also ein größeres moralisches Problem als das, – in der westlichen Gesellschaft durchaus übliche-, Töten noch nicht zu Ende entwickelter “Larven”, nämlich von Abtreibungen. „Axolotls Kiemen“ weiterlesen

Der Tod jeder Hoffnung

Die Sowjetunion, mein Geburtsland, war ein furchtbarer Unrechtsstaat. Der exzessiven Bagatellisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in diesem Land habe ich meine schlimmsten Albträume zu verdanken:

Auseinandergerissen und Abgespült

Ich habe bis zu meinem achten Lebensjahr in Kasachstan gelebt. Eigentlich habe ich zumeist positive, kindliche Erinnerung an dieses Land. Ein Kapitel der Erinnerungen ist aber düster: Es war üblich, dass man am Tisch spielen und mithören durfte, wenn Besuch da war. Waren es Frauen, gab es kaum eine, die nicht von einem (oder mehreren) “Abbort(s)” berichtet hat, es dauerte einige Zeit, bis ich in meinem kindlichen Verständnis zu begreifen anfing, dass es wirklich darum ging, ungewollte Kinder auf unterschiedliche Weise zu töten, in dem man sie z.B. aussaugte. Seltsam war dabei, dass kaum eine Frau diesem Verbrechen aus dem Weg gegangen ist. Dabei war meine Familie eher Vertreter einer sozialen Oberschicht (wenn es denn so etwas in der Sowjetunion gegeben hat).

Auf jeden Fall, habe ich diesen Berichten einige meiner schlimmsten Albträume zu verdanken. Ich konnte nie begreifen, warum ich irgendwie besser sein sollte, als irgend eines dieser vielen Kinder, die noch ungeboren auf der Müllkippe landeten. Ich träumte (und träume), dass ich selig im Mutterleib schwimme, während plötzlich ein schrecklicher Druck um mich zunimmt, meine Glieder auseinander reißt, erst einen Arm, dann ein Bein, irgendwann auch den Kopf. Alles zirkuliert in einem Todesstrudel. Die Organe werden nach dem “Abbort” sorgfältig zusammengelegt, da ja nichts “zurückbleiben” soll, und anschließend in der Toilette runtergespült. Einfach weg: kein Sergej (der bis dahin ja noch völlig namenlos ist) mehr. „Der Tod jeder Hoffnung“ weiterlesen