So, wie wir sind – Gastfreundschaft als Familie

Rosaria Butterfield:

Download als .pdf

Liebe Gott, und liebe deinen Nächsten.  Das ist das Motto der Familie Butterfield. Es macht uns demütig, sorgt für Durcheinander und katapultiert uns an die vorderste Front in unserer Nachbarschaft. Und an der Front ist nicht immer alles nett und aufgeräumt.

Wie zum Beispiel im vergangenen März, als die Pandemie über uns hereinbrach. Wir wurden aufgefordert, die Luken dicht zu machen, alles – inklusive der Familienkatze – zu desinfizieren und zu jeder Zeit zu jedem auf Abstand zu gehen. Aber die Schulen wurden geschlossen, ehe die Eltern Feierabend hatten. Und so kam es, dass ich mir eine Woche nach Beginn des Lockdowns vorkam wie der Rattenfänger von Hameln. Unser Haus war offen, laut und chaotisch und voll mit Schülern, die eigentlich in der Schule gewesen wären. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon, wie ich wegen Verstoßes gegen die Anordnungen der Regierung, daheim zu bleiben und social distancing zu betreiben, in meiner Schürze verhaftet wurde.

Das ist zwar nicht passiert, aber andere Dinge sind passiert und haben mir bewusst gemacht, wie wichtig und zentral die Rolle von Kindern für christliche Gastfreundschaft ist. Tatsächlich könnte ich ohne sie gar keine Gastfreundschaft üben. Ich möchte sechs Schnittstellen für die zentrale Rolle der Kinder für christliche Gastfreundschaft vorstellen.

1.         Gastfreundschaft ist ein Auftrag der Gemeinde.

Manchmal machen wir amerikanischen Christen Gastfreundschaft fälschlich zu einer Privatangelegenheit. Gastfreundschaft ist aber nicht das Ding der Butterfields, es ist das Ding der Gemeinde. Und Kinder sind ein gesegneter Teil unserer Gemeinde. Jesus liebt Kinder – und wir auch. Im Bemühen der Gemeinde, die Welt mit dem Evangelium zu erreichen, dient das Zuhause der Gemeindeglieder als Vorposten für das Evangelium. Es wird zu dem Ort, von dem das Evangelium in die Nachbarschaften ausgeht.

Das ist eine sehr gute Nachricht für Leute mit kleinen Kindern. Es bedeutet, dass du nicht anders sein musst, als du bist. Es bedeutet, dass es deinen ungläubigen Nachbarn guttut, wenn sie sehen, dass du auch mit Plastikdinosauriern und Legos dekorierst. Es bedeutet auch, dass du nicht zu jeder Zeit im Gastfreundschafts-Modus sein musst. Wie Edith Schaeffer sagte: Es gibt einen guten Grund dafür, dass Türen Scharniere haben.

2.        Gastfreundschaft stellt die Gemeinde mit an die Front.

Wenn wir ungläubige Nachbarn einladen, laden Kent und ich immer auch unsere Gemeindefamilie ein, je mehr, desto besser, vor allem im Sommer. Deine ungläubigen Nachbarn werden davon profitieren, viele verschiedene Modelle der Bundesfamilie kennenzulernen, unter anderem auch Singles (deren Gemeindemitgliedschaft sie ebenfalls zu Familie macht) und ältere Menschen.

Wenn viele Christen mithelfen, ist es auch einfacher, die Kleinen zu versorgen. Mit der Gemeindefamilie an Bord werden deine Kinder sich nicht durch deine Gastfreundschaft vernachlässigt oder isoliert fühlen. Gastfreundschaft ist zutiefst uneigennützig, und kleine Kinder brauchen Hilfe, um darin den Segen zu erkennen.

3.        Gastfreundschaft bringt die aktuellen heißen Themen aufs Tapet.

Alle unsere Kinder sind adoptiert und gemischtrassig. Als Christen wissen wir, dass Unterdrückung, Gewalt und Diskriminierung Sünde sind, aber wir glauben nicht, dass zum Beispiel Rassismus an sich ein “Meta-Narrativ” ist – ein Paradigma, das alle weißen Menschen zu Rassisten und alle schwarzen Menschen zu Opfern erklärt, das alle sozialen Strukturen zu Komplizen einer weißen hegemonialen Hassmaschine macht und jede weiße Familie, die Kinder von Farbigen adoptiert hat, zu kolonisierenden Mikro-Aggressoren. Wäre das wahr, dann gäbe es die Familie Butterfield nicht. Aber hier sind wir und öffnen jedem die Tür.

Wenn deine Familie an vorderster Front steht, ist das eure Gelegenheit, die Liebe Christi, das Naturrecht, das harmonische Zusammenspiel der biblischen Berufungen von Mann und Frau ebenso sichtbar zu machen wie die Oberflächlichkeit des modernen sozialen Konstrukts von Rasse. Götzen werden aufgedeckt und Festungen niedergerissen und gezeigt, wie die Liebe Christi alle Soziologie übersteigt (so schockierend das sein mag).

4.        Gastfreundschaft festigt die Beziehungen in der Familie.

Kleine Kinder freuen sich über Gäste, wenn sie auch etwas dabei tun dürfen. Besonders wenn du dein Heim für Nachbarn mit kleinen Kindern öffnest, sollten deine Kinder als Gastgeber gewonnen werden. Sie können den Kindertisch decken und das Menü für die Kinder zusammenstellen. Wundere dich nicht, wenn einige Papas aus der Nachbarschaft dann auch Chicken Nuggets, Wassermelonen und Eis am Stiel probieren wollen.

Deine Kinder können dabei lernen, wie Jesus über Kinder denkt, die nicht in die Gemeinde gehen und Jesus noch nicht kennen. Deine Kinder müssen angeleitet werden, wie man ein guter Gastgeber ist, der die Führung übernimmt und ein gutes Beispiel setzt (und nicht dem schlechten folgt). Aus Gründen der Sicherheit solltest du klare Grenzen setzen. In unserem Haus ist Spielen in den Kinderzimmern nicht erlaubt. Niemals. Wir haben hinten einen großen Hof mit einem Trampolin, und wir denken, dass ein Schlag auf den Kopf sicherer ist als alles, was hinter verschlossenen Türen passiert.

Wenn wir zusammenarbeiten, um ein gastfreies Haus zu haben, sind alle beteiligt, vom Kleinsten bis zum Größten. Kinder können vielleicht das Haus nicht so gut putzen wie du, aber auch ein kleines Kind kann die Hundehaare zusammenfegen und Abfall in den Mülleimer werfen. Zeige Wertschätzung für das, was sie beitragen.

5.        Gastfreundschaft nimmt das wichtig, was den Nachbarn wichtig ist.

Wenn du dein Heim für Nachbarn öffnest, zeigst du ihnen, dass sie willkommen sind. Du fragst sie, ob sie Lebensmittelallergien oder andere Empfindlichkeiten haben. Du denkst an diese Dinge und gibst dir alle Mühe, zu berücksichtigen, was ihnen wichtig ist. Du praktizierst es, allen alles zu werden in der Hoffnung, einige zu gewinnen (1.Korinther 9,22). Du hilfst deinen Kindern, Unterschiede zu respektieren, die sie (noch) nicht verstehen.

6.        Gastfreundschaft bedeutet: Alle für einen und einer für alle.

Wenn du kleine Kinder hast, die um 19.30 Uhr ins Bett müssen, dann lade Nachbarn lieber am Samstag zum Mittagessen ein als zum Abendessen. Sieh deine Kinder niemals als Last an. Berücksichtige die Möglichkeiten, Grenzen und Fähigkeiten jedes Familienmitglieds. Seid ein Team. Zieh den Rhythmus und die Bedürfnisse jedes einzelnen mit ins Kalkül.

Und wenn die Gäste kommen, schiebt die Kinder nicht ab. Wir leben in einer Welt, die alles voneinander trennt. Zeigt, wie schön es ist, zusammenzuarbeiten. Nach dem Essen können die älteren Kinder das Geschirr in die Spüle stellen und die Bibeln verteilen. Die Kleinen können auf dem Boden mit Legos spielen, während das Familienoberhaupt vor den wachsamen Augen der Welt die Bibel aufschlägt und betet, dass die Kraft des auferstandenen Christus führt, ermutigt, korrigiert und rettet.

Wenn eure Kinder so aufwachsen, bekommen sie mit, wie ihr eure Nachbarn bittet, ihr Vertrauen auf Christus zu setzen. Sie werden einen ganzheitlichen Glauben übernehmen, keinen, bei dem sich ihre Eltern von 10 bis 12 Uhr am Sonntag wie Christen benehmen, aber den Rest der Zeit ihren selbstsüchtigen Zielen leben.

Gastfreundschaft ist keine Leistung. Sie ist eine christliche Gnade, die die ganze Familie miteinbezieht.

Rosaria Butterfield war vormals Professorin für Englisch an der Syracuse University. Heute ist sie die Ehefrau eines Pastors, Mutter und Schriftstellerin. Sie unterrichtet ihre Kinder zuhause und ist Gott dankbar, dass ihre Gemeinde wieder in der Lage ist, am Tag des Herrn Gottesdienst zu feiern. – Artikel übersetzt von Ruth Metzger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.