Wie kann ich anderer Meinung sein als mein Mann und mich dennoch unterordnen?

Ein Artikel von John Piper vom 13.07.2020 der unter dem Titel: „how can i disagree with my husband and still submit?” erschienen ist. Übersetzt von Ruth Metzger, mit freundlicher Genehmigung von Desiring God (.pdf-download).

Audio-Transkript

Heute geht es um eine Frage zum Thema Ehe, die eine Zuhörerin namens Mary gestellt hat. „Hallo, Pastor John! Ich weiß, dass von der Ehefrau Unterordnung gefordert ist, und ich habe mich in letzter Zeit sehr bemüht, meine Zunge zu zügeln und mich mit meinem Mann selbst dann einverstanden zu zeigen, wenn ich die Dinge anders sehe. Kürzlich hat er ein neues Auto gekauft. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass das keine weise Entscheidung war. Ich habe einmal etwas dazu gesagt, aber es war auch offensichtlich, dass sein Entschluss schon feststand. Also habe ich mich seiner Entscheidung gefügt. Nun zeigt sich, dass mein Bauchgefühl richtig war. Der Kauf des Autos war nicht klug. Jetzt wissen wir das beide. Und nun fühle ich mich verantwortlich, weil ich mich damals nicht mehr bemüht habe, ihn zu überzeugen. Bin ich schuld, weil ich mich nicht nachdrücklicher geäußert habe? Ich würde gerne Ihre Meinung hören: Wie soll eine Frau mit ihren Bedenken umgehen, wenn sie sich unterordnen möchte?“

Bei einer Frage wie dieser ist es entscheidend, die unmittelbare Frage „Bin ich schuld, weil ich nicht nachdrücklicher meine Meinung vertreten habe, als mein Mann im Begriff stand, eine törichte Entscheidung zu treffen?“ in einen größeren Rahmen einzuordnen.  Ich komme nachher auf die Frage zurück. „Wie kann ich anderer Meinung sein als mein Mann und mich dennoch unterordnen?“ weiterlesen

10 Jahre unverdiente Treue

Nach langem inneren Ringen habe ich mich entschieden, dennoch einige zeugnishafte Lebensrückblicke zu schildern. Oft denke ich an diese Verse:

“Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren,
mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.”

Meine Frau meint sehr häufig über mich, dass ich ein besonderes Lieblingskind von Gott sei. Ich denke sie schildert das treffend. Doch einen Grund dafür zu suchen wäre vergebliche Mühe, denn dieser ist nur in dem Ratschluss Gottes zu finden. Es verschlägt mir den Atem darüber nachzudenken, wie viel uns nur durch Gnade zuteil wird. Wie viel davon nehmen wir so selbstverständlich, oftmals völlig gleichgültig und lieblos an, ohne auch nur ‘Danke’ dafür zu sagen.  Sage ich das nur, weil ich mit frommen Superlativen nicht sparen kann? Nein, es ist intimste Realität. Vor etwas mehr als zehn Jahren haben meine Frau Elvira und ich geheiratet. Diese zehn Jahre sind ein guter Startpunkt, um einen Rückblick zu wagen. Ich blicke heute also ich auf 10 Jahre unverdiente Treue zurück.

Meine ich das wirklich so? Ist Eheglück wirklich ein unverdientes Geschenk Gottes? In meinem Leben ist es definitiv so. Seltsamerweise wird in fundamentalistischen Kreisen oft der Eindruck vermittelt, dass eine Ehe nur auf aller beste Weise funktionieren kann, wenn “beide Partner bekehrt sind”. Ein Versagen sei gar nicht möglich. Mit genau dieser Vorannahme stolperte ich in die Ehe hinein. Damit übersah ich in krasser Blindheit, dass ich selbst eine wandelnde Gefährdung meiner eigenen Ehe bin. Gott gab uns Gnade zur Buße und seinen Schutz in Gefahr. Ein punktueller Rückblick aus unterschiedlichen Bereichen:

Die Ausgestoßenen: Die Entscheidung, Elvira zu heiraten, bedeutete für mich mehr oder wenig den Ausstoß aus meinem elterlichen Haus. Mit dem Motto “Du hast jemand besseren verdient, du Verräter” setzte (und setzt) meine Mutter alles daran, um uns auseinander zu bringen. Viele der Mittel und Maßnahmen dafür habe ich (und ich glaube noch nicht einmal meine Mutter selbst) am Anfang bemerkt. Hier musste ich immer wieder einiges korrigieren und die Schuld vor der Ehefrau eingestehen. Das ganz Verrückte dabei: Die ersten 5 Jahre habe ich überhaupt nicht gemerkt, dass meine Frau selbst unter einem ähnlichen Druck steht. Die Entscheidung Elviras sich für mich zu entscheiden, bedeutete und bedeutet für sie, dass sie von einigen ihrer nächsten Verwandten nur Verachtung empfängt. Langsam lernen wir das in Geduld zu tragen. Was sich aber so bitter anhört, war ein segensreiches Tal der Demut: Wir lernten Selbstständigkeit und Zusammenhalt. „10 Jahre unverdiente Treue“ weiterlesen