Input zu Richter (2): Jesreel und Megiddo

In den Vorbereitungen zum Buch Richter, bin ich über ein sehr hilfreiches Werk in meiner Logos Bibliothek gestoßen: “Rose Then and Now Bible Map Atlas with Biblical Background and Culture”. Dazu gegriffen habe ich, als mich die vielen ungewöhnlichen Ortsnamen in der Schlacht von Debora und Barak gegen Jabin und Sisera irritiert haben. Ich habe es nicht bereut. Mir ist auch an dieser Stelle eine wachsende Eskalation im Buch Richter aufgefallen. Der Feind kommt immer näher. Während Othniel gegen Kushan Rishataim von “ganz weit weg”- Mesopotamien – zu kämpfen hat und Ehud Jericho (die erste Eroberung der Israeliten im Heiligen Land) von einem Nachbarvolk erobert, handelt es sich bei Jabin und Sisera um Kanaaniter. Diese beanspruchen das Kernland Israels, genauer das Tal Jesreel, DIE fruchtbare Gegend schlechthin in ganz Kanaan, das Mark des ganzen Landes, der Ort an dem die Milch wirklich fett und der Honig wirklich süß wird. Später sammelt Barak seine 10.000 Mann fassende Armee auf den Berg Tabor. Dieser sieht übrigens so aus:

Berg Tabor BW 1.JPG

Auch heute also intensiv landwirtschaftlich genutzt, die Gegend des Jesreel-Tals in der Nähe des Berges (oder eher Hügels) Tabor, durchflossen vom Bach Kischon, das so aussieht:

Bildrechte, siehe (1)

 



 

 

 

 

 

 

Es ist natürlich auch kein Wunder, dass Jabin gerade aus Hazor herrscht, einer Stadt, die Josua bereits eingenommen hatte (Jos. 11,10). Dort schon bekommen wir den Hinweis, dass “Hazor damals die Hauptstadt all dieser Königreiche” war. Wenn man sich die Situation auf einer Karte anschaut, wird der Zusammenhang der Herrschaft aus Hazor und der Stationierung des Hauptmanns Sisera in Haroschet-Gojim (Haroschet der Heiden) deutlich. Das Kernland ist fest in kanaanäischer Hand:

Bildrechte, siehe (2)

Orange zeigt die kananäischen Truppen, Gelb ist die Verfolgung dieser Truppen durch Barak von Tabor nach Haroschet-Gojim eingezeichnet und Lila schließlich der Fluchtweg von Sisera nach Zaanannim, wo er von Jael erschlagen wird (offensichtlich versuchte er bis nach Hazor zu fliehen).

Die Schlacht dreht sich übrigens um Megiddo, ein Ort, den wir auch in einer apokalyptischen Vision in Offb. 16,16 (hier Harmagedon genannt) finden. Dies fügt sich nahtlos in den Gesamtzusammenhang des Buches der Richter: das (vorgezogene endzeitliche) Gericht an den Kanaanäischen Völkern. Eigentlich war es ja Israels Auftrag dieses Gericht auszuführen, welches der wahre Israel (= Jesus Christus) bei seiner zweiten Wiederkunft vollenden wird. Kein Wunder besingen Debora und Barak eine kosmische Schlacht, die ihnen half.

Bei all diesen Schlachten besteht die Gefahr, die Botschaft des Buches Richter zu übersehen: fliehet den Götzendienst. Das Volk Israel hatte selbst verschuldet, dass die kanaanäischen Mächte so weit in ihr Land vordrangen. Schuld waren sie vor allem deshalb, weil sie sich dem Götzendienst zuwandten. Der Feind wurde daraufhin so übermächtig (man denke an die 900 eisernen Kriegswägen Siseras), dass man in der Schlacht nur mit Gottes Eingreifen den Sieg erlangen konnte.

Dies gibt mir zu denken. Kann es sein, dass europäischer Götzendienst des 21. Jahrhunderts schon so tief in unsere Herzen vorgedrungen ist, dass er das Kernland, also unser Innerstes, beherrscht? Lieben wir wirklich Gott mehr als unsere ‘Lieblingsgötzen’ der Erholung, des Wohlstands, der (scheinbaren) finanziellen Sicherheit? Lieben wir vielleicht sogar unsere Dienste in der Gemeinde, unseren (vermeintlich) guten Ruf, die gesellschaftliche Anerkennung mehr als unseren rettenden Gott? Mächtige Götzen sind das, die uns mit aller Gewalt locken. Irgendwas ist in unserem Inneren, dass sich mehr zu diesen Götzen hingezogen fühlt als zu Gott, dem HERRN. Israel kann uns exemplarisch als Zeugnis dienen. Die Schlacht gegen die Götzen unseres Herzens gelingt nur mit Gottes Hilfe. Bitte Gott darum, dass er dir die Augen für deine Götzen öffnet. Die Schlacht im Tal Jesreel macht deutlich, dass Götzendienst kein Pappenstiel ist und wir gewaltige Schuld tragen, wenn wir unsere Lieblingsgötzen nähren. Wir leben in offener Rebellion gegen Gott.

 


Bildrechte:

(1): Wright, P. H. (2012). Rose Then and Now Bible Map Atlas with Biblical Background and Culture. Torrance, CA: Rose Publishing.

(2): Logos Bible Software: “Atlas”.

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