Gefühle sind großartige Götter!

Ein Dämonischer Leitfaden über die Gefühlswelt der Menschen

Ein Artikel von Greg Morse, der am 27.09.2020 unter dem Titel Feelings make wonderful Gods  auf DesiringGod.org erschienen ist. Übersetzung von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod. (Download als .pdf)

In der Artikelreihe „The Globdrop Letters“ korrespondiert Oberteufel Wormwood mit dem Unterteufel Globdrop, um ihn in der bösen Kunst subtiler Verführung zu unterweisen. Diese Artikel treten in die riesigen Fußstapfen von C. S. Lewis Klassiker: „The Screwtape Letters“.

Mein lieber Globdrop,

ich habe deinen letzten Brief bekommen und bin völlig erstaunt über das, was nicht drin steht. Kein erwähnenswerter Zwischenfall? Ich bin nicht so blöd, dass ich alles glaube, was Slubtub labert, aber als ich nach einem weniger dramatischen Ausdruck gesucht habe, konnte ich keinen finden. Soll ich schlussfolgern, dass du das Gewicht der Situation nicht begriffen hast?

Wie Slubtub mir geschildert hat, hat eine seiner Patientinnen wegen ihrer Mutter „Dampf abgelassen“, Unanständigkeiten gesagt, dass einem das Wasser im Mund zusammen läuft, saftige Beleidigungen und zart glasierten Tratsch von sich gegeben. Naja, es ging so lange, bis dein Mann sie unterbrochen hat und angedeutet hat, sie würde „leicht überreagieren“. Dass „sie vielleicht nicht auf diese Weise empfinden sollte“.

Überreagieren? Nicht auf diese Weise empfinden sollen? Neffe, andere standen daneben und haben zugeschaut – wo warst du? Wären da nicht all die Jahre der Indoktrinierung, dann hätten manche den Vorschlag vielleicht ernstgenommen. Kannst du dir das vorstellen? Jahrzehntelange Arbeit für die Katz. Zum Glück hat dein Onkel das Ruder herumgerissen, sodass sie ihr Gift auf deinen Mann spritzte, und hat so einen Schiffbruch vermieden. Die Menge hat intuitiv genickt, als sie ihn anmeckerte. Dein Mann – in die Ecke gestellt, allein und beschämt – hat sich ganz schnell hinter einer Entschuldigung verschanzt. Aber nichts davon kommt in deinem Bericht vor.

Sei auf der Hut, dein Mann scheint zur Überzeugung gelangt zu sein, dass er seine Gefühle steuern (und sogar trainieren?) kann – und sollte! Diese Flausen müssen ihm sofort aus dem Kopf getrieben werden! Frühere Generationen wussten es – was haben wir darunter gelitten. Männer und Frauen, die mit anderen Maßstäben als dem reinen und wilden Instinkt mit ihren Gefühlen umgegangen sind – es schaudert mich, wenn ich an diese Zeiten zurückdenke.

Nein. Nein. Nein. Ein neuer Tempel ist errichtet, eine neue Priesterin eingesetzt, neue Altäre aufgerichtet, ja: eine neue Religion ist gebildet worden, die sich um sie, sich selbst und ihre Gefühle dreht.

Gefühle sind Großartige Götter

Gefühle, Globdrop, müssen den Verstand beherrschen, und nicht der Verstand die Gefühle – und niemals darf der Feind beides beherrschen. Es macht uns krank, irgendein Geschöpf, umso mehr jene in unserem Verantwortungsbereich, im Würgegriff des Feindes ergeben zu sehen. Es ist nicht so, dass er ihre Gefühle auslöscht – wenn es nur so wäre! Auch er kennt ihre Macht, und will sie sich für seine eigenen Absichten zunutze machen, für seine eigene Ehre…Wie wir das verabscheuen!

Welcher andere Monarch besteht so verbissen darauf, selbst die Gefühle seiner Untertanen zu beherrschen? Er befiehlt ihnen, was sie fürchten sollen (und was nicht), was sie verachten sollen (und was nicht), was ihnen Sorgen machen soll, worüber sie zornig werden sollen, woran sie sich erfreuen sollen, was sie über alles lieben sollen – und so weiter und so fort. Ehre sei unserem Vater unten, dass er uns aus solchen Fesseln befreit hat.

Vergiss die breite Schlucht zwischen uns und ihm niemals, Neffe:

Wir wollen Haustiere; der Feind will Männer.

Kätzchen, die schnurren, wenn man sie hinter den Ohren kratzt. Gefühlvolle Welpen, deren Schwänze wedeln, wenn man sie am Bauch streichelt. So etwas lieben wir. Wegen all ihrem Stolz auf technische Innovationen, mit all ihrem Fortschrittsglauben, sind die meisten nun sehr viel leichter zu kontrollieren als je zuvor.

Wir haben den Samen in ihren Schulen und in den Medien reichlich ausgestreut, die Philosophien damit gesättigt, reichlich in ungeprüften Vorurteilen gegen „objektive Wahrheit“ und „großen Erzählungen“ ausgesäht. Das beginnen wir nun zu ernten. Man kann die kleinen Tier-Menschlein so mühelos provozieren und so schwer zum Frieden bewegen. Sie verachten Autoritäten und dulden keine gegen sie gerichteten Dogmen (erst recht nicht die, des Feindes!).

Sie sind Tiere, gemästet mit Slogans und trendigen Gefühlen, emotional fett – bereit für den Schlachttag . Instinkte, Globdrop, Instinkte.

Wir wollen Individuen; er will Nachahmungen.

Der Feind, so unkreativ wie er ist, will sie in fürchterliche Gleichförmigkeit hineinpressen, sie dem ekligen Bild seines eigenen Sohnes gleichmachen. Kleine Abbilder, die überall herumwuseln – ist es möglich, dass selbst der Himmel noch unerträglicher wird? Sicher, er gibt vor, sie zu überwinden, sie neu und so zu machen, „wie sie schon immer sein sollten“. Aber wer von allen anderen Wesen sollte Propaganda besser enttarnen können, als wir?

Wir auf unserer Seite nämlich lieben sie so wie sie sind. Tatsächlich wollen wir, dass sie mehr so sind wie sie selbst. Wir wollen, dass sie sich selbst verwirklichen, ihren natürlichen Ausdrücken, ihrem authentischen Selbst freien Lauf lassen, dass sie das sein sollen, was sie sind, weil sie, was nur eine Handvoll der Menschen je wirklich bedenkt, als unser Eigentum geboren sind und nicht als seines. Wir wünschen ihnen, dass sie so enden, wie sie begonnen haben: unsere Kinder, unsere Nachfolger, unsere Nahrung.

Wir wollen Mobs; er will Gemeinde.

Ungezügelte Leidenschaft ist, wie du sicher in letzter Zeit gemerkt hast, niemals so nützlich wie in einer Gruppe. Gefangen im Herdentrieb reisen sie zu Orten, zu denen sie allein niemals reisen würden. Und eine Massenpanik ist immer ein höchst wirksames Mittel der Zerstörung. Durch im Hauptquartier kunstvoll erdachte Halbwahrheiten versetzen wir sie in Aufruhr, hüten sie, stacheln sie auf – und dann reichen wir ihnen ein Streichholz. Wenn Gefühle und nicht Gedanken – wenn unser Geist und nicht seiner – sie antreibt, dann wird ein Pöbel sehr bald zu einem Monster.

Bedenke das ganze Potential eines Mobs. Hat nicht die Erregung von Menschen die wunderbarste Errungenschaft in der Geschichte der Menschheit hervorgebracht? In der Hitze des Augenblicks, fühlten einige Schaulustige einen plötzlichen Schwall der Leidenschaft und brüllten mit der ganzen Hölle: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“

Lass seine Gefühle F.E.H.L. gehen!

Ihre Gefühle sind von Geburt an Löwen, die freigelassen werden müssen, und nicht Haustiere, die man dressieren muss. Sei auf der Hut, dein Mann ist zu einer anderen Überzeugung gelangt. Führe ihn sofort wieder zu den Grundlagen zurück. Sorge dafür, dass er fühlt.

F: ich Fühle, also bin ich

Lass das auf Dauerschleife laufen. Setze das, was er ist, gleich mit dem, wie er fühlt – nicht was er denkt, glaubt oder wem er gehört. Beißenden Zorn zu empfinden und ihn nicht auszudrücken ist gleichbedeutend mit dem Verzicht sich selbst auszudrücken – und du weißt, wie sehr wir es hassen, wenn jemand nicht authentisch ist.

Ein Beispiel: Als dein Mann ihr wundervolles giftiges Selbstgespräch unterbrach, hat Slubtubs kleines Kätzchen verstanden: „Sei nicht wer du bist.“ Sie hat eine Ablehnung dessen gehört, wer sie ist, und nicht eine Ablehnung ihrer Gefühle. In ihrem Denken ist beides identisch, was für unsere Zwecke sehr notwendig ist.

E: Emotionen geschehen halt.

Bringe ihm bei, dass emotionale Aufregung den Menschen einfach passiert – dass sie tatsächlich keine Hoffnung haben können, sie zu bekämpfen oder zu zähmen, noch dass sie es je sollten.

Kämpfen sie gegen ihre Augenfarbe? Kämpfen sie gegen ihr Gähnen, wenn sie müde sind? Kämpfen sie dagegen an, dass ihre Augen tränen, wenn sie in die Sonne schauen? Warum sollte man den unwillkürlichen Fluch bekämpfen, wenn einem die Vorfahrt genommen wird? Warum sollten sie gegen ihr Lachen über gelungene Obszönitäten ankämpfen? Warum sollten sie beim Anblick einer attraktiven Frau gegen reflexhafte Fantasie ankämpfen? Lass sie immer denken, dass ihre Gefühle ihnen einfach passieren und lass niemals zu, dass sie denken, ihren Gefühlen könnte Einhalt geboten werden, sie könnten zurückgewiesen, ja sogar umgekehrt werden.

H.: Hinweise der Wirklichkeit sind Gefühle.

Gefühle müssen die Wirklichkeit formen, nie umgekehrt. Wenn sie damit anfangen, ihre emotionalen Reaktionen anhand solcher Obszönitäten wie gerecht oder ungerecht, wahr oder unwahr, richtig oder falsch zu beurteilen, dann sind wir auf verlorenem Posten. Genau das hat dein Mann versucht. Überreaktion? Nach welchen Maßstäben? Wer sagt das? So etwas gibt es nicht. Wir lassen sie bei der Beerdigung ihres geizigen Vaters heulen, voller Eifersucht bei der Hochzeit ihrer Schwester herumlümmeln, den Besitz ihres Nachbarn begehren, und wir fragen nie, ob sie sich so fühlen sollten.

Der Feind macht ihnen, um ihre Leidenschaften zu bändigen, dumme Versprechen, stellt absurde Behauptungen über die Wirklichkeit auf und gibt ihnen sogar ein neues Herz, das mit seinem eigenen schrecklichen Geist zusammenarbeitet. Er will, dass sie in ihrer neu gefundenen Sklaverei wirklich glücklich sind, fröhlich sogar in ihren Sorgen, ekelerregend hoffnungsvoll und blind zufrieden.

Lass nicht zu, dass er sich in unsere Sachen einmischt. Wir dürfen nie mehr wieder diese grauenhafte Empfindung hören: „Meine Gefühle sind nicht Gott. Gott ist Gott. Meine Gefühle definieren nicht die Wahrheit. Gottes Wort definiert die Wahrheit.“

L.: Liebe ist Liebe ist Liebe ist Liebe.

Liebe, heutzutage das Kronjuwel aller nicht hinterfragbaren Gefühle, ist ein Aufkleber, den wir sehr gerne an allem aufbringen, was erst gestern höchst anstößig war. Liebe zwischen einem unverheirateten Mann und einer verheirateten Frau. Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen; Liebe zu Frauen und ihrer Entscheidung über das Leben von Ungeborenen. Anders gesagt: ein farbenprächtiges Banner der Liebe bedeckt (und fördert) eine Menge an Sünden. Lasst den Gott der Liebe herrschen!

Mein lieber Neffe, schicke ihn auf eine weite Reise, seinen Gefühlen zu vertrauen. Schicke ihn in ein Gefühl, das ihn bis zu unserem Vater bringt. Bringe sein eigenes Herz dazu, ihn über die Klippe zu führen.

Erwartungsfroh,

dein Onkel Wormwood

 

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