Predigten, die Satan gefallen

Ein Artikel von Greg Morse, der am 09.07.2017 unter dem Titel The Sermon, Satan loves to hear auf DesiringGod.org erschienen ist. Übersetzung von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod. (Download als pdf)

In der Artikelreihe „The Globdrop Letters“ korrespondiert Oberteufel Wormwood mit dem Unterteufel Globdrop, um ihn in der bösen Kunst subtiler Verführung zu unterweisen. Diese Artikel treten in die riesigen Fußstapfen von C. S. Lewis Klassiker: „The Screwtape Letters“.
Bisher in der Reihe übersetzt: 
- Gefühle sind großartige Götter

Mein lieber Globdrop,

dein letzter Brief macht deutlich, dass dein Mann angefangen hat, eine „evangelikale“ Gemeinde zu besuchen. Obwohl es scheint, als hätten sich die Dinge zum Schlechteren gewendet, kann ich dir in deiner Unfähigkeit doch auf die Sprünge helfen.

Obwohl wir sonst alles Notwendige tun würden, um deinen Mann von einem solchen Regiment fernzuhalten, habe ich nach gründlicher Prüfung der Unterlagen entdeckt, dass diese Gemeinde harmlos ist. Es ist für uns sogar von Vorteil, dass er zur Zeit dort hingeht. Als Neuling unter den Verführern bist du jetzt bestimmt verwirrt. Lass es mich erklären.

Also: Auch wenn von Zeit zu Zeit die Wahrheit diese kleine Armee besucht, so haben wir ihr diese grauenhafte „Schönheit“ erfolgreich geraubt, mit der der Feind die kleinen Ratten so oft ködert. Durch diesen Raub bleibt diese Armee, wie wir gleich sehen werden, komplett wirkungslos. Auch wenn du beim Lärm der tosenden Kanonenschüsse der Orthodoxie in Deckung gehst: unsere Tore bleiben unbeschädigt.

Merkst du die Brillanz?!

Siehst du die kleinen Ratten versammelt? Da sitzt dein Mann. Sie haben gerade Lieder gesungen und versammeln sich nun, um die Predigt des Pastors zu hören – oh Mann, wie wir seine Predigten lieben! Du regst dich unnötig darüber auf, weil seine Predigten „regelmäßig den Feind erwähnen“ und er sich immer wieder „an den Text hält“. Mein lieber Neffe… er ist völlig ungefährlich. Er gehört zu den wenigen Pastoren, bei denen wir wollen, dass sie sich an den Text halten.

Schau genau hin: siehst du die zappeligen Füße, die leeren Blicke, die sich senkenden Köpfe? Sie erhalten gerade so den Wachzustand aufrecht. Dieser Pastor ist ein köstlicher Langweiler. Von Woche zu Woche überleben nur starke Gemüter seine Ansprachen bis zum Schluss. Seine Predigt hat keinen Geschmack, keinen Tiefgang, keine Freude. Er spendet Licht ohne Wärme. Umrisse ohne Farbe. Klischees ohne Inhalt. Er hungert ihre Seelen mit der Wahrheit aus, und niemand darf es in Frage stellen, weil er keine Irrlehre predigt (woran wir sie immer wieder erinnern).

Obwohl seine Stimme herrlich unmusikalisch ist, ist das nicht der entscheidende Punkt für unseren Sieg. Sein verschwommener Inhalt und sein ins Schlackern geratene Feuer bringen uns den Sieg ein.

Zunächst: Seine Predigten. Du grämst dich, weil er hin und wieder „wahre Dinge“ sagt. Aber hast du seine Notizen untersucht? Sie beschränken sich auf faszinierende Weise auf Nebenschauplätze. Wir haben dafür gesorgt, dass seine Predigtreihe nur im Diesseits verankert ist: Ehe, Erziehung, soziale Fragen und so weiter. Bedenke: Solange die Ratten es nicht bis zum Feind höchstpersönlich schaffen, lassen wir sie durch das Labyrinth der Bibel wuseln (weil sie denken, dass sie darin Leben haben)! In deinem Fall ist es gar so, dass der Feind nur hin und wieder in seinen Predigten auftaucht.

Globdrop, zucke nicht zusammen, wenn er das Schwert des Feindes zieht. Er tut nur so. Die Bibel ist für ihn nur eine Krücke, eine Einleitung, um endlich das sagen zu können, was er über dieses und jenes denkt. Wir haben zugelassen, dass er sich auf Verse bezieht und hohle Phrasen drischt (je orthodoxer sie klingen, umso besser), weil die Seelen, die wir verderben wollen, ganz ohne diese nicht kommen würden. Sein wirklicher Predigttext ist normalerweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Grundgesetz, oder der in dieser Woche am häufigsten geteilte Tweet auf Twitter. Dieser alte Unsinn über Himmel und Hölle, Sünde und Heiligkeit, Tod und Gericht wird vorausgesetzt (ein anderes Wort für: vergessen) und der Feind gleich mit.

Dann: Sein Feuer. Hör ihm mal zu! Er erwähnt Herrlichkeit, Himmel und (am allerbesten) den Feind – aber seine abgestandene Zuneigung predigt ihre tatsächliche Bedeutungslosigkeit. Er verkündet die Schrift des Feindes auf eine Weise, die dazu führt, dass sie im Lauf der Woche niemand lesen will. Hörst du den Refrain erleichterter Seufzer, jedes Mal, wenn er seine Auslegung beendet? Die Menschen sind erleichtert, wenn er sein Schwert zurücksteckt, um lebendige „Veranschaulichungen“ aus dem neuesten Marvel-Film zum Besten zu geben. Auf subtile Weise lehrt er seine Leute (die schon sehr bald unsere Leute sein werden), was wir schon längst wissen: dass der Feind ein scheußlicher Langweiler ist.

Und gerade hier liegt der Knackpunkt: Man muss die langweilige Predigt immer mit dem Feind höchstpersönlich in Verbindung bringen. Menschen lernen oft etwas über den Wert des Feindes, indem sie ihren Pastor beobachten. Wir dürfen nicht zulassen, dass er darüber glücklich zu sein scheint, dass er durch seine Berufung mit dem Feind in einem Boot sitzt. Niemand darf ihn beneiden. Mache stattdessen den Pastor für die Leute zum Märtyrer – zu einem, der um ihres geistlichen Zustands willen eines vergnügten Lebens beraubt wird. Wenn ein solcher Mose Woche für Woche vom Berg herabsteigt, dann garantiert sein mürrisches Gesicht, dass der Feind niemals nach größerer Freude aussehen wird als Facebook, Netflix, oder frischer Kaffee.

Du kannst diesem einfallslosen Reiseführer sogar gestatten, deinen Mann zu diesem grauenhaften Kreuz auf Golgatha zu bringen. Sein müdes Temperament und seine abgedroschenen Phrasen stellen den Feind auf eine solche Weise dar, dass selbst wir ihn kaum wiedererkennen! Gähnen, mein lieber Globdrop, verdammt genauso leicht wie Irrlehre – seine Predigten sind ein Festmahl für uns.

Du kannst deinen Mann ermutigen, hinzugehen – solange wir den Pastor selbst vor Gebet, echter Gemeinschaft und der ersten Liebe abhalten können. Schrecke ihn nicht ab, solange wir den Pastor weiterhin dazu bringen können, wie dieser Mama-Vogel zu sein, der den Wurm für seine Küken vorkaut, ohne jemals selbst an diesem zu kosten. Wir werden damit weitermachen, diesen Pastor mit Geschäftigkeit auszuhungern und ihn mit zweitrangigen Interessen ablenken, damit sein Burnout Hunderte (wie deinen Mann) davon überzeugen wird, dass der Feind ihre Wachsamkeit, Liebe oder Hingabe überhaupt nicht verdient hat.

Setze alles dafür ein, damit er an diesem Sonntag zur Kirche geht.

Erwartungsfroh,

dein Onkel Wormwood

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